Buchhaltungswissen: Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

aktualisiert am 29. Januar 2019 7 Minuten zu lesen
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Was sind Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen? Wo tauchen sie in der Buchführung auf? Was ist der Unterschied zwischen Verbindlichkeiten und Rückstellungen? firma.de erklärt Ihnen das Einmaleins der Buchhaltung – einfach und verständlich.

 

Verbindlichkeiten: Definition

Ganz allgemein versteht man unter Verbindlichkeiten ausstehende Leistungen, die der Schuldner gegenüber dem Gläubiger erbringen muss. Dabei können Leistungen Geldbeträge, aber auch Arbeitsaufwand, Lieferungen und vieles mehr sein. Der Begriff selbst kommt aus dem Schuldrecht.

Verbindlichkeiten sind aus Sicht des Unternehmers immer Leistungen, die der Betrieb gegenüber Dritten erbringen muss. Das eigene Unternehmen steht in der Schuld eines anderen. Wichtig zum Verständnis ist der zeitliche Aspekt: Die aktuelle Verbindlichkeit entsteht durch ein Ereignis in der Vergangenheit. In der Zukunft wird ein Leistungsabfluss erwartet. Das Konzept der Verbindlichkeiten ist auch international Usus: In den International Accounting Standards werden Verbindlichkeiten mit liabilities übersetzt.

Das Gegenteil von Verbindlichkeiten in der Buchhaltung sind Forderungen: unter diesem Posten finden sich Leistungen, die andere schulden. In der Buchführung stehen sich Verbindlichkeiten und Forderungen also gegenüber: Verbindlichkeiten sind auf der Passivseite, Forderungen auf der Aktivseite der Bilanz zu finden.

Zum Bilanzstichtag ist so ersichtlich, welche kurzfristig erwarteten Zahlungsflüsse noch ausstehen.

 

VLuL: Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

Es gibt mehrere Arten von Verbindlichkeiten, die in der doppelten Buchführung als einzelner Posten zusammengefasst werden. Darunter fallen auch die so genannten Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich dabei um Verbindlichkeiten, die gegenüber Kunden und Lieferanten bestehen. Oft wird dieser Posten im Rechnungswesen auch als Verbindlichkeiten LuL, VLuL oder VLL abgekürzt.

Aus welchen typischen Ereignissen folgen Verbindlichkeiten LuL?

VLL entstehen aus Zielkäufen. Das bedeutet, dass Ihr Unternehmen eine Leistung mit der Absicht in Auftrag gibt oder bestellt, sie nach einer Zahlungsfrist am Zieltag zu begleichen. Man spricht deshalb auch von kurzfristigen Verbindlichkeiten. Typische Zielkäufe sind:

  • Dienstleistungen (externe Buchhaltung, Büroreinigung, IT-Support)
  • Rohstofflieferungen (Sand, Kupfer, Rohöl)
  • Produktlieferungen (Getränke, Ersatzteile)
  • Reparaturen (Malerarbeiten, Wartung der Maschinen)

 

Verbindlichkeiten buchen

Verbindlichkeiten werden mit dem Bruttobetrag, also inklusive der 19 Prozent Umsatzsteuer gebucht. Durch die Kalkulation mit der Vorsteuer wird die Liquidität des Unternehmens gewährleistet. In der Bilanz werden Verbindlichkeiten nach Fristigkeit sortiert: Die kürzeste Frist steht am weitesten oben. Aus diesem Grund sind die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen in der Regel als erstes aufgelistet. Die Buchungssätze sind typischer Bestandteil der Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung.

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Wie entsteht eine Verbindlichkeit aus Lieferungen und Leistungen?

Ein Beispiel: Sie beauftragen am 1. April eine Lackiererei, um Ihren gewerblichen Fuhrpark von sechs PKW neu lackieren zu lassen. Die Lackiererei führt den Auftrag aus und stellt am 15. April eine Rechnung von 10.856 Euro aus. Das Zahlungsziel ist allerdings erst am 29. April. Im Zeitraum zwischen Rechnungsstellung und Rechnungsbegleichung entsteht eine Verbindlichkeit gegenüber der Lackiererei. Ihr Unternehmen ist der Schuldner, die Lackiererei ist der Gläubiger.

Betrachtet man das Beispiel aus der Perspektive des Lackierers, besteht ebenfalls eine Verbindlichkeit. Nach Auftragseingang am 1. April besteht eine Verbindlichkeit gegenüber Ihnen – dem Kunden. Am 15. April ist die Leistung vollbracht, alle Autos sind fertig lackiert und abholbereit. Mit dem Ausstellen und Versenden der Rechnung verwandelt sich die Verbindlichkeit in eine Forderung aus Lieferungen und Leistungen für die Lackierarbeiten. Die ausstehende Zahlung taucht in der Bilanz der Lackiererei nun als Forderung auf, bis sie beglichen wird.

Beispiel aus der Bilanz: Verbindlichkeiten LuL

Aktiva Passiva
Anlagevermögen Eigenkapital
Rückstellungen
Umlaufvermögen

  • Vorräte
  • Forderungen
    • Forderungen aus LuL
  • Wertpapiere
  • Kassenbestand
Verbindlichkeiten

  • Verbindlichkeiten aus LuL
  • Steuerverbindlichkeiten
  • Langfristige Verbindlichkeiten
Rechnungsabgrenzungsposten Rechnungsabgrenzungsposten
Summe Aktiva Summe Passiva

Langfristige Verbindlichkeiten

Neben den Verbindlichkeiten LuL mit einer  kurzen Frist (in der Regel mit einer Zahlungsfrist von 14 Tagen oder weniger), gibt es noch langfristige Verbindlichkeiten. Der Zahlungsbetrag und das Zahlungsziel sind definiert, aber der Zeitpunkt liegt mehr als vier Jahre in der Zukunft.

Beispiele für langfristige Verbindlichkeiten

  • Hypotheken
  • Kredite
  • Darlehen
  • Anleihen

 

Skonto und Verbindlichkeiten

Oft werden Verbindlichkeiten mit der Option eines Skontos verbunden. Skonto (Mehrzahl: Skonti) bedeutet nichts anderes als ein bedingter Preisnachlass auf einen Rechnungsbetrag. Wird eine Rechnung vor einem angegebenen Stichtag beglichen, wird der Rechnungsbetrag um einen festgelegten Prozentsatz reduziert. Entscheidet sich der Schuldner, auf den Skonto zu verzichten, verfällt der Rabatt. Ein Skonto ist also ein Anreiz, eine Verbindlichkeit möglichst schnell zu begleichen.

In diesem Artikel können Sie sich noch ausführlicher über den Skonto informieren.

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Langfristige Verbindlichkeiten und Rückstellungen

Die Bilanzposten Verbindlichkeiten und Rückstellungen werden häufig verwechselt. Auch Rückstellungen sind erwartete Leistungsabflüsse in der Zukunft. Zwei Kriterien unterscheiden Rückstellungen von Verbindlichkeiten:

  • Der genaue Zeitpunkt des Leistungsabflusses ist oftmals unbekannt.
  • Die genaue Höhe des Leistungsabflusses ist unbekannt.

Bei Verbindlichkeiten sind beide Metriken bekannt. Manchmal werden Rückstellungen deshalb als ungewisse Verbindlichkeiten bezeichnet. Beispiele für eine Rückstellung sind Pensionszahlungen: Das Unternehmen erwartet die Zahlung von Pensionsleistungen in der Zukunft. In welcher Höhe oder wann genau diese genau diese fällig werden, ist zum Zeitpunkt der Buchung noch unbekannt. Lesen Sie mehr zu Rücklagen und Rückstellungen im firma.de-Ratgeber.

 

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