Brandschutz ohne Zettelwirtschaft: Wie Gründer Merab Tserodze Sicherheit digitalisiert

Brandschutz fällt im Alltag kaum auf – bis er im Ernstfall funktionieren muss. Ob Feuerlöscher, Brandschutztür oder Rauchwarnmelder: Werden Prüfungen verpasst, kann das Menschen gefährden. Trotzdem laufen die Prozesse dahinter in vielen Betrieben noch erstaunlich analog. Papierformulare, Excel-Listen und falsch übertragene Fristen sind keine Ausnahme.

 

Genau hier setzt Merab Tserodze mit Augenblick-Control an. Seine Software digitalisiert wiederkehrende Brandschutz-Prüfungen per QR-Code und automatischer Fristenkontrolle. In unserer Interview-Reihe FounderFace erzählt er, warum er als Nicht-Entwickler eine eigene Software gebaut hat, weshalb Vertrauen in seiner Branche wichtiger ist als Werbung und was Gründer:innen aus seiner Erfahrung lernen können.

 

Merab Tserodze
Merab Tserodze, Gründer und Geschäftsführer von Augenblick-Control

Was machst Du genau, Merab?

Augenblick-Control digitalisiert wiederkehrende Brandschutz-Prüfungen: Feuerlöscher, Brandschutztüren, Rauchwarnmelder lassen sich per QR-Code einfach erfassen und prüfen – sogar offline im Keller. So können Nutzer ein DIN-konformes PDF in Sekunden erzeugen und haben alle Fristen automatisch im Blick. Das ganze funktioniert über eine Web-App, die im App Store erhältlich ist. Das Produkt ist DSGVO-konform und wird in Deutschland gehostet.

 

Was ist Deine Mission und welches Problem möchtest Du lösen?

Meine Mission ist einfach: Brandschutz-Prüfungen sollen zuverlässig und mühelos sein – ohne Zettelwirtschaft. Denn hinter jedem Prüfprotokoll steht am Ende ein Gebäude voller Menschen. Ob ein Feuerlöscher einsatzbereit ist oder eine Brandschutzklappe im Ernstfall wirklich schließt, kann im Zweifel über Menschenleben entscheiden.

Das Problem: In vielen Betrieben läuft das immer noch auf Papier. Prüfer notieren im Keller auf Formularen, übertragen abends alles in Excel, und Fristen rutschen durch, weil sie niemand im Blick behält. Wertvolle Zeit von Fachleuten geht für Verwaltung drauf – statt für die eigentliche Prüfung.

Zitat 1 Merab TserodzeGenau da setzen wir an: Augenblick-Control bringt die Prüfung aufs Handy, auch offline und direkt vor Ort. QR-Code scannen, prüfen, fertiges DIN-konformes PDF-Protokoll in Sekunden. Fristen werden automatisch überwacht, damit kein Prüfgegenstand und kein Termin mehr vergessen wird. So bleibt mehr Zeit für das, worauf es wirklich ankommt: nämlich dass Gebäude sicher sind.

 

Wer steckt hinter Augenblick-Control? 

Hinter Augenblick-Control stehe ich, Merab Tserodze, Gründer und Geschäftsführer der Augenblick-Effekt UG in Unterschleißheim bei München.

Mein Weg hierher war nicht geradlinig: Ich bin aus der Ukraine nach Deutschland gekommen und habe hier in einer Brandschutzfirma gearbeitet. Dort habe ich die Prüfungen selbst durchgeführt – Feuerlöscher, Brandschutztüren, Rauchwarnmelder, Begehungen. Und ich habe erlebt, wie der

Alltag danach aussieht: Notizen auf Papier, abends stundenlanges Übertragen in Excel-Listen, Fristen, die man im Kopf oder in einer Tabelle behalten muss. Eine Branche, die für Sicherheit sorgt, arbeitet bei der eigenen Dokumentation noch wie vor zwanzig Jahren.

Ich habe lange auf eine Lösung gewartet, die wirklich aus der Praxis gedacht ist – und irgendwann beschlossen, sie selbst zu bauen. Ich bin kein ausgebildeter Entwickler; mein Kapital war das Fachwissen aus dem Prüferalltag. Den Rest habe ich mir erarbeitet, unterstützt von modernen, KI-gestützten Entwicklungswerkzeugen, die so ein Projekt für eine einzelne Person überhaupt erst möglich machen.

Über Monate ist daraus eine vollständige Plattform entstanden – mit DIN-konformen Protokollen, Offline-Betrieb für den Heizungskeller ohne Empfang, automatischer Fristenkontrolle sowie DSGVO-konformem Hosting in Deutschland.

Das Besondere daran: Fachlichkeit und Produkt liegen in einer Hand. Ich baue kein Werkzeug für eine Branche, die ich von außen beobachte – ich baue das Werkzeug, das ich selbst gebraucht hätte. Die Plattform ist inzwischen live, und der erste zahlende Kunde arbeitet bereits damit.

 

 

Welche Herausforderungen beschäftigen Dein Unternehmen derzeit am meisten? 

Wir sind gerade an dem Punkt, an dem sich entscheidet, ob aus einem funktionierenden Produkt ein funktionierendes Unternehmen wird. Die Technik steht, der erste zahlende Kunde arbeitet damit – jetzt geht es um Wachstum. Und da liegen unsere Herausforderungen woanders, als viele vermuten würden.

Die größte Herausforderung ist der Vertrieb in einer traditionsbewussten Branche. Brandschutzbetriebe kaufen keine Software, weil sie modern aussieht. Sie kaufen, wenn ein Prüfer sagt: „Das spart mir zwei Stunden pro Tag.“ Vertrauen entsteht hier über Empfehlungen, nicht über Werbeanzeigen – das bedeutet, jeder einzelne Kunde zählt und muss wirklich überzeugt sein. Dieser Weg ist langsamer als bei klassischen Tech-Produkten, dafür stabiler.

Die zweite: Wir sind vollständig eigenfinanziert. Kein Investorengeld, keine Runway-Rechnung – das gibt Unabhängigkeit, zwingt aber zu Disziplin. Jeder Euro, der in Infrastruktur oder Marketing fließt, muss sich rechtfertigen.

Und die dritte ist eine, die mich täglich beschäftigt: das Skalieren als sehr schlankes Unternehmen. Ein Ein-Personen-Betrieb kann extrem schnell entscheiden – aber Support, Weiterentwicklung und Kundengespräche wollen gleichzeitig stattfinden. Genau deshalb habe ich von Anfang an in Automatisierung, Monitoring und saubere Prozesse investiert, statt in schnelle Abkürzungen. Der nächste Schritt ist, an den richtigen Stellen Verstärkung zu holen – ohne die Geschwindigkeit zu verlieren, die uns überhaupt hierher gebracht hat.

 

Welchen Rat würdest Du anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben? 

Mein wichtigster Rat: Baue etwas für ein Problem, das du selbst gut kennst. Ich habe die Prüfprotokolle jahrelang abends in Excel übertragen – ich musste keine Marktforschung betreiben, um zu wissen, was weh tut. Dieses Wissen kann man nicht recherchieren, man muss es erlebt haben. Wer eine Branche nur von außen betrachtet, baut fast zwangsläufig am eigentlichen Bedürfnis vorbei.

Und der zweite Punkt, den ich gerne früher gewusst hätte: Man muss heute kein Entwickler sein, um Software zu bauen. Ich bin keiner. Mit den heutigen KI-gestützten Werkzeugen habe ich mir das Wissen Schritt für Schritt erarbeitet und eine Plattform gebaut, für die ich vor wenigen Jahren ein Team und viel Kapital gebraucht hätte. Die Hürde ist nicht mehr das Können, sondern die Ausdauer.

Was ich unterschätzt habe: Das Bauen ist der einfachere Teil. Die Software war irgendwann fertig – und dann fing die eigentliche Arbeit erst an: Rechtssicherheit, Datenschutz, Verträge, Kunden gewinnen, Vertrauen aufbauen. Wer gründet, sollte diese Seite von Anfang an mitdenken, nicht als lästige Pflicht am Ende.

Und zuletzt: Fang an, bevor du dich bereit fühlst. Ich hätte noch ein Jahr planen können. Der erste zahlende Kunde bringt dir mehr Klarheit als hundert perfekte Konzepte.Zitat 2 Merab Tserodze

 

Wie hat Dich firma.de bei der Gründung oder im Unternehmensalltag unterstützt?

Die Gründung der Augenblick-Effekt UG habe ich komplett über firma.de abgewickelt – und das war eine der Entscheidungen, die ich rückblickend sofort wieder so treffen würde.

Besonders beeindruckt hat mich die Geschwindigkeit. Notartermine kamen schneller zustande, als ich es für möglich gehalten hätte, und der gesamte Prozess bis zur Eintragung lief spürbar zügiger, als ich es erwartet hätte.

Genauso wichtig war für mich aber etwas anderes: Wann immer ich eine Frage hatte, kam die Antwort prompt. Wer in Deutschland schon einmal auf eine Rückmeldung gewartet hat, weiß, wieviel das wert ist – Zeit ist als Gründer die knappste Ressource überhaupt.

Für mich als Erstgründer ohne juristischen Hintergrund war es enorm entlastend, diesen Teil in verlässlichen Händen zu wissen. So konnte ich meine Energie dort einsetzen, wo sie hingehört: in das Produkt und die ersten Kunden.

 

Danke an Merab Tserodze von der Augenblick-Effekt UG (haftungsbeschränkt) für das spannende Interview.

augenblick-control.de

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