„Klappt es nicht mit der Gründung, bleibt immer noch ein Master-Abschluss“

aktualisiert am 31. Januar 2020 15 Minuten zu lesen

Wer Studium und Unternehmensgründung kombinieren möchte, hat seit Oktober 2019 die Möglichkeit, sich an der Mobile University der SRH Fernhochschule einzuschreiben. Beim Master-Studiengang „Entrepreneurship in digitalen Zeiten“ profitieren auch Studierende abseits der hiesigen Gründerzentren von professionellen Strukturen und hochqualifiziertem „Coaching“ seitens der Lehrkräfte. Prof. Bernhard Küppers, Initiator des Studienganges und selbst seit Jahren als Business Angel in der Gründer-Szene aktiv, über Innovationskraft, Deutschland als Gründungsstandort und die vielfältigen Möglichkeiten der Studierenden.

Prof. Bernhard Küppers
Prof. Bernhard Küppers

 

Inwiefern ist der neue Master-Studiengang „Entrepreneurship in digitalen Zeiten“ ein Pionierprojekt?

Die Herangehensweise ist in der Tat relativ neu und zumindest mir sind aktuell keine vergleichbaren Studiengänge bekannt. Der Clou dabei ist, dass im Rahmen eines Fernstudiums ein Gründungsprojekt mit einbezogen werden kann. Unsere Motivation zur Einführung waren grundlegende Probleme von studierenden Gründern: Zum Beispiel die Entscheidung „Kundentermin oder Pflichtvorlesung?”, wobei im Zweifelsfall natürlich der Kunde priorisiert werden muss. Ein weiteres Problem kann in der Perspektive eines Investors liegen. Hat dieser bei einem studierenden Gründer das Gefühl, dass das Projekt nicht im Fokus steht, hat er verständlicherweise Angst um sein Geld. Ist das Projekt gleichzeitig Studieninhalt, hat ein Investor keinen Grund zu zweifeln – vielmehr noch: er weiß um professionelle Unterstützung.

Gab es noch weitere Gründe dafür, einen solchen Studiengang zu konzipieren?

Ein weiterer Punkt war die intrinsische Seite bzw. die Lernmotivation: Wenn Studenten an Themen des eigenen Unternehmens arbeiten, ist das natürlich sehr viel besser für den Lerneffekt, als sich denselben Stoff abstrakt erarbeiten zu müssen. Ein anderer zentraler Punkt war die Idee, mit einem Studium das persönliche Risiko abzufedern. Man sagt zwar generell, es sei nicht so schlimm, wenn Gründer scheitern, doch das stimmt so leider nicht. Bei jüngeren Menschen steht das nämlich im Lebenslauf und das ist einfach nicht förderlich. Trotz Engagements und bester Vorbereitung sind es immer noch 50-60 %, die zum Ergebnis kommen, dass das Unternehmertum doch nicht zu Ihnen passt oder sich ihre Idee nicht trägt.

Der Studiengang dient sozusagen als Sicherheit, falls die Gründung scheitert?

Genau. Klappt es – aus welchen Gründen auch immer – mal nicht mit der Gründung, bleibt unseren Studierenden immer noch ein hochwertiger Master-Abschluss. Das war der Hintergrund. Und die Frage, wie sich so etwas umsetzen lässt, war für mich dann relativ einfach zu beantworten, auch nachdem wir aktuell mit der SRH Mobile University die beliebteste Fernhochschule überhaupt sind. Seit 1.10.2019 läuft der Studiengang nun an und die Resonanz zu Aufbau und Qualität ist bisher absolut positiv. Das Studium kann übrigens monatlich begonnen werden und ist unabhängig vom Semester.

 

„Der Studiengang ist für alle geeignet, die unternehmerisch an Fragen herangehen möchten.“

 

Wie hoch ist der zeitliche Umfang des Studiums?

Der Masterstudiengang hat in der Summe 15 Module (120 ECTS-Punkte) inklusive Masterarbeit, so dass ein Student es nebenberuflich in der Regelstudienzeit von zwei Jahren schaffen kann. Doch entscheidend hierbei ist: Wenn ein Student im Rahmen eines Moduls ein Marketingkonzept für sein Startup erstellt, gilt dies als Studienleistung – obwohl er das ja auch unabhängig vom Modul gestalten müsste. Hier darf man sich zurecht fragen, ob die investierte Zeit tatsächlich als Studienaufwand zu werten ist oder eher nur ein Bruchteil davon. Dieser Bruchteil wird außerdem noch dadurch kompensiert, dass man ein Feedback von Experten erhält. Insofern ist die Frage nach dem Studienaufwand doch sehr zu relativieren. Je stärker ein Student sein Startup unterstützen kann, umso weniger ist der Netto-Aufwand für ein Studium. Und wenn alle Stricke reißen, kann die Regelstudien-Dauer von 24 Monaten kostenfrei auf bis zu 48 Monate ausgedehnt werden.

Wie können Studierende als Gründer ein Unternehmen finanzieren?

Auch das geht im Rahmen eines Projektes, indem ein Förderantrag gestellt wird. Gründer am Ende eines Studiums, egal ob Master oder Doktorand, können beispielsweise über das Gründer EXIST Stipendium eine Finanzierung erhalten, die die ersten Gründungsschritte unterstützt. Und wir reden hier von „geschenktem“ Geld (zur Förderung von aussichtsreichen Neugründungen) von bis zu 140.000 Euro. Startups, die dies erhalten, haben eine Überlebensquote von 60-70 %. Wer also sowieso einen solchen Antrag stellt, bekommt diesen außerdem für sein Studium als Modul angerechnet. Hinzu kommt, dass der Student auch von uns Dozenten unterstützt wird und der Antrag so noch höhere Erfolgschancen haben wird. Im Vergleich mit jemandem, der den Antrag ohne Studium stellt, ist das ein Zeitgewinn in doppelter Hinsicht.

 


Kontakt für Interessenten der Studiengänge:

SRH Fernhochschule
Prof. Bernhard Küppers
+49(0)151 40101651
bernhard.kueppers@srh.de

Infos zum Studiengang „Entrepreneurship in digitalen Zeiten“ (PDF)


 

Wie hoch ist denn der Anteil der Gründer unter den Studierenden?

Hier muss ich etwas weiter ausholen. Theoretisch ist dies natürlich der Studiengang für Gründer. Es muss jedoch keineswegs der Fall sein, dass diese schon gegründet haben. Es kann auch jemand sein, der einfach nur nur eine Idee hat, sich noch unsicher ist, ob diese als Geschäftsmodell etwas taugt und sich die Frage stellt: Wähle ich das Studium anstatt einer unternehmerischen ersten Karriere?

Und dann gibt es ja noch den Studiengang als Executive für Intrapreneure.

Richtig. Hier sind Studenten Mitarbeiter eines Unternehmens und haben womöglich schon ein Haus gebaut, werden aber verfolgt von einer Geschäftsidee, die sie unbedingt austesten möchten. In dieser Frühphase können sie als Vorgründer oder Intrapreneur Studieninhalte für ihre Zwecke nutzen. Die Zahl der Gründer ist zwar im Vergleich höher, doch auch für die eben genannten Varianten ist dieses Studium genauso geeignet. Selbst wenn ein Projekt einer Gründerin oder eines Gründers tatsächlich am Ende ist, hat sie oder er die Möglichkeit, das Studium aus den zahlreichen Wahlmodulen neu zu modellieren und auf die neue berufliche Orientierung anzupassen, beispielsweise in Richtung Leadership. Gründen ist quasi der gedankliche Aufhänger, aber eigentlich ist der Studiengang für alle geeignet, die unternehmerisch an Fragen herangehen wollen und sich ein unternehmerisches Mindset erarbeiten möchten. Also ideal für alle, die als potentielle Führungskräfte Innovationen und Veränderungen auch in etablierten Unternehmen vorantreiben wollen.

 


Intrapreneure sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen, von denen ausdrücklich erwünscht ist, dass sie denken und handeln, als ob sie selbst unternehmerisch tätig wären.


 

Nun zum Zertifikatskurs „Design Thinking und Innovationsmanagement“: Inwiefern kann man Innovation lernen? Welche Methoden werden hier vermittelt?

Innovation selbst kann man natürlich nicht lernen, wobei es sicherlich Kreativtechniken gibt, welche die Ideenfindung unterstützen. Bei uns geht es viel mehr darum, Ideen auszuarbeiten, zu konkretisieren und noch bevor sie zu einer Innovation werden, zu einer sogenannten Invention zu machen. Die Innovation ist erst die Umsetzung der Invention. Wenn soweit alles konkretisiert ist, müssen Gründer eben Investoren überzeugen und für ihre Sache gewinnen. Als Intrapreneur sind Mitstreiter im Unternehmen zu finden, um die Geschäftsführung von etwas zu überzeugen. In beiden Fällen hat das etwas mit Leadership-Qualitäten zu tun. Im Studium übt und lernt man Herangehensweisen, wie man sich positioniert, wie man Ideen vermittelt und darstellt. Und wenn ich genug Leute von einer Idee überzeugt habe, kann ich sie in eine Innovation überführen.

Innovation ist in der Startup-Szene ja stets ein großes Thema. Wie beurteilen Sie Deutschlands Potential als Gründerstandort? Und sind hiesige Gründer auch waghalsig genug, um eher riskante Ideen umzusetzen?

Der durchschnittliche Deutsche ist vielleicht tatsächlich eher etwas zurückhaltender als viele Amerikaner oder Israeli, die eine sehr starke nationale Gründerszene haben. Aber im Umkehrschluss zu sagen, Deutschland sei nicht oder weniger innovativ, wäre falsch. Ich glaube, dass die Wertschätzung für Gründer und auch deren Mut, diesen Weg zu gehen, an zwei Punkten gefördert werden kann: Erstens mit unserem Studienkonzept, bei dem Gründer wie bereits gesagt nicht auf die Nase fallen können, wenn es doch nicht funktioniert. Zweitens haben wir zwar sehr viel Kapital im Markt, aber eben immer erst dann, wenn ein Unternehmen die entscheidende oder kritische Phase bereits überstanden hat. In der sogenannten Seed-Phase hingegen, in der es um Wagniskapital geht und es noch gar nicht abzusehen ist, ob ein Geschäftsmodell überhaupt realisiert werden kann, ist es bei uns sehr schwer, geeignetes Kapital zu erhalten, egal ob nun von Förderstellen oder Investoren. Wenn Gründer in dieser Phase sind und kein Kapital bekommen und bspw. keinen Prototypen bauen können, dann haben sie es natürlich sehr schwer, eine Idee umzusetzen. Hier würde ich mir bei hiesigen Investoren mehr Risikobereitschaft wünschen.

Ist die Kapitalbeschaffung während der Seed-Phase in den USA denn einfacher?

Ob das in den USA wirklich einfacher ist, wage ich zu bezweifeln, denn Seed-Kapital ist immer schwierig zu bekommen. Vielleicht ist es aber tatsächlich leichter, in den USA sehr hohe Kapitalbeträge zu bekommen, wenn die kritische Phase  vorbei ist. Die ganzen UBERs und facebooks dieser Welt, die Milliarden eingesammelt hatten, bevor der erste Euro verdient war, sind da die klassischen Beispiele. Dies lässt sich durch die amerikanische Vormentalität erklären, die sehr anders ist als unsere. In Deutschland achtet man viel mehr darauf, kein Fehlinvestment zu machen und in den USA bekommt vor allen Dingen derjenige Manager große Probleme, der bei einem tollen Projekt nicht dabei war bzw. es abgelehnt hat. Zieht man da bei einer Gelegenheit mit großem Potential nicht mit, ist die Gefahr groß, später schlecht dazustehen.

Wie würden Sie Deutschland insgesamt als Gründerstandort bewerten?

Die Gründerszene in Deutschland ist in meinen Augen okay, könnte aber deutlich besser sein. Der Grad an Innovation ist innerhalb Deutschlands natürlich auch sehr standortabhängig. Gibt es für einen Gründer ein professionelles Netzwerk mit Ansprechpartnern? Mit Infrastruktur? Mit Zugangswegen? Stehen die ersten Ansprechpartner auch direkt zur Verfügung, wenn die ersten Fragen aufkommen? Haben Gründer gleich zu Beginn den richtigen vor sich, werden ihnen viele Türen ohne Probleme geöffnet. Haben sie den falschen vor sich, wobei das keineswegs vorsätzlich sein muss, verlieren sie Zeit, Zugangswege und sehr viel Energie. Das ist meines Erachtens der Knackpunkt in Deutschland wie auch in vielen anderen Gründerszenen. Im Baltikum gibt es beispielsweise eine florierende Szene, auch in Skandinavien und Israel und immer dort, wo ein Hub – also eine Gründeransammlung – funktioniert, ist die Chance, seine Gründungsidee zu realisieren, überproportional hoch.

Soll der Studiengang einen solchen lokalen Hub ersetzen?

Exakt. Idee der Studiengänge war es, eben diese Hub-Mentalität ortsunabhängig zu machen, denn Studenten können sich ja von überall an das System der Fernuniversität andocken: Auf der Schwäbischen Alb genauso wie in Mecklenburg-Vorpommern – völlig egal. Gründer brauchen gute Rahmenbedingenen, damit Innovationen funktionieren können. Berlin beispielsweise hat bereits einen guten Hub, gilt auch als Fördergebiet, doch dort fehlt es immer noch an guter Vernetzung. Häufig ziehen viele dieser Startups wieder in die Rhein-Neckar-Metropolregion oder auch andere Ballungszentren, weil Berlin doch nicht immer optimale Möglichkeiten bietet, um in den Markt einzutreten. Insofern brauchen Gründer solche Rahmenbedingungen, die wirklich entscheidend dafür sind, ob in Deutschland Innovationen funktionieren oder nicht.

 


Prof. Bernhard Küppers ist Leiter des Gründer-Instituts der SRH Hochschule Heidelberg und seit 2019 Studiengangsleiter und Professor für Entrepreneurship an der SRH Fernhochschule. Zudem hat er einen Lehrauftrag für Entrepreneur- und Leadership an Hochschulen in Köln, Mannheim, Heidelberg und Moskau.

 

Bild: SRH Fernhochschule

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