Unternehmensnachfolge statt Neugründung – Selbstverantwortung in Zeiten demografischen Wandels

aktualisiert am 26. September 2019 7 Minuten zu lesen
Teilen

Existenzgründer wollen sich neuen Herausforderungen stellen, damit möglichst mehr Geld verdienen – und nicht zuletzt auch Arbeitsplätze schaffen. Dabei übersehen sie leider oft, dass es dafür noch einen viel effizienteren Weg als eine Unternehmensgründung geben kann.

Unternehmensnachfolge als attraktive Herausforderung

Neue Ideen entwickeln und im Rahmen eines eigenen Unternehmens umsetzen, kann eine wunderbare Herausforderung sein. Endlich sich selbst verwirklichen. Endlich etwas Einmaliges schaffen. Endlich mehr Geld verdienen und sich was leisten können.Doch umso deprimierender ist es, wenn sich die Idee nicht verwirklichen lässt, wenn die Hürden zu hoch sind und Gründer scheitern. Das hätte vielleicht verhindert werden können, wenn ein erfahrener Partner und ein engagiertes Team Rückhalt geboten hätten. – Wie soll so etwas gehen?Mit einer Unternehmensnachfolge anstelle einer Gründung. Hier gleich die erste optimistische Botschaft: Die Nachfrage von Senior-Unternehmerinnen und Unternehmern ist größer als das Angebot von Nachfolgeinteressierten. Tendenz steigend! Anders gesagt: Wer ein Unternehmen übernehmen möchte hat eine immer größere Auswahl. Das ist eine Situation, die sich die meisten Unternehmer wünschen: mehr Nachfrager als Anbieter!

Besonders stark ist die Zahl Rat suchender Senior-Unternehmer im Osten gestiegen – um 18 Prozent!

Der entscheidende Hintergrund dafür ist die demografische Entwicklung in Deutschland. Bis 2025 wird es bundesweit sechs Millionen weniger erwerbsfähige Personen geben. Noch dramatischer ist die Entwicklung in den östlichen Bundesländern. So wird die Bevölkerung beispielsweise in Sachsen-Anhalt um 20 bis 25 Prozent abnehmen. Dementsprechend sinkt auch die Anzahl potentieller Unternehmensnachfolger.Wer sich diese Marktsituation zu Nutze machen kann, ist klar im Vorteil. Denn etablierte Unternehmen sind oft effizienter und produktiver als Neugründungen. Zudem ist das Risiko am Markt zu scheitern geringer, da das Unternehmen sich dort bereits einen Platz erkämpft und Durchhaltevermögen gezeigt hat.

Quelle: DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2013

Nicht erst aufgrund der demografischen Entwicklung bereitet es allerdings häufig den Seniorunternehmerinnen und -unternehmern wie auch den Gründungswilligen Schwierigkeiten, eine Nachfolge langfristig zu planen und erfolgreich zu gestalten.

Als hauptsächliche Probleme für eine Unternehmensnachfolge erweisen sich immer wieder:

  • Wie finden Unternehmensinhaber und Übernahmeinteressierte zusammen?
  • Wie sind die emotionalen Konflikte von Inhabern und Nachfolgern zum beiderseitigen Vorteil lösbar?
  • Wie sichern Inhaber Einkommen und Vermögen für die Zeit nach der Übergabe?
  • Wie stemmen Nachfolger die Finanzierung der Übernahme?
  • Wie sind Qualifikationsdefizite der Nachfolger und unterschätzte Anforderungen an eine Betriebsübernahme zu kompensieren?

 

Die größten Probleme für Unternehmensnachfolger

Mit welchen Problemen haben potenzielle Nachfolger besonders zu kämpfen?

Seit einigen Jahren lassen die Analysen der IHKs auf Seiten der Nachfolger besonders folgende Probleme erkennen:

Nachfolger

  • haben Finanzierungsschwierigkeiten aufgrund begrenzten Eigenkapitals und nicht immer optimaler Zusammenarbeit mit Banken und anderen Kapitalgebern;
  • unterschätzen die Anforderungen an die Unternehmensführung, die oft viel komplexer als erwartet ist und zunächst vor allem darauf hinausläuft, die Mitarbeiter für sich zu gewinnen und für Veränderungen zu begeistern;
  • finden kein passendes Unternehmen oder sind zuwenig offen für Neues außerhalb der eigenen Ideen und Wünsche;
  • verfügen leider oft nicht über ausreichende Qualifikationen für die Führung eines Unternehmens.

Nun würde es weder der Seniorunternehmerinnen und -unternehmern noch den Nachfolgeinteressierten helfen, wenn letztere allein diese Probleme klären müssten. Leider werden sie aber noch zu häufig von den Älteren weggeschickt, weil sie dies „nicht übernahmebereit“ und „nicht übernahmefähig“ sind. Damit ist jedoch niemandem geholfen, am wenigsten den bestehenden Unternehmen.

 

Erfahrungsaustausch – der beste Weg zur Problemlösung

Um solche und viele andere Fragen zu klären, können Erfahrungsaustausche und persönliche Gespräche besonders hilfreich sein. Schon zum dritten Mal gelang es beispielsweise im Rahmen der traditionellen Magdeburger Finanzgespräche dafür ein Podium zu bieten.

Wer überzeugt ist, dass Erfahrungsaustausch immer noch die billigste Investition ist, wird gern diesen Vorteil nutzen und sich über alle Fragen austauschen, die unter den Nägeln brennen, wie beispielsweise:

  • Was ist das Unternehmen wert und wie sichere ich diesen Wert im Rahmen der Unternehmensnachfolge?
  • Welche Gestaltungsmöglichkeiten bieten sich im Rahmen einer Unternehmensübertragung in der Familie oder an externe Nachfolger an?
  • Welche fachlichen Voraussetzungen und Persönlichkeitseigenschaften benötigen die internen bzw. externen Nachfolger und welche Möglichkeiten der Befähigung bieten sich an?
  • Wie plane ich die Sicherung des Privatvermögens und die finanzielle Zukunft der Familie nach dem Generationswechsel für Übergeber und Übernehmer?
Sie benötigen einen Notartermin zur Regelung von Testament, Erbvertrag oder Nachlassverteilung? Gerne organisieren wir diesen für Sie in Ihrer Nähe!

Wer von Anfang an neben der Neugründung auch eine Unternehmensnachfolge ins Blickfeld nimmt, kommt eventuell schneller, kostengünstiger und leichter zu einer neuen nachhaltigen beruflichen Existenz als Selbstständiger oder Unternehmer als ein Neugründer.

Mehr zum Thema Nachfolge finden Sie auch im firma.de-Ratgeberartikel Übernahme eines Unternehmens statt Neugründung – Vorteile und Nachteile.

Autor: Dr. Thomas Schulze

 

Die auf unserer Seite veröffentlichten Informationen werden allesamt von Experten mit größter Sorgfalt verfasst und überprüft. Dennoch können wir nicht für die Richtigkeit garantieren, da Gesetze und Regelungen einem stetigen Wandel unterworfen sind. Ziehen Sie deshalb bei einem konkreten Fall immer einen Fachexperten hinzu – wir stellen gerne den Kontakt her.

firma.de übernimmt keinerlei Haftung für durch Fehler in den Texten entstandene Schäden.

Jetzt weiterstöbern im Ratgeber!