Steuerliche Optimierung mittels Verschonungskonzept für geplante Übertragungen von GmbH-Anteilen auf die Kinder

10. Juli 2018 4 Minuten zu lesen
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Bei der Unternehmensnachfolge werden hohe Steuern fällig. Gerade kleine Unternehmen leiden unter dieser Steuerlast. Mithilfe des sogenannten Verschonungskonzepts können diese Steuern jedoch verringert oder umgangen werden. Wie das funktioniert und welche Voraussetzungen für die Anwendung des Verschonungskonzepts erfüllt sein müssen, erfahren Sie in diesem Gastbeitrag von Gründerberater Jens-Uwe Richter.

 

Mit dem „Gesetz zur Anpassung des Erbschaftsteuer- und Schenkungssteuergesetzes an die Rechtsprechung des BVerfG (ErbStRG)”, dem Bundestag und Bundesrat nach einem langwierigen Gesetzgebungsverfahren einschließlich eines Vermittlungsverfahrens zugestimmt haben, wurde die Behandlung von Betriebsvermögen bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer mit Wirkung zum 1. Juli 2016 neu geregelt.

 

Differenzierung der Nachfolgeplanung

Kleine und mittlere Unternehmen sowie Unternehmen, bei denen sich die Gesellschaftsanteile auf zahlreiche Gesellschafter und/oder Nachfolger verteilen, werden ihre Nachfolgekonzepte punktuell an die neue Rechtslage anpassen müssen. Große Familienunternehmen kommen nur noch unter erschwerten Bedingungen in den Genuss einer Steuerbegünstigung und haben mit deutlichen Mehrbelastungen bei der Erbschaftsteuer zu rechnen. Sie sollten eine Generalrevision ihrer Nachfolgeplanungen anstellen. Ein Denken in langfristigen Übertragungszyklen und die Einbeziehung des Privatvermögens aller Beteiligten und dessen Verteilung innerhalb der Familie bis hin zur Einbindung von Familienstiftungen und der übernächsten Erbengeneration stellen hier ganz neue Anforderungen dar.

 

Verschonungskonzept bei Erwerber bis zu 26 Mio. Euro (Prüfschwelle)

Das bisherige Verschonungskonzept bleibt mit den jeweils bekannten Behaltensfristen und Lohnsummenerfordernissen erhalten. Dies schließt die Regelverschonung (85-prozentiger Verschonungsabschlag) und die Optionsverschonung (100-prozentiger Verschonungsabschlag) mit ein. Eine Mehrbelastung spüren solche Unternehmen künftig dadurch, dass schädliches Verwaltungsvermögen definitiv besteuert wird.

 

Lohnsummenerfordernis

Für eine bestimmte Zeit ab der Übertragung  muss bei Inanspruchnahme von Begünstigungen die gezahlte Lohnsumme in einem bestimmten Umfang konstant gehalten werden. Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten (nach Köpfen) oder mit einer Ausgangslohnsumme von Null müssen dieses Kriterium nicht erfüllen. Bisher lag die Grenze bei 20 Beschäftigten. Neu ist, dass die Höhe der zu erreichenden Lohnsumme abhängig ist von der Anzahl der Beschäftigten:

Für die Regelverschonung beträgt der Nachweiszeitraum fünf Jahre, für die Optionsverschonung sieben Jahre. Dabei gelten folgende Lohnsummenerfordernisse:

  • Regelverschonung:
    • 6-10 Beschäftigte 250 %
    • 11-15 Beschäftigte: 300 %
    • mehr als 15 Beschäftigte: 400%
  • Optionsverschonung
    • 6-10 Beschäftigte: 500%
    • 11- 15 Beschäftigte: 565%
    • mehr als 15 Beschäftigte: 700%

Für eine komplette steuerfreie Anteilsübertragung an die Kinder müsste demnach die Lohnsumme innerhalb der kommenden sieben Jahre mindestens 700 Prozent der aktuellen Lohnsumme betragen. Die entsprechenden Risiken sollen im Folgenden bewertet werden.

Beispiel:
Aktuelle Lohnsumme (Planung 2017): 3.310.000 Euro
Notwendige Gesamtlohnsumme in 7 Jahren bei Optionsverschonung: 23.170.000 Euro

Lohnsummenentwicklung (kumuliert):

  • 2014: ca. 3.500.000 Euro
  • 2015: ca. 3.334.000 Euro
  • 2016: ca. 3.287.000 Euro
  • Plan 2017: ca. 3.310.000 Euro

Es erfolgte demnach in den Jahren 2014 bis 2016 eine Lohnsummenreduzierung von jährlich rund drei Prozent. 2017 ist erstmals wieder ein Anstieg der Personalkosten zu erwarten.

In der Tabelle weiter unten können die steuerlichen Konsequenzen in vereinfachter Form auf Basis folgender Eingabewerte berechnet werden:

  • Auswahl Verschonungsverfahren
  • Ausgangslohnsumme
  • Jährliche Personalentwicklung in Arbeitskräften (AK)
  • Gesamtlohnkosten pro Mitarbeiter (MA)
  • Jährliche Lohnsteigerung
  • Unternehmenswert
  • Veräußerte Anteile

 

Beispielrechnung: Optionsverschonung

Ausgangslohnsumme 3.310.000 €
Zeitraum 7 Jahre
Notwendige Gesamtlohnsumme 23.170.000 €
Jährliche Personalentwicklung in AK (Aufbau, Abbau) -1
Gesamtlohnkosten pro MA 40.000 € – 40.000 €
Jährliche Lohnsteigerung – 1,0%
Jahr 1 3.302.700 €
Jahr 2 3.295.327 €
Jahr 3 3.287.880 €
Jahr 4 3.280.359 €
Jahr 5 3.272.763 €
Jahr 6 3.265.090 €
Jahr 7 3.257.341 €
Gesamtlohnsumme 22.961.460 €
Prozentuale Erfüllung 0,9%
Unternehmenswert 5.000.000 €
Veräußerte Anteile 1.250.000 € 25%
Zu versteuernder Kaufpreis 11.250,50 €

Im Falle einer Unternehmensnachfolge können Sie so mittels der Optionsverschonung errechnen, wie hoch der zu versteuernde Kaufpreis für die zu veräußernden Anteile ist. Grundsätzlich ist eine Beratung durch einen Steuer- oder einen Gründerberater immer empfehlenswert.

 

Autor: Jens-Uwe Richter
CNA-Consulting

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