Food-Startup: Glutenfreie Leckereien aus Wiesbaden

aktualisiert am 21. Januar 2021 9 Minuten zu lesen
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Was ist gutes und gesundes Essen? Das Wiesbadener Food-Startup NOglla liefert die Antwort – wohltuend, genussvoll und einfach lecker. firma.de sprach mit Gründerin Joana Sandkühler.

NOglla besteht zwar erst seit 2015, kann aber bereits auf beeindruckende Erfolge zurückblicken, denn das Unternehmen kann neben einem Laden und Onlineshop zum Verkauf der Produktpalette nicht nur ein sympathisches Bistro in schickem Ambiente vorweisen, sondern bietet außerdem attraktive Kochkurse an – selbstverständlich ebenso absolut gluten- und laktosefrei. Zusätzlich ist NOglla mit eigenem Stand regelmäßig auf dem Wiesbadener Wochenmarkt vertreten. Als weiteres Highlight durfte das noch junge Startup den Exina-Gründerpreis der Region Wiesbaden in der Kategorie „Innovation“ einheimsen.

Der Name NOglla ist eine Abkürzung für NO Gluten & Laktose und richtet sich somit zunächst an Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten. NOglla bietet frische Produkte an, die garantiert frei von Gluten und Laktose sind und zudem auch noch lecker schmecken. Wer jetzt an Schonkost denkt, liegt jedoch falsch, denn im Angebot befinden sich durchaus originelle, reichhaltige und schmackhafte Gerichte, die auch qualitativ überzeugen.

firma.de traf Joana Sandkühler von NOglla zum Interview:

Gründer NOglla

firma.de: Frau Sandkühler, was bedeutet „NOglla“ für Sie?

Joana Sandkühler: NOglla bedeutet für mich einfach, Essen zu genießen und auch bei einer Glutenunverträglichkeit endlich ohne Reue essen zu können. Mit NOglla erfülle ich mir tatsächlich einen Herzenswunsch.

Was genau unterscheidet NOglla von anderen Anbietern von glutenfreiem Essen?

Wir stehen für ehrliche Produkte, d. h. wir haben unsere Rezepte in Rücksprache mit Ernährungswissenschaftlern und Medizinern entwickelt und bieten eine gesunde Alternative an, ohne auf Geschmack zu verzichten. Bei uns schmecken die Gerichte und man muss keine faulen Kompromisse eingehen, was Menschen mit Glutenunverträglichkeit leider häufig müssen, sei es beim Einkaufen oder wenn sie essen gehen.

Wie kann man als Gastronom Menschen mit Unverträglichkeiten als Zielgruppe gewinnen?

Die Hauptzielgruppe, die wir mit NOglla ansprechen, geht kaum essen und ist für die herkömmliche Gastronomie total uninteressant. Stellen Sie sich vor, Sie haben als Restaurantbetreiber ein Menü zusammengestellt und ein XXX-Allergiker möchte bei Ihnen essen, der kann so gut wie alles auf ihrer Karte nicht essen. Einer solch schwierigen Zielgruppe etwas anzubieten ist für den Gastronomen ein unglaublicher Aufwand, ohne dass er damit viel verdienen könnte, denn in der Regel muss das gesamte Menü überarbeitet und quasi neu gekocht werden.

Viele Gastronomen greifen dennoch den Trend auf, glutenfreie Gerichte anzubieten.

Das stimmt, doch die Qualitätsunterschiede sind enorm, denn diesen Anspruch in der Küche auch umzusetzen, ist nicht so einfach, wie viele glauben. Ich habe es selbst oft erlebt, dass es vor Ort im Restaurant heißt, das Essen sei „absolut glutenfrei“ und hinterher hatte ich doch die Beschwerden. Daher tue ich mich mit neuen Restaurants, die mir nicht von Freunden als sicher empfohlen wurden, echt schwer. Manchmal meinen Sie es auch gut mit einem und der Küchenchef persönlich backt ein glutenfreies Brot, das allerdings in einem Brotkorb serviert wird, in dem noch Krümel von normalem Brot enthalten sind, was den Aufwand leider mit einem Schlag zu Nichte macht. Das ist häufig lieb von der Küche gemeint, aber so funktioniert das leider nicht.

Ist nicht die Deklarationspflicht der Speisen eine große Hilfe für Menschen mit Unverträglichkeiten?

Theoretisch schon, doch in der Praxis wissen viele überhaupt nicht, was sie deklarieren müssen bzw. was genau in ihrem Essen eigentlich enthalten ist. Es gibt ja den schönen Spruch „Wer nichts wird, wird Wirt“, der hier ganz gut passt. Da man für den Beruf des Gastronomen keinerlei Qualifikation benötigt, bringt nicht jeder dasselbe Level an Fachwissen mit. Hier unterstelle ich zwar keine böse Absicht und viele geben sich durchaus Mühe, doch nach einem falsch deklarierten Essen geht es mir als Person mit Glutenunverträglichkeit halt trotzdem schlecht. Schon ein Krümel einer Semmel ist ausreichend, um Beschwerden auszulösen. Hier sehe ich in vielen Gastronomiebetrieben großen Schulungsbedarf beim Personal sowohl in Küche als auch Service. Deutschland hinkt hier sehr stark hinterher, in anderen Ländern ist man da schon sehr viel weiter. Doch auch hier tut sich was. Und genau da möchten wir mit Noglla ansetzen.

Waren Ihre eigenen Erfahrungen mit Ihrer Unverträglichkeit ausschlaggebend für die Geschäftsidee von Noglla?

Definitiv! Ansonsten hätte ich mir im Traum nicht vorstellen können, dass ich samstags auf dem Markt stehe und Brot verkaufe oder in einem Lebensmittelrestaurant lande. Als bei mir diese Lebensmittelunverträglichkeit festgestellt wurde, konnte ich nicht mehr essen gehen und auch im Supermarkt sind gefühlte 80 % der Lebensmittel plötzlich weggefallen, genau wie auch manche Zahnpasta und Kosmetika. Früher habe ich mir über sowas nie Gedanken gemacht. Wenn meine Freunde dann essen gegangen sind, bin ich oft heulend im Bett gelegen, weil ich mir  schon dachte, das wird eh wieder nichts mit glutenfreiem Essen. Mein Geschäftspartner Jonas Berger hat dann angefangen für mich zu kochen. Das hat ganz gut geschmeckt und dann haben wir uns gedacht: Vielleicht sollten wir das weiter vertiefen und schauen, ob es noch mehr Bedarf gibt. Das war der Beginn von Noglla.

An wen richtet sich Noglla denn noch?

Noglla richtet sich nicht nur an Menschen mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit, sondern an alle, die Wert auf eine gesunde und leckere Ernährung legen. Unsere Zutaten beziehen wir am liebsten regional: unser Fleisch kommt von unserem Landmetzger. Wenn man keine Zeit hat, selbst in der Küche zu stehen, kann man bei uns ruhigen Gewissens zum Fertig-Gläschen greifen.

…und auch ethisch ein gutes Gewissen haben?

Selbstverständlich, wobei wir hier einem individuellen Ansatz folgen. Wir sind bewusst nicht bio-zertifiziert, weil uns Regionalität einfach wichtiger ist. Wir wollen genau wissen, wo unser Fleisch und unser Gemüse herkommt. Dass wir alle Bauern selbst anfahren ist natürlich utopisch, wobei wir das bei einigen Lieblingsbauern durchaus regelmäßig machen. Ansonsten versorgen wir uns über den regionalen Großmarkt, denn auch dort ist genau nachvollziehbar, wo Lebensmittel herkommen. Und bei uns kann es auch durchaus mal sein, dass wir ein Gemüse außerhalb der jeweiligen Saison nicht mehr vorrätig haben.

Wie entscheiden Sie, ob Sie Bio-Produkte verwenden oder nicht?

Gerade bei den Saaten schauen wir uns explizit die Produktspezifikationen an und entscheiden uns dann entweder für den konventionellen Anbau oder eben Bio. Bei Chia-Samen verwenden wir beispielswiese Bio, bei Sonnenblumenkernen ist das weniger wichtig. Ein weiterer Grund, warum wir produktspezifisch entscheiden, ist: Wir wollen unseren Kunden ein Premium-Produkt zu moderaten Preisen anbieten. Da wir unsere Lieferanten kennen, haben wir Vertrauen in ihre Produkte und ihre Qualität und können uns auf sie verlassen.

Was sind eure Pläne für 2017?

Dieses Jahr fokussieren wir das Online-Geschäft und unsere Kontakte in den Einzelhandel. In diesem Jahr soll Noglla dann nach ausgiebiger Testphase skalierbar gemacht werden. Wir haben viele neue Ideen und freuen uns diese in diesem Jahr umzusetzen.

Bildquellen: © NOglla

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