ICO durchführen: Ablauf des Initial Coin Offerings

aktualisiert am 6. Juni 2019 17 Minuten zu lesen
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ICO (Initial Coin Offering) stellt eine immer beliebter werdende Finanzierungs- und Investitionsform auf Blockchain-Basis dar. Wenn Sie als Gründer ein ICO erstellen, sind einige Aspekte zu berücksichtigen, die von der Auswahl des Tokens über die Gestaltung des Whitepapers bis hin zur rechtlichen Unterstützung reichen.

 

ICO: Überblick und Allgemeines

Der ICO ist eine neue Methode, in Start-ups und bereits bestehende Unternehmen zu investieren. Als Finanzierungsform findet sie bei Gründern Anwendung, um Investoren anzuziehen. Hierbei kommen bei der Finanzierung des ICO in erster Linie Kryptowährungenzum Einsatz, die insbesondere Start-ups und junge Unternehmen im frühen Stadium ihres Geschäfts unterstützen. Der Begriff ICO entstand in Anlehnung an die IPO (Initial Public Offering), der einen Börsengang beschreibt. Anders als bei der Wertpapier-Ausgabe sind beim ICO jedoch die rechtlichen Hürden (Veröffentlichungspflicht) niedriger. Bei der Investition setzen Teilnehmende einen bestimmten Betrag ein, um von dem Krypto-Projekt im Erfolgsfall zu profitieren. Erweist sich das Vorhaben als erfolgreich, können Anleger das investierte Kapital vervielfachen. Investoren sind dabei zunächst Förderer und Unterstützer des Vorhabens, die erst im Falle einer positiven Entwicklung Gewinne erzielen.

 

ICO durchführen: Ablauf

Grundsätzlich finden ICOs Anwendung in frühen Finanzierungs- und Entwicklungsphasen eines Unternehmens oder Vorhabens. Als Gründer präsentieren Sie zunächst ein Whitepaper (Beschreibung des Projekts), bevor Sie einen ICO durchführen. In diesem Whitepaper erläutern das Geschäftsmodell oder Vorhaben sowie seine technischen Spezifikationen. Das Whitepaper dient dazu, potentielle Investoren von Ihrem Projekt zu überzeugen.

In einem anschließenden ICO-Plan entwickeln Sie eine Zeitachse (Roardmap) für die Ausgabe von Token an Anleger. Ziel ist es hierbei, ein vorab definiertes Budget zu erreichen. Im weiteren Verlauf der Finanzierung werden weitere Token auf Basis bestimmter Kryptowährungen und/oder Fiat-Geld (offizielle Währungen wie Euro, US-Dollar oder Schweizer Franken) erworben.

Die Token lassen sich nun in Abhängigkeit der jeweiligen Investitionssummen der Anleger verteilen. Mit der Höhe des investierten Kapitals steigt die Anzahl der Token, die Investoren erhalten. Die Ausgabe von Token und das gemeinsame Investieren in ein Projekt trägt zur weiteren Entwicklung des Vorhabens bei und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Anleger. Sobald der gehandelte Preis den ursprünglichen Kaufpreis für die Token aus dem ICO übersteigt, kommt es zur Erzielung von Gewinnen.

Erster Schritt im ICO-Plan: Auswahl des passenden Tokens

Als Gründer ist Ihnen bei der Auswahl des Tokens freie Wahl gegeben, wenn Sie einen eigenen ICO planen. Es existieren unterschiedliche Arten von Token, die jeweils eigene Eigenschaften besitzen.

Die häufigsten Token sind derzeit:

  • Security-Tokens
  • Utility-Tokens
  • Asset-Tokens
  • Currency-Tokens

Die Token sind mit verschiedenartigen Rechten verknüpft. Bei einem Equity-Token erhalten Anleger eine tatsächliche Unternehmensbeteiligung. Diese Form von ICO ist am engsten mit einem IPO im Sinne eines Börsengangs verwandt.

ICO und BaFin

Die öffentliche Platzierung von Unternehmensanteilen ist rechtlich absolutes Neuland, den nur wenige Start-ups durchführen. Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde BaFin hat bislang keinen Präzedenzfall für Unternehmensbeteiligungen auf Basis von Equity-Tokens geschaffen. Die BaFin prüft auch Initial Coin Offerings. Bislang sind im Rahmen aller bekannten Initial Coin Offerings in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen nur so genannte Utility-Token ausgegeben worden. Bei diesen Tokens handelt es sich um eine Art digitalen Gutschein. Dieser kann gegen eine Dienstleistung des Start-ups / Unternehmens eingelöst werden. Beteiligungen oder Gewinnversprechen (etwa in Form von Dividenden) sowie ein Recht zur Mitsprache sind bei dieser Token-Art nicht gegeben. Gewinnbeteiligungen an Unternehmen sind nur im Rahmen von STOs möglich. Security Token sind nach Einschätzung der BaFin wertpapierähnliche Token (WPÄ) und bedürfen einer aufsichtsrechtlichen Genehmigung sowie eines von der BaFin genehmigten Prospekts.

Auswahl der Plattform und Technologie

Eine weitere wichtige Entscheidung betrifft die Wahl der Plattform beziehungsweise Blockchain, auf der Sie den ICO erstellen. Auf Grundlage verschiedener Blockchains lassen sich Smart Contracts beziehungsweise dezentrale Apps entwickeln. Inzwischen haben sich einige Projekte herauskristallisiert, die sich voneinander deutlich unterscheiden. Die Unterschiede betreffen die Transaktionsgeschwindigkeit, die Kosten pro Transaktion sowie die Datensicherheit.

Ein großer Anteil aktueller ICOs basiert auf der Plattform von Ethereum. Diese Blockchain stellt eine der bekanntesten Technologien zum Start des Initial Coin Offering dar. Es ist mit vergleichsweise geringen technischen Hürden verbunden, einen ERC-20-Token zu schaffen. Doch ist die Ethereum-Plattform nicht frei von einigen Schwächen. Dazu gehört die längere Transaktionsdauer. Diese macht sich aufgrund der Skalierungsprobleme der Blockchain bemerkbar. Einige Smart Contracts sind auf besonders schnelle Abwicklung angewiesen, weshalb diese Transaktionsdauer zum Problem werden kann. In diesem Zusammenhang ist allerdings die jüngere Sharding-Technologie zu erwähnen, die zur Lösung dieser Probleme beitragen soll. Diese Technologie soll gleichermaßen ein weiteres Problem der Ethereum-Plattform lösen: die Transaktionskosten, die eine Abwicklung von Kleinstbeträgen über Ethereum bisher unattraktiv machen.

Alternativen zu Ethereum können hinsichtlich Transaktionsdauer- und Kosten effizienter sein, weisen jedoch in anderen Bereichen Nachteile auf. Wenige Alternativ-Blockchains sind bisher auf dem Markt als Plattform für ICOs etabliert oder darauf ausgelegt. Die Abwicklung der ICOs oder eine Integration in das bestehende Projekt können daher mit deutlichem Mehraufwand verbunden sein. Als ausgereifte Plattform ermöglicht Ethereum die Erstellung aufwändigerer Smart Contracts. Die Programmierung ist vielseitig und erlaubt zahlreiche Anpassungen. Stellar oder Waves sind Anbieter, die nur limitierte Anpassungen ermöglichen. Dies ist eine Einschränkung hinsichtlich der Möglichkeiten in der Erstellung der Smart Contracts, jedoch ein Vorteil für die Sicherheit.

ICO-Plan: Erstellung des Whitepapers

Ein zentraler Bestandteil jedes Initial Coin Offerings ist die Erstellung eines Whitepapers, in dem Sie das Vorhaben genau erläutern. Hierin sind unter anderem die zum Einsatz kommende Technologie und das Team des Konzepts zu beschreiben. In diesem Dokument finden sich weiterhin Angaben zur technischen Systemarchitektur sowie zur Interaktion mit Nutzern. Außerdem sind darin gegenwärtige Marktdaten sowie Einschätzungen für das zukünftige Wachstum gegeben. Auch die Voraussetzungen zur Ausgabe sowie Nutzung der Tokens werden hier ausführlich beschrieben. Abgerundet wird das Whitepaper durch Angaben und Auflistungen der Mitglieder des Teams, der Berater sowie der Partner. Whitepapers richten sich sowohl an potentielle Investoren mit Fachkenntnissen als auch an solche ohne besondere Vorkenntnisse.

Folgende Angaben sollten Sie im Whitepaper berücksichtigen:

  • Einführung in das Thema und Projekt inklusive Problembeschreibung
  • Beschreibung und Anwendung des Tokens
  • Detaillierte Produktbeschreibung und Lösungen
  • Erläuterung der Risikofaktoren
  • Angaben zu Team und Partner
  • Roadmap
    Haftungsausschluss

Von besonderer Bedeutung ist im Whitepaper eine Erläuterung zukünftiger Entwicklungspläne. Ein genauer Arbeitsplan für einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten sollte vorhanden sein, wobei auch ein Beta-Start berücksichtigt wird. Im Idealfall sind bereits einige Aufgaben dieser Roadmap erfüllt.

Ebenso sollten Sie potentielle Interessenten und Investoren über die geplante Aufteilung der Token aufklären. Anleger haben ein Interesse daran, zu erfahren, welcher Teil der investierten Summe im Unternehmen verbleibt und welcher an die Anleger fließt.

Rechtsberatung einholen

In Anbetracht der Vielfalt verschiedener Token-Arten und mit ihnen verbundenen rechtlichen Hürden empfiehlt sich die Beratung eines im Bereich Crypto, ICO, STO spezialisierten Rechtsanwalts, wenn Sie in Deutschland ein eigenes ICO durchführen möchten. Einige Kanzleien bieten in Deutschland inzwischen spezialisierte Rechtsberatung im Zusammenhang mit ICOs an. Diese Kanzleien stellen in der Regel einen wichtigen Partner und Ansprechpartner für Gründer und Start-ups dar, wenn es um rechtssichere Planung und Durchführung eines ICOs geht. Wenn Sie diese Form der Finanzierung planen, sollten Sie sich über die Rechtslage im Zusammenhang mit ICOs genau informieren. Gegebenenfalls kann es rechtlich von Vorteil sein, mit dem Unternehmen ins Ausland umzuziehen. Bei der Auswahl des Rechtsberaters sollten Sie darauf achten, dass dieser über Erfahrung und Referenzen im Bereich der ICOs verfügt.

In Abstimmung mit dem Rechtsanwalt sollten Gründer die gesetzlichen Bestimmungen des Projekts formulieren. Zu einem ICO gehören eine Vielzahl von Regelungen und Voraussetzungen, beispielsweise darüber, welche Art von Anleger (Privatanleger / institutioneller Anleger) sich in welchem Umfang am ICO beteiligen darf.

Zusammenstellung des Teams und des Boards

Wenn Sie Ihren ICO erstellen, hängt der Erfolg im Wesentlichen von einer kompetenten Mannschaft ab. Beim ICO eines Start-ups ist Vielfalt im Team von Vorteil. Das Team sollte nicht nur aus Unternehmern bestehen, sondern auch Entwickler beinhalten. Damit können Sie potentiellen Anlegern gegenüber vermitteln, dass Sie zur Durchführung des eigenen ICO in der Lage sind. Hierbei sollten Sie auf vertrauenswürdige Personen setzen, die Ihr Projekt unterstützten. Die Vertrauenswürdigkeit und Reputation Ihrer Teammitglieder ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, Investoren bei ihren Anlageentscheidungen zu überzeugen. Bisherige Leistungen und bereits erworbene Reputationen der Mitglieder des Teams sind dabei von Vorteil.

Dabei spielen auch vorhandene Erfahrung mit Blockchain-basierten Projekten eine wesentliche Rolle, wenn es darum geht, einen ICO durchzuführen.

Verfügt Ihr Team über keine geeigneten Personen für zentrale Aufgaben, sollten diese an externe Dienstleister delegiert werden. Die Bereiche, in denen Experten unersetzlich sind, umfassen neben Blockchain-Technologie und rechtlicher Beratung auch die Geschäftsentwicklung sowie das Marketing. Auch Aspekte der technischen Entwicklung sowie der Finanzen sind im Team zu berücksichtigen.

Das Advisory Board

Das Advisory Board stellt die Berater des Teams dar. Dieses fungiert als eigenständiges Organ, wenn Sie einen ICO durchführen. Im Advisory Board werden auch strategische Entscheidungen über die Gestaltung und die Zukunft des ICO getroffen. Die personelle Besetzung des Beirats kann hohe Bedeutung für die Investitionsentscheidungen der Anleger haben. Auch im Advisory Board zählen, ebenso wie im Rest des Teams, die Reputation beziehungsweise Erfahrung im Umgang mit ICOs eine entscheidende Rolle. Eine namhafte Besetzung des Boards kann daher das Interesse der potentiellen Investoren maßgeblich erhöhen.

Wenn Sie Ihren ICO planen, sollten sich das Gründerteam sowie der Beirat gegenseitig ergänzen. Komplementäre Rollen tragen zu einer umfassenden Projektleitung bei.

Beauftragung eines Dienstleisters

Die Herausgabe von Token im Rahmen eines ICOs ist neben rechtlichen auch mit technischen Hürden verbunden. Grundsätzlich ist es möglich, dass Sie als Gründer die Herausgabe der digitalen Einheiten selbst übernehmen, wenn Sie ein ICO erstellen. Blockchains wie die von Ethereum zeichnen sich dadurch aus, dass Unternehmen auf ihrer Basis eigene Coins generieren können. De facto liegen den meisten ICOs ERC20-Token zugrunde.

Erstellung des Prototyps

Ein ICO-finanziertes Projekt lässt sich überzeugender vermitteln, wenn Sie Ihren potentiellen Kunden und Investoren bereits einen Prototypen präsentieren können, der beweist, dass das Projekt auch funktioniert. In Anbetracht der zunehmenden Konkurrenz und der Vielzahl an ICO-basierten Start-ups ist ein reines Whitepaper alleine meist nicht ausreichend. Ganz gleich, um welches Produkt oder welche Dienstleistung es sich handelt, trägt ein funktionierender Prototyp dazu bei, Vertrauen in Ihr Projekt zu schaffen. Wichtig ist hierbei eine deutlich erkennbare Linie des Projekts und die späteren Investoren für den ICO werden sich dadurch eher dafür entscheiden, sich genauer mit Ihrem Konzept zu befassen.

Gestaltung der Webseite

Von ähnlich wichtiger Bedeutung wie das Whitepaper ist die Gestaltung des Webauftritts, um potentielle Investoren zu überzeugen. Geht es darum, einen ICO zu erstellen, so wollen Anleger sich sämtliche relevanten Informationen auf einen Blick erschließen können. Die Daten und Fakten sollten informativ und verständlich aufbereitet sein. Investitionsentscheidungen lassen sich an dieser Stelle über bestimmte Anreizsysteme beeinflussen. Mit der Webseite finden Sie eine weitere Möglichkeit, ein vertrauenswürdiges Bild Ihres Start-ups oder Projekts zu vermitteln.

Die Internetseite sollte Interaktionsmöglichkeiten bieten und klare Ausführungen darüber enthalten, wie sich Interessierte in das Projekt einbringen können. Grundsätzlich gehören zu den wichtigsten Informationen:

  • Beschreibung des Produkts oder Projekts
  • Beschreibung des Tokens und der Plattform
  • Erläuterung der Vorzüge des Projekts für Partner
  • Angaben zu Team und Advisory Board
  • Angaben zu den Partnern
  • Erläuterung der Roadmap

Eine klar strukturierte Internetseite stärkt gleichermaßen Image und Marke. Der Fokus in der Gestaltung sollte auf einem nutzerfreundlichen Design liegen. Um die Usability der Webauftritte herrscht eine hohe Konkurrenz unter Start-ups. Daher sind bestimmte Design-Elemente obligatorisch. Dazu gehören interaktive Elemente und hochauflösende Grafiken. Ein responsives Webdesign, das die Ausgabe des Webauftritts an das genutzte Endgerät anpasst, gehört zum Standard.

Marketing und Gewinnung von Kundendaten

Ein weiteres Ziel des Webauftritts besteht in der Leadgenerierung. Darunter ist die Gewinnung von Kunden- oder Investorendaten zu verstehen. Diese Daten erhalten sie durch die Bereitstellung durchdachter Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten. Dazu gehören etwa Formulare, in denen Interessenten ihre Daten hinterlegen oder Fragen stellen können. Diese Daten lassen sich im weiteren Verlauf des Geschäfts etwa für Marketing-Kampagnen einsetzen. Dies trägt weiterhin dazu bei, Ihr Vorhaben bekannter zu machen.

Auch ein durchdachtes Konzept wird nur Erfolg haben, wenn es hinreichenden Interessenten bekannt ist. Daher sind ein ausgereifter Marketingplan und eine übergeordnete Strategie zu entwickeln, wenn Sie Ihren ICO erstellen.

 

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