Die Eröffnungsbilanz: Erstellung und Inhalt einfach erklärt

aktualisiert am 19. Februar 2019 7 Minuten zu lesen
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Die Eröffnungsbilanz ist eine Aufstellung der Vermögens- und Kapitalverhältnisse von Unternehmen, die der allgemeinen Bilanzierungspflicht unterliegen. Aus einer Eröffnungsbilanz lässt sich leicht ablesen, welche Mittel dem Unternehmen für das kommende Jahr zur Verfügung stehen. Darüber hinaus lässt sich durch einen Vergleich mit Bilanzen aus den Vorjahren eine Bewertung des Unternehmenserfolges vornehmen.

 

Warum muss eine Eröffnungsbilanz erstellt werden?

Das Handelsgesetzbuch nennt die Eröffnungsbilanz „einen das Verhältnis des Vermögens und der Schulden darstellenden Abschluss.“ Sinn und Zweck einer Eröffnungsbilanz ist unter anderem die Überprüfung der Schlussbilanz des vorigen Geschäftsjahres. Dazu wird die Eröffnungsbilanz jeweils zu Beginn eines neuen Geschäftsjahres erstellt und muss sich mit der Schlussbilanz des Vorjahres decken. Eröffnungsbilanzen können dazu genutzt werden, den Unternehmenserfolg Jahr für Jahr zu vergleichen – im Gegensatz zu den Kennzahlen der betriebswirtschftlichen Auswertung (BWA), die der Erfolgsanalyse Monat für Monat dienen.

 

Wer muss eine Eröffnungsbilanz erstellen?

Bilanzierungspflichtig sind grundsätzlich alle zur doppelten Buchführung verpflichteten Kaufleute und Unternehmen. Grundsätzlich muss eine Eröffnungsbilanz von allen Unternehmen mit Bilanzierungspflicht entweder bei einer Neugründung und immer bei Eintritt eines neuen Geschäftsjahres erstellt werden. Darüber hinaus gibt es noch weitere Ereignisse, die die Erstellung einer weiteren Eröffnungsbilanz erfordern:

  • Neugründung
  • Eintritt des neuen Geschäftsjahres
  • Besitzerwechsel in einem Unternehmen
    • Veränderungen in der Gesellschafterzusammensetzung
    • Veränderung der Gesellschafterliste
  • Unternehmensumwandlung
    • Verschmelzung
    • Fusion
    • Spaltung
    • Rechtsformwechsel
    • Einbringung

Tritt einer dieser Umstände in einem Unternehmen ein, ist eine neue Eröffnungsbilanz zu erstellen – und zwar unabhängig davon, ob gerade ein neuen Geschäftsjahr beginnt. Wird die Bilanz nach einer Unternehmensumwandlung erstellt, handelt es sich um eine Übernahmebilanz.

 

Wann muss eine Eröffnungsbilanz erstellt werden?

Eine festgelegte Frist zur Einreichung der Bilanz beim Finanzamt existiert zwar nicht, üblich ist bei größeren und mittelgroßen Unternehmen jedoch ein Zeitraum von bis zu drei Monaten nach dem Zeitpunkt der Geschäftsaufnahme. UGs und kleineren GmbHs gewährt das Finanzamt oftmals sogar eine Frist von bis zu sechs Monaten.

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Es ist nicht immer einfach, den Zeitpunkt der Aufnahme der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens zu benennen. Bei einer mehrstufigen Firmengründung wie bei einer GmbH ist dies meist schon bei der Gründung der Vor-GmbH bzw. der GmbH “in Gründung” der Fall. Diesen Status besitzt eine GmbH in der Phase zwischen Notartermin und der abschließenden Eintragung im Handelsregister. Als Stichtag der Erstellung sollten Sie deshalb ein Datum wählen, das in dieser Phase liegt und den Zeitpunkt der Geschäftsaufnahme möglichst genau erfasst. Der späteste Stichtag ist jedoch das Datum der Handelsregistereintragung.

 

Was beinhaltet eine Eröffnungsbilanz?

Das Eröffnungsbilanzkonto ist eine Form der Bilanz und besteht aus einer linken Aktivseite (Aktiva) und einer rechten Passivseite (Passiva).

Aktivseite der Eröffnungsbilanz

In der Aktiva wird die Mittelverwendung festgehalten, die das gesamte Anlagevermögen und Umlaufvermögen umfasst. Unter Anlagevermögen fällt alles, was dem Geschäftsbetrieb eines Unternehmens dienlich ist (z. B. Maschinen zur Produktion, Geschäftsfahrzeuge, Computer, Drucker). Der Posten Umlaufvermögen hingegen fasst alle Waren zusammen, die zum Verbrauch, zur Verarbeitung oder zur kurzfristigen Veräußerung verwendet werden (z. B. Rohstoffe, Druckerpatronen, Autobatterien, Benzin für Geschäftsfahrzeuge).

Passivseite der Eröffnungsbilanz

In der Passiva ist die Mittelherkunft aufgeführt und gliedert sich auf in Eigenkapital, Rückstellungen und Verbindlichkeiten. Eigenkapital besteht aus allen Erträgen und Einlagen, die nicht von Gläubigern bereitgestellt werden. Unter Rückstellungen sind Verbindlichkeiten zu verstehen, die noch als “ungewiss” gelten, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet werden. Rückstellungen schließen Verbindlichkeiten ein, die möglicherweise  gar nicht eingefordert werden können (z. B. wenn der Kunde die Erbringung der Leistung anzweifelt), sowie Verbindlichkeiten, deren genaue Beträge noch nicht feststehen. Auf der Passivseite sind zudem die Gründungskosten anzuführen, falls dies im Gesellschaftsvertrag so vereinbart wurde.

Darüber hinaus enthält eine Eröffnungsbilanz den Namen des Unternehmens, Ort und Datum der Gründung sowie Namen inklusive Unterschriften der Geschäftsführung.

 

Was bedeutet Bilanzidentität?

Eine Eröffnungsbilanz ist nicht nur bei Unternehmensgründung, sondern auch zu Beginn jedes neuen Wirtschaftsjahres zu erstellen und muss mit der Schlussbilanz übereinstimmen. Diese Übereinstimmungsvorgabe nennt man auch Bilanzidentität oder Bilanzkontinuität.

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Was kostet die Eröffnungsbilanz?

Die Kosten der Eröffnungsbilanz hängen von der Höhe des eingebrachten Stammkapitals ab. Da die Eröffnungsbilanz von einem Notar beurkundet werden muss, fallen diese Kosten zusätzlich zu den Kosten für den Steuerberater an.

 

Was ist eine E-Bilanz?

Sie können Ihre Bilanz auch elektronisch als E-Bilanz an das Finanzamt übermitteln. Wie auch die Steuererklärung wird diese über das ELSTER-Portal versendet. Benötigt wird hierzu ein ELSTER-Zertifikat zur Authentifizierung Ihres Unternehmens. Zusätzlich ist die E-Bilanz per Buchhaltungssoftware an den Bundesanzeiger zu übermitteln. Mehr zur E-Bilanz erfahren Sie hier.

 

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