Warum scheitern so viele Existenzgründer?

aktualisiert am 24. Januar 2018 5 Minuten zu lesen
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Es gibt zahlreiche Gründe für das Scheitern von Gründern und Unternehmern. Meist geschieht das in den ersten Jahren und hat Ursachen in der Planung, der Finanzierung, ebenso im Marketing, aber auch in der Personalbesetzung, fehlender familiären Unterstützung etc.

Die Erfahrungen meines Coaching- und Trainer-Kollegen Klaus Linten zeigen aber, dass über das oben Genannte hinaus noch weitere Faktoren für den Erfolg oder Misserfolg verantwortlich sind; Faktoren, die sich nicht auf den kaufmännischen Bereich zurückführen lassen, sondern in der Persönlichkeitsstruktur des Existenzgründers selbst zu suchen sind.

Konkret geht es darum, dass sich jeder Gründer und Unternehmer darüber im Klaren sein sollte, was für ein Typ er ist, respektive welche aus der Typenlehre kommende oder kommenden Eigenschaften, Stärken und Schwächen ihn prägen.

Diese Kenntnisse sind nicht nur vorteilhaft für einen selbst, sondern helfen auch bei der Personalauswahl oder der Team- oder Projektbesetzung. Bin ich zum Beispiel ein kreativer Kopf, mache mir aber wenig aus analytischen und strukturellen Dingen, so empfiehlt es sich, für den Bereich der Organisation, der Buchhaltung etc. eine Person zu suchen und einzustellen, die eben genau diese Voraussetzungen erfüllt.

Leider ist das aus einer Bewerbung oder einem Einstellungsgespräch nicht so ohne weiteres abzulesen, und die Erfahrung zeigt immer wieder, dass Führungskräfte allzu oft immer jene Personen um sich herum ansiedeln, die ähnlich oder gleich denken und agieren wie sie selbst, da ihnen deren Denk- und Verhaltensmuster vertraut sind. Übersetzt auf mein zuvor gewähltes Beispiel bedeutet dies, dass dann zwei kreative Köpfe für (positiv besetztes) Chaos sorgen, die Organisation und die strukturellen Aspekte aber immer noch dem Faktor „Glück und Zufall“ überlassen werden.

Ich habe Klaus daher einmal gefragt.

Thomas Häntsch: Weiß jeder Gründer, wie er tickt – z. B. als Person, als Vertriebler oder als Führungskraft?

Klaus Linten: Diese Frage muss ich folgendermaßen ergänzen: Kennt jeder Existenzgründer sein Wertesystem, seine Antreiber und seine limitierenden Glaubenssätze? Hinzu kommt die Frage, ob jeder Existenzgründer relativ schnell sein Gegenüber einschätzen und aus diesen Erkenntnissen ableiten kann, wie er dem anderen am besten gegenübertreten soll?

Thomas Häntsch: Und was ist deine Einschätzung?

Klaus Linten: Ich behaupte NEIN!

Im Endeffekt sollte sich jeder Gründer und Unternehmer die folgenden Fragen stellen und sich anschließend näher mit dieser Thematik auseinandersetzen sowie beraten lassen, wenn er auch nur eine dieser Fragen mit „Ja“ beantworten muss:

  1. Tue ich mich mit einer bestimmten Sorte Menschen schwer?
  2. Gerate ich immer wieder in Konfliktsituationen und erreiche dadurch meine angestrebten Ziele nicht?
  3. Fühle ich mich schnell überfordert und weiß nicht so recht weiter?
  4. Beschäftige ich mich eher mit Problemen als mit Lösungen?

Beratungsbedarf besteht meiner Meinung nach auch, wenn er nur eine der nächsten Fragen mit „Nein“ beantwortet:

  1. Bin ich eine natürliche Autoritätsperson?
  2. Bin ich in der Lage, Menschen zu führen?
  3. Tue ich mich leicht, auf andere, teils vollkommen fremde Menschen zuzugehen – egal ob persönlich oder am Telefon?
  4. Kann ich Menschen begeistern?
  5. Sind alle meine Glaubenssätze auf Erfolg programmiert?
  6. Habe ich eine hohe innere Motivation im Hinblick auf meine Selbständigkeit?
  7. Verfüge ich über eine emotionale Stabilität?
  8. Bin ich stressresistent?
  9. Bin ich authentisch, in dem wie ich handle und denke?

Ich denke, hier waren für jeden von uns ein paar Fragen dabei, über die es zumindest einmal nachzudenken lohnt und mit welchen sich vor allem Gründer auseinander setzen sollten.

Aber auch für bestehende Unternehmen und gestandene Unternehmer sowie Unternehmerinnen ist das eine interessante Betrachtungsweise, um sich im eigenen Denken und Handeln bestätigt zu fühlen oder aber auch, um gezielt Kurskorrekturen vorzunehmen zu können. Denn zwischenmenschliche Reibereien lauern überall, manchmal auf den ersten Blick schier unbegründet, aber bei genauerer Betrachtung einfach zu erklären und mit dem Wissen darum in kurzer Zeit abzustellen.

Ich empfehle dir, nimm dir die Zeit, beschäftige dich mit dir selbst, erkenne deine Stärken und stärke diese, erkenne aber auch Deine Defizite und arbeite daran. Gleich wie, du kannst dabei nur gewinnen: An Erkenntnis, an Erfahrung und optimaler Weise durch den sich einstellenden (Unternehmens-)Erfolg.

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