Investoren finden: Checkliste für die Investorensuche

aktualisiert am 16. August 2019 5 Minuten zu lesen
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An frischen Geschäftsideen mangelt es der deutschen Startup-Szene nicht, an Kapital aber häufig schon. Doch gerade bei technologie-getriebenen Startups kann die erfolgreiche Investorensuche in mehreren Phasen der Selbständigkeit über alles oder nichts entscheiden. firma.de erklärt, wie Sie mit der richtigen Strategie den passenden Investor finden können.

 

  1. Vorbereitung
  2. Investoren finden
  3. Investoren kontaktieren
  4. Investoren überzeugen
  5. Zusage vom Investor: was jetzt?
  6. Alternativen zur Investorensuche

 

1. Vorbereitung auf die Investorensuche

Mal eben einen Investor im angesagten Café gegenüber kennenzulernen, ist nur Stoff aus Anekdoten. Wer außerhalb vom Silicon Valley lebt, kommt nicht umher, eine richtige Strategie zu entwickeln. Die erste Frage vor jeder Suche muss daher lauten: Wen oder was suche ich eigentlich ganz konkret? Investor ist nicht gleich Investor, deshalb sollten Sie diese Entscheidung als Basis für alle weiteren Schritte in Angriff nehmen.

Überblick der häufigsten Investorentypen

Venture Capitalists VC-Investoren sind professionelle Anleger, die im Austausch gegen eine Beteiligung in Unternehmen mit hohem Wachstumspotential investieren. Da die Investitionen häufig mit einem hohen Risiko belegt sind, spricht man von Wagniskapital.
Micro Investors & Crowdfunding Micro Ventures oder Mini Investments werden häufig im Rahmen von Crowdfunding Kampagnen getätigt. Die Investoren setzen sich meist aus interessierten Privatleuten, Gelegenheitsinvestoren und professionellen Anlegern zusammen.
Business Angels & Founding Angels Angel Investoren unterstützen Unternehmen häufig in einer sehr frühen Phase der Entwicklung oder sogar noch vor der Gründung. Oft sind diese Engel selbst erfahrene Unternehmer, die neben einer finanziellen Beteiligung ihr Know-how und Zugang zu ihrem Netzwerk anbieten.
Friends & Family Darlehen und Kredite aus dem Kreis der Familie, Freunde oder Bekannten zu sammeln ist eine beliebte Methode, um unabhängig von externen Geldgebern zu bleiben.

Venture Capitalists: Beteiligung vom Profi

Venture Capital (VC) oder Private Equity ist außerbörsliches Beteiligungskapital. Als Geldgeber treten private Personen oder VC-Unternehmen auf, die Startups und andere Technologieunternehmen mit Eigenkapital, Wandelanleihen oder Mezzanine-Kapital unterstützen. In der Regel erhalten sie dadurch ein Mitbestimmungsrecht bei unternehmerischen Entscheidungen. Das Risiko besteht für Investoren darin, dass die Entwicklung der Unternehmen oft noch völlig unvorhersehbar ist. Deshalb erwarten VC-Geber hohe Renditen beim Exit oder Börsengang, wenn das Geschäft gut läuft. Oft, aber nicht zwingend, stellen private Investoren außerdem ihr Wissen als externe Berater zur Verfügung.
Vorteile Nachteile

  • Hohe Finanzierungssummen
  • Professionelle Anleger
  • Mehrfache Finanzierungsrunden üblich
  • Starker Wettbewerb
  • Hohe Zinsen
  • Erwartung eines hohen ROI

VC in Deutschland

Zugang zu Wagniskapital in der Wachstumsphase ist ein starker Erfolgsfaktor. Doch bisher ist Venture Capital in Deutschland noch weit weniger in Umlauf als in Übersee-Märkten. Laut den Ergebnissen des Deutschen Startup Monitors 2018 (DSM18) ist der Anteil der VC-Investments sogar rückläufig: Nur 15,3 Prozent der befragten Unternehmen berichteten, dass sie 2018 Wagniskapital erhielten. Vier Jahre zuvor lag der Anteil der VC-Empfänger noch bei 20 Prozent.

Der Monitor zeigt außerdem, dass der Standort hierbei eine Schlüsselrolle spielt: Etwa ein Drittel der Berliner Startups sammelte VC ein, während nur 8,4 Prozent der Gründerteams aus dem Raum Stuttgart/Karlsruhe eine Wagniskapitalaufnahme meldeten. Eine weitere wichtige Erkenntnis der jährlichen Umfrage ist die Zusammensetzung der VC-Investoren in der Bundesrepublik: Gut die Hälfte machten Privatpersonen und etwa ein Drittel öffentliche Investoren wie die KfW oder der High-Tech Gründerfonds aus. Die übrigen 15,5 Prozent setzten sich aus strategischen Investoren zusammen, d. h. Konzerne, die Partnerschaften im Startup-Sektor anstreben.

Business und Founding Angels: Engel mit Know-how

Unternehmensengel, Angel Investoren oder kurz BA sind sehr beliebte Kapitalgeber, da sie neben ihrem Kapital so gut wie immer auch ihr Wissen als Coach zur Verfügung stellen. Der Sammelbegriff bezeichnet meist Manager, Branchenkenner oder Selbständige, die junge Unternehmen unterstützen wollen. Founding Angels gehören in dieselbe Kategorie, steigen allerdings bereits vor der Gründung als Investor oder sogar Mitgründer ein. Der Hauptunterscheid zum VC-Geber ist der Investitionszeitpunkt: Im Normalfall unterstützen Unternehmerengel Startups schon in einer sehr frühen Phase und sind stärker in die Entwicklungsphase involviert. Das Risiko der Investition ist somit höher – genauso wie der Zinssatz.

Vorteile Nachteile
  • Investment in früher Phase
  • Unterstützung durch Kapital, Wissen & Erfahrung
  • Einfacher Zugang zu Investoren
  • Kleinere Investitionssummen
  • Hohe Zinsen
  • Erwartung eines hohen ROI

BA in Deutschland

Deutsche Business Angels sind oft in (regionalen) Netzwerken oder Vereinen organisiert, über die der Kontakt hergestellt werden kann. Außerdem sind sie auf Messen und Konferenzen oder als Jury-Mitglieder für Wettbewerbe anzutreffen. Wenn Sie keinen Umweg in Kauf nehmen wollen, sollten Sie den Veranstaltungskalender Ihres regionalen BA-Netzwerks checken. Viele bieten Stammtische oder Matching Events, für die Sie sich bewerben können.

Micro Investors & Crowdfunding: Kleine Investments von vielen

Der Erfolg des Crowdfundings basiert auf der Masse der Geldgeber, wobei jeder Einzelne nur ein kleines Investment gegen eine kleine Belohnung tätigt – gestaffelt nach Höhe der Spende. Kickstarter, Startnext, Seedmatch und Companisto sind nur einige der Plattformen, die zur Gestaltung und Verbreitung einer Crowdfunding-Kampagne genutzt werden können. Der Trend ist eng verknüpft mit den Sozialen Medien und dem Grundgedanken der Sharing Economy.

Kampagnen können so über ihre Reichweite und viele individuelle Mikro-Investitionen beträchtliche Summen einsammeln. Cleveres Marketing und ambitioniertes Netzwerken ist ein Muss, um die Reichweite an möglichen Mikro-Investoren zu erhöhen. Hier finden Sie Tipps für Ihre erfolgreiche Kampagne. Obwohl das Geld vom Schwarm nach wie vor beliebt bleibt, ist der große Hype um die Mini-Investoren langsam vorbei. Denn einen großen Haken hat das plattform-basierte Fundraising: Wenn die kritische Masse an Spendern und damit auch das minimale Spendenziel im festgelegten Zeitraum der Kampagne verfehlt werden, platzt der Traum von der Finanzierung. In diesem Fall geht das Geld automatisch an die Spender zurück.

Vorteile Nachteile
  • Wenig Aufwand beim Erstellen
  • Klar definierte Ziele
  • Nebeneffekte: Branding und PR
  • Hoher Aufwand für die nötige Reichweite
  • Fehlschlag, wenn kritische Masse verfehlt wird
  • Belohnungen für Spender müssen vorfinanziert werden

Mikro-VC

Auch im Venture Capital-Segment gibt es Mikro-Investitionen, die typischerweise in der Seed-Stage eines Startups getätigt werden. Sie bewegen sich meist unter der 50.000 Euro-Grenze. In Deutschland ist diese Art der Finanzierung bislang eine eher seltene Quelle für Startups.

Friends & Family: Kapital aus dem Kreis der Lieben

„ Bei Geld hört die Freundschaft auf”, sagt der Volksmund. Trotzdem bittet laut DSM18 fast jedes dritte Startup Freunde und Familie um eine Finanzspritze. Häufig wird die Geldgeber-Kategorie noch um ein drittes F ergänzt – die so genannten Fools. Diese Bezeichnung gibt schon einen Hinweis darauf, dass das Leihen im eigenen Bekanntenkreis oft als kritisch erachtet wird. Der Grund ist einfach: Eine Pleite bedeutet häufig eine Zerreißprobe für wichtige Beziehungen im sozialen Umfeld der Gründer. Diese zusätzliche Belastung fürchten viele Unternehmer, möchten aber dennoch nicht auf diese einfach zugängliche Finanzierungsquelle verzichten. Wie können Sie eventuellen Enttäuschungen und Konflikten also vorbeugen?

Wer sich Geld von den Liebsten leihen will, sollte einige goldene Regeln einhalten:

  1. Sprechen Sie offen über Risiken und informieren Sie den Geldgeber, welche Szenarien möglich sind (z. B. Insolvenz des Startups).
  2. Erstellen Sie einen Darlehensvertrag, in dem die Konditionen vertraglich klar geregelt sind. Ein symbolischer Handschlag reicht nicht aus.
  3. Spielen Sie mit offenen Karten. Nicht nur der Profi-Investor will über Entwicklungen in Kenntnis gesetzt werden, sondern auch die Geldgeber aus Ihrem Privatleben. Offenheit schafft Vertrauen und beugt Enttäuschungen vor – falls Sie keine guten Nachrichten mitbringen.
Vorteile Nachteile
  • einfacher Zugang
  • geringer Aufwand
  • kein Verlust von Stimmrechten
  • Große Gefahr falscher Erwartungen
  • Zusätzlicher emotionaler Druck in Krisenzeiten
  • Hohe soziale Kosten im Fall des Scheiterns

ICO und STO: Finanzierung durch Kryptowährung

Zu den neuesten Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung zählen der Initial Coin Offering (ICO) und der Security Token Offering (STO). Hierbei geben Unternehmen anstelle von Wertpapieren eine neue Kryptowährung aus, die Anleger kaufen können – analog zu einem klassischen Börsengang. Meistens basieren die finanzierten Projekte auf Blockchain und weiteren neuen Technologien. Der Coin- und Token-Markt war dabei bis zuletzt losgelöst vom Aktienmarkt und dessen strengen Regeln. Allerdings lag darin auch genau das Problem: Fehlende Regulierung ließ die erste ICO-Blase platzen. Durch verschärfte Vorgaben soll nun der Security Token Anlegern mehr Sicherheit und Startups nachhaltigere Erfolgschancen bieten.

Vorteile Nachteile
  • Professionelle Anleger
  • Online-Abwicklung
  • Hoch technologisierte Finanzierungsform mit Zukunftsaussicht
  • Kleine Zielgruppe der Anleger
  • Komplexe Rechtslage
  • Hohes Know-how im Bereich Technologie erforderlich

2. Investoren finden: Wo finde ich interessierte Anleger?

Wenn Sie wissen, wen Sie gerne als Investor gewinnen möchten, folgt Schritt zwei: die gewünschte Investorengruppe lokalisieren. Wo halten sie sich auf und wie können Sie sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam machen?

In Presse und Social Media recherchieren

Wer investiert aktuell wie viel Geld in neue Unternehmen in Ihrem Sektor? Diese Frage sollten Sie beantworten können, denn genau hier liegen die großen Chancen. Viele Investoren lassen dort ihr Geld, wo sie sich auskennen und bereits positive Erfahrungen gesammelt haben. Das bedeutet, dass der erste Schritt eine bloße Fleißarbeit ist: Lesen Sie Fachmedien und Gründerblogs. Mithilfe von Newslettern und Google News Abonnements können Sie sich tagesaktuell auf dem neuesten Stand der Dinge halten.

Netzwerk aufbauen

Networking ist ein neuer Begriff für eine alte Disziplin. Wer viele Leute kennt, verbessert seine Chancen, sich einen Namen zu machen und Empfehlungen zu erhalten. Auch Pressekontakte gehören dazu. Kennen Sie die Medien, die für Ihre Branche besonders relevanten Content liefern? Auch durch Interviews oder andere Erwähnungen können Sie Ihr Profil schärfen, das Investoren bei einer ersten Recherche finden. Klammern Sie deshalb niemanden aus, nur weil sie nicht in das Profil Ihrer Suche passen.

Im Mikrokosmos auf Konferenzen und Veranstaltungen bietet Word-of-mouth-Marketing ebenfalls viele Chancen: Reden Sie offen darüber, dass Sie sich in einer kritischen Wachstumsphase befinden und einen Investor suchen.

Events besuchen

Wenn der Investor nicht zu Ihnen kommt, warum kommt Ihr Startup nicht einfach zum Investor? Über das ganze Jahr verteilt finden bundesweit und über Deutschland hinaus unzählige Events statt, die genau diese Möglichkeit bieten:

  • Gründer-Wettbewerbe
  • Business Angel-Stammtische
  • Venture Lounges
  • Messen
  • Konferenzen

Diese riesige Auswahl hat nicht nur Vorteile – sie kann Gründer auch schnell überfordern. Außerdem kosten Besuche nicht nur kostbare Zeit, sondern meistens auch Geld. Tickets sind für Startups nicht zwangsläufig vergünstigt. Gehen Sie deshalb strategisch vor und suchen Sie ganz gezielt nach Events, bei denen die Themen “Venture” und “Investment” im Vordergrund stehen. Wenn Sie außerdem noch eine Veranstaltung mit direktem Bezug zu Ihrer Branche finden, erhöhen Sie Ihre Chancen bei der Investorensuche deutlich. Aber auch anderweitige Messebesuche sollten Sie nicht gänzlich ablehnen. Hier können Sie erste Kontakte knüpfen und ein Gefühl für die aktuelle Dynamik zwischen Geldgebern und potentiellen Ventures erhalten. Letztendlich ist das Erweitern Ihres Netzwerks immer wertvoll und dient als Übung für Ihre Selbstpräsentation.

 

3. Investoren kontaktieren: Wie kann ich Investoren ansprechen?

Wenn Sie eine Liste interessanter potentieller Geldgeber entwickelt haben, muss nur noch ein Kontakt zustande kommen. Auch hier gilt: Vorbereitung ist alles, denn für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.

Entrée suchen: Wer kennt jemanden, der jemanden kennt?

Kontakte verschaffen Ihnen Glaubwürdigkeit und öffnen Ihnen Türen, die ansonsten verschlossen bleiben. Diese Devise gilt auch bei der Suche nach einem geeigneten Investor. Kennen Sie jemanden, der bereits mit Ihrem anvisiertem Investor bekannt ist? Wenn ja, sollten Sie diese bestehende Verbindung nutzen, um den ersten Kontakt aufzunehmen. Seien Sie aber kritisch, wenn Sie den gemeinsamen Kontakt bewerten:

  • Wie gut kennt Ihr Bekannter den Investor?
  • Ist die Beziehung professionell oder privat?
  • Besteht die Gefahr, dass der Kontakt Ihre Chancen potentiell verschlechtert?
  • Verfügt der Bekannte über die Fähigkeiten, Ihnen bei einem Erstkontakt zu helfen?

Aus den Antworten sollten Sie schließen können, ob der Vermittler eine gute Option ist. Steuern Sie allerdings, wie die Vorstellung konkret ablaufen soll. Falls Zweifel aufkommen, nehmen Sie lieber Abstand.

Direkte Ansprache auf Events: Mit Mut Türen öffnen

Professionelle Anleger tummeln sich nicht zum Spaß auf Messen und Gründer-Events. Das sind gute Nachrichten für Sie, denn es zeigt eine Bereitschaft, neue Kontakte zu knüpfen und potentielle Investments auszuloten. Bevor Sie einen interessanten Investor ansprechen, sollten Sie allerdings Ihre Hausaufgaben gemacht haben: Eine prägnante Kurzvorstellung (Elevator Pitch) des Geschäftsmodells und der Produkte sollten sitzen. Falls Sie eine Absage für ein Treffen erhalten, sollten Sie trotzdem höflich bleiben und eine Visitenkarte dalassen.

Klassische Akquise: Fragen kostet nichts

Wer das Investor Speed Dating auf der Startup-Messe meiden und dennoch einen persönlichen Eindruck hinterlassen will, kann auf den traditionellen Telefonanruf zurückgreifen. Wahrscheinlich stechen Sie sogar positiv heraus, weil wenige diesen mutigen Schritt unternehmen, um einen Investor zu finden.

 

4. Investoren überzeugen: Was brauche ich für meinen Pitch?

Zuallerletzt kommt die eigentliche Kür – nämlich den Investor für Ihr Unternehmen zu begeistern. Aber wie? Diese Frage können Sie am besten selbst beantworten. Was würde Sie überzeugen, in ein junges Gründerteam mit einer vielversprechenden Geschäftsidee zu investieren? Ein aktueller Businessplan inklusive Pitch Deck sind die Minimalvoraussetzungen, um in einem möglichen Gespräch zu punkten. Dazu müssen Sie das Rad nicht komplett neu erfinden Im Internet gibt es zahllose Veröffentlichungen von Pitch Decks, die Startups zum Finanzierungserfolg verholfen haben. Lassen Sie sich inspirieren, aber behalten Sie folgende Regeln im Hinterkopf:

  • Jede Branche hat ihre eigenen Regeln. Das Kopieren beim Fin-Tech nützt Ihnen beim Pitch für Ihr Green Business vermutlich wenig. Passen Sie Ihre Präsentation immer dem Wirtschaftssektor und Ihrem aktuellen Publikum an.
  • Unterschätzen Sie niemals Ihr Gegenüber. Eine gründliche Recherche ist deshalb Pflicht. So vermeiden Sie peinliche Fehler oder unangenehme Überraschungen.
  • Weniger ist nicht mehr. Wer nach zu wenig Geld fragt, riskiert Enttäuschungen auf beiden Seiten. Kalkulieren Sie Ihren Kapitalbedarf realistisch und ohne falsche Bescheidenheit.
  • Übung macht den Meister. Nicht nur die Präsentation muss sitzen, sondern auch Ihre Antworten auf mögliche Fragen des Investors. Mit einer guten Vorbereitung bringt Sie nichts so schnell aus der Ruhe.
  • Der erste Versuch ist nie perfekt. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn die ersten Gespräche negativ verlaufen. Passende Investoren zu finden ähnelt im Normalfall eher einem Marathon als einem Sprint.

 

5. Zusage vom Investor: was jetzt?

Wenn das „ Ja” vom Kapitalgeber kommt, bricht häufig die große Erleichterung im Gründerteam aus. Aber auch die Ziellinie sollte mit Vorsicht überschritten werden. Fragen Sie sich in aller Ruhe:

  • Ist der Investor seriös und handelt er/sie nachvollziehbar?
  • Sind die Konditionen des Angebots fair?
    • Höhe des Zinssatzes
    • Gewinnbeteiligung
    • Umfang der Mitspracherechte
  • Wurden Chancen und Risiken ehrlich besprochen?

Falls bei den Antworten „Nein” oder „Ich bin mir nicht sicher” dabei ist, lohnt sich eventuell eine externe Einschätzung. Investieren Sie lieber ein paar Hundert Euro in einen Berater, der den Beteiligungsvertrag gründlich mit Ihnen bespricht und Sie auf mögliche Stolpersteine aufmerksam macht, bevor Sie einen voreiligen Vertragsabschluss machen.

 

Alternativen zur Investorensuche: Weitere Finanzierungsstrategien

Nicht nur Investoren sind mögliche Lösungen für finanzielle Engpässe. Staatliche Förderer oder die strikte Bootstrapping-Methode sind weitere Alternativen zum Investor.

Fördermittel und Mikrokredite: Kapital aus öffentlicher Hand

Die traditionsreichste Methode einer Finanzierung außerhalb der Investoren-Arena ist der Förderkredit. Egal, ob Sie eine kleinere Förderbank, die KfW oder andere öffentliche Förderer bevorzugen: Die Möglichkeiten sind vsehr vielseitig. Gerade spezialisierte Programme, die nicht gut beworben werden, bieten Chancen (und volle Geldtöpfe) für findige Gründer. Voraussetzung ist eine gute Recherchearbeit, um entsprechende Projekte zu finden. Wer außerdem schon eine Zusage für Geld vom Venture Capitalist oder Business Angel erhalten hat, kann sich doppelt freuen: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bezuschusst die Beteiligung privater Investoren mit 20 Prozent im Rahmen des INVEST Programms.

Wer gar nicht so viel Startkapital benötigt, sollte sich um einen Mikrokredit bemühen: Diese kleineren Kredite (1.000 – 20.000 Euro) stammen aus dem Mikrokreditfonds Deutschland. Die Kreditanträge werden über die GRENKE Bank AG oder akkreditierte Mikrofinanzinstitute (MFI) abgewickelt. Zuletzt lag die Zusage-Quote laut BMWi bei 34 Prozent (Stand: Dezember 2018 bis Februar 2019). Mikrokredite sind sehr beliebt und das jährliche Kontingent der Kreditsummen gedeckelt. Daher ist Wettbewerb unter den Antragstellern entsprechend groß.
Vorteile Nachteile

  • Niedrige Zinsen
  • ggf. tilgungsfreie Zeiträume
  • Verbessert Chancen auf Investoreninteresse
  • Begrenzte Kredithöhe
  • Begrenzte Verfügbarkeit
  • Teilweise komplexe Bewerbungsverfahren

Bootstrapping: Sparsam wirtschaften mit Eigenkapital

Hinter der Bootstrap-Methode (deutsch: Stiefelriemen) verbirgt sich nichts weiter als die Philosophie der Selbstfinanzierung – ganz ohne Investoren oder Bankkredite. Diese Methode nutzen Gründer vor allem, wenn die finanzielle Unabhängigkeit Priorität hat oder sich einfach kein Investor findet. Durch Bootstrapping zwingen sich nicht wenige Startups dazu, schnell ins operative Geschäft einzusteigen und dabei wenig Ressourcen in Planung und Entwicklung zu stecken. So können möglichst schnell Umsätze generiert werden. In diesem Zusammenhang ist das Thema Outsourcing ein entscheidender Faktor, denn beim Bootstrapping sind gerade Personalkosten eine Achilles-Ferse. Wer bootstrappt, baut zunächst Kapitalrücklagen auf, anstatt Gewinne auszuschütten. Das bedeutet für das Gründerteam, dass die ersten Jahre voraussichtlich wenig bis gar nichts abwerfen, auch wenn das Unternehmen schon Gewinne erzielt. Eine Mischung aus einem schlanken, selbstfinanzierten Start und einer anschließenden Finanzierungsphase bietet übrigens die Lean Startup-Methode.

Vorteile Nachteile
  • Keine Gläubiger, die an möglichen Gewinnen beteiligt werden müssen
  • Unabhängige Strategieplanung
  • Effektive Nutzung aller Ressourcen
  • Hoher Planungsaufwand für optimale Kapitalverwendung
  • Wenige Ressourcen, keine Rücklagen
  • Strenger Zeitplan bis zum Break-Even-Point

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