Psychische Belastung am Arbeitsplatz: Tipps zur Prävention

aktualisiert am 6. Juni 2019 15 Minuten zu lesen
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Starke psychische Belastung am Arbeitsplatz ist ein ernstzunehmendes Problem, unter dem viele Arbeitnehmer leiden. Am Arbeitsplatz wirken äußere Faktoren auf die Psyche der Mitarbeiter ein und beeinträchtigen sie bei der Erledigung ihrer Aufgaben. Als Arbeitgeber gibt es viele Möglichkeiten, erhöhten Belastungen vorzubeugen und ein nachhaltiges gesundes Betriebsklima zu fördern.

 

Häufige Ursachen und Tipps zur Bekämpfung

Schwere Belastungen, die sich auf die Psyche des Arbeitnehmers auswirken, können verschiedene Ursachen haben. Wer unter beruflichem Stress leidet, ist auf schnelle Hilfe angewiesen. Doch um den gesundheitlichen Zustand des Arbeitnehmers verbessern zu können, sollten zunächst die Gründe für den dauerhaften Stress auf der Arbeit ermittelt werden.

Schlechte Arbeitsumgebung und mangelnde Ausstattung

Die Atmosphäre am Arbeitsplatz beeinflusst die Stimmung und damit die Leistungsfähigkeit Ihres Personals. Eine laute Geräuschkulisse sowie ein zu kaltes oder zu warmes Raumklima sorgen für Stress und können für den Arbeitnehmer eine psychische Belastung am Arbeitsplatz darstellen.

Tipp: Wenn Sie von Ihren Angestellten konstant gute Leistungen erwarten, sollte Sie ihnen einen angenehmen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen. Hierzu gehört eine ausreichende und zweckmäßige Ausstattung. Ruhe, Sauberkeit, gute Beleuchtung und ansprechende Pausenräume tragen außerdem zum Wohlbefinden und Stressabbau bei.

Unflexible Arbeitszeiten

Wer auf Dauer gegen die innere Uhr arbeiten muss, ist meist unzufrieden und gestresst. Anstrengende Schichtarbeiten können sich negativ auf die Gesundheit des Arbeitnehmers auswirken, da der natürliche Rhythmus durch die unterschiedlichen Zeitblöcke durcheinander gebracht wird. Berufspendler in Ballungsgebieten werden außerdem durch einen unflexiblen Arbeitsbeginn belastet. Flexible Arbeitszeiten ermöglichen einen entspannteren Arbeitsweg und mehr Flexibilität für private Erledigungen (Arzttermin etc.), für die im Normalfall Urlaub beantragt werden muss. Deshalb hat das Gleitzeit-Modell hat bei Arbeitnehmern einen hohen Stellenwert.

Tipp: Mithilfe eines Zeitkontos lassen sich die Arbeitszeiten überwachen und der Arbeitnehmer kann seine Minus- oder Zeitschulden in einem definierten Zeitraum ausgleichen. So können Sie gleichzeitig die Zufriedenheit des Personals erhöhen und mit hoher Wahrscheinlichkeit die kranksheitsbedingten Ausfälle reduzieren.

Mangelnde Vertretung

Der Mangel an fachmännischem Personal stellt nicht nur den Arbeitgeber vor ein großes Problem. Auch Arbeitnehmer leiden unter Personalmangel. Das Resultat sind nicht selten Überstunden, erhöhter Stress und schlechte Stimmung. Genau so baut sich ein ständiger Druck auf, dem großen Arbeitsumfang gerecht zu werden. Hinzu kommt das Gefühl, sich krankheitsbedingte Ausfälle nicht erlauben zu können. Stattdessen werden Krankheiten “durchgestanden” und verschleppt. Diese psychische Belastung am Arbeitsplatz führt schnell zu mangelnder Produktivität und langfristig zu längeren Krankheitsausfällen der überarbeiteten Angestellten.

Tipp: Um Ihre Mitarbeiter nicht mit zu vielen Überstunden oder Termindruck zu belasten, ist es wichtig, regelmäßig zu kontrollieren, ob Arbeitsvolumen und Mitarbeiteranzahl übereinstimmen. Bei starken Diskrepanzen sollten Sie Anpassungen und Umverteilungen vornehmen. Feedback-Gespräche auf deren Basis Tätigkeiten effizienter verteilt werden, helfen außerdem, in Zeiten der Überlastung ein klares Zeichen an die Mitarbeiter zu senden, dass Sie das Problem wahrnehmen und um eine Lösung bemüht sind.

Unklare Aufgabenverteilung

Sind die Aufgabenbereiche auf der Arbeit nicht klar verteilt, führt dies zunächst zu Verwirrung und einem Mehraufwand. Aus einer unklaren Aufgabenverteilung außerdem können interne Konflikte zwischen Arbeitnehmern oder Überbelastungen resultieren, die sich negativ auf die Gesundheit der Arbeitnehmer auswirken können.

Tipp: Eine offene Unternehmenskultur hilft dabei, besser zu kommunizieren und Konflikte zu vermeiden. Ermutigen Sie Ihr Personal, Probleme rund um das Task-Management anzusprechen. Organisations-Softwares, die von allen genutzt werden können, helfen ebenfalls dabei, Aufgaben und deren Bearbeitung klar zu verteilen.

Zwang zur Weiterbildung

Durch berufliche Weiterbildungen können Arbeitnehmer ihr Wissen erweitern und ihre Chancen auf eine bessere Position erhöhen. Allerdings gilt es hier zu beachten, dass berufliche Fortbildungen in der regulären Arbeitszeit erfolgen müssen. Der Arbeitnehmer ist nicht dazu verpflichtet, berufliche Weiterbildungen in seiner arbeitsfreien Zeit zu besuchen. Wird ein Arbeitnehmer zu einer Weiterbildung gezwungen, die außerhalb der Arbeitszeit stattfindet, kann hierdurch eine psychische Belastung am Arbeitsplatz entstehen, da die Erholungsphase extrem verkürzt wird.

Mobbing

Mobbing am Arbeitsplatz kommt häufiger vor, als viele Führungskräfte denken. Betroffene Arbeitnehmer müssen sich permanenten Übergriffen durch Mitarbeiter oder Vorgesetzte aussetzen. Ob durch persönliche Anfeindungen, Manipulationen, Belästigungen oder bewusste Ausgrenzung – Opfer von gezielten Mobbing-Attacken fühlen sich gestresst, gedemütigt und stehen unter hohem Leidensdruck. Andere Formen der Diskriminierung führen häufig zu ähnlichen Belastungen.

Tipp: Nehmen Sie das Thema Mobbing ernst und greifen Sie ein, wenn Sie Muster erkennen. Oft können klärende Gespräche mit allen Beteiligten Abhilfe schaffen und die Situation entschärfen. Falls notwendig, sollten Sie dem Mobber eine Abmahnung aussprechen. Dies ist einerseits ein klares Zeichen an das Mobbing-Opfer und andererseits ein Hinweis an das restliche Personal, dass Sie ähnliche Schikanen nicht dulden.

Umgang mit schwierigen Kunden

Anspruchsvolle oder schwer zufriedenstellende Kunden können eine Gefährdung für die psychische Gesundheit des Arbeitnehmers darstellen. Die oft emotionale und stressige Arbeit im Kundenservice setzt Ihre Mitarbeiter unter Druck und beeinträchtigt sie bei der erfolgreichen Umsetzung ihrer Arbeit. Zudem kann ein Arbeitnehmer, der ständig mit emotionalen Kunden zu tun hat, schnell an seine psychischen Grenzen gebracht werden.

Tipp: Um die Gesundheit des Arbeitnehmers zu schützen, ist es deshalb wichtig, den Kontakt mit schwierigen Kunden zeitlich zu begrenzen. Arbeitskollegen können hier Unterstützung leisten und einen Teil der Kundenbetreuung übernehmen.

 

Folgen bei andauerndem Stress auf der Arbeit

Wenn die Ursachen für die psychische Belastung am Arbeitsplatz nicht rechtzeitig erkannt und keine gezielten Änderungsmaßnahmen getroffen werden, kann der Arbeitnehmer auf lange Sicht krank werden.

Burnout und seine Folgen

Burnouts können viele Ursachen haben. Oft stecken mangelnde Erholungsphasen, hoher Leistungsdruck, Mobbing auf der Arbeit hinter der psychosomatischen Erkrankung. Arbeitnehmer, die unter einem arbeitsbedingten Burnout leiden, fühlen sich geistig, emotional und körperlich erschöpft. Die betroffenen Beschäftigten können sich nur schlecht oder gar nicht konzentrieren und machen viele Fehler. Zudem erkennen Sie Arbeitnehmer mit Burnout daran, dass sie sich von ihrem Umfeld distanzieren oder zynische Verhaltensmuster an den Tag legen. In den meisten Fällen führen Burnouts zu einer gänzlichen Arbeitsunfähigkeit.

Wenn Sie als Arbeitgeber den Verdacht haben, dass ein Arbeitnehmer an einem Burnout erkrankt, sollten Sie sofort handeln. Sprechen Sie den Angestellten auf seine auffälligen Verhaltensmerkmale an und versuchen Sie gezielt gegen die Faktoren, durch welche diese psychische Belastung am Arbeitsplatz hervorgerufen wird, vorzugehen.

Chronische körperliche Leiden

Eine psychische Belastung am Arbeitsplatz kann auch schwere körperliche Leiden zur Folge haben. Typische Symptome für Stress sind häufig auftretende Kopfschmerzen oder Migräne, schwere Rückenschmerzen oder das Reizdarm-Syndrom. Da unser Körper häufig als ganze Einheit auf Stressfaktoren reagiert, können auch viele weitere körperliche Erkrankungen angehäuft auftreten, deren Zusammenhang nicht direkt erkennbar ist.

Häufige Fehlzeiten oder Beendigung des Arbeitsverhältnisses

Auf Stress am Arbeitsplatz reagiert jeder unterschiedlich. Deshalb variiert auch die Schmerzgrenze je nach persönlicher Belastbarkeit. Arbeitnehmer, die dauerhaftem Stress am Arbeitsplatz ausgesetzt sind, können diesem auf lange Sicht oft nicht standhalten. Aus diesem Grund häufen sich bei betroffenen Personen Fehlzeiten an. Schuldgefühle, Scham und Antipathie der Kollegen können bei der Wiederaufnahme eine zusätzliche Belastung bedeuten. Ohne Besserung in Sicht beenden chronisch überlastete Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis mit hoher Wahrscheinlichkeit.

 

Vermeidung von psychischen Gefährdungen auf der Arbeit

Gesunder Stress gehört zum Arbeitsalltag dazu. Artet dieser jedoch aus und stellt für den Arbeitnehmer eine permanente, psychische Belastung dar, ist schnelles Handeln von Seiten des Arbeitgebers notwendig. Effektive Ressourcen zur Vermeidung von andauerndem Stress am Arbeitsplatz gibt es von vielen Seiten.

Vorsorge durch Arbeitsmedizin

Letztlich trägt der Arbeitgeber die Verantwortung für den Arbeitsschutz all seiner Angestellten. Aus diesem Grund steht er in der Pflicht, gewonnene Kenntnisse zum Thema weiterzuentwickeln und den Gesundheitsschutz im Unternehmen aufrechtzuerhalten.

Laut Arbeitsschutzgesetz ist jeder Arbeitgeber in Deutschland dazu verpflichtet, für eine angemessene medizinische Betreuung seiner Mitarbeiter zu sorgen. Diese arbeitsmedizinischen Maßnahmen dienen zur Verhütung von gesundheitlichen Gefahren am Arbeitsplatz. Der Arbeitgeber hat laut Gefahrstoffverordnung dafür Sorge zu tragen, dass im Betrieb angemessene Arbeitsbedingungen herrschen. Zudem ist er dafür verantwortlich, seine Beschäftigten im Falle einer psychischen Belastung aufzuklären und zu beraten.

Zusätzlich können spezielle arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen zur frühzeitigen Erkennung von gesundheitlichen Störungen sind bei Verdacht auf eine psychische Belastung am Arbeitsplatz durchgeführt werden. Um dem Arbeitnehmer eine möglichst stressfreie Arbeitszeit zu bieten, sollten fachlich begründete Empfehlungen zur Arbeitsgestaltung hinzugezogen werden.

Hilfe durch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)

Die DGUV ist der Dachverband der gesetzlichen Berufsgenossenschaften in Deutschland. Sie setzt sich mithilfe von Maßnahmen zur Prävention, Rehabilitation und Entschädigung für den Arbeitsschutz ein und wirkt einer psychischen Belastung am Arbeitsplatz entgegen. Ihre zuständige Berufsgenossenschaft bzw. Unfallkasse unterstützt Unternehmen bei der Durchführung von Maßnahmen zum Arbeitsschutz.

Prävention

Um Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten oder arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren vorzubeugen, werden von der DGUV Präventionen durchgeführt. Auch wenn bereits eine psychische Belastung am Arbeitsplatz vorliegt, eignet sich eine Prävention, um Hilfe zu leisten und die Tabuisierung zu vermeiden.

Rehabilitation

Für die Inanspruchnahme einer Rehabilitation muss bereits seit längerem eine psychische Belastung am Arbeitsplatz vorliegen. Während einer “Reha” werden Maßnahmen zur Wiederherstellung der Gesundheit und Arbeitskraft durchgeführt.

Entschädigung

Wenn sich die psychische Belastung am Arbeitsplatz in einem sehr fortgeschrittenen Stadium befindet, bleibt oft nur eine Entschädigung durch die Versicherung. Wird die arbeitsbedingte, psychische Belastung durch die DGUV entschädigt, erhält der betroffene Arbeitnehmer Verletztengeld oder im gegebenen Fall eine Rente.

Gefährdungsbeurteilung für psychische Belastung am Arbeitsplatz

Das Arbeitsschutzgesetz besagt, dass alle Arbeitgeber dazu verpflichtet sind, Gefährdungen der Beschäftigten während der Arbeit zu beurteilen. Liegen Gefährdungen vor, muss der Arbeitgeber Maßnahmen in die Wege leiten lassen, um den gesundheitlichen Zustand des Arbeitnehmers zu verbessern. Nach der Durchführung entsprechender Maßnahmen, muss das Ergebnis dokumentiert werden. Das Dokument dient der Feststellung besserer Arbeitsschutzmaßnahmen.

Der Arbeitgeber kann frei darüber entscheiden, wie er die Beurteilung vornimmt, da dies nicht gesetzlich geregelt ist. Bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung wird der Arbeitgeber von den Aufsichtspersonen der Unfallversicherungsträger beraten.

 

Fazit: Psychische Belastung am Arbeitsplatz

Die psychische Gesundheit hat am Arbeitsplatz höchste Priorität. Zufriedene und gesunde Mitarbeiter erledigen ihre Aufgaben sorgfältiger und können das Unternehmen beim Erreichen der Betriebsziele besser unterstützen. Organisationen wie die DGUV tragen dazu bei, mithilfe der Unternehmer Betriebe sozial zu führen. Dies dient sowohl den Interessen des Betriebes als auch denen der Mitarbeiter.

Damit die Arbeitnehmer dem Betrieb auf lange Sicht erhalten bleiben, sind regelmäßige Gespräche und Kontrollen wichtig. Wird die psychische Gesundheit des Arbeitnehmers im Laufe des Arbeitsverhältnisses aufgrund von Stress auf der Arbeit beeinträchtigt, sind Sie als Arbeitgeber dazu verpflichtet, entsprechende Gegenmaßnahmen in die Wege zu leiten. Oft sind kleine Veränderungen schon eine große Hilfe, um Ihr Personal zu entlasten.

 

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