Veröffentlichungspflicht der GmbH (Publikationspflicht)

18. März 2015 8 Minuten zu lesen
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Was bedeutet eigentlich „Veröffentlichungspflicht der GmbH“? Oder „Publikationspflicht“? firma.de verschafft Ihnen einen Überblick über alle wichtigen Fragen zum Thema und gibt klare Antworten rund um die Pflicht zur Bilanzveröffentlichung einer GmbH. Sie erfahren, wie Sie eine GmbH einer von drei Größenklassen zuordnen, wie umfangreich ein Jahresabschluss für eine GmbH sein muss, wo Sie eine GmbH-Bilanz einsehen können, wo die sogenannte Offenlegung stattfindet und welche Fristen eingehalten werden müssen.

Veröffentlichungspflicht der GmbH: Definition

Jahresabschlüsse von Kapitalgesellschaften sind beim eBundesanzeiger elektronisch einzureichen, damit Sie fristgerecht und für jedermann zugänglich online veröffentlicht werden können. Die Pflicht, den Jahresabschluss rechtzeitig zu übermitteln, nennt man Veröffentlichungspflicht oder Publizitätspflicht. Diese Pflicht besteht auch für den Lagebericht. Der jeweilige Umfang des Jahresabschlusses oder Lageberichts ist immer davon abhängig, welcher Größenklasse eine GmbH zugeordnet wird. Die Schwellwerte für die Größenklassen wurden mit dem Inkrafttreten des Bilanzrichtlinien-Umsetzungsgesetzes (BilRUG) angepasst.

In der Praxis wird die Übermittlung der Daten meist einem Steuerberater überlassen, doch steht es jedem Unternehmen frei, diese selbst durchzuführen. Für diesen Fall hat der Bundesanzeiger ein Online-Portal eingerichtet, auf dem Sie außerdem umfassende Infos zu den mit einer Veröffentlichung verbundenen Kosten finden.

Haben Sie noch allgemeine Fragen zur GmbH, finden Sie hier Grundlegendes zur Definition einer GmbH und den Kosten.

 

Veröffentlichungspflicht der GmbH: Welche Größenklassen gibt es?

Um herauszufinden, in welchem Umfang die Pflicht der Bilanzveröffentlichung für Jahresabschluss und Erstellung des Lageberichts für eine bestimmte GmbH besteht, muss das Unternehmen einer Größenklasse zugeordnet werden. Man unterscheidet drei Größenklassen von Kapitalgesellschaften, zu denen auch die GmbH zählt:

Größenklassen der GmbH: Was ist eine kleine Kapitalgesellschaft?

Eine GmbH ist als eine „kleine Kapitalgesellschaft“ einzustufen, wenn mindestens zwei der nachfolgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Die Bilanzsumme beträgt nach Abzug des Fehlbetrages einer buchmäßigen Überschuldung maximal 6.000.000 Euro.
  • Die Umsatzerlöse in den zwölf Monaten vor dem Abschlussstichtag betragen maximal 12.000.000 Euro.
  • Es werden im Jahresdurchschnitt maximal 50 Arbeitnehmer beschäftigt.

 

Größenklassen der GmbH: Was ist eine mittelgroße Kapitalgesellschaft?

Eine GmbH ist als eine „mittelgroße Kapitalgesellschaft“ einzustufen, wenn mindestens zwei der nachfolgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Die Bilanzsumme beträgt nach Abzug des Fehlbetrages einer buchmäßigen Überschuldung über 6.000.000 Euro, doch nicht mehr als maximal 20.000.000 Euro.
  • Die Umsatzerlöse in den zwölf Monaten vor dem Abschlussstichtag betragen über 12.000.000 Euro, doch nicht mehr als maximal 40.000.000 Euro.
  • Es werden im Jahresdurchschnitt über 50 Arbeitnehmer, doch nicht mehr als maximal 250 Arbeitnehmer beschäftigt.

 

Größenklassen der GmbH: Was ist eine große Kapitalgesellschaft?

Eine GmbH ist als „große Kapitalgesellschaft“ einzustufen, wenn mindestens zwei der nachfolgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Die Bilanzsumme beträgt nach Abzug des Fehlbetrages einer buchmäßigen Überschuldung mehr als 20.000.000 Euro.
  • Die Umsatzerlöse in den zwölf Monaten vor dem Abschlussstichtag betragen mehr als 40.000.000 Euro.
  • Es werden im Jahresdurchschnitt mehr als 250 Arbeitnehmer beschäftigt.

 

Größenklassen der GmbH: Rechtsfolgen

Die Rechtsfolgen wie beispielsweise die in Deutschland bestehende Pflicht zur Bilanzveröffentlichung o.Ä. der oben genannten Zuordnungen treten nur dann ein, wenn die Kriterien für eine Größenklasse an den Abschlussstichtagen von zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren erfüllt wurden. Bei einer Umwandlung oder einer Neugründung treten die Rechtsfolgen am ersten Abschlussstichtag ein.

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Neue Regelungen nach BilRUG (Bilanzrichtlinien-Umsetzungsgesetz)

Seit Inkrafttreten des Bilanzrichtlinien-Umsetzungsgesetzes gelten folgende Regelungen:

• Die alten Schwellenwerte müssen auf alle Geschäftsjahre, die vor dem 01.01.2014 beginnen, angewendet werden.

• Bei Geschäftsjahren, die nach dem 01.01.2014 oder später beginnen und vor dem 01.01.2016 enden, können Sie selbst entscheiden, an welchen Schwellenwerten Sie sich orientieren. Bei Verwendung der neuen Schwellwerte sind allerdings auch die in Art. 75 Abs. 2 EGHGB genannten Vorschriften des HGB in der neuen Fassung zu beachten.

• Auf alle nach dem 01.01.2016 beginnenden Geschäftsjahre sind die neuen Schwellenwerte anzuwenden.

 

Veröffentlichungspflicht der GmbH & Co. KG

Für eine GmbH & Co. KG gelten die weitergehenden Publizitätsvorschriften für Kapitalgesellschaften.

 

Veröffentlichungspflicht der GmbH: Der Umfang von Jahresabschluss und Lagebericht

Für jede Größenklasse (s.o.) einer GmbH oder jeder anderen Kapitalgesellschaft ist ein bestimmter Umfang von Jahresabschluss und Lagebericht vorgeschrieben. Im Einzelnen ist der Umfang der Publikationspflicht bzw. der Bilanzveröffentlichung sowie den weiteren Offenlegungen, die in Deutschland vorgeschrieben sind, folgendermaßen festgelegt:

Umfang der Veröffentlichungspflicht einer GmbH als kleine Kapitalgesellschaft

• Jahresbilanz

•Verkürzter Anhang (vgl. §326 HGB)

• Ergebnisverwendungsvorschlag

• Ergebnisverwendungsbeschluss

 

Umfang der Veröffentlichungspflicht einer GmbH als mittelgroße oder große Kapitalgesellschaft

• Jahresbilanz (bei mittelgroßen Kapitalgesellschaften Vereinfachung möglich)

• Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)

• Anhang (bei mittelgroßen Kapitalgesellschaften Vereinfachung möglich)

• Lagebericht

• Bericht des Aufsichtsrats

• Prüfungsvermerk

• Ergebnisverwendungsvorschlag

• Ergebnisverwendungsbeschluss

• Entsprechungserklärung zum Corporate Governance Kodex nach § 161 AktG

Wichtig: Der Jahresabschluss muss seit Inkrafttreten des BilRUG von den Gesellschaftern festgestellt, sprich genehmigt werden.

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Veröffentlichungspflicht der GmbH: Bundesanzeiger

Der Bundesanzeiger (BAnz) ist eines der Publikationsorgane der deutschen Bundesbehörden. Auch die Bilanz der GmbH betrifft den Bundesanzeiger. Jede GmbH ist aufgrund der Veröffentlichungspflicht daran gebunden, die Unterlagen für den Jahresabschluss elektronisch bei der Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH Köln einzureichen.

Wo kann man die Bilanz der GmbH einsehen?

Vom Bundesanzeiger werden die Daten an das Unternehmensregister weitergeleitet und dort zentral bereitgestellt, um online abgerufen werden zu können. Die Öffentlichkeit hat so die Möglichkeit, die GmbH-Bilanz einzusehen.

 

Veröffentlichungspflicht der GmbH: Innerhalb welcher Frist muss die Offenlegung erfolgen?

Die Offenlegung des Jahresabschlusses bzw. die Bilanzveröffentlichung inklusive Anhang sowie weitere verpflichtend einzureichende Dokumente (s.o.) einer GmbH hat bis zu zwölf Monate nach dem Bilanzstichtag zu erfolgen. Diese Frist sowie die Veröffentlichungspflicht (Publikationspflicht) gilt für alle Kapitalgesellschaften, die in Deutschland gemeldet sind.

Sind Ihre Fragen zur Veröffentlichungspflicht einer GmbH noch nicht ausreichend beantwortet oder Sie haben noch allgemeine Fragen zur GmbH, informieren Sie sich zusätzlich in unseren Ratgeberartikeln über die Vorteile einer GmbH, das Stammkapital einer GmbH, die Satzung einer GmbH, die Organe einer GmbH und vieles mehr rund um die Gesellschaft mit beschränkter Haftung.

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