Wann muss sich ein Einzelunternehmen ins Handelsregister eintragen lassen?

aktualisiert am 20. Februar 2019 9 Minuten zu lesen
Teilen

Ob Einzelunternehmer einen Handelsregistereintrag benötigen, hängt ganz davon ab, wie der Umfang Ihrer gewerblichen Tätigkeit aussieht. Machen Sie sich als Freiberufler, Kleingewerbetreibender oder eingetragener Kaufmann (e.K.) selbständig? Wann Sie als Einzelunternehmer einen Handelsregister-Eintrag benötigen und wieso auch der freiwillige Eintrag eine Überlegung wert sein kann, erfahren Sie hier.

  1. Die 10 Stationen Ihrer Gründung: Checkliste

    1. Geschäftsidee entwickeln
    2. Beratung und Vorbereitung
    3. Rechtsform auswählen
    4. Namensprüfung durch IHK
    5. Beurkundung beim Notar
    6. Eröffnung des Geschäftskontos
    7. Handelsregistereintragung       <<      Sie befinden sich in Schritt 7
    8. Gewerbeanmeldung
    9. Anmeldung beim Finanzamt
    10. Erste Schritte als Unternehmer

Wieso besteht überhaupt Eintragungspflicht?

Die Eintragung ins Handelsregister ist für fast alle Unternehmen Pflicht, weil durch diesen Eintrag alle rechtserheblichen Tatsachen festgehalten werden. Zu diesen zählen Firma, Inhaber, Stammkapital, Haftung sowie Insolvenzverfahren. Das Handelsregister schützt den Rechtsverkehr in seinem Vertrauen auf die Richtigkeit der Angaben. Alle Interessierten haben Zugriff auf die Daten eines jeden Handelsregistereintrags und die Möglichkeit, die eingereichten Schriftstücke online einzusehen. So ist es allen Geschäftspartnern möglich, sich vor Geschäftsabschluss mit dem eingetragenen Unternehmen über die generelle Geschäftslage dieses zu informieren. Durch den Eintrag im Handelsregister erhält Ihr Firmenname zusätzlich einen Schutz gegenüber ähnlich klingenden Firmennamen, denn jede im Handelsregister eingetragene Firma muss sich von allen bereits eingetragenen Firmennamen deutlich unterscheiden.

 

Welche Rechtsformen werden im Handelsregister erfasst?

Das Handelsregister dokumentiert als öffentliches Verzeichnis Einträge über die eingetragenen Kaufleute. Diese Einträge dienen nicht nur der Auskunft, sondern dem Unternehmen auch u.a. als Vertrauensvorschuss. Die Einträge sind von Jedermann einsehbar und stellen Informationen über Unternehmen sowie deren wirtschaftliche Verhältnisse zur Verfügung. Die Eintragung ins Handelsregister muss für eintragungspflichtige Personen noch vor der Gewerbeanmeldung erfolgen, da die Unterlagen sowie die Handelsregisternummer beim Gewerbeamt vorgelegt werden müssen. Das Handelsregister wird in zwei Abteilungen geführt:

  • Abteilung A für eingetragene Kaufleute (e.K.) sowie Personengesellschaften (oHG, KG): Hier sind u.A. Sitz und Rechtsform sowie Inhaber, die Bestellung/Abbestellung von Prokuristen, die Einstellung oder Aufhebung eines Insolvenzverfahrens, etc., vermerkt.
  • Abteilung B für Kapitalgesellschaften (GmbH, UG, AG): Hier wird zusätzlich zu den Angaben, die in Abteilung A vermerkt werden, der Gegenstand der Unternehmung festgehalten, zusätzlich zu Geschäftsführern, Stammkapital, etc.

 

Für wen besteht die Pflicht zur Eintragung ins Handelsregister?

Viele Menschen gehen von einer Grundregel aus, nach der Einzelunternehmer keinen Handelsregistereintrag benötigen. Allerdings ist das nur eine grobe Verallgemeinerung, denn sobald ein gewisser gewerblicher Umfang der Tätigkeit vorliegt, müssen sich sogenannte Kaufleute sehr wohl eintragen lassen. Ob ein in kaufmännischer Weise eingerichteter Gewerbebetrieb vorliegt, wird unter anderem anhand von Jahresumsatz oder Anzahl der Geschäftsvorgänge ermittelt. Als Schwellenwert für den Umsatz werden generell mehrere 100.000 Euro angesetzt.

Da der Gesetzgeber nicht genau definiert hat, ab wann ein Kleinbetrieb sich ins Handelsregister eintragen lassen muss, können Kleinunternehmer sich nur an einigen groben Angaben orientieren. Im Zweifelsfall ist immer die einzelne Situation abzuklären. Grundsätzlich können Sie davon ausgehen, dass Sie einen Handelsregister-Eintrag benötigen, wenn…

  • Ihr Unternehmen einen für die Branche üblichen Jahresumsatz erzielen wird (im Einzelhandel 250.000 Euro, bei Großhandel und Produktion 400.000 bis 500.000 Euro).
  • Ihr Unternehmen kaufmännisch organisiert ist.
  • Sie eine Buchhaltung benötigen.
  • Sie kein Freiberufler sind.
  • Personal mit weitreichenden Geschäftsführungs- und Vertretungsbefugnissen (Prokuristen) beschäftigen.

Treffen ein oder mehrere obige Punkte zu, gehören Sie in der Regel zu den Kaufleuten und sind verpflichtet, sich im Handelsregister eintragen zu lassen. Durch die Eintragung erhalten Sie den Zusatz “e.K.”, “e.Kfr.” oder “e.Kfm” für Geschäftsbezeichnung und Firmennamen.

Spätestens, wenn Sie zu einem späteren Zeitpunkt Ihr Einzelunternehmen in eine GmbH umwandeln möchten, fällt für Sie ein Handelsregistereintrag an.

Eine Gründung ist meist wesentlich umfangreicher als Sie denken. Wir übernehmen gern alle bürokratischen Schritte für Sie! Buchen Sie einfach das Einzelunternehmen-Paket, das zu Ihnen passt. Schneller zum Einzelunternehmen – jetzt gründen! 

Wer gehört nicht zu den Kaufleuten?

Freiberufler zählen nicht zu den Kaufleuten. Hierzu zählen sowohl selbständige, allein agierende Freiberufler als auch Freiberuflerteams in den Rechtsformen PartG oder GbR. Einzelunternehmer, deren Tätigkeit und Geschäftsumfang überschaubar und einfach organisiert ist, gehören zu den Kleingewerbetreibenden. Als Kleingewerbetreibender sind Sie weder zur doppelten Buchführung verpflichtet noch müssen Sie eine jährliche Bilanz erstellen.

 

Wann kann eine freiwillige Handelsregister-Eintragung sinnvoll sein?

Kleingewerbetreibende und auch Freiberufler können sich auf Wunsch ins Handelsregister eintragen lassen und damit die Rechte, aber auch die Pflichten des “Kaufmannsstatus” erlangen. Sie haben nun die Kaufmannseigenschaft inne. Grundlage für Ihre Geschäfte ist dann nicht länger das BGB (Bürgerliches Gesetzbuch), sondern das HGB (Handelsgesetzbuch). Hiernach unterliegen Sie nun der Pflicht zur doppelten Buchführung und Bilanzierung. Sie erhalten jedoch auch den Vorteil, dass Sie mit Ihrem Unternehmen firmieren dürfen und dass Sie einen Vertrauenbonus bei Geschäftspartnern gewinnen. Der ausschlaggebendste Grund für einen freiwilligen Handelsregistereintrag ist aber meist der Fantasiename, den eingetragene Unternehmen verwenden dürfen. Bevor Sie als Kleingewerbetreibender einen Handelsregister-Eintrag vornehmen, sollten Sie prüfen, ob für Ihren Fall die Vor- oder die Nachteile überwiegen.

 

Vor- und Nachteile einer Handelsregistereintragung

Der Sinn einer Eintragung im Handelsregister erschöpft sich nicht in den Auskunfts- und Ordnungsfunktionen: so profitieren eingetragene Unternehmen von einem Vetrauensvorschuss, denn durch die Eintragung wird ein positiver erster Eindruck vermittelt. Außerdem wird durch die Eintragung nach außen hin erkennbar, dass das eingetragene Unternehmen sich der Anwendung der kaufmännischen Gebräuche und Regelungen nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) unterwirft. Allerdings ist es allein durch die Eintragung nicht mehr möglich, Schlüsse auf die Größe des Unternehmens zu treffen, da sich mittlerweile jeder Unternehmer auch freiwillig ins Handelsregister eintragen lassen kann. Die Eintragung sagt auch nichts über Bonität und Seriosität des eingetragenen Unternehmens aus. Des Weiteren kann nur ein im Handelsregister eingetragenes Unternehmen Prokuristen bestellen; ebenso ist nur dieses dazu berechtigt, eine oder mehrere Zweigniederlassungen zu gründen, die autark und selbständig fungieren.

Die Pflichten eines im Handelsregister eingetragenen Unternehmens sind aber auch nicht zu vernachlässigen: Eingetragene Unternehmer müssen jährlich eine Inventur und eine Bilanz erstellen sowie doppelt Buch führen. Zuletzt betrifft der Handelsregister-Eintrag die Angaben auf Geschäftsbriefen: die eingetragene Firma muss einschließlich des Rechtsformzusatzes vollständig sowie korrekt angegeben werden.

Vorteile eines Handelsregister -Eintrags

Nachteile eines Handelsregister -Eintrags

Vertrauensbonus bei Vertragspartnern

Vollständige Transparenz

Schutz des Firmennamens

Pflicht zur doppelten Buchführung

Firmierung (Benutzung eines Fantasienamens)

Bilanzierungspflicht

Bestellung von Prokuristen

Vorschriften des BGB gelten nicht mehr

Eröffnen von selbständigen Zweigstellen und Filialen

Zusätzliche Angaben auf Geschäftsbriefen

100 bis 250 Euro Kosten

Die Rolle der IHK bei Handelsregistereintragungen

Vor der Handelsregister-Eintragung ist es sinnvoll, sich bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) beraten zu lassen, da diese das Registergericht bei seiner Tätigkeit unterstützt sowie kontrolliert, dass keine Falscheintragungen vorgenommen werden. Mögliche Beanstandungen des Registergerichts bezüglich Firmierung und Unternehmensgegenstand können durch eine solche Beratung vermieden werden.

Leistungen zur Gründung

Die auf unserer Seite veröffentlichten Informationen werden allesamt von Experten mit größter Sorgfalt verfasst und überprüft. Dennoch können wir nicht für die Richtigkeit garantieren, da Gesetze und Regelungen einem stetigen Wandel unterworfen sind. Ziehen Sie deshalb bei einem konkreten Fall immer einen Fachexperten hinzu – wir stellen gerne den Kontakt her.

firma.de übernimmt keinerlei Haftung für durch Fehler in den Texten entstandene Schäden.

Jetzt weiterstöbern im Ratgeber!