Kennzahlen und Faktoren, auf die potentielle Investoren besonders achten

aktualisiert am 29. April 2020 10 Minuten zu lesen
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Eine Unternehmensbewertung ist komplex und mit vielen mehr oder weniger wichtigen Kennzahlen versehen. Welche dieser Zahlen für potentielle Investoren tatsächlich entscheidungsrelevant sind, erfahren Sie hier.

Wer als Unternehmen wachsen möchte, muss investieren. Dafür reicht das Eigenkapital jedoch häufig nicht aus. So holen sich viele Mittelständler einen Investor, von dem beide Seiten profitieren: Das Unternehmen erhält eine willkommene Finanzspritze, mit der es neue Produktionsstätten errichten, weitere Märkte erreichen oder Produkte auf den Markt bringen und damit seinen Gewinn steigern kann. Der Investor profitiert mit seinen Beteiligungen ebenfalls von diesen Erfolgen und erhöht sein Kapital. Damit er investiert, benötigt er jedoch Sicherheiten. Und diese sind im Mittelstand traditionell meist höher als etwa bei Existenzgründungen, die sich gerade erst am Markt etablieren müssen. Doch was sich genau hinter dem Unternehmen verbirgt, bringt erst eine Unternehmensbewertung ans Licht.

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Erwartung des Investors und entscheidende Faktoren

Bei der Unternehmensbewertung fällt eine Vielzahl an Kennzahlen an, die höchst unterschiedliche Gewichtungen haben. Um den Unternehmenswert in Kennzahlen möglichst realistisch zu berechnen, sind immer mehrere heranzuziehen. Sie lassen sich in harte und weiche Faktoren aufteilen: Bei den harten Faktoren handelt es sich um betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die sich unmittelbar aus der betrieblichen Buchhaltung ablesen lassen. Weiche Faktoren fließen schließlich in die Gesamtbewertung des Unternehmens ein. Sie lassen sich kaum monetär beziffern und umfassen etwa Strategien und interne Prozesse.

 

Unternehmenswert in Kennzahlen: Irrtümer und Fakten

Ob es um die Suche nach einem Investor geht, um den Unternehmensverkauf oder um die Suche nach einem Nachfolger: Eine Unternehmensbewertung ist ein wichtiger Schritt, um den Verkaufs- beziehungsweise Investitionspreis festzulegen. Doch dabei kommt es nicht allein auf die reinen Umsatzzahlen an. Es kann drastische Fehleinschätzungen zur Folge haben, sich allein auf diese zu fokussieren. Vorab: Verschiedene Investoren achten auf unterschiedliche Aspekte. Auch die Art des Unternehmens spielt für die zu erhebenden Werte eine Rolle.

Zu den Kennzahlen zählt der Kapitalfluss, also die Höhe der tatsächlichen Geldflüsse im Verlauf eines Jahres. Auch die Berechnung der zukünftigen Kapitalverzinsung gibt wertvolle Hinweise auf den Nutzen, den das Unternehmen für den Investor haben wird. Für diesen ist die Beteiligung nur dann interessant, wenn dessen Kapitalverzinsung höher ist als die anderer potenzieller Beteiligungen oder weiterer Kapitalanlagen.

Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) kann ein weiterer wichtiger Teil der Unternehmenswert-Kennzahlen sein. Es umfasst die Gesamtzahl sämtlicher getätigten Investitionen. Für Investoren ist diese Kennzahl deshalb ein interessanter Indikator dafür, ob das Unternehmen vor Zinsen und Steuern rentabel arbeitet. Lässt man auch noch die Abschreibungen außen vor, ermittelt also das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA), nähert man sich bereits der Kennzahl des operativen Kapitalflusses. Häufig ist dieser Wert für Investoren und Käufer besonders interessant.

Je nach Unternehmensform ist bei den beiden letztgenannten Werten der Geschäftsführerlohn mit aufgeführt oder nicht. Bestandteil ist er bei der Unternehmensform der GmbH, nicht enthalten ist er bei nahezu allen anderen bei KMUs üblichen Gesellschaftsformen wie der GmbH & Co.KG, der OHG, KG, GbR und dem Einzelunternehmen. Die Kosten für die Geschäftsführung können somit unter Umständen separat in die Unternehmensbewertung mit einfließen.

 

Weiche Faktoren der Unternehmensbewertung: Was außerdem zählt

Neben vergangenen, zukünftigen und aktuellen Finanzkennzahlen spielt auch die Höhe des Anlagevermögens und des Eigenkapitals sowie die Marktaussicht und die Wettbewerbssituation eine wichtige Rolle bei der Unternehmensbewertung. Diese werden als die so genannten weichen Faktoren bezeichnet. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich nicht oder nur schwer mit Zahlen belegen lassen. Das macht sie allerdings nicht weniger wichtig.

Im Mittelstand ist ein Großteil der Unternehmen inhabergeführt. Diese Tatsache hat Vor- und Nachteile. Vielfach sind die Strukturen und die Unternehmensphilosophie am Inhaber orientiert, etwa was die Kundenbeziehungen angeht. Langfristige Investitionen können für potenzielle Investoren vor diesem Hintergrund zum Risikofaktor werden. Scheidet der Inhaber aus und steht zugleich kein adäquater Nachfolger bereit, kann das Unternehmen schwanken – und die Investition im schlimmsten Fall verloren sein.

KMUs tun daher gut daran, die Abhängigkeit von einem Inhaber lange vor dem Verkauf oder dem Einbezug eines Investors so weit wie möglich zu reduzieren. Das kann etwa durch eine zweite Führungsebene oder einen kompetenten Stellvertreter geschehen. Ratsam ist es ebenfalls, nicht einer Person sämtliche Entscheidungen zu überlassen, sondern Verantwortungen an mehrere Personen zu übertragen.

 

Transparenz schaffen für die Unternehmensbewertung

Wer investiert, möchte wissen, wohin sein Geld fließt und welche Erfolgsaussichten bestehen, es zu vermehren. Wer auf der Suche nach Investoren oder Käufern ist, sollte daher nicht davor zurückschrecken, seine internen Abläufe sichtbar zu machen. Selbst wenn die Zahlen stimmen und das Unternehmen am Markt eine herausragende Position einnimmt, kann eine mangelhafte Organisation diese schnell zunichte machen.

Eine Aufstellung der Verantwortlichkeiten, Prozessabläufe und Entscheidungskompetenzen der Abteilungen beweist Transparenz und zeigt, dass der Betrieb gut geführt wird. Das steigert zwar nicht direkt den monetären Unternehmenswert, schafft jedoch Vertrauen. Damit erhöht es die Bereitschaft von potenziellen Investoren, ihre Anlage in eben diese Firma zu stecken. In diesem Zusammenhang steht auch die Dokumentation und Überprüfung der Unternehmensstrategie. Sie ist zum einen dafür wichtig, dass das Unternehmen am Ball bleibt und am Markt bestehen, sowie im Idealfall wachsen kann. Fehlplanungen werden einfacher und schneller erkannt und es lässt sich rechtzeitig gegensteuern. Eine zukunftsorientierte Unternehmensstrategie steigert den Wert des Unternehmens daher maßgeblich.

  • Zu den weichen Faktoren, die Vertrauen schaffen und somit den Wert steigern, zählen darüber hinaus:
  • qualifizierte Mitarbeiter
  • zufriedene Kunden
  • marktgerechtes Produktportfolio
  • aussagekräftiges Berichtswesen und Rechnungsprüfung

 

Branchen- und Geschäftsmodelle – so beeinflussen sie die Wichtigkeit der Kennzahlen

Kein Unternehmen gleicht dem anderen. Die Unternehmensbewertung ist daher ein komplexes Feld, in dem zahlreiche, zum Teil sehr unterschiedliche Daten erhoben werden. Diese hängen nicht zuletzt von der Branche ab, in der ein Betrieb tätig ist. Für einen Produktionsbetrieb sind andere Werte wichtig, als für einen Onlinehandel.

Während etwa ein Dienstleistungsunternehmen zum einen an seinem Umsatz gemessen werden kann – denn dieser ist vielfach identisch mit dem Rohertrag -, sowie zum anderen an der Gewinnmarge, den Cost of Goods Sold (Kosten, die im Zusammenhang mit den produzierten Waren entstehen) und der Abhängigkeit vom Inhaber wichtig sind, sieht das bei einem Onlinehändler ganz anders aus. Hier werden potenzielle Geldgeber oder Käufer zum einen auf den Rohertrag und weniger auf die Umsatzzahlen schauen. Zum anderen werden Werte wie Besucherzahlen, Konversionsrate (das Verhältnis von Seitenbesuchern zu getätigten Transaktionen) sowie die Kosten für und der Erfolg von Onlinemarketing-Maßnahmen im Fokus der Unternehmensbewertung stehen. Beim Produktionsunternehmen ist neben den Produktmargen auch die Alleinstellungsmerkmale der Marke ein wichtiger Indikator. Das gilt insbesondere dann, wenn sich das Unternehmen in einem stark umkämpften Umfeld bewegt.

 

Fazit: Unternehmensbewertung – ein komplexes Feld

Den Unternehmenswert mit Kennzahlen zu bestimmen, ist eine sehr individuelle Rechenaufgabe. Denn nicht nur die reinen Zahlen bestimmen, inwieweit das eigene Unternehmen für potenzielle Investoren interessant sein kann. Abhängig von der Branche, dem Marktumfeld, der Unternehmensform und den internen Prozessen sind für sie sehr unterschiedliche Zahlen wichtig. Letztendlich ergibt sich aus einer Vielzahl an Werten ein Gesamtbild, das jedoch nur zu einem Teil den Ausschlag gibt. Die Unternehmensberatung Deloitte stellt in ihrem Report „Mergers & Acquisitions im Mittelstand“ fest, dass nicht zuletzt emotionale Faktoren, das sogenannte Bauchgefühl, den Ausschlag geben, ob der Investor zuschlägt. Eine erfolgversprechende Unternehmensstrategie, saubere Zahlen, stabile Umsätze und eine hohe Eigenkapitalquote sind allerdings Faktoren, die den Geldgeber positiv beeinflussen können.

 

Dieser Artikel wurde von unserem Kooperationspartner Carl zur Verfügung gestellt.

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