Exit – ja oder nein: Wann ist der Verkauf Ihres Startups sinnvoll?

6. November 2018 10 Minuten zu lesen
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Wer ein eigenes Unternehmen gründet, möchte meist eigene Ideen einbringen, sie verwirklichen und selbst Verantwortung übernehmen. Gründer sind normalerweise von ihrer Geschäftsidee und dem künftigen Erfolg absolut überzeugt. Wer mit Herzblut eine Firma aufbaut, dem fällt ein Verkauf später oft schwer. Dennoch kann auch dies als Motivation hinter einer Gründung stecken. Ist ein Exit ratsam und welche Gründe sprechen dafür oder dagegen?

 

Eine erfolgreiche Existenzgründung erfordert viel Zeit, Durchhaltevermögen und in der Regel auch Geld. Die meisten Gründer hegen eine große Leidenschaft für ihre Geschäftsidee. Sie möchten die Welt verbessern, Innovationen in ihrer Branche vorantreiben oder einfach endlich ein Leben in Freiheit führen – unabhängig von Arbeitgebern oder festen Arbeitszeiten.

Es gibt jedoch auch Unternehmer, die die Strapazen einer Gründung nur auf sich nehmen, weil sie auf einen großen Geschäftserfolg oder einen lukrativen Verkauf hoffen. Hier besteht zwar ebenfalls der Glaube an eine positive Entwicklung des Startups, jedoch werden die Gründer aus anderen Motiven angetrieben. Bei ihnen steht beispielsweise die Firmengründung selbst im Vordergrund sowie die Tätigkeit als erfolgreicher Manager eines Unternehmens.

Für die Gründung eines Startups gibt es also viele unterschiedliche Gründe, allerdings sind an diese häufig auch viele Illusionen geknüpft. Folgt eines Tages die Ernüchterung – oder ein wirklich attraktives Kaufangebot – denken viele Gründer plötzlich doch über den Verkauf ihres Unternehmens nach.

 

Der Exit als Geschäftsmodell?

Einige Menschen haben aus dem Exit sogar ihr Geschäftsmodell gemacht. Sie gründen ein Unternehmen nur für den Exit. Laut einer Umfrage der Pricewaterhouse Coopers GmbH (PwC) ist dies bei rund einem Fünftel aller Unternehmensgründungen die Motivation.

Erfolgreiche Startups wachsen extrem schnell und somit auch ihr Wert. Dieser kann sich also rasant verdoppeln oder sogar vervielfachen. Wer es richtig anzugehen weiß und den perfekten Zeitpunkt für den Exit kennt, kann dadurch ein beachtliches Vermögen anhäufen. Sie steigen also zu einem frühen Zeitpunkt als Gesellschafter aus dem Unternehmen aus – eine Strategie, die eben nicht nur Investoren, sondern auch die Gründer selbst fahren können. Somit kann ein Exit sowohl den Verkauf des gesamten Unternehmens bedeuten, bei welchem die einzelnen Anteilseigner ausbezahlt werden, als auch den Ausstieg einzelner Personen wie dem Investor oder eben Gründer, indem er nur seine Geschäftsanteile veräußert.

motivationen für eine startup-gründung

Datenquelle: pwc.de

 

Erfolg ist keine Frage von Zufall

Natürlich muss die Geschäftsidee einschlagen, keine Frage. Dennoch ist der Erfolg als Gründer nicht nur kreativen Querdenkern und Visionären à la Steve Jobs vorenthalten. Stattdessen braucht es vor allem unternehmerisches Geschick, um ein Startup auf den richtigen Kurs zu lenken. So kann die beste Geschäftsidee mit der falschen Strategie scheitern – und eine durchschnittliche Geschäftsidee mit dem richtigen Vorgehen erfolgreich werden.

Ein bisschen Glück gehört also sicher auch dazu, doch Erfolg ist bei der Unternehmensgründung keine Frage des Zufalls. Gründer wie die Samwer-Brüder, welche regelmäßig Startups aufziehen und anschließend über einen Exit verkaufen, haben dafür das richtige Gespür entwickelt und besitzen mittlerweile ein geschätztes Vermögen von 1,7 Milliarden US-Dollar.

 

Startups: Wer verdient an einem Exit?

Mit der richtigen Strategie sowie zum richtigen Zeitpunkt können Gründer mit der Veräußerung ihres noch jungen Unternehmens Millionenbeträge generieren, teilweise sogar im zwei- oder dreistelligen Bereich. Nur die wenigsten Startups werden aber vollständig aus eigenen Mitteln finanziert. Stattdessen handelt es sich häufig um sogenanntes Venture-Capital, sprich Investoren haben sich am Unternehmen beteiligt, wie beispielsweise durch außerbörsliche Beteiligungsgesellschaften. Diese möchten bei einem Exit natürlich auch ihr Stück vom Kuchen haben. Aus diesem Grund werden im Vertrag sogenannte Liquidation Preferences festgelegt. Hierin wird geregelt, wer bei einem Verkauf des Unternehmens welche Ansprüche hat. Der Gründer muss sich also bewusst sein, dass er bei seinem Ausstieg unter Umständen nicht das ganze Geld behalten kann. Lohnenswert ist der Exit in vielen Fällen dennoch.

 

Welche Gründe sprechen für den Exit aus Ihrem Startup?

Wie bereits erwähnt, gründen viele Menschen in erster Linie aus Leidenschaft. Geld ist für sie daher nicht das einzige Ziel und somit auch nicht Grund genug, aus ihrem Startup auszusteigen. Zudem werden so hohe Preise natürlich nur für vielversprechende Unternehmen gezahlt. Wer ein solches erfolgreich weiterführt, könnte also in Zukunft noch deutlich höhere Einnahmen erzielen.

Allerdings brauchen Sie dafür auch das notwendige Knowhow sowie eine entsprechende Unternehmerpersönlichkeit. Gerade, wer aus Leidenschaft gründet und dementsprechend eher kreativer Innovator als kalkulierter Betriebswirt ist, eignet sich für die Rolle als Chef in einem Unternehmen nicht immer optimal. Denn damit geht eine Menge Verantwortung einher. Sie müssen beispielsweise gut mit Zahlen umgehen und Mitarbeiter führen können sowie die Konkurrenz im Blick behalten und noch Vieles mehr.

Verfügen Sie in solchen Dingen nicht über ausreichend Erfahrung, haben Sie verschiedene Möglichkeiten, dieses auszugleichen:

  •  Sie holen sich Unterstützung durch einen erfahrenen Spezialisten.
  • Sie können eine Kooperation mit einem größeren oder erfahreneren Unternehmen anstreben. Dieses kann Ihr Unternehmen unterstützen und bestenfalls selbst von der Partnerschaft profitieren.
  • Zu gegebener Zeit können Sie einen Verkauf an das kooperierende Unternehmen in Betracht ziehen. Der Deutsche Startupmonitor zeigt, dass dies das Ziel hinter rund zehn Prozent aller Kooperationen mit etablierten Unternehmen ist.
  • Oder Sie betreiben „Learning by Doing“ mit einem hohen Risiko zu scheitern. Aus diesem Grund behaupten so viele Experten, das Scheitern sei Teil einer jeden erfolgreichen Geschichte von Existenzgründern.

Sie müssen also unter Umständen in Kauf nehmen, dass Sie Ihr erstes Startup – und damit auch Ihre Vision – an die Wand fahren, vielleicht auch das zweite oder dritte. Für Ihr Unternehmen, sprich die Verwirklichung Ihrer Vision, kann es also sinnvoller sein, es in erfahrene Hände zu verkaufen.

Kooperationsziele von Startups und etablierten Unternehmen

Datenquelle: deutscherstartupmonitor.de

 

Ein Exit bedeutet nicht das Ende der Selbständigkeit

Wer auch nach dem Unternehmensverkauf weiterhin selbständig bleiben möchte, kann aus einem Exit viele Vorteile ziehen. Haben Sie Ihre erste Vision erfolgreich auf den Weg gebracht, können Sie diese guten Gewissens mittels Exit abgeben – und das Kapital anschließend für die Gründung eines neuen Unternehmens mit neuer Vision nutzen. Ein Exit bedeutet also keineswegs das Ende Ihrer Karriere als Gründer beziehungsweise Unternehmer, sondern kann ihr stattdessen neuen Schwung verleihen.

 

Fazit: Der Exit ist eine Grundsatzentscheidung

Es gibt viele gute Gründe für den Verkauf des eigenen Startups. Dennoch müssen Sie schlussendlich selbst entscheiden, ob Sie aus Ihrem Unternehmen gewinnbringend aussteigen möchten oder nicht. Einerseits kann Ihnen das Startup, sollte es weiter wachsen und erfolgreich werden, natürlich finanziell noch mehr Geld einbringen als ein Exit.

Andererseits halten viele Gründer an ihrer Vision fest, wollen ihr beim Wachsen zusehen und die Fäden selbst in der Hand halten. Wenn der finanzielle Erfolg nicht Ihr Hauptbeweggrund für das Startup war, wird es Sie auch nicht zum Gehen veranlassen. Wer über die entsprechende Unternehmerpersönlichkeit verfügt, findet vielleicht auch einfach Gefallen sowie auf eine gewisse Art und Weise Erfüllung in seiner multifunktionalen Rolle an der Spitze des eigenen Unternehmens.

Bei der Entscheidung für oder gegen einen Exit kommt es also auf die Motive für die Unternehmensgründung an, auf die Perspektiven des Startups und die eigene Persönlichkeit. Es handelt sich somit um eine Grundsatzentscheidung. Manchmal haben Sie aber auch schlichtweg keine Wahl, weil Ihnen beispielsweise das Schicksal mit einer Krankheit einen Strich durch die Rechnung gemacht hat oder dem Startup ansonsten die Insolvenz droht. Der Exit kann dann nicht nur die einzige, sondern auch Ihre beste Wahl sein!

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