Als Freiberufler in die Selbständigkeit starten – firma.de erklärt, was zu beachten ist

24. Mai 2016 8 Minuten zu lesen
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Freiberufler zu werden ist für viele der erste Schritt in die Selbstständigkeit und erfüllt den Traum, endlich sein eigener Chef zu sein. Sie glauben, Freiberufler kann jeder werden? Das stimmt nicht ganz. Um zu den rund 1,27 Millionen Freiberuflern in Deutschland zählen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Welche das sind, erklärt Ihnen firma.de.

Was ist ein selbständiger Beruf?

Freiberufler fallen unter die Kategorie der selbständigen Berufe. Die selbständigen Berufe werden grundsätzlich in drei Untergruppen eingeteilt:

  • Freiberufler
  • Kleingewerbetreibende Einzelunternehmer
  • Großgewerbetreibende Einzelunternehmer

 

Gewerbetreibende Einzelunternehmer, die nicht die Voraussetzungen für freie Berufe erfüllen, müssen ein Gewerbe beim Gewerbeamt anmelden. Zudem ist es wichtig, das Gewerbe nach der Anmeldung im Handelsregister eintragen zu lassen. Dies ist als Freiberufler nicht nötig. Kleingewerbetreibenden steht es auch grundsätzlich frei, sich ins Handelsregister eintragen zu lassen.

Der Unterschied zwischen Kleingewerbe und Großgewerbe ist vom Gewinn und vom jährlichen Umsatz abhängig. Kleingewerbetreibende dürfen jährlich nicht mehr als 30.000 € Gewinn erwirtschaften und müssen unter 500.000 € Umsatz erzielen.

Bei der Haftung verhält es sich bei Freiberuflern und Gewerbetreibenden gleich. Beide haften mit ihrem gesamten Privatvermögen. Anders als Freiberufler sind gewerbetreibende Einzelunternehmer zur doppelten Buchführung verpflichtet. Bei Kleingewerbetreibenden und Freiberuflern genügt hingegen eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung.

Alle Gewerbetreibende haben Gewerbesteuer, Einkommenssteuer, Solidaritätszuschlag, Lohnsteuer und Umsatzsteuer abzuführen.

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„Freiberufler“ – was bedeutet das und wer kann es werden?

Nicht jeder kann sich als Freiberufler bezeichnen. Den Status Freiberufler erhält man grundsätzlich, wenn die ausgeübten Tätigkeiten in eine oder mehrere der folgenden Kategorien fallen:

  • Wissenschaftlicher Tätigkeitsbereich
  • Erzieherischer Tätigkeitsbereich
  • Künstlerischer Tätigkeitsbereich
  • Schriftstellerischer Tätigkeitsbereich

Sollte Ihnen die Zuordnung eines Berufes unklar sein, können Sie sich bei Ihrem zuständigen Finanzamt erkundigen, ob dieser zu den freiberuflichen Tätigkeiten zählt.

Folgende Berufe gelten in Deutschland unter anderem als freie Berufe:

  • Ärzte sowie Zahnärzte, Psychologen, Hebammen
  • Rechtsanwälte, Steuerberater
  • Architekten
  • Journalisten, Dolmetscher, Übersetzer, Schriftsteller, Lehrer und Erzieher
  • Fotografen, Designer, Unternehmensberater, Werbetexter, Schauspieler

 

Was ist der Unterschied zwischen einem Freiberufler und einem freien Mitarbeiter?

„Freiberuflich“ bedeutet nicht unbedingt, ein freier Mitarbeiter zu sein: Freie Mitarbeiter sind für Unternehmen regelmäßig tätig. Jedoch besteht hierbei kein normales Angestelltenverhältnis. Für die Entlohnung seiner Arbeit wird vom freien Mitarbeiter eine Rechnung an den Arbeitgeber gestellt. Leistungen wie Urlaub, Kündigungsschutz oder Zahlung bei Krankheit fallen weg und machen freie Mitarbeiter zu beliebten Arbeitskräften. Viele Freiberufler sind gleichzeitig auch freie Mitarbeiter, doch sollte man die beiden Begriffe klar voneinander abgrenzen.

 

Welche rechtlichen und steuerrechtlichen Vorgaben gilt es bei Freiberuflern zu beachten?

Zuerst ist es wichtig, dass Sie sich als Freiberufler bei Ihrem zuständigen Finanzamt anmelden. Für Freiberufler ist keine eigene Rechtsform vorgesehen und auch eine Gewerbeanmeldung ist nicht nötig. Sie können sich auch mit mehreren Freiberuflern unter anderem als Partnerschaftsgesellschaft zusammenschließen. Als Freiberufler profitieren Sie von diversen steuerlichen Vorteilen. In der Regel zahlen Freiberufler nämlich keine Gewerbesteuer und müssen auch keine doppelte Buchführung betreiben. Eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung reicht vollkommen aus. Bei weniger als 17.500 € im Jahr genügt sogar die Steuererklärung.

Auch vom Beitrag der Rentenversicherung sind die meisten Freiberufler befreit oder können freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung leisten. Bei einigen Freiberuflern besteht jedoch eine Standeskammer. Das bedeutet, dass die Mitgliedschaft in einem Versorgungswerk Pflicht ist. Dadurch werden automatisch die Beiträge für das Versorgungswerk fällig. Solche kammerpflichtigen Berufe sind zum Beispiel:

  • Ärzte
  • Notare, Rechtsanwälte
  • Steuerberater
  • Architekten

Bei Künstlern und Publizisten ist die Künstlersozialklasse für die Rentenversicherung verantwortlich. Sie übernimmt teilweise auch Aufgaben der Kranken- und Pflegeversicherung. Sollten Sie mit Ihrer Freiberuflichkeit nicht in den Wirkungskreis der Künstlersozialklasse fallen, müssen Sie zwischen der gesetzlichen und privaten Krankenkasse wählen.

 

Wie muss man als Freiberufler die Buchführung machen?

Als Freiberufler ist man nicht buchführungspflichtig. Als Jahresabschluss reicht eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung aus. Für Freiberufler ist es bei der Einnahmen-Überschuss- Rechnung also nicht notwendig, eine doppelte Buchführung oder eine Bilanz zu erstellen. Man muss nur die Differenz aus betrieblichen Einnahmen und betrieblichen Ausgaben berechnen.Wie wird die Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellt? Beim Finanzamt können Sie ein Formular einfordern, auf welchem Sie auch eine Anleitung finden. Sollten Sie unter 17.500€ Betriebseinnahmen (einschl. Umsatzsteuer) im Jahr haben, genügt die Steuererklärung. Ihre Einnahmen-Überschuss-Rechnung stellt die Einnahmen und Ausgaben Ihrer freiberuflichen Tätigkeit gegenüber und errechnet den Gewinn oder Verlust des Geschäftsjahres. Dabei sollten Sie zwingend darauf achten, alle Belege aufzuführen. Es ist immer entscheidend, wann die Rechnungen bezahlt werden, und nicht, wann die Rechnung geschrieben wurde.

Unverbindliches Beispiel für eine Aufgliederung der Betriebserträge und Betriebsaufwendungen:

Erträge

  • Betriebseinnahmen, z. B. ein Dolmetscher schreibt eine Rechnung über 100€ für eine erbrachte Dienstleistung
  • Umsatzsteuerfreie Betriebseinnahmen, z. B. Schenkung

 

Aufwendungen (variable Kosten)

  • Wareneinkäufe (netto)
  • Bezogene Dienstleistungen (netto)
  • Gehälter, Löhne für Arbeitnehmer
  • Betriebsausgaben (Bewirtung, Geschenk etc.)

 

Fixe Kosten

 

Vor- und Nachteile einer freiberuflichen Tätigkeit

Als Freiberufler haben Sie gegenüber anderen Rechtsformen einige Vorteile:

  • Keine Gewerbesteuer
  • Kein Handelsregistereintrag
  • Freie Zeiteinteilung
  • Keine doppelte Buchführung

 

Aber auch die Nachteile dürfen nicht außer Acht gelassen werden:

  • Keine beschränkte Haftung, nur Haftung mit Privatvermögen, ggf. Vermögensschadenshaftpflichtversicherung abschließen.
  • Werbeverbot bei einigen Berufen
  • Mitarbeiter oftmals nur in einer Partnerschaftsgesellschaft möglich
  • Selbst krankenversichern

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