Mitarbeiter als Markenbotschafter: Gute und schlechte Lösungsansätze

aktualisiert am 14. Oktober 2019 10 Minuten zu lesen

Markenbotschafter müssen nicht immer prominente Gesichter oder reichweitenstarke Influencer aus dem Internet sein. Auch auf einer kleineren Ebene finden sich im eigenen Team viele „Mikro-Influencer“ mit erstaunlichem Credibility-Faktor. Diese gilt es, richtig zu nutzen.

Markenbotschafter zu Werbezwecken und der Steigerung der Bekanntheit eines Unternehmens, eines Produktes oder eben der Marke einzusetzen ist nichts Neues. Das Prinzip des bekannten Gesichts beruht auf der Vertrauenswürdigkeit im Rahmen des Empfehlungsmarketings. In jüngster Zeit wurde dies noch vor allem durch die vielfältigen Möglichkeiten und die Eigenheiten der sozialen Netzwerke und die stetig wachsende Riege an Influencern ergänzt.

Neben bekannteren Persönlichkeiten eignen sich jedoch auch die eigenen Mitarbeiter als Botschafter mit ihrem besonderen Bezug zum Unternehmen. Dabei sind wichtige Punkte zu beachten, um die gewünschte Marketingwirkung erzielen zu können.

 

1. Warum das Prinzip funktioniert

Die eigenen Mitarbeiter als Botschafter zu nutzen, ist sicherlich keine neue Idee. Allerdings ergeben sich auch hier neue Möglichkeiten durch die Nutzung von Social Media.

Jeder Mensch verfügt über eine gewisse Reichweite, darauf basiert bereits das oben erwähnte Prinzip des Empfehlungsmarketings. Jeder hat Bekannte, Verwandte, einen mehr oder weniger großen Freundeskreis. Zudem haben die Sozialen Netze die Rolle des großen Gleichmachers eingenommen: Zumindest theoretisch kann hier jeder noch eine viel größere Reichweite erzielen. Auf Facebook etwa hat ein Nutzer im Durchschnitt 338 Freunde.

Für erfolgreiches Marketing auf Unternehmensebene gilt allerdings: Die privaten Accounts von Mitarbeitern sind nicht im selben Maße einsetzbar oder gar vergleichbar mit jenen von professionell agierenden Influencern. Hier sind einige Dinge zu beachten:

  • Werben Arbeitnehmer für Ihren Arbeitgeber haben Leser nicht den Eindruck, „alles sei nur gekauft“.
  • Ein Arbeitnehmer verfügt über umfangreiche Unternehmenseinblicke. Wer seine Firma nach außen auf positive Weise vertritt, tut dies aus Überzeugung, so die Denkweise.
  • Das Internet ist nur ein, aber nicht das einzige Betätigungsfeld in diesem Zusammenhang.
  • Mitarbeiter bleiben Mitarbeiter. Sie werden in den seltensten Fällen zu typischen Werbegesichtern. Stattdessen zählt der Einzelne im Team und eine authentische Darstellung.
  • Die Mitarbeiter gilt es in Sachen Markenimage zu schulen. Dabei geht es um die Vermittlung der zentralen Unternehmenswerte oder Absprachen über No-Gos. Dennoch zählt vor allem Authentizität, sonst gehen Spontanität und Glaubwürdigkeit verloren.

Je zufriedener Mitarbeiter ohnehin mit ihrem Unternehmen sind, desto weniger Anleitung brauchen sie. Ihre Tätigkeit wird sich von allein bemerkbar machen.

Allerdings: Die Markenbotschafter aus dem eigenen Team sollten nur ein Teil der Marketingstrategie sein, niemals der zentrale Fokus aller Werbe-Aktivitäten.

Grafik: Einstellungen zu professionellen Infuencern

 

2. Schlechter Ansatz: Gestellte, unnatürliche Fotos

Authentizität spielt für die Glaubwürdigkeit eine zentrale Rolle. Hier gilt es, bei der Außendarstellung klar zwischen „offiziellen“ Werbeaktivitäten und werbewirksamen Bildern oder Posts der Mitarbeiter zu unterscheiden.

Praxisbeispiel Fitnessstudio: Für die Mitarbeiter-Kategorie der Webseite, Flyer oder Ähnliches wäre es absolut sinnvoll, wenn die Trainer von einem professionellen Fotografen in typischen Posen abgelichtet werden. Würde man allerdings die gleiche Vorgehensweise für private Social-Media-Aktivitäten der Mitarbeiter verwenden, wäre der Effekt marginal, selbst Foto-Laien können ein gestelltes von einem echten Foto unterscheiden.

Ungleich wirkungs- und sinnvoller ist es, hier keine strengen Vorgaben zu machen, sondern die Mitarbeiter und ihre Smartphones agieren zu lassen. Um beim Fitness-Beispiel zu bleiben: Ein Selfie beim Vorbereiten auf den Tag, beim Training, beim gemütlichen Beisammensein der Kollegen nach Feierabend.

Glaubwürdigkeit erzielt man nur durch Natürlichkeit und die ist bei normalen Angestellten selbst in der Zeit sehr guter Handykameras immer etwas unperfekt.

 

3. Guter Ansatz: Subtil und mit viel Nutzen

Die freiwillige, gern tägliche Nutzung eines Produkts wird im Marketing gerne als sehr wirksames Testimonial eingesetzt. Dies funktioniert nicht nur mit einem hauseigenen Produkt, sondern auch mit dem rein optischen Markenkern: Firmenname, Logo, Corporate-Farbtöne.

Hierbei gibt es zahllose Möglichkeiten, den Mitarbeitern mit kleinen Produkten einen echten Nutzen zu verschaffen, sodass sie diese täglich einsetzen und schließlich auch werbewirksam präsentieren. Ein einfaches Beispiel dafür ist der USB-Datenspeicher am privaten Schlüsselbund. Hier bieten Unternehmen mittlerweile die verschiedensten Gestaltungsmöglichkeiten, um die eigene Marke oder den Firmennamen darauf vorteilhaft zu präsentieren. Sobald ein Mitarbeiter den Stick irgendwo auf den Tisch legt oder nutzt, wird er zum sichtbaren Werbeträger.

Ebenfalls simpel aber gleichermaßen bewährt sind weitere Gegenstände im Rahmen typischer Give-Aways:

  • Kugelschreiber
  • Schreibblöcke
  • Thermo-Becher
  • Strand-/Badetücher (Markenwirkung im Urlaub)
  • Outdoor-Kleidung, auch T-Shirts und Shorts
  • Rucksäcke, Koffer usw.
  • Handy-Schutzhüllen
  • Powerbanks
  • Taschenmesser/Multitools/Taschenlampen

Bei der Gestaltung sollte man allerdings nicht nur starr in Richtung Firmennamen denken. Auf einer Kappe beispielsweise kann auch nur groß die Position des Mitarbeiters stehen und das Logo hinten ganz klein sein. Auf einer Thermo-Tasse kann auch ein bekanntes Mem oder ein augenzwinkernder Spruch verwendet werden. Sofern die aussagekräftigen Corporate-Farben in der Region ein bekanntes Alleinstellungsmerkmal sind, können sie auch allein stehen.

 

4. Schlechter Ansatz: Stumpfe Herangehensweisen

Es mag vielleicht für manchen eigenheimbesitzenden Mitarbeiter kein Problem sein, an seinen Vorgartenzaun ein Werbeschild seines Arbeitgebers zu hängen. Auch mögen viele nicht abgeneigt sein, auf Kennzeichenrahmen oder einen Heckscheiben-Sticker ihrer Firma zu setzen.

Allerdings gilt auch hier, dass dieser Ansatz für eine authentische Wirkung viel zu stumpf ist. Natürlich trägt ein Firmenschriftzug am Wagen dazu bei, diesen sichtbarer zu machen. Die Werbewirkung wird dabei jedoch kaum messbar sein. Dazu fehlt einfach ein stärkerer Bezug, ein vertrauenswürdiger Botschafter oder etwas mehr Kreativität, um sich abzuheben.

Noch viel mehr als bei den einfachen Give‑Aways des vorherigen Ansatzes muss hier darauf geachtet werden, den Firmennamen in einem kreativen Kontext zu nutzen

Grafik: Zukunftstauglichkeit des Influencer-Marketings

 

5. Guter Ansatz: Tiefe Einblicke gewähren

Transparenz ist für die allermeisten Firmen heute ein gern verwendetes Credo, das in der Realität jedoch meistens nur intern praktiziert wird und aus naheliegenden Gründen schon bei den scharf kontrollierten Inhalten auf der Unternehmenswebseite und ihrem Social-Media-Auftritt begrenzt wird.

An diesem Punkt sollten Unternehmer überlegen, welche positiven Auswirkungen es haben kann, ihren Mikro-Influencern etwas mehr Freiheiten zu lassen. Tatsächlich liegen dabei zwei Punkte im Fokus:

1.   Das Unternehmen selbst wird im positiven Sinn transparent. Jeder Follower des Mitarbeiters bekommt einen Einblick in den Arbeitsalltag dieser Person, lernt das Unternehmen kennen und dabei ist jeder bei vielen Unternehmen ein potenzieller Kunde, selbst wenn es sich um ein reines B2B-Unternehmen handelt, denn natürlich sind auch Follower zumeist Arbeitnehmer.

2.   Durch den gleichen Effekt wird der Job des Mitarbeiters transparenter. Das ist vor allem bei solchen Berufen effektiv, unter deren Tätigkeitsfeld sich viele nichts Konkretes vorstellen können. Was etwa ein Automechaniker macht, ist leichter nachvollziehbar. Doch was macht ein Backend-Developer, ein Industriemechaniker oder Textillaborant konkret den ganzen Tag? Die Einblicke schaffen Transparenz und Nähe und können beispielsweise das Recruiting erleichtern.

Doch wie können solche Einblicke aussehen? Hier kommen simple Facebook-Fotos mit kurzen Erklärtexten genauso in Frage, wie Blogeinträge oder ein umfangreicher Vlog. Die einzige Maßgabe neben der Natürlichkeit aus Punkt eins ist hier, dass alles vor einer Veröffentlichung abgesegnet werden sollte. Tatsächlich werden nicht wenige Mitarbeiter mit hoher Social-Affinität darin sogar eine sehr angenehme Aufgabe sehen.

 

Fazit

Jedes Unternehmen hat mit seinem Team eine Anzahl von Mikro-Influencern. Diese mögen weder so bekannt sein wie echte Influencer oder Prominente. Doch gerade dies erhöht in ihrem Bekanntheitsrahmen die Glaubwürdigkeit enorm und kann das Firmenimage gezielt lenken.

 

Die auf unserer Seite veröffentlichten Informationen werden allesamt von Experten mit größter Sorgfalt verfasst und überprüft. Dennoch können wir nicht für die Richtigkeit garantieren, da Gesetze und Regelungen einem stetigen Wandel unterworfen sind. Ziehen Sie deshalb bei einem konkreten Fall immer einen Fachexperten hinzu – wir stellen gerne den Kontakt her.

firma.de übernimmt keinerlei Haftung für durch Fehler in den Texten entstandene Schäden.

Jetzt weiterstöbern im Ratgeber!