Security Token Offering (STO): Definition und Vorteile

aktualisiert am 16. Juli 2019 12 Minuten zu lesen
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Was genau bedeutet Security Token Offering? Und was unterscheidet ihn vom Initial Coin Offering? Erfahren Sie hier die Vorteile von Security Token und was diese Form von Vermögensanlagen ausmacht.

 

Mit Initial Coin Offerings (ICOs), dem Aushängeschild des Kryptohypes aus dem Jahr 2017, wurden mehr als 20 Milliarden US-Dollar von nicht-akkreditierten Investoren auf der ganzen Welt eingesammelt. Da hierbei teilweise auch gegen die Wertpapiervorschriften verstoßen wurde, ist es keine Überraschung, dass die US-Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) Anfang 2019 strengere Regularien eingeführt hat.

Bei Security Token Offerings (STO) handelt es sich um aufsichtsrechtlich unbedenklichere Angebote, die eine Unternehmensfinanzierung ebenfalls auf dem Verkauf von Kryptowährung basieren. Obwohl es sich um einen relativ neuen Ansatz handelt, haben STOs bereits 380 Millionen US-Doller eingebracht. Viele Analysten sagen deshalb voraus, dass 2019 das Jahr der STOs wird.

 

Security Token Offering: Die Basics

Was ist ein Security Token?

Ein Security Token ist ein Blockchain-basierter, handelbarer finanzieller Vermögenswert, der den strengen Kriterien und Vorschriften des Landes entspricht, in dem er ausgegeben wird. Daher spricht man auch von wertpapierähnlichen Token. Diese bieten mehrere Vorteile, z. B. die Möglichkeit, ihn in Bruchteile (z. B. 0,2 Token) zu zerlegen, was mit Aktien und Anleihen nicht möglich ist. Generell werden Security Token dazu verwendet, Geld für ein Unternehmen zu sammeln. Der Token kann so gestaltet werden, dass er den Eigentümern einen greifbaren Wert verleiht, z. B. einen Anteil am Eigenkapital oder eine Rendite über die Gewinnverteilung des Unternehmens.

Was ist ein Security Token Offering?

Über einen sogenannten Security Token Offering werden Token von Firmen angeboten und verkauft, die dem Käufer ein entsprechendes Recht am Gewinn der herausgebenden Firma einräumen. Ähnlich den Initial Coin Offerings orientieren sich STOs am Grundgedanken des Crowdfundings. In der Realität funktionieren sie jedoch ganz anders. Nutzt ein Unternehmen einen Security Token Offering als Finanzierungsquelle, können sich sowohl private als auch institutionelle Investoren daran beteiligen.

Security Token Offerings beinhalten oft „Rabatte“ während des ersten Crowdsales und unterliegen in der Regel Beschränkungen hinsichtlich der Personen oder Personengruppen, die in das Angebot investieren dürfen. In den meisten Fällen können STOs nur von akkreditierten Anlegern erworben werden.

Insgesamt 18 Unternehmen – darunter Gab und Blockchain Capital – haben laut dem Risikokryptofonds Evercity and Security Token Club 380 Millionen US-Dollar durch STOs aufgebracht. Das größte STO war tZero von Overstock, das 134 Mio. USD einbrachte. Weitere bemerkenswerte STOs sind Nexo, eine Plattform für kryptogesicherte Kredite, deren Angebot im April letzten Jahres 52,4 Millionen US-Dollar einbrachte. Darüber hinaus veräußerte LDCC by Lottery.com Security Token im Wert von 47 Millionen US-Dollar. Globale Tombola-Events sind zusätzlich in Planung.

 

STO vs. ICO: Die Unterschiede

Im Gegensatz zu einem ICO ist ein Security Token im Wesentlichen ein Investmentvertrag mit einem zugrunde liegenden Vermögenswert. Ein Security Token hat alle Eigenschaften eines Wertpapiers, da es ein fungibles, d. h. austauschbares, handelbares Finanzinstrument ist, das den tatsächlichen Geldwert darstellt. Security Tokens sind meist ähnlich wie Wertpapiere durch reelle Assets abgesichert und folgen den geltenden Richtlinien zu Compliance, Emission und Handel. Ein Security Token Offering ist weder ein ICO noch ein öffentliches Erstangebot für Aktien, sondern vielmehr eine Kombination aus beiden Fundraising-Modellen.

Sicherheit für Anleger

ICOs hingegen bieten keine wirklichen Sicherheiten. Herausgeber der Coins versuchten in der Vergangenheit häufig, behördliche Auflagen zu umgehen, indem sie behaupteten, ihre Token seien eine Dienstleistung und kein Wertpapier. Wie bereits erwähnt, wird diese Auslegung von Behörden nicht mehr akzeptiert. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich bei den meisten ICOs um unregistrierte Wertpapiere handelt, die möglicherweise auch strafrechtlich verfolgt und mit Geldbußen belegt werden können.

Auswahl der Anleger

Während der Entwicklung des ICO-Marktes entwickelte die Blockchain-Branche das SAFT-Framework (Simple Agreement for Future Token), durch das sichergestellt werden sollte, dass Security Token nur an akkreditierte Investoren verkauft werden dürfen. SAFT wurde entwickelt, um die Überprüfung und Akkreditierung von Anlegern zu vereinfachen. Das Modell war jedoch sehr kurzlebig, da sich die Token-Landschaft schnell weiterentwickelte.

Durch Beibehalten der Token-Aspekte der ICOs, aber unter Einhaltung der Regeln, zielen die Security Token Offerings darauf ab, eine ähnlich große Marktnachfrage zu generieren. Investitionen von akkreditierten Anlegern sind zwar wahrscheinlich, doch aufgrund der höheren Mindestinvestitionen ist mit eher geringer Unterstützung von den Main Street Investoren zu rechnen.

 

STO in Deutschland: Wann ist ein STO ein Wertpapier?

Nachdem Anfang 2019 die rechtlichen Weichen für Security Token Offerings gestellt wurden, ist der erste Wertpapierprospekt zu einem Security Token akzeptiert worden. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Finanzierungsoption auch in Deutschland als eigenständige Finanzierungsalternative großen Anklang finden und sich so etablieren wird.

Um als Wertpapier eingestuft zu werden, müssen STOs laut Bundesanstalt für 
Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) drei Kriterien erfüllen:

  1. Übertragbarkeit
  2. Handelbarkeit am Finanzmarkt
  3. Ausstattung mit wertpapierähnlichen Rechten

Der Wertpapierbegriff ist aufgrund der angestrebten EU-weiten Aufsichtskonvergenz einheitlich auszulegen. Sowohl das Wertpapierhandelsgesetz als auch das Wertpapierprospektgesetz sollen den Wertpapierbegriff der zweiten europäischen Finanzmarktrichtlinie (Markets in Financial Instruments Directive II – MiFID II) in nationales Recht umsetzen (Art. 4 Abs. 1 Nr. 44 MiFID II).

Übertragbarkeit von Security Token

Ein Token muss in technischer Hinsicht auf andere Nutzer übertragen werden können. Außerdem muss gewährleistet sein, dass es bei der Übertragung in seinem rechtlichen Gehalt und seinem technischen Wesen nach unverändert bleibt.

Handelbarkeit von Security Token am Finanzmarkt

Um als handelbar eingestuft zu werden, muss ein Token hinreichend standardisiert und gleichartig ausgestaltet werden, wobei die Übertragungsart hier keine Rolle spielt. Token dürfen keine unterschiedlichen Rechte vermitteln und müssen im Geschäftsverkehr nach Art und Zahl der Stücke bestimmt werden können. Kryptohandelsplattformen sind nach europäischem Recht als Finanzmärkte auszulegen, insofern gewährleisten derartige Plattformen auch die Verfügbarkeit auf dem Finanzmarkt.

Ausstattung von Security Token mit wertpapierähnlichen Rechten

Wird ein als Vermögensanlage beschriebenes Finanzinstrument als Token digitalisiert, handelt es sich um ein Wertpapier, wenn es aktienähnliche beziehungsweise mitgliedschaftliche Rechte oder ein vermögensmäßiges Recht schuldrechtlicher Natur beinhaltet und frei übertragbar ist. Damit ein Token die Wertpapiereigenschaft erlangt, ist der gesetzliche Gutglaubensschutz genausowenig erforderlich wie eine bei klassischen Wertpapieren notwendige Verbriefung. Die hier beschriebene Einstufung von Token als Wertpapiere bezieht sich ausdrücklich nur auf die Wertpapiereigenschaft im aufsichtsrechtlichen Sinne nach den Vorgaben des WpPG und anderer relevanter Aufsichtsgesetze.

Mehr zur Regulierung von Token in Deutschland lesen Sie hier.

 

Security Token Offering – Was sind die Vorteile?

24/7 Märkte

Die wichtigsten US-Börsen öffnen um 9:30 Uhr und schließen um 16:00 Uhr. Nach der Schlussglocke am Freitag können Trader ihre Aktien über 65 Stunden nicht mehr an den wichtigsten Börsen handeln. An einem Feiertagswochenende sind es sogar 89 Stunden. Das Blockchain-Ökosystem als technische Basis von Security Token ist dagegen unabhängig von Öffnungszeiten und dadurch jederzeit verfügbar. Was bisher für den amerikanischen Markt gilt, wird sich voraussichtlich global auf andere Märkte übertragen. Teams auf der ganzen Welt arbeiten an der Tokenisierung von Assets und einige Beobachter glauben, dass dies die Integration der globalen Märkte beschleunigen wird.

Aufspaltbarkeit

Security Token bieten einen effizienten Weg, um durch Fractional Ownership ein einzelnes hochwertiges Asset in kleinere Einheiten aufzuspalten. Wenn mehr Vermögenswerte fraktioniert werden, können Investoren eine optimale Asset-Allokation auf Einzelhandelsebene erzielen. Dies ist mit Wertpapieren bislang nicht möglich ist.

Schnelle Abwicklung

Trades für Bitcoin oder Ethereum können innerhalb von Minuten abgewickelt werden. Darüber hinaus hat die Blockchain-Technologie das Potenzial, die Abwicklungsgeschwindigkeit von Asset Deals massiv zu erhöhen. Ein entscheidender Faktor für das Ausmaß der Beschleunigung ist, ob und wie diese Prozesse durch interoperable Smart Contracts automatisiert werden können.

Liquidität und Markttiefe

Die meisten privaten Vermögenswerte sind relativ illiquid. Das bedeutet, dass der Handel mit Eigentumsanteilen teuer ist. Bei privaten Vermögenswerten, die an einem Risikokapital- oder Private-Equity-Fonds beteiligt sind, ist das Ausscheiden aus der Position vor der Auflösung des Fonds häufig mit erheblichen Preisnachlässen verbunden. Tokenisierte Fonds ermöglichen es den Fondsmanagern in illiquide Vermögenswerte ohne Angst vor Rücknahmen zu investieren, während Fondsanleger über Sekundärliquidität verfügen. Ein tieferer Markt für die Eigentumsanteile und die Erhöhung der Anlegerliquidität wird voraussichtlich mit einer Wertsteigerung einhergehen. Dies bezeichnen Ökonomen als Liquiditätsprämie. Wertpapiermarken versprechen ähnliche Liquiditätszuwächse für Anlageklassen wie Immobilien und Early Stage Equity.

Automatisierte Compliance

Bei der Tokenisierung von Wertpapieren wie dem Security Token Offering kann die Einhaltung von Compliance-Regeln automatisiert werden, sodass der regulierte Handel weniger beschränkt ist. Security Token können überall gehandelt werden, d.h. auch an dezentralen Börsen. Darüber hinaus könnte die zwingende aufsichtsrechtliche Regulierung von Token den Marktteilnehmern dabei helfen, die äußerst komplexe Aufgabe des grenzüberschreitenden Wertpapierhandels zu bewältigen.

 

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