5 Gründe, warum der Businessplan immer noch unersetzlich ist

aktualisiert am 20. September 2018 11 Minuten zu lesen
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Mittlerweile haben Pitch Deck und Canvas-Modell aus Sicht vieler Start-Ups den Businessplan zwar überholt, doch nicht nur Gründer “traditioneller” Unternehmen, Händler oder Handwerker, sind insbesondere bei der Kapitalsuche nach wie vor auf den guten alten Businessplan angewiesen. Während das Pitch Deck Start-Ups hilft, Wagniskapitalgeber mit kurzen, knappen Details in wenigen Minuten von der eigenen Geschäftsidee zu überzeugen, ist ein Businessplan wesentlich ausführlicher. Hier wird die Geschäftsidee bis ins kleinste Detail analysiert und sich ausreichend Zeit genommen, einen Finanz- und Unternehmensplan aufzustellen.

 

Der Businessplan ist nicht nur Machbarkeits-, sondern auch Wirtschaftlichkeitsstudie zugleich; Gründer sollten ihn daher keineswegs nur für Banken, Kreditgeber und ggf. Investoren anfertigen, sondern vor allem auch für sich selbst. Erfahren Sie auf firma.de 5 Gründe, warum der Businessplan noch nicht ausgedient hat und für jede Gründung unerlässlich ist.

 

1. Der Businessplan ist Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudie zugleich.

Der Businessplan erfüllt verschiedene Schlüsselfunktionen. Er soll unter anderem Klarheit schaffen und Wissenslücken aufdecken. Ein Businessplan kann aufzeigen, wo es dem Unternehmer noch an Fähigkeiten und Kenntnissen mangelt, sei es nun organisatorischer Natur oder aber bei Kernaspekten wie Kundenakquise und Marketing. Im Businessplan halten Existenzgründer nicht nur die Markt- und Wettbewerbsanalyse fest, sondern betrachten auch den anvisierten Standort kritisch. Zudem wird ein umfassender Finanzplan aufgestellt, der alle laufenden sowie die einmalig anfallenden Kosten beinhaltet. Somit können finanzielle Risiken minimiert werden.

Durch die eingehende Betrachtung von Markt und Wettbewerb kann im Detail die Tragfähigkeit der Idee überprüft werden. Des Weiteren kann ein Gründer durch die Analyse der eigenen Fähigkeiten, dem so genannten “Unternehmer-Check”, der am Anfang jedes guten Businessplans stehen sollte, mehr über sich und seine Fertigkeiten lernen und wird so gezwungen, sein Vorhaben realistisch einzuschätzen. Diese Möglichkeit, seine Tauglichkeit als Gründer und die Machbarkeit der Geschäftsidee zu überprüfen, sollte jeder angehende Unternehmer nutzen, vor allem wenn man die Prozentzahl der erfolgreichen Gründer betrachtet: Rund 50 Prozent aller Neugründungen überleben die ersten fünf Jahre am Markt nicht – unter den Start-ups sind es sogar noch mehr.

Die SWOT-Analyse, die in jedem professionellen Businessplan enthalten sein muss, gibt angehenden Unternehmern die Möglichkeit, Schwächen und Stärken sowie Chancen und Gefahren der Geschäftsidee und des Gründers selbst aufzudecken. So kristallisieren sich Chancen und Stärken heraus, ebenso werden auch Schwächen und Gefahren hervorgehoben, wodurch der Gründer die Möglichkeit gewinnt, Risiken durch mögliche Alternativen zu mindern.

Für das Erstellen eines Businessplans können Sie das sogenannte Canvas-Modell zur Hilfe nehmen. Dieses hilft Ihnen, Schritt für Schritt den Businessplan zu planen und zu schreiben.

 

2. Der Businessplan gibt Gründern eine feste Struktur.

Für Gründer ist der Businessplan ein “Fahrplan” oder auch eine “Bedienungsanleitung” zur erfolgreichen Gründung. Geplante Ziele und die Schritte zur Umsetzung werden in diesem schriftlich festgehalten und bieten dem Unternehmer einen Wegweiser bzw. Leitfaden, um mit seiner Gründung zu starten. Viele Gründer überstürzen gerne ihr Vorgehen und der Businessplan kann hier helfen, den Umfang des gesamten Projektes zu überblicken, sodass man Schritt für Schritt vorgehen kann.

So gesehen zwingt der Businessplan den Unternehmer zu einer geordneten und strukturierten Vorgehensweise. Der Businessplan hilft Gründern zudem bei der Steuerung ihres Unternehmens. Als interner Kompass für die strategische Ausrichtung unterstützt dieser den Gründer und gibt Halt und Orientierung. Wie der Pilot im Flugzeug müssen auch Gründer viele kleine Richtungsveränderungen vornehmen, um ans Ziel zu gelangen – und der Businessplan hilft, auf dem Kurs zu bleiben.

Dasselbe gilt für im Businessplan festgelegte Meilensteine: diese helfen dem Gründer, konkrete Maßnahmen für die Zeit nach der Gründung festzuhalten und an diesen kann er sich später “entlanghangeln”. Ob es um die Expansion geht oder um Kundenakquise und Marketing: Das Grundgerüst des Businessplans hilft Unternehmern, inmitten des Gründeralltags auch nach der eigentlichen Gründung die Übersicht zu behalten.

 

3. Der Businessplan ist ein Werkzeug zur Kontrolle und Korrektur.

Ein Businessplan ist immer ein Soll-Plan; erfahrungsgemäß schafft es kaum ein Gründer oder Start-up, die im Businessplan anvisierten Zahlen zu erreichen, zumindest nicht in der festgelegten Zeit. Deshalb ist es sinnvoll, nach der Gründung monatlich oder sogar wöchentlich die Ist-Zahlen mit den Soll-Zahlen zu vergleichen. Ergibt sich eine zu große Differenz, kann man rechtzeitig gegensteuern und Maßnahmen ergreifen. Die genaue Analyse dieser Soll- und Ist-Zahlen sollte allerdings auch nicht vergessen werden, denn der Businessplan ist nicht nur die ideale Messlatte auf finanzieller, sondern auch auf zeitlicher und operativer Ebene: Was sind die Ursachen für Fehlentwicklungen? Wann wird neues Kapital benötigt? Kann man trotzdem einen positiven Trend erkennen?

Ein klarer Finanzplan, der Abweichungen der Soll-Zahlen toleriert, ist ein Muss für jeden professionellen Businessplan. Für viele Investoren ist ein schlecht kalkulierter Finanzplan bereits ein K.O.-Kriterium, wenn man diesem bereits ansehen kann, dass die finanziellen Ziele unrealistisch sind. Doch nicht nur die Finanzplanung muss kontrolliert und korrigiert werden: Gründer können durch die Analyse von Markt und Wettbewerb ihre Konkurrenten erkennen. Wo hört das Produkt oder der Service der Konkurrenz auf? Eine detaillierte Analyse hilft Gründern, das eigene Produkt bzw. die eigene Dienstleistung wenn nötig anzupassen, um diese klar von der Konkurrenz abzuheben.

 

4. Der Businessplan hilft, die Idee zu festigen.

Je mehr Gründer sich mit ihrer Geschäftsidee auseinandersetzen, desto mehr kristallisiert sich diese heraus: Überflüssige Aspekte werden “abgeschliffen” und letzten Endes steht der Gründer vor einer konzentrierten Idee mit einem nachvollziehbaren Kundennutzen sowie einem deutlichen USP, der sich leicht in wenige Worte fassen lässt. In Pitches oder in der Corporate Summary wird ebendiese kristallklare Beschreibung des Problems und seiner Lösung gefordert. Gut, wenn man als Gründer schon einen Businessplan inklusive Kundennutzen und Alleinstellungsmerkmal aufgestellt hat, bevor man versucht, mit einem Pitch Investoren ins Boot zu holen: Neben Problem und Lösung in knapper Form kann man so nämlich auch mit Zahlen und Fakten brillieren. Zudem wird der Businessplan von vielen Investoren nach dem Pitch angefordert, um die Details zu prüfen.

Wie Sie ein Pitch Deck erfolgreich planen und durchführen, können Sie in diesem Ratgeberartikel nachlesen.

 

5. Der Businessplan ist der erste Schritt zum Erfolg.

Gründer haben oft die Befürchtung, dass der Businessplan ungelesen in die Schublade wandert, wenn man Investoren bereits mit dem Pitch überzeugen konnte. Doch die Realität sieht anders aus: Nachdem Gründer und Start-ups ihre Geschäftsidee oft mit einem Pitch Deck oder einer Executive Summary vorgestellt und damit das Interesse potentieller Investoren geweckt haben, wird der Businessplan oft noch nachträglich eingefordert, um Zahlen und Fakten zu überprüfen. Deshalb gilt dieser nach dem Pitch als weiterer Schritt zum Erfolg.

Aber auch, wenn es um Fördermittel geht, ist der Businessplan immer noch Mittel Nummer Eins zum Erfolg. Ob nun die Bank überzeugt werden soll oder der Gründerberater der IHK oder der Agentur für Arbeit, um den Gründungszuschuss zu beantragen: Gründerinnen und Gründer sollten immer im Hinterkopf haben, dass jedes Amt schriftliche Unterlagen und vor allem solide Planungen zur Vorlage wünscht, speziell bei der Anfrage eines Kredites. Zudem rennen Gründer mit einem Businessplan offene Türen ein: Ein professioneller Businessplan kann Unternehmern helfen zu punkten, nicht nur bei Banken, Investoren und Kreditgebern, sondern auch bei Lieferanten oder Großkunden. Langfristige Lieferverträge und bessere Konditionen sind nur ein Aspekt, auf den sich ein umfassender Businessplan positiv auswirken kann.

 

Fazit: Der Businessplan ist immer noch unumgänglich.

Gründer können mit einem professionellen Businessplan nicht nur Struktur und Controlling ihres Unternehmens erfassen, sondern auch die Realisierbarkeit der Unternehmung prüfen. Der Businessplan gilt daher immer noch als Kommunikationswerkzeug Nummer Eins zwischen Unternehmen und Geldgebern. Die vermeintliche Konkurrenz in Form von Pitches oder der Executive Summary ist in der Realität keine; denn nach Summary oder Pitch verlangen Investoren und Vertragspartner stets einen ausgearbeiteten Businessplan.

Oftmals gilt der Businessplan als eine Art “Gesellenstück” eines Gründers: Auf wenigen Seiten muss dieser nämlich beweisen, dass er zu kaufmännischem Denken sowie strategischem Handeln fähig ist. In schriftlicher Form wird mit objektiven Kriterien vermittelt und belegt, dass ein Gründer dazu fähig ist, ein funktionierendes Unternehmen zu führen. Zu dieser Erkenntnis vor sich und auch vor anderen kann ein Gründer nur durch ehrliche und intensive Auseinandersetzung mit seiner Geschäftsidee gelangen – und genau dies gelingt mit dem Schreiben des Businessplans.

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