Dr. Matthias Knecht: Unternehmer gibt Tipps für Gründer

aktualisiert am 17. Februar 2021 6 Minuten zu lesen
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Dr. Matthias Knecht ist Co-Gründer und Geschäftsführer von Zencap, Deutschlands erstem Kreditmarktplatz auf dem mittelständische Unternehmen und Anleger nach dem Prinzip des Crowdlending zusammenfinden. Als Speaker auf dem EBS Forum 2014 berichtete er interessierten Gründern von seinen Anfängen und gewährte so spannende Einblicke in die Unternehmerwelt. Uns von firma.de stand er für ein Interview Rede und Antwort und gab wertvolle Tipps für Gründer.

 

firma.de: Wie gefällt es Ihnen auf dem EBS Forum?

Knecht: Sehr gut. Die Veranstaltung ist extrem professionell organisiert und hat sehr gute Redner gewinnen können. Es ist eine tolle Möglichkeit für erfolgreiche und potentielle Gründer, um Investoren zu treffen. Für Studenten ist das Forum eine gute Gelegenheit sich mit Unternehmern auszutauschen und von ihren Erfahrungen zu lernen.

Finden Sie, es sollte noch mehr Events dieser Sorte geben?

Unbedingt. Die Start-up-Szene lebt stark vom Austausch und davon, dass sich die Leute treffen und gegenseitig Ideen austauschen. Hier kann man neue Netzwerke bilden, und dann für sich und sein eigenes Start-up nutzen. Solche Veranstaltungen sind daher unglaublich wichtig für die Szene und es macht nebenbei natürlich großen Spaß, die verschiedenen Leute zu treffen. Ich stimme hierbei auch Carsten Maschmeyer in seiner heutigen Rede zu: No working without networking.

Bitte erklären Sie uns ganz kurz den Kernpunkt Ihres Unternehmens.

Mit Zencap haben wir den ersten Online-Marktplatz für Unternehmenskredite in Deutschland geschaffen. Wir vergeben Kredite in Höhe von 10.000  bis 150.000 Euro mit flexiblen Laufzeiten von 6 Monaten bis 5 Jahren. Diese Kredite werden von den Anlegern finanziert, die über unsere Website in die Kredite investieren. Wir nehmen also die Bank aus der Mitte heraus und verbinden die Investoren mit den Unternehmen, die diese Fremdfinanzierung benötigen.

Die Investoren können sich also auf Ihrer Seite die Unternehmensprofile ansehen und entscheiden, in welches Unternehmen sie gerne investieren würden? Und dabei gibt es auch kein Limit wie viele Investoren in ein Unternehmen investieren?

Richtig. Auf unserer Seite werden einige Daten über das Unternehmen veröffentlicht, wie beispielsweise Name, Herkunft und Kerngeschäft des Unternehmens. Wichtig für die Investoren ist auch immer, dass angegeben wird, wofür der Kredit verwendet werden soll. Auch wesentliche Finanzkennzahlen wie die Jahresabschlüsse der letzten beiden Jahre eines Unternehmens werden veröffentlicht. Durch diese Transparenz kann der Investor nachvollziehen, wo sein Geld hinfließt und wofür es eingesetzt wird. Diese Daten bilden zudem für unsere Kreditanalysten die Basis für eine Bonitätseinschätzung. Sie gibt unter anderem Auskunft darüber, wie hoch wir das Risiko für den Investor bewerten, in ein Unternehmen zu investieren.

Sie sind ja selbst erst seit März am Markt aktiv, können sich also noch gut an die Anfangsphase der Gründung erinnern. Wenn sie noch einmal die Chance hätten, komplett neu anzufangen, würden Sie etwas anders machen?

Im Großen und Ganzen würde ich selbst nicht viel anders machen. Einige Dinge, die für mich von Beginn an besonders wichtig sind:

  1. Für jede Position, die richtige Person ins Unternehmen zu holen. Wenn man wie wir im Finanzbereich tätig ist, ist es wichtig, Experten mit im Boot haben, die über langjährige Expertise in ihrem Bereich verfügen.
  2. Auch auf der menschlichen Ebene, sollte man sich Partner suchen, die an die Philosophie des Unternehmens glauben und voller Begeisterung für das Thema sind. Das Start-up wird schnell zur Familie.
  3. Die Mitarbeiterkommunikation ist ein ganz entscheidender Punkt. Man sollte seinen Kollegen jeden Tag klar machen, wo die Reise hin geht. Als Gründer trägt man seine Vision ständig mit sich und weiß genau, wo man hin will. Diese Idee muss man jedoch auch immer wieder seinen Mitarbeitern vermitteln. So wird eine Identifikation mit dem Unternehmen geschaffen, welche extrem wichtig für die Motivation und die Leistung jedes einzelnen ist. Stichworte sind hierbei flache Hierarchien, hohe Transparenz und möglichst viel Kommunikation in den Bereichen untereinander.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten einmal die Bundeskanzlerin treffen. Was wäre Ihr wichtigstes Anliegen als Gründer?

Aktuell beschäftigen uns die Regulierungsansätze im Crowdfunding-Bereich. Hier muss die Politik sehr genau hinschauen. Mit einer nicht vollständig durchdachten Regulierung kann man junge Unternehmer sehr schnell in die Knie zwingen – und das hat kontraproduktive Auswirkungen. Eine Kettenreaktion wäre die Folge: Über unseren Kreditmarktplatz geben wir Unternehmen mit niedrigem Kreditbedarf und aktuell mangelhaftem Zugang zu Krediten einfachen, schnellen und flexiblen Zugang zu Kapital. Investoren, die in diese Kreditprojekte anlegen, schaffen durch ihre Investition Arbeitsplätze und fördern den Gesamtwohlstand des Landes. Durch eine wenig durchdachte Regulierung zum Schutz traditioneller Banken wären also nicht nur wir betroffen, sondern insbesondere der Mittelstand. Also genau die Unternehmen, denen Zencap versucht, zu helfen. Und diese sind bekanntlich das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

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