Mompreneur – Mutter und selbständig

aktualisiert am 24. September 2018 14 Minuten zu lesen

Wer sich als Mutter dazu entscheidet für den Nachwuchs zu Hause zu bleiben, wird häufig nach einiger Zeit von der Lust — oder der Notwendigkeit — wieder zu Arbeiten gepackt. Ist der Weg zurück ins Angestelltenverhältnis schwierig, gibt es eine spannende Alternative: Mompreneurship! Damit Frauen Familienplanung und Selbständigkeit verbinden können, muss eine gute Strategie entwickelt werden. firma.de verrät die besten Tipps für selbständige Mütter.

 

Mompreneur – Was ist das?

Der Neologismus Mompreneur setzt sich aus den englischen Begriffen mom, (deutsch: Mama) und entrepreneur (deutsch: Unternehmer/in) zusammen. Er bezieht sich auf Mütter, die sich nach der Geburt ihrer Kinder selbständig machen. Als Mutter kann Ihnen das Mompreneurship eine spannende Alternative zum alten Beruf bieten und Ihnen neue Wege zeigen. Sie können zu Hause sowohl die Mutterrolle als auch die Rolle der Unternehmerin ausüben und Ihre Interessen zum Beruf machen.

 

Mompreneurship – Der leichte Weg zum Geld?

Natürlich bietet das Mompreneurship einige Vorteile, denn Sie sind flexibel und selbstorganisiert. Aber auch mit einer tollen Geschäftsidee, die sich gewinnbringend vermarkten lässt, können Teilzeit-Selbständige nur in den seltensten Fällen einfach und schnell Geld verdienen. Wichtig ist ein gutes Gespür dafür, wie viel Sie tatsächlich neben der Kinderbetreuung leisten können und welche Einschränkungen es gibt — zeitlich, räumlich und finanziell. Mit einer realistischen Einschätzung der Rahmenbedingungen können Sie einer Enttäuschung vorbeugen.

Chancen

  • Flexibilität: Ein home-based business (Geschäftstätigkeit im eigenen Zuhause) ermöglicht familiäre Flexibilität. Mompreneurs können sich den Arbeitstag selbst gestalten und so auch tagsüber familiäre Verpflichtungen wahrnehmen. Sie haben hier keine festen Arbeitszeiten.
  • Kontrolle: Ein Unternehmen zu Hause bietet die Möglichkeit, mehr Kontrolle über das persönliche und berufliche Leben zu haben. Sie können die Entwicklung der Kinder miterleben, Terminpläne und berufliche Ziele selbst bestimmen und die Arbeit in eigener Geschwindigkeit angehen.
  • Rollenvorbild: Mompreneurs können sich sowohl auf ihr Unternehmerin als auch auf ihre Mutterrolle konzentrieren. Anerkennung und finanzielle Unabhängigkeit stärkt Ihren Selbstwert als Unternehmerin. Gleichzeitig können Sie für Ihre Kinder da sein und Ihnen als Mutter zur Seite stehen. Mompreneurs helfen, sich von der einstigen Geschlechterrollenverteilung in einer Familie zu entfernen.
  • Technologie: Dank der technologischen Fortschritte können viele Termine auch von zu Hause aus wahrgenommen werden.

 

Risiken

  • Schwerer Start: Gerade in der Anfangsphase der Selbständigkeit, brauchen Sie starke Nerven und einen guten Rückhalt. Sie müssen sich einen Kundenstamm und ein gutes Netzwerk aufbauen. Das kostet Zeit und Mühe kostet. Bis Ihr neues Unternehmen tatsächlich Profit macht, können viele arbeitsintensive Monate vergehen.
  • Doppelbelastung: Besonders mit kleinen Kindern wird die Selbständigkeit als Mutter zu einer Nervenprobe. Hier ist Rückendeckung durch Familie oder Freunde Gold wert, denn schließlich dürfen die Kinder nicht vernachlässigt werden.
  • Krankheit und Notfälle: Wenn Sie ein krankes Kind zu Hause haben, rückt für Sie als Mutter Ihre Selbständigkeit in den Hintergrund. Hier ist es wichtig, dass Sie sich die Zeit gut einteilen oder auf Hilfe von Verwandten oder Freunden zurückgreifen können. Ein Plan B für familiäre Notfälle, aber auch Ferien und Feiertage sind ein Muss.
  • Startkapital: Sich selbständig zu machen ist mit einigen Startkosten verbunden. Neben den Anmeldungen sind Treffen mit einem Gründerberater oder Steuerberater ratsam. Auch Büromaterialien, nötige Computerprogramme und Marketingmaßnahmen sind mit Ausgaben verbunden.
Sie wissen noch nicht, mit welcher Rechtsform Sie gründen möchten? Vereinbaren Sie jetzt ein kostenloses Orientierungsgespräch mit unseren Experten und lassen Sie sich zu Ihren Möglichkeiten beraten.

Besonders falsche Vorstellungen des Lebens als Mompreneur, erschweren vielen Müttern die Selbständigkeit. Versprechen wie „wenn du dich über alle Maßen anstrengst, disziplinierst und fokussierst, deiner Leidenschaft folgst und dich immer weiterbildest, wirst du automatisch Erfolg haben“ sollten Sie immer mit Vorsicht betrachten. Trotz guter Idee und tollen Werbemaßnahmen, steigen Nachfrage und Umsatz nicht immer konstant. Es ist wichtig, dass Sie wissen, was Sie wollen.

 

Mompreneur: Was will ich?

Auch wenn Sie bereits eine tolle Geschäftsidee haben, sollten Sie sich fragen, was Sie mit dieser Idee erreichen wollen. Folgende Fragestellungen bieten Ihnen einen Denkanstoß, um dies herauszufinden:

  • Was ist Ihr Ziel? Geld, Erfolg oder neue Erfahrungen?
  • Was brauchen Sie? Beispielsweise Sicherheit, Abwechslung oder Anerkennung?
  • Warum wollen Sie das, was Sie wollen?
  • Deckt sich Ihre Idee mit Ihren Interessen und Fähigkeiten oder möchten Sie etwas Neues erlernen?

Wenn Sie herausgefunden haben, was Sie erreichen wollen und wie, können Sie beginnen, sich ein Netzwerk aufzubauen. Dieses sollten Sie immer passend zu Ihrem Unternehmen auswählen, denn nicht jede Geschäftsbeziehung bringt Sie weiter.

 

Netzwerken als Mutter

Insbesondere wenn Sie Ihr Unternehmen alleine gründen, ist es wichtig, ein gutes Netzwerk um sich herum zu gestalten. Überlegen Sie sich dazu, wer Ihnen bei der Umsetzung Ihrer Idee helfen kann. Vielleicht gibt es ja bereits ein ähnliches Unternehmen oder ein mögliches Partnerunternehmen in Ihrer Gegend und Sie können von deren Netzwerken profitieren. Auch die verschiedenen Branchenveranstaltungen des Bundesverbands Digitale Wirtschaft oder Start-Up-Messen sind mögliche Plattformen zum Netzwerken. Da in der Wirtschaft die längst veralteten Rollenklischees noch relativ ausgeprägt sind, ist es sinnvoll, sich mit anderen Mompreneurs zu verbünden. Wichtig ist: Bauen Sie das Netzwerk auf, bevor Sie es tatsächlich brauchen!
Hier einige Möglickeiten zum Netzwerken:

  • womenbiz: Die Marketingplattform ist zugleich auch ein Businessnetzwerk. Es fördert und vernetzt selbständige Frauen während des Karriereaufbaus.
  • fempreneur: Das digitale Magazin bietet Gründerinnen und Unternehmerinnen wichtiges Gründungswissen, Interviews und Stories. Die Gründerin von fempreneur hat außerdem einen kompaktes Handbuch für Gründerinnen herausgebracht, das Ihnen viele essentielle Tipps an die Hand gibt.
  • jugglehub Coworking: Hier arbeiten Selbständige und Start-Ups in einer Coworking Space zusammen. Vorteil: Es gibt eine flexible Kinderbetreuung vor Ort.

In unserem großen Ratgeber zur Förderung der Selbständigkeit von Frauen finden Sie viele weitere Kontakte zu Beratungsstellen und Fachmedien.

Businesses für selbständige Mütter

Natürlich gibt es eine riesige Bandbreite an Ideen und Branchen auf dem internationalen Markt. Dennoch sind nicht alle für die Selbständigkeit als Mutter geeignet. Hier finden Sie eine Auswahl an möglichen Geschäftsideen:

  • Freiberufliche Texterin/Journalistin: Sie schreiben gut und gerne? Dann werden Sie freiberufliche Texterin oder Journalistin. Sie besprechen sich mit Ihren Kunden oder besuchen Abends Veranstaltungen, wenn der Partner auf die Kinder aufpassen kann. Tagsüber setzen Sie sich an den Computer und schreiben.
  • Bloggerin: Sie brennen für ein ganz bestimmtes Thema? Dann erstellen Sie Ihren eigenen Blog. Hier laden Sie Fotos, beispielsweise von Ihren liebsten Urlaubszielen oder rund um das Leben mit Kind, hoch oder geben Tipps an Ihre Community weiter. Beachten Sie hierbei die strengen Regelungen der DSGVO.
  • Webdesignerin: Sie sind kreativ und kennen sich mit Webdesign aus? Dann machen Sie sich in dieser Branche selbständig. Außerhalb von Kundenterminen ist hier Home-Office möglich.
  • Ernährungsberaterin: Sie interessieren sich für Gesundheit und Ernährung? Dann machen Sie sich als Ernährungsberaterin selbständig. Hier können Sie abends Termine mit Kunden wahrnehmen und Ihr Wissen weitergeben. Ratgeber oder Einkaufslisten entwerfen Sie zu Hause.
  • Tagesmutter: Sie lieben Kinder und haben Platz für mehrere? Dann können Sie Tagesmutter werden. Berufstätige Mütter, die nicht von zu Hause aus arbeiten, bringen Ihnen ihre Kinder vorbei und holen Sie abends wieder ab. Während diese Frauen arbeiten gehen, kümmern Sie sich um die Kleinen.
  • Buchhalterin: Sie kennen sich mit den Regeln der Buchhaltung aus? Dann können Sie sich in diesem Bereich selbständig machen. Sie bekommen die benötigten Unterlagen von Ihren Kunden geschickt und Sie können an Ihrem eigenen Schreibtisch die Buchhaltung für Sie erledigen.
  • Einzelhändlerin: Machen Sie Ihr Hobby zum Beruf. Strickmode, Lebensmittel, Accessoires oder Kleidung: Selbstgemachtes hat Konjunktur. Entwerfen Sie Ihre eigenen Produkte und verkaufen Sie diese über das Internet. Das geht mit einem eigenen Webshop sehr einfach. “Handmade products” aus hochwertigen Materialien sind sehr gefragt und mit cleverem Marketing über Drittanbieter wie DaWanda und Co. leicht zu vertreiben.
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Tipps und Tricks für selbständige Mütter

Gründerinnen sind in der Startup-Szene noch immer eine Seltenheit. Dies liegt auch daran, dass Sie weniger Unterstützung auf dem Markt finden, als männliche Gründer. Doch mit so manchen Tipps und Tricks lässt sich dies leicht ändern.

Folgende Tipps sollten Sie während des Aufbaus Ihres Unternehmens beherzigen:

  • Mentoring: Holen Sie sich eine Mentorin an Ihre Seite. Beispielsweise der HVB Gründerinnen-Mentoring und der Verband deutscher Unternehmerinnen unterstützen Female Founders auf ihrem Weg in die Selbständigkeit.
  • Beratung: Lassen Sie sich von einem Steuerberater beraten, denn die richtige Struktur Ihres Unternehmens kann Ihnen steuerliche Vorteile bringen.
  • Versicherungen: Für Sie als Selbständige, Frau, Partnerin und Mutter sind Absicherungen im Bereich der Krankenversicherung, Altersvorsorge, Existenzabsicherung und Betriebsabsicherung besonders wichtig.
  • Investition: Ihr Startkapital sollte für die ersten 18 bis 24 Monate ausreichen. So ersparen Sie sich ständige Sorgen und haben Freiräume für einen positiven Start.

 

Female Founders Fakten

Der Paribas Global Entrepreneur Report veröffentlichte im Jahr 2016 gemeinsam mit dem Global Entrepreneurship Monitor folgende Statistiken:

  • 16,5% der Gründerinnen weltweit verdienen im Einzelhandel am meisten Geld. Auf Platz zwei folgen professionelle Dienstleistungen, wie Beratung, Buchhaltung oder Recht.
  • 59% der Frauen, die gerne gründen möchten, glauben, dass sie die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten zum Gründen haben.
  • 41% der gründungsinteressierten Frauen lassen sich aus Angst vor dem Scheitern von der eigenen Gründung abbringen. Bei den Männern sind es hier nur 34%.
  • 35,2% aller Gründerinnen definieren ihren Erfolg über ihren Gewinn, 12,3% über die Weitergabe des Unternehmens an die nächste Generation.

 

Fazit

Statistiken zu Gründerinnen verraten, dass der Weg in die Selbständigkeit seltener von Frauen beschritten wird. Auch wenn es nicht leicht ist, sich mit Kindern und von zu Hause aus selbständig zu machen, sollten Sie sich nicht abschrecken lassen. Seien Sie nicht zu stolz nach Hilfe zu Fragen und sich mit anderen Müttern auszutauschen! Eine pragmatische Betrachtung Ihrer Ausgangssituation, ein zuverlässiges Netzwerk zur Unterstützung und Durchhaltevermögen in der Anfangsphase sind die wichtigsten Zutaten für Ihr erfolgreiches Mompreneurship.

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