Starten ohne Fehler: Typische Gründerfallen vermeiden

aktualisiert am 16. Mai 2019 19 Minuten zu lesen
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Es ist ganz natürlich, dass Sie als Gründer auch Fehler machen. In fast allen Start-ups gehört das zum Alltag. Doch um aus Fehlern zu lernen, müssen Sie diese nicht zwingend selbst gemacht haben: Erfahren Sie hier, wie Sie typische Gründerfallen vermeiden und so Geld, Zeit und Nerven sparen können.

 

Erste potenzielle Fallen

Bietet das Produkt einen Mehrwert?

Jede Gründung beginnt in der Regel mit einer Geschäftsidee. Sie als Gründer sind von dieser Geschäftsidee sicherlich vollkommen überzeugt. Doch haben Sie schon überprüft, ob diese Idee auch wirklich irgendein bestehendes Problem löst? Was nichts anderes heißt, als dass Ihre Idee einen Mehrwert für das Leben mancher Menschen bieten sollte. Andernfalls wird es in Ermangelung des Nutzerinteresses am eigenen Produkt oder der Dienstleistung schwierig, wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Ebenfalls entscheidend: Vergessen Sie nicht, dass eine Geschäftsidee noch lange kein Geschäftsmodell ist. Die Idee stellt im Grunde den ersten Schritt dar. Die Idee in ein Start-up zu verwandeln, mit dem sich Geld verdienen lässt, bedarf weiterer Überlegungen.

Innovationsgrad Start-ups

Neue Lösungen sind gefragt! Gerade im Bereich der Geschäftsmodelle und Prozesse stellen viele Innovationen neuer Start-ups keine oder nur national begrenzte Marktneuheiten dar. Hier ist Potenzial geboten. (Quelle)

Durch ein Geschäftsmodell sollten Bedürfnisse bestimmter Zielgruppen befriedigt werden können. Diese müssen die Notwendigkeit spüren, Geld für diese Bedürfnisbefriedigung auszugeben. Nur, wenn Sie ein Geschäftsmodell ausarbeiten, das den Nutzen und den Ertrag Ihres Start-ups detailliert beschreibt, können Sie rational und objektiv beurteilen und absehen, ob Ihre Idee Früchte tragen kann. Es empfiehlt sich, bereits an dieser Stelle im Gründungsprozess die Meinungen von Außenstehenden einzuholen.

Simpel anstatt komplex

Ein ganz entscheidender Punkt, den Sie sich als Gründer immer wieder vor Augen führen sollten: Versuchen Sie, Komplexität im Rahmen Ihrer Gründung so weit wie möglich zu vermeiden. Das mag sehr pauschalisierend klingen, doch es hat sich oft bewährt, dass sich die Konzentration auf einfache Produkte, die sich gut kontrollieren lassen, auszahlt. Produkte sollten verständlich sein, intuitiv funktionieren und so ihre Attraktivität entfalten.

Kein Perfektionismus

Womit wir zum nächsten Punkt kommen: Vermeiden sie Overengineering. Gerade deutsche Gründer sind oft besessen davon, die perfekte Lösung für etwas an den Start zu bringen und erst zu launchen, wenn sie ihr Produkt selbst perfekt finden. Vergessen Sie jedoch nicht, dass die Ansprüche der Kunden vielleicht gar nicht so differenziert sind wie Ihr eigener Anspruch. Gerade in der Testphase sollten Sie Dinge eben testen und ausprobieren und eben nicht auf perfekte Ergebnisse hoffen. Scheuen Sie sich also nicht davor, eine Lösung zu launchen, die vielleicht nur zu 80 Prozent ausgereift ist. Häufig ist die bessere Strategie, auf Nutzerfeedback zu warten und dann erst das Produkt zu optimieren.

Gesunde Arbeitshaltung

Überarbeiten Sie sich nicht! Wenn der Launch bevorsteht oder Sie eine wichtige Investorenpräsentation vorbereiten müssen und noch einiges zu tun ist, kann auch einmal eine Nachtschicht eingelegt werden. Und es darf auch einmal vorkommen, dass sie nur fünf, statt empfohlenen sieben Stunden schlafen. Aber versuchen Sie, auf Dauer eine gesunde Arbeitshaltung zu entwickeln. Überarbeiten Sie sich auf Dauer, stehen die Chancen nicht schlecht, wie viele andere Gründer bald schon auszubrennen und dadurch noch viel mehr Arbeitszeit zu verlieren.

Keine Geheimhaltung

Fast jeder Gründer hat diese Phase, in der er am liebsten mit niemanden, nicht einmal mit den besten Freunden oder der eigenen Familie, über seine grandiose Geschäftsidee spricht. Innerhalb des Teams fallen dann Sätze, wie: „Lasst uns vorerst unter dem Radar fliegen, sonst baut einer der Großen uns einfach nach“. Diese Möglichkeit ist zwar durchaus denkbar, doch in den meisten Fällen völlig übertrieben und unrealistisch. In den meisten Fällen ist viel mehr die eigentliche Umsetzung einer Idee relevant als die Idee selbst. Wer in der Lage ist, Ideen in kurzer Zeit effektiv umzusetzen hat meistens genug eigene Ideen und es nicht nötig, die Konkurrenz zu „bestehlen“.

Gehen Sie also in sich und fragen Sie sich, ob Sie sich und Ihrem Startup nicht genug vertrauen, um die beste Umsetzung für Ihre Idee zu finden. Und die finden Sie nur, wenn Sie mit vielen Menschen darüber sprechen und nach deren professioneller Einschätzung und Anregungen zur Umsetzung fragen. Nach 10 solchen Gesprächen sind sie zumeist schlauer als vorher und ihr Umsetzungsvorhaben wird immer ausgereifter. Im besten Fall inspirieren Sie diese Gespräche und Sie können Ihr Produkt von Anfang an weiter anpassen und verbessern. Manche Ideen sind jedoch tatsächlich so gut, dass diese Vorsicht tatsächlich angebracht ist, in der Regel ist dies jedoch fast nie der Fall.

 

Fehler vermeiden in der Personalführung

Vorschnelle Zusagen vermeiden

Die Unternehmensbilanz leidet gerade bei jungen Unternehmen häufig an den Gehältern für Mitarbeiter. Neueinstellungen sollten Sie vor allem dann angehen, wenn Sie sicher sind, dass ihr Kapital für einen absehbaren Zeitrahmen dafür ausreicht.

Erfolgsfaktor Mitarbeiterqualifikation

Wichtig für einen schnellen und flexiblen Kurs ist auch die richtige Chemie im Team – und dafür zählt vor allem eins: Gehen Sie als Gründer keine Kompromisse bei der Wahl Ihrer Mitarbeiter/innen ein. Das mag hart klingen, es handelt sich hierbei aber um eine essentielle Regel, die Sie beherzigen sollten. Nehmen Sie sich viel Zeit, um potenzielle Mitgründer oder frühe Mitarbeiter im Detail zu evaluieren. Gerade was die Qualität der Arbeit angeht sollten Sie sich nur auf die besten unter den Bewerbern konzentrieren. Selbst, wenn einige wenige qualifizierte Mitarbeiter mit höheren Gehaltsvorstellungen Sie vielleicht so viel kosten, wie viele unerfahrene oder nicht ganz so qualifizierte Bewerber.

Neben der Steigerung der Arbeitseffizienz durch besonders qualifizierte Mitarbeiter spielt auch ein anderer Punkt eine entscheidende Rolle: Frühe Mitarbeiter prägen die Kultur in ihrem jungen Unternehmen. Wenn diese schon am Anfang leidet, ist es oft nicht einfach, sie so zu etablieren, wie Sie sich das eigentlich vorgestellt hatten.

Team falsch zusammenstellen

Das gesamte Start-up steht und fällt mit dem Team. Einfach nur „gute“ Mitarbeiter einzustellen reicht oft nicht aus. Es geht vielmehr auch darum, eine richtige Balance aus Charakteren, Fachwissen und Arbeitsweisen oder Verhalten im Team zu finden. Und dieser Aspekt ist oft in der gesamten Startphase am schwierigsten zu realisieren. Trotz der Schwierigkeit sollte er aber nicht ignoriert oder umgangen werden. So betrügen Sie sich in letzter Konsequenz nur selbst.

Stellen Sie Ihr Team also unter den richtigen Kriterien zusammen. Andernfalls könnte es irgendwann an Ihrer mangelnden Managementfähigkeit liegen, wenn das Startup trotz guter Ideen und Ambitionen scheitert. Natürlich gibt es für die Teamzusammenstellung kein Patentrezept. Wichtig ist aber, darauf zu achten, dass das Team einerseits nicht zu homogen, sondern fachlich komplementär zusammengestellt wird und dass andererseits doch alle Typen im Team sich auf einer ähnlichen Wellenlänge befinden und miteinander gut (arbeiten) können.

Übrigens zählen letzten Endes auch andere Gesellschafter, Investoren und Partner im Markt zum Team. Deshalb sollten Sie unbedingt auch mit jenen ein gutes Teamwork aufbauen.

Das Personal und sich selbst nicht belügen

Wenn Sie an Mitarbeitern festhalten, die die Vision Ihres Startups nicht vollkommen teilen oder die nicht so für das Team arbeiten, wie Sie sich das eigentlich vorstellen, belügen Sie nicht nur das Personal, sondern auch sich selbst. Solche Mitarbeiter bremsen die Weiterentwicklung im Team, machen Ihnen aber eventuell weiterhin Hoffnung, lange im Unternehmen zu bleiben. Je länger Sie die Entlassung ungeeigneter Mitarbeiter hinauszögern, desto schwieriger wird sie eines Tages sein.

Noch härter mag dies in Bezug auf das Geschäftsmodell an sich klingen. Aber auch hier gilt: Nicht zu lange an etwas festhalten, das nicht funktioniert. Halten die ersten Versuche und Wochen Ihren Erwartungen nicht stand, gilt es eventuell nicht nur das Team zu wechseln oder das Start-up mit dieser Idee sogar vollständig einzustellen. Seien Sie mutig genug, sich auch Fehlschläge einzugestehen. Verstehen Sie diese Fehlschläge als Chance und vergessen Sie nicht: Einen neuen, anderen Versuch gibt es immer.

 

Fehler im Finanzmanagement

Finanzplanung

Scheitern von Start-ups kann viele Ursachen haben, doch besonders häufig geht jungen Unternehmen einfach das Geld aus. Nicht selten mangelt es an einer fundierten Strategie und einer soliden Kostenplanung. Ist die Finanzplanung besonders schlecht, wächst die „Burnrate“, also das Verbrennen von Finanzressourcen, schneller an als die Einnahmen. Gerade hohe laufende Kosten zwingen Gründer häufig dazu, schnelle Finanzierungen zu weniger attraktiven Konditionen aufzunehmen oder gar den Betrieb ganz einzustellen.

Schenken Sie daher der Finanzplanung von Beginn an viel Aufmerksamkeit: Angefangen mit der Miete über die Gehälter Ihrer Mitarbeiter und Marketing-Aufwendungen bis hin zu Verpflegungs- und Reisekosten sowie dem Eigenbedarf der Gründer darf kein Punkt unterschlagen werden.

Versuchen Sie sich auch mit dem Gedanken anzufreunden, dass langsames Wachstum und eine schmale Finanzierung zwar vielleicht nicht ganz so spannend klingen, beides aber deutlich mehr Prozess-Kontrolle ermöglicht. Organisch aus dem eigenen Cash-Flow zu wachsen ist der sicherere und nachhaltigere Entwicklungsprozess. Vor allem bis der richtige Fokus gefunden ist, sollten Sie die Kosten gering halten und erst dann richtig Gas geben.

An den falschen Stellen sparen

Viele Gründer müssen und sollten Ihre Finanzen genaustens im Blick haben und gegebenenfalls jeden Euro mehrmals umdrehen. Dennoch sollte ein rationaler Umgang mit den Finanzen vor einem zurückhaltenden Umgang mit ebenjenen stehen. Sparmaßnahmen dürfen nicht dazu führen, dass die Qualität des Produkts unter dem Ausbleiben von bestimmten Anschaffungen und Investitionen leidet.

Vor allem im IT- und gerade auch im Software-Bereich kommt es vor, dass sich junge Unternehmen unerwartet selbst ins Bein schießen. So wird etwa gerne zu gebrauchter Software gegriffen, um zu sparen. Allerdings ist der Gebrauchtsoftwaremarkt nicht immer völlig transparent und manche Produkte sind eigentlich Raubkopien, die illegal als Gebrauchtsoftware in den Handel gelangt. Auch Academic- oder Education-Lizenzen finden sich hier nicht selten. Sie werden oftmals zu besonders günstigen Konditionen erworben und dann an Unternehmen weiterverkauft. Hierbei handelt es sich um gesetzliche Grauzonen, die Sie vermeiden sollten. Versuchen Sie daher immer, sich an renommierte Händler zu wenden und vorab zu vergleichen. Die meisten vertrauenswürdigen Shops sind nicht nur mit Zertifikaten ausgezeichnet, sie bieten auch, wie dieses Unternehmen beispielhaft aufzeigt, diverse Zahlungsmöglichkeiten an und etwa Bonussysteme, mit denen gerade für Unternehmen erhebliche Rabatte zu erzielen sind.

Zahlen werden ignoriert

Das Thema des Sich-selbst-Belügens haben wir schon einmal angesprochen, als es um den Umgang mit dem Personal und mehr oder weniger zum Team passenden Mitarbeitern ging. Genauso häufig machen sich vor allem junge Gründer etwas dabei vor, wenn es um die Geschäftszahlen geht. Auch hier schneiden Sie sich als Gründer letztlich nur ins eigene Fleisch, wenn sie nicht genau hinschauen oder wenn Sie Ihr Zahlenmaterial nicht sorgfältig auswerten.

  • Dabei müssen Sie sich diverse, eigentlich recht simple Fragen stellen:
  • Welche Einnahmen und welche Ausgaben gibt es?
  • Wie hoch sind die laufenden Kosten?
  • Welcher Kunde verursacht im Schnitt wieviel Kosten?
  • Was kostes die Akquise eines neuen Kunden?
  • Gibt es Prozesse, die hinsichtlich der Kosten noch nicht optimiert sind? Wie teuer sind die Optimierungskosten und werden diese Prozesse danach teurer, lohnen sich aber in Relation zu den durch sie vergrößerten Einnahmen? Oder werden sie günstiger bei gleichbleibender Qualität oder sogar einer Qualitätssteigerung?

Beginnen Sie so früh wie möglich, aus Prognosen echte Kalkulationen zu machen. Denn dadurch können Sie Fehlentwicklungen erkennen und das Startup effektiver wachsen lassen. Und vermeiden Sie es, sich für Ihr junges Unternehmen zu sehr zu begeistern. Denn ganz im Sinne der „rosaroten Brille“ kommt es nicht selten vor, dass nicht genau hingeschaut wird. Ohne Ehrlichkeit werden Sie es schwer haben, sich zu verbessern. Das kann gar nicht oft genug betont werden.

Falscher Umgang mit Investoren

Junge und unerfahrene Gründer sind häufig unheimlich glücklich, wenn sie für ihre Geschäftsidee Geldgeber finden und entscheiden sich womöglich für den Erstbesten. Manche dieser Investoren leifern jedoch unprofessionelle Arbeit ab. Stehen diese Leistungen in keinerlei Verhältnis zur Kapitalkraft, hat das Start-up ein großes Problem. Auch wenn also das schnelle Geld locken sollte, ist eine kritische Auswahl von Investoren absolut essentiell. Sie dürfen nicht vergessen, dass Sie sich in der Regel für lange Zeit binden möchten. Ziehen Sie daher unbedingt in Erwägung, eine Due Dilligence der Investoren vorzunehmen und prüfen Sie darüber hinaus auch andere Aspekte wie Kompetenzen in bestimmten Unternehmensbereichen, Vertrauenswürdigkeit, Biographie etc., damit Sie nicht nach kurzer Zeit merken, dass Sie mit Leuten zusammenarbeiten müssen, mit denen ihr Start-up eigentlich nicht harmoniert.

Investoren sind nicht nur Kapitalgeber, sondern oft auch starke Einflussnehmer, die ihren Platz im Unternehmen möglicherweise „zurückstuft“. Als Gründer plötzlich nur noch ausführende Kraft zu sein, ist für viele eine der unangenehmsten Erfahrungen überhaupt. Achten Sie daher darauf, nicht zu viel Kontrolle abzugeben und die Mitbestimmungsrechte in einem für Sie akzeptablen Rahmen zu halten.

Richtig skalieren

In Sachen Skalierung, also dem möglichst schnellen und effektiven Ausbau des eigenen Start-ups, können Sie vor allem zwei große Fehler machen: Entweder Sie skalieren, bevor Sie überhaupt wissen, was eigentlich skaliert wird oder Sie skalieren zu langsam.

Es kommt also darauf an, den optimalen Zeitpunkt zum Skalieren zu finden. Zu früh skaliert wird meist, indem noch die notwendigen Prozesse und ein Verständnis für das eigene Geschäftsmodell fehlen. Sie müssen daher zunächst erkennen, wie das Geschäft funktioniert und Sie sollten sich über ihre Profitabilität im Klaren sein und dann erst skalieren. Nehmen Sie außerdem nicht zu viel Geld auf, stellen Sie nicht zu viele Mitarbeiter ein und gehen Sie nicht zu viele Produkt-Features an, bevor Ihre Marktreife gegeben ist.

Haben Sie zu einer rationalen und objektiven Einschätzung Ihrer eigenen Profitabilität und Marktpositionierung Ihres Start-ups gefunden und herrscht Klarheit über Ihr Geschäftsmodell, sollten Sie auch den Mut haben, nicht zu lange zu zögern. Ansonsten überholt Sie womöglich der eigene Wettbewerb.

 

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