Interview: „Ich kann nicht morgens aufstehen und die Vision eines Anderen leben“

aktualisiert am 18. Februar 2021 12 Minuten zu lesen
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Interview mit Timo Switalla, Gründer von WELLTHY Urban Life Concept.

Herr Switalla, was ist WELLTHY?

WELLTHY schafft eine Möglichkeit, sich im urbanen Großstadtumfeld gesund zu verhalten. WELLTHY vereint ein innovatives Sportstudio, ein besonderes Fitnessrestaurant und eine Gesundheitsakademie unter einem Dach. Es geht bei WELLTHY nicht einfach nur darum etwas für seine Gesundheit zu tun. Es sollen auch immer die neusten Trendsportarten, wie z. B eine Kombination aus Parcours, Cross-Fit und Street Workout, etc. für viel Spaß integriert werden.

Ich bin selbst Leistungssportler und habe ca. 15 Jahre in Großstädten gelebt und kaum etwas Werthaltiges und Bezahlbares zu essen gefunden. Als leidenschaftlicher Koch weiß ich auch, was es bedeutet, einzukaufen, zu kochen, drei Stunden vor dem Sport alles noch zu verstoffwechseln und dann erst zum Sport gehen zu können. Da braucht man Stunden am Tag, die aber kein Mensch hat. Die Leute essen dann meistens ungesundes Fast-Food oder teure Life-Style-Produkte. Ernährung muss heute schnell in den Alltag integrierbar und schnell verfügbar sein.
 

Logo Wellthy

Was waren die größten Herausforderungen in der Gründungsphase? Für WELLTHY und für Sie ganz persönlich.

WELLTHY und meine Person lassen sich gar nicht so einfach separieren. Was aus Sicht des Unternehmens Herausforderungen waren, waren letzten Endes auch meine.

Eines der größten Hindernisse war es, überhaupt erst mal ernstgenommen zu werden. Wir mussten uns so weit professionalisieren, dass nicht der Eindruck entstand, dass es sich bei WELLTHY um eine unausgereifte Idee handelte. Das ging los bei einer kleinen Internetseite, über Betriebs- und Geschäftsausstattung oder auch einfach mal einem sauberen, gebügelten Anzug.

Wir haben zudem fast zwei Jahre benötigt, um das Team mit so viel Expertise auszufüllen, dass wir wirklich ernst genommen wurden. Ich konnte nicht hingehen und sagen: „Ich habe hier hochwertige Büroräume und jeder bekommt direkt einen Firmenwagen.“

Mit solchen Argumenten ist es nicht schwierig, Leute in das Unternehmen zu holen. Wenn man aber wie ich die Wahrheit sagt, muss man mit seiner Person überzeugen. Und diese Person zu sein und zu bleiben, mit den Schwierigkeiten, Zukunftsängsten, etc., das war schwierig!

Persönlich war es nicht einfach mit 37 Jahren nochmal den Schritt zurückzugehen, eine kleinere Wohnung zu nehmen und die materiellen Ansprüche runter zu schrauben. Es gab viele Tage, wo der Kühlschrank nicht so gut gefüllt war. Ich habe aber immer an WELLTHY geglaubt!

Ihr Pilotprojekt starten Sie aber trotz der Schwierigkeiten in Berlin!

Berlin als Pilot-Stadt haben wir uns schon aktiv so überlegt. Wir eröffnen ja keine Rehaklinik, sondern einen angesagten place to be. WELLTHY ist ein Lifestyle Konzept und wir wollen schon, dass das aus Berlin kommt.
Wenn irgendetwas von Multiplikatoren, den Trendsettern in Berlin, angenommen wird, dann ist das definitiv auch für andere Städte interessant.

Können sich denn die Bewohner anderer Großstädte schon auf WELLTHY freuen? Planen Sie eine deutschlandweite Expansion?

Erst mal planen wir die Pilotierung in Berlin! Wir wollen Ende 2013, spätestens Anfang 2014, eröffnen. Das Feedback der Leute ist aber jetzt schon gigantisch. WELLTHY soll aber nicht, wie man das aus anderen Fitnessstudios kennt, so eine Massentierhaltung sein. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass wir nach der Pilotierung recht zügig einen zweiten Standort in Berlin eröffnen. Danach werden recht zeitnah weitere Metropolen wie z. B. Hamburg, München, Frankfurt und Düsseldorf dazu kommen.

Das größte Problem ist momentan die Location. Man findet in Berlin aktuell keine Immobilie, gerade in der Größenordnung und mit unseren Anforderungen an Lage, etc. Das ist sehr schwierig und stellt momentan das Zünglein an der Waage dar.

Was haben Sie in der Startphase gemacht, um bekannt zu werden. Und wie werden Ihre Kunden zukünftig von Ihnen erfahren?

Ich weiß gar nicht, ob Bekanntheit immer das wichtigste ist. Unsere oberste Prämisse ist, dass alles von Anfang an transparent, authentisch und immer in Top-Qualität angeboten wird. Zukünftig werden wir mehr Aktionen und Kooperationen mit strategischen Partnern eingehen und weniger die typischen Marketing Maßnahmen.

Guerilla-Marketing, Flashmobs und Street-Art-Aktionen sind da schon eher angesagt. Wenn die Multiplikatoren der Berliner-Szene dorthin gehen und dies in den sozialen Medien verbreiten, wird das ein riesen Erfolg. Gerade unsere Zielgruppe müssen wir da abholen wo sie sich aufhält. Die Leute haben einfach ein Bedürfnis, das Ihnen durch WELLTHY erfüllt wird.

Ist Ihr Unternehmeralltag eher Stress oder eher Freude?

Sicherlich gibt mir das Projekt mehr, als man monetär aufwerten könnte. Was mich immer sehr bestärkt hat, ist, dass so viele Menschen an mich glauben und das setzt sich durch unser ganzes Team der 16 Leute durch. Wenn die an mich glauben und ihre Lebenszeit und ihr Engagement in etwas investieren, für das es jetzt noch gar kein Geld gibt, dann gibt mir das sehr viel Antrieb. Viel mehr, als wenn ich in einer Firma arbeiten würde und am Monatsende ein festes Gehalt auf dem Konto hätte.

Sicherlich basiert diese Einstellung auch auf meiner Herkunft. Ich hatte nicht viel Geld, um meine Idee zu verwirklichen, aber ich hatte den großen Glauben an meine Idee.

Man darf aber nie vergessen, dass es trotzdem 16 Stunden Tage sind, mit zum Teil vielen Nackenschlägen. Es ist extrem viel Stress. Der Stress resultiert aber nicht aus der Fülle und Art der Tätigkeit, sondern aus den Ängsten und Ungewissheiten. Schafft man das oder fliegt einem das alles nach 2 Jahren um die Ohren?

Wenn es dazu kommt, dass wir Ende des Jahres eröffnen, gibt es nichts Schöneres als sich von 0 bis 100 durchgebissen zu haben. Es tut gut, dass man es den Leuten, die es einem ausreden wollten, gezeigt hat. Man muss aber einfach der Typ für diese Art von Job sein.

Wichtig ist, dass man in Stresssituationen selbstreflektiert erkennt, dass man jetzt mal eine Pause braucht. In solchen Momenten ist ein starkes Team unerlässlich.

Warum sind Sie persönlich Unternehmer geworden?

Ich kann nicht morgens aufstehen und die Vision eines anderen leben. Das fällt mir ziemlich schwer. Ich bin einfach nicht der Typ für irgendwelche starren Organisationen. Sicherlich gibt es auch Unternehmen, wo das passen könnte. Allerdings möchte ich mich nicht in einem Unternehmen einsperren lassen.

Außerdem denke ich, dass ich einfach ein Unternehmer-Typ bin. Unternehmer sein kann man nicht erlernen. Wenn man nicht mit dem Druck umgehen kann und nicht reflektiert genug ist, dann wird es sehr schwierig.

Was war der bisher schönste Moment innerhalb des Projekts WELLTHY?

Vor eineinhalb Jahren kam eine Frau auf mich zu, die ich bis dato drei oder viermal gesprochen hatte und sagte, dass sie die Idee von Wellthy klasse finde und mir Geld geben wolle, damit ich weiter machen könne. Das war einfach ein unglaublicher Vertrauensvorschuss und das hat mich nachhaltig beeindruckt. Was mir gerade Banker und Investoren immer sagen, ist, wenn es bei Immobilien um die Lage geht, so geht es bei Projekten wie WELLTHY um das Team und die Persönlichkeiten, die dahinter stehen. Wenn man die Leute nicht anstecken kann, wird es extrem schwer.

Vor einigen Wochen haben wir ein Team-Essen veranstaltet. Da habe ich mit unserem Koch für das gesamte Team gekocht. Das war ein sehr schöner Moment.

Welche Tipps haben Sie für junge Gründer? Auf was sollten die Gründer am Anfang achten?

Man muss ehrlich zu sich selbst sein und reflektiert mit der eigenen Situation umgehen. Wenn am Anfang schon die Zweifel beginnen, dann spüren das auch die Investoren und Mitarbeiter. War man immer ehrlich zu sich selbst, kann man sich das Bild, das man sich geschaffen hat, auch bewahren. Dann kann niemand kommen und es einem ausreden. Man muss auf jegliche Kritik vorbereitet sein und genau wissen, wo man hin will.

Man muss Kritik aber auch wegstecken zu können. Ich erinnere mich da gerne an die Geschichte des Starbucks Gründers. Er ist jahrelang durch die USA gelaufen um Investoren für seine Idee „Coffee-to-go“ zu gewinnen. Alle haben gesagt, dass das eine blöde Idee sei. Er hat aber weiterhin an seine Idee geglaubt und weiter daran gearbeitet. Irgendwann hat er jemanden getroffen, der gesagt hat: „Die Idee finde ich zwar total blöde, aber ich glaube an dich und ich weiß, dass ich mein Geld irgendwann wiederbekommen werde!“ Heutzutage gehört der Coffee-to-go zur Lebenskultur.

Wichtig ist auch, dass man der richtige Typ für eine Gründung ist. Wenn einem Statussymbole wichtiger sind, als nochmal für zwei Jahre in eine kleine 40qm Wohnung zu ziehen, dann sollte man das lieber lassen.

Haben Sie zum Abschluss hin noch ein Zitat, das Sie auf Ihrem Weg begleitet hat und das Sie unseren Gründern mitgeben möchten?

Mein Vater hat mir folgenden Satz mit auf den Weg gegeben: „Du musst nicht nur wollen, du musst es auch tun!“. Wenn man Dynamik und Energie in etwas reinsteckt, dann kommt das auch wieder raus, dann bewegt sich auch etwas.

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