Wann muss sich ein Einzelunternehmen ins Handelsregister eintragen lassen?

aktualisiert am 14. März 2022 4 Minuten zu lesen
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Ob Einzelunternehmer einen Handelsregistereintrag benötigen, hängt ganz davon ab, wie der Umfang Ihrer gewerblichen Tätigkeit aussieht.

 

Für welche Einzelunternehmen besteht die Pflicht zum Handelsregistereintrag?

Viele gehen davon aus, dass Einzelunternehmen keinen Handelsregistereintrag benötigen. Aber das trifft nur auf die Mehrheit zu, nicht alle. Sobald die Tätigkeit einen gewissen gewerblichen Umfang annimmt, müssen sich Einzelkaufleute sehr wohl eintragen lassen. Ob ein in kaufmännischer Weise eingerichteter Gewerbebetrieb vorliegt, wird unter anderem anhand von Jahresumsatz oder Anzahl der Geschäftsvorgänge ermittelt. Als Schwellenwert für den Umsatz werden generell mehrere 100.000 Euro angesetzt.

 

Kriterien der Kaufmannseigenschaft

Da der Gesetzgeber keine genauen Grenzen definiert hat, können Einzelunternehmer sich nur an einigen groben Angaben orientieren:

  • Für die Branche üblichen Jahresumsatz
    • Einzelhandel: 250.000 Euro
    • Großhandel und Produktion: 400.000 bis 500.000 Euro
  • Unternehmen ist kaufmännisch organisiert
  • Buchhaltung nötig
  • Keine freiberufliche Tätigkeit
  • Personal mit weitreichenden Geschäftsführungs- und Vertretungsbefugnissen (Prokuristen)

Treffen ein oder mehrere obige Punkte zu, gehören Sie in der Regel zu den Kaufleuten und sind verpflichtet, sich im Handelsregister eintragen zu lassen. Durch die Eintragung erhalten Sie den Zusatz e. K., e. Kfr. oder e. Kfm. für Geschäftsbezeichnung und Firmennamen. Spätestens, wenn Sie zu einem späteren Zeitpunkt Ihr Einzelunternehmen in eine GmbH umwandeln möchten, fällt die Pflicht zum Handelsregistereintrag an.

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IHK-Prüfung vor der Anmeldung zum Handelsregister

Vor der Handelsregistereintragung ist es sinnvoll, sich bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) beraten zu lassen, da diese das Registergericht bei seiner Tätigkeit unterstützt. Vermeiden Sie Beanstandungen des Registergerichts bezüglich Firmierung und Unternehmensgegenstand durch eine IHK-Prüfung.

 

Wer gehört nicht zu den Kaufleuten?

Freiberufler zählen nicht zu den Kaufleuten. Hierzu gehören sowohl selbständige Solo-Freiberufler als auch Freiberuflerteams in den Rechtsformen PartG oder GbR. Einzelunternehmer, deren Tätigkeit und Geschäftsumfang überschaubar und einfach organisiert ist, gelten als Kleingewerbetreibende. Sie sind weder zur doppelten Buchführung verpflichtet noch müssen sie eine jährliche Bilanz erstellen.

 

Wann ist ein freiwilliger Handelsregistereintragung sinnvoll?

Kleingewerbetreibende und auch Freiberufler können sich auf Wunsch ins Handelsregister eintragen lassen und damit die Rechte, aber auch die Pflichten des „Kaufmannsstatus” erlangen. Sie haben in diesem Fall die Kaufmannseigenschaft inne.

Grundlage für Ihre Geschäfte ist dann nicht länger das Bürgerliches Gesetzbuch (BGB ), sondern das Handelsgesetzbuch (HGB). D.h. Einzelunternehmen im Handelsregister müssen die doppelte Buchführung anwenden und eine Bilanz erstellen. Sie erhalten jedoch einen Vertrauensbonus bei Geschäftspartnern im Bezug auf Erfolg des Unternehmens. Der ausschlaggebendste Grund für einen freiwilligen Handelsregistereintrag ist aber meist der Fantasiename, den eingetragene Unternehmen verwenden dürfen. Ein Gespräch mit Ihrem Steuerberater sollte einer Entscheidung unbedingt vorausgehen.

 

Vor- und Nachteile einer Handelsregistereintragung

Vorteile eines Handelsregistereintrags

Nachteile eines Handelsregistereintrags

Vertrauensbonus bei Vertragspartnern

Vollständige Transparenz

Schutz des Firmennamens

Pflicht zur doppelten Buchführung

Firmierung (Benutzung eines Fantasienamens)

Bilanzierungspflicht

Bestellung von Prokuristen

Strengere Vorschriften des HGB

Eröffnen von selbständigen Zweigstellen und Filialen

Zusätzliche Angaben auf Geschäftsbriefen

100 bis 250 Euro Kosten

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