Eigenkapital: Definition, Berechnung, Bedeutung

aktualisiert am 11. April 2019 10 Minuten zu lesen
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Tatsächlich wird der Begriff des Eigenkapitals in der Betriebswirtschaftslehre (BWL) häufig sehr schwammig erklärt. Oft werden verschiedene Aspekte des Eigenkapitals getrennt betrachtet. Holistische Definitionsansätze sehen Eigenkapital aus unternehmerischer Sicht als das gesamte Kapital, das von den Gesellschaftern bei der Unternehmensgründung einbezahlt wurde, als erwirtschafteter Gewinn im Unternehmen verbleibt und von den Gesellschaftern zum Unternehmensbetrieb genutzt wird. Was das Eigenkapital jedoch genau ausmacht, wie Sie es berechnen können, welche Bedeutung Eigenkapital für Unternehmen hat und welche verschiedenen Arten es gibt, können Sie in diesem Artikel nachlesen.

 

Definition: Was ist Eigenkapital?

Viele verschiedene Definitionsansätze existieren in der BWL, die jeweils einen anderen Aspekt des Eigenkapitals in den Vordergrund stellen. Es lassen sich drei Schwerpunkte herauskristallisieren:

  • Herkunft von Eigenkapital
  • Rückzahlbarkeit von Eigenkapital
  • Bilanzielle Aspekte von Eigenkapital

Oberflächlich betrachtet wird als Eigenkapital meist der Kapitalanteil des Unternehmens erachtet, der sich aus eigenen (finanziellen) Mitteln der Unternehmensgründer und den erwirtschafteten Gewinnen des Unternehmens zusammensetzt, also beispielsweise von Gesellschaftern bei der Gründung eingebracht wird.

Privatpersonen und Eigenkapital

Für Privatpersonen, die nicht unternehmerisch tätig sind, spielt Eigenkapital primär bei der Immobilienfinanzierung (beispielsweise beim Hauskauf) oder bei anderen ähnlichen Anschaffungen eine Rolle. So erhalten Antragsteller meist nur eine Finanzierung, wenn sie auch entsprechendes Eigenkapital nachweisen können, das Banken eine gewisse Sicherheit garantiert.

 

Eigenkapital in der Bilanz

Im innerbetrieblichen Rechnungswesen, beispielsweise in der Bilanz, steht das Eigenkapital gegenüber dem Fremdkapital und ist dabei besonders für Analysten und Gläubiger relevant. In der Bilanz muss klar ersichtlich sein, bei welchem Teil des Kapitals es sich um Eigen- und Fremdkapital handelt. Da die Passivseite die Mittelherkunft auflistet, steht dort auch das Eigenkapital. Im Bilanz-Aufbau findet sich das Eigenkapital an oberster Stelle der Passivseite:

Aktivseite Passivseite
Anlagevermögen

Umlaufvermögen

Eigenkapital

  • Gezeichnetes Kapital
  • Kapitalrücklage
  • Gewinnrücklagen
    • gesetzliche Rücklagen;
    • Rücklage für Anteile an einem herrschenden oder mehrheitlich beteiligten Unternehmen;
    • satzungsmäßige Rücklagen;
    • andere Gewinnrücklagen;
  • Gewinnvortrag/Verlustvortrag;
  • Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag,

Obwohl die Auflistung als “Eigenkapital” erfolgt, können unter diesem Punkt tatsächlich sowohl eigene als auch fremde Mittel (Fremdkapital) aufgelistet sein.

Durch den Vergleich der Eigenkapitalbestände zu Beginn und zum Ende des Geschäftsjahres können Unternehmen ihren Erfolg ermitteln – das Ergebnis wird auch als Eigenkapitaldifferenz oder Eigenkapitalvergleich bezeichnet. Allerdings kann ein Eigenkapitalvergleich nur dann durchgeführt werden, wenn es im Laufe des Geschäftsjahres keine Privatentnahmen oder -einlagen gab.

 

Eigenkapital: Wie kommt es zustande?

Eigenkapital entsteht im Rahmen einer Unternehmensgründung immer dann, wenn das gesetzlich geforderte Mindesteigenkapital von den Gesellschaftern eingebracht wird – in Form von Bar- oder Sacheinlagen. Das Mindesteigenkapital ist für die Rechtsformen AG, UG und GmbH erforderlich und beträgt gemäß § 5 des Aktiengesetzes 50.000 Euro für die Gründung einer AG und 25.000 Euro gemäß § 5 Abs. 1 des GmbH-Gesetzes für eine GmbH-Gründung. Für die UG ist ein Mindesteigenkapital von lediglich einem Euro pro Gesellschafter gesetzlich vorgeschrieben (§ 5a (1) GmbHG).

Wie kann das Eigenkapital erhöht werden?

Ist ein Unternehmen bereits im Handelsregister eingetragen, kann das Eigenkapital durch verschiedene Methoden aufgestockt werden, unter anderem folgende:

  • Erhöhung der Eigenkapitaleinlagen
  • Thesaurierung der Gewinne
  • Neue Gesellschafter fungieren als Eigenkapitalgeber (Beteiligungskapital)
  • Aktivierung von Vermögensposten
  • Emission von Aktien
  • Aktiva werden höher bewertet
  • Passiva werden niedriger bewertet

 

Eigenkapital berechnen

Das Eigenkapital ist der Betrag in der Bilanz, der übrig bleibt, wenn die Passiva (Schulden und sonstige Verbindlichkeiten) von den Aktiva (Vermögenswerte) abgezogen werden. Somit können Unternehmer direkt im Jahresabschluss einsehen, wie viel Eigenkapital in ihrer Kapitalgesellschaft steckt. Zum direkten Vergleich von Eigen- und Fremdkapital wird allerdings generell die Eigenkapitalquote zurate gezogen.

Eigenkapitalquote

Je mehr Eigenkapital ein Unternehmen vorzuweisen hat, desto positiver wird es von Außenstehenden bewertet. Dabei spielt die Quote des Eigenkapitals eine entscheidende Rolle, denn sie spiegelt die Relation zwischen Eigen- und Fremdkapital wieder. 

Im Idealfall liegt der Eigenkapitalanteil über 20 Prozent – am besten noch höher. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote in Deutschland liegt zwischen 20 und 25 Prozent. Für ein gutes Image bei Banken und Investoren ist die Höhe der Eigenkapitalquote meist ein ausschlaggebendes Kriterium.

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Eigenkapitalrentabilität

Häufig stehen Unternehmer vor der Entscheidung, Kapital zu investieren oder anzulegen. Bei einer getätigten Investition lässt sich durch die Berechnung der Eigenkapitalrentabilität erkennen, ob die Investition sich gelohnt hat:

Eigenkapitalrentabilität = (Gewinn * 100) / Eigenkapital

Sobald die Eigenkapitalrentabilität über dem aktuellen Zinssatz liegt, hat sich die Investition gelohnt. Um zu berechnen, ob sich eine Investition rentiert hat, kann auch eine Return on Investment-Analyse (ROI-Analyse) durchgeführt werden.

 

Arten von Eigenkapital

Das Handelsgesetzbuch (HGB) listet im § 266 (2) verschiedene Arten des Eigenkapitals auf:

Gezeichnetes Kapital

Gründen Sie eine Kapitalgesellschaft, sind Sie dazu verpflichtet, eine Kapitaleinlage zu leisten. Aus den Kapitaleinlagen und eventuellen späteren Kapitalerhöhungen – etwa durch die Rücklagenbildung einer UG – setzt sich das gezeichnete Kapital zusammen.

Kapitalrücklagen

Werden finanzielle Reserven aus dem (jährlichen) Gewinn einbehalten, zählen diese als Kapitalrücklage. Sie sind für Kapitalgesellschaften verpflichtend vorgeschrieben, um finanzielle Reserven zu bilden. Zur Bildung werden z. B. Agiobeträge bei der Herausgabe von Aktien verwendet.

Gewinnrücklagen

Eigenkapital aus Gewinnrücklagen entsteht durch finanzielle Reserven, die
Gewinnrücklagen werden win weitere Sub-Kategorien unterteilt:

  • Gesetzliche Rücklagen
  • Satzungsmäßige Rücklagen
  • Rücklagen für Anteile des Unternehmens

Weiteres zu Gewinnrücklagen bei Kapitalgesellschaften können Sie hier nachlesen.

Gewinn- und Verlustvortrag

Wollen Unternehmer Steuern einsparen oder eventuelle Verluste oder Gewinne des Folgejahres ausgleichen, können sie einen Gewinnvortrag bilden. Dieser wird aus dem Rest des Vorjahres-Gewinns gebildet, der Verlustvortrag respektive aus dem Vorjahres-Verlust.

Jahresüberschuss und Jahresfehlbetrag

Der Gewinn nach Abzug aller Steuern wird als Jahresüberschuss bezeichnet, das Gegenteil ist der Jahresfehlbetrag.

 

Welche Funktionen hat Eigenkapital?

Eigenkapital kann in einem Unternehmen ganz unterschiedliche Funktionen haben. Hier eine Übersicht der wichtigsten:

Gründungs- oder Finanzierungsfunktion

Bei der Unternehmensgründung spielt Eigenkapital die wichtigste Rolle, denn ohne Eigenkapital können neu gegründete Unternehmen kein Fremdkapital aufnehmen. Die Gründung einer Kapitalgesellschaft nur durch Fremdkapital ist nicht möglich, da die Gläubiger so das gesamte Risiko des Unternehmens tragen, ohne an Chancen teilhaben zu können. Ohne Eigenkapital können weiterhin auch keine Kapitalgesellschaften mit einem gesetzlichen Mindesteigenkapital (AG oder GmbH) gegründet werden, denn die Bezahlung erfolgt durch ebendieses. Außerdem werden durch das eingebrachte Eigenkapital alle Gründungsinvestitionen finanziert, so beispielsweise die Anmeldegebühren bei Gewerbeamt/Handelsregister oder die Notarkosten. Durch Eigenkapital wird zudem das langfristige (Sach-)Anlagevermögen finanziert, weiterhin gilt die Eigenkapitalquote als wichtigste Kennzahl für Gläubiger zur Berechnung der Bonität und des Ratings.

Verlustausgleichsfunktion

Das Eigenkapital dient auch der Verlustabsorption, also zum Auffangen von Verlusten. Entstehen für das Unternehmen Verluste, werden diese vom Eigenkapital aufgefangen. Je höher das Eigenkapital eines Unternehmens ist, umso länger kann es anhaltende Verluste verkraften, ohne dass es zu Unternehmenskrisen oder gar einer Insolvenz kommt.

Repräsentationsfunktion

Eng verbunden mit der Finanzierung durch das Eigenkapital ist auch die Reputation des Unternehmens, da das eingesetzte Eigenkapital der Unternehmer Vertrauen bei Investoren oder Banken weckt. Damit weiteres Fremdkapital bereitgestellt wird, ist finanzielles Engagement der Unternehmer vorausgesetzt. Ist der Unternehmer nicht bereit, sein eigenes Geld für das Unternehmen bereitzustellen, ist er möglicherweise nicht so sehr von seiner eigenen Idee überzeugt. Das Eigenkapital hat somit direkten Einfluss auf den Zugang zu weiteren möglichen Fremdmitteln.

 

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