Die Weiterbildung als wichtiger Wettbewerbsfaktor für Unternehmen

30. September 2015 14 Minuten zu lesen
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Ein Leben lang lernen – regelmäßige Weiterbildungen sind in vielen Branchen notwendig, um auch zukünftig ganz vorn mit dabei zu sein. Erfahren Sie auf firma.de, was den Wettbewerbsfaktor Weiterbildung ausmacht.

Eine Weiterbildung hat viele überzeugende Vorteile, nicht nur für den jeweiligen Mitarbeiter selbst, sondern ebenso für sein Unternehmen. Die Zeiten, in denen ein Arbeitnehmer ein ganzes Leben lang einer einzigen Tätigkeit nachgehen konnte, sind zudem längst vorbei – vor allem dann, wenn es um einen Beruf geht, der sich mit modernen Medien, dem Internet oder sonstigen aktuellen Trends auseinandersetzt. Ein stetiger Wandel gehört demnach zum heutigen Arbeitsleben einfach dazu und gerade die kommende Generation von Arbeitnehmern wird voraussichtlich nicht nur einem einzigen Job in ihrer Karriere nachgehen. Wer derzeit frisch auf dem Arbeitsmarkt ankommt, ist sich dieser Tatsache jedoch bewusst, sodass die stetige Verbesserung der Fähigkeiten und eine Unterstützung beim lebenslangen Lernen oftmals sogar zu den Anforderungen gehören, die sich ein Arbeitnehmer von seinem zukünftigen Unternehmen wünscht.

 

Sowohl Arbeitnehmer als auch Unternehmen profitieren durch Weiterbildungen

Weiter- und Fortbildungen können für ein Unternehmen einen großen Wert haben und dienen mittlerweile sogar als wichtiger Faktor bei der Mitarbeitergewinnung. Wer die Zeichen der Zeit erkennt, der sollte daher in jedem Fall in die Weiterbildung der Angestellten investieren. Folgende Vorteile können sich aus der betrieblichen Weiterbildung ergeben:

1. Kundenzufriedenheit steigt

Je effizienter die Mitarbeiter sind, desto besser sind sie auch in der Lage, Kunden zu beraten und ihnen einen umfassenden Support zu bieten. Dementsprechend kann die Inanspruchnahme von Weiterbildungen letztendlich auch für eine höhere Kundenzufriedenheit sorgen.

2. Stärkere Mitarbeiterbindung

In Zeiten des Fachkräftemangels haben viele qualifizierte Arbeitnehmer die Qual der Wahl – das bedeutet für ein Unternehmen allerdings, dass es heute so stark wie nie um neue Mitarbeiter kämpfen muss, um diese von sich zu überzeugen. Arbeitnehmer möchten das Gefühl haben, dass ihr Arbeitgeber ihre individuelle Entwicklung unterstützt und dies honorieren sie wiederum mit Engagement und Loyalität. Das bringt einen wichtigen Faktor mit sich, denn es vermindert die Fluktuation und Kündigungen beim Personal.

3. Wissenstransfer

Nicht nur das geschulte Personal profitiert von dem neuen Wissen, auch die restliche Belegschaft kann fortan auf die Inhalte der Bildungsmaßnahmen zugreifen. Indem Fachwissen und Fähigkeiten unter den Kollegen ausgetauscht werden, lassen sie sich im ganzen Unternehmen verbreiten – eine Art des Wissenstransfers, die nicht unterschätzt werden sollte.

4. Leistungssteigerung und Innovation

Durch eine fundierte Weiterbildung werden die Angestellten auf dem Laufenden gehalten, wenn es um innovative Technologien oder optimale Geschäftsprozesse aus der Branche geht. Zudem regen die Trainingsmaßnahmen zum autonomen Handeln an und reduzieren die Notwendigkeit von Anleitung und Kontrolle. Effizienz und Leistung der Mitarbeiter lassen sich so bedeutend steigern. Laut Soufflearning kann es sich dabei sogar um Steigerungen von bis zu 230% handeln.

5. Risikomanagement

Nicht zuletzt senkt die betriebliche Weiterbildung außerdem das Unternehmensrisiko, wenngleich diesbezüglich vor allem Kurse wie Sicherheits- und Gesundheitstrainings gemeint sind. Sie können Krankheiten und Verletzungen reduzieren, die durch eine falsche Arbeitsweise zustande kämen. Ebenfalls aktuell ist diesbezüglich auch das Thema Diversity am Arbeitsplatz – einen hilfreichen Einstieg zu diesem komplexen Bereich bietet der Ratgeber der RKW Berlin. Ein gutes Seminar in diese Richtung kann so für eine verbesserte Zusammenarbeit der Mitarbeiter sorgen.

 

Verschiedene Arten von Weiterbildung – was lohnt sich?

Nicht jeder Mensch entspricht demselben Lerntyp, aus diesem Grund haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten verschiedene Lernformen etabliert.

Unterschieden wird beispielsweise zwischen Präsenzveranstaltungen und Direktunterricht, eigenverantwortlichem Lernen und Lerntechniken, die ausschließlich über das Internet funktionieren. Weiterhin kann zwischen Seminaren, Kursen, Fernunterricht, Coaching, Bildungsurlaub oder Blended Learning gewählt werden – für viele Neueinsteiger ein breites Angebot, dass so manch einen auch überfordern könnte. Grundsätzlich gliedern sich diese und weitere Maßnahmen vornehmlich in folgende Bereiche:

Präsenzveranstaltungen

Als Präsenzveranstaltung wird jede Art der Weiterbildung bezeichnet, bei der der Teilnehmer direkt vor Ort sein muss. Darunter fallen beispielsweise Seminare, Workshops oder Trainings, die auch heute noch als sehr beliebte Lehrmaßnahmen gelten. Vorteilhaft an Präsenzveranstaltungen ist vor allem, dass eine eindeutige Lernsituation vorherrscht: ein geeigneter Raum, ein Dozent bzw. Experte und meist noch einige Gleichgesinnte sorgen für Arbeitsatmosphäre und fördern die Motivation. Andererseits gibt es keine flexible Zeitplanung, die Anfahrt erfordert zusätzlichen Kosten- und Zeitaufwand und es herrscht ein vorgegebenes Lerntempo. Dafür überzeugen jedoch die vielfältigen Methoden, beispielsweise Vorträge, Rollenspiele, Diskussionsrunden, praktische Übungen oder Kleingruppen- und Partnerarbeit.

Fernunterricht

Hier lernt der Arbeitnehmer allein zu Hause, jedoch kann er bei Bedarf Kontakt zu seinem Lehrer aufnehmen. Häufig werden Fernunterricht-Angebote daher mit E-Learning-Elementen kombiniert, etwa einer Website mit Download-Bereich, einem Chat, virtuellen Unterrichtstools oder der passenden Email-Adresse für einen direkten Ansprechpartner. Gerade für Berufstätige ist diese Form der Weiterbildung gut geeignet, denn sie lässt sich ideal mit Beruf und Familie vereinbaren. Auch die zeitliche Flexibilität ist gegeben, zudem kann der Lernende sein Tempo selbst bestimmen und eine Abgabefrist bei Bedarf auch nach hinten oder vorne verschieben. Gleichzeitig wird diese freie Arbeit jedoch durch einen vorgegebenen Rahmen unterstützt, der beispielsweise die Kurslaufzeit und die ungefähren Ziele vorgibt. Schwierig beim Fernunterricht kann mitunter das Thema Motivation sein, denn eine richtige Lernatmosphäre lässt sich in den heimischen vier Wänden häufig schwer realisieren. Vor allem dann, wenn Zuhause eine große Familie wartet, könnten ein ungestörter Arbeitsplatz und ausreichend Zeit zum Lernen schwer gefunden werden. Zudem sind einige Lerninhalte auf diesem Wege kaum vermittelbar – zum Beispiel praxisorientiertes oder kommunikatives Wissen. Die Kombination aus Fern- und Präsenzunterricht kann demnach effektiver sein und wird daher bereits von vielen Fernunterrichtsinstituten angeboten.

E-Learning

Smartphone und Tablet sind heute ständige Begleiter des Alltags und auch bei der beruflichen Weiterbildung sind sie mittlerweile unverzichtbar. Der Trend geht daher immer weiter in Richtung digitaler Lernformen, die mithilfe von Apps, Social Media und Webinaren funktionieren. Grundsätzlich werden mit dem E-Learning alle Formen des Lernens bezeichnet, die mithilfe von elektronischen Medien funktionieren. In der Regel kommt dabei ein Web Based Training (WBT) oder Computer Based Training (CBT) zum Einsatz. Ähnlich wie beim Fernunterricht bringt das E-Learning eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit sich und ermöglicht zudem eine komplett freie Zeiteinteilung. Zu den gängigen Methoden zählen Lernspiele, Multiple-Choice-Tests, Videos oder Lesetexte. Zudem wird das Lernen so auch unterwegs möglich gemacht, etwa durch den Einsatz von Smartphone und Notebook. Dafür müssen die Lernenden allerdings auch auf direkte Ansprechpartner oder Mitschüler verzichten, die Lernsituation muss selbst geschaffen werden und es kann gegebenenfalls zu Motivationsproblemen kommen.

Tipp: Blended Learning statt einfachem E-Learning

Aufgrund der Nachteile wird auch beim E-Learning häufig zu kombiniertem Unterricht gegriffen, die Rede ist dabei vom „Blended Learning“. In einem solchen Fall werden Präsenzveranstaltungen mit dem E-Learning verbunden. Viele Institute und Anbieter greifen mittlerweile auf diese Form der Weiterbildung zurück. Wie das Blended Learning im Detail aussieht und wie ein solcher Kurs aufgebaut ist, zeigt das Lernkonzept von Hager.

Hier finden Sie das Video Was ist E-Learning? von Jonas Kiener (E-Learningverantwortlicher der Hochschule für Angewandte Psychologie), bestehend aus acht verschiedenen Statements zur Frage Was verstehen Sie unter E-Learning und vermittelt einen Eindruck über die Vielfältigkeit des Themas.

Welche Art des Lernens es letztendlich wird, hängt vor allem von den Präferenzen des Arbeitnehmers ab, andererseits spielt aber sicherlich auch der Preis eine Rolle. Letzteres ist insbesondere dann wichtig, wenn der Arbeitgeber die Kosten teilweise oder sogar komplett übernimmt. Idealerweise sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer bereits im Vorfeld auf einen gemeinsamen Nenner kommen und sich auf ein Lehrangebot eignen, mit dem alle Betroffenen einverstanden sind.

 

Weiterbildung – übernimmt der Chef die Kosten?

Nutzt ein Mitarbeiter eine Weiterbildung, so muss er diese nicht zwangsläufig selbst bezahlen. Denn Stattdessen kann auch der Arbeitgeber die Kosten übernehmen, was sich insbesondere dann rechnet, wenn sich die Maßnahme auszahlt und eine sinnvolle Investition für das Unternehmen darstellt. Obwohl ein Unternehmen in der Regel davon profitiert, dass der Mitarbeiter sich fortbilden möchte, entscheiden sich dennoch viele Chefs dafür, die Kosten nicht oder nur zu einem geringen Teil zu übernehmen. Teilweise ist daher seitens des Mitarbeiters ein wenig Überzeugungsarbeit nötig, um die Chefetage davon zu überzeugen, dass die Investition sich auszahlt. Andererseits heißt es hier auch für den Arbeitgeber genau abzuwägen, welche Weiterbildungsmaßnahmen sich lohnen und welche weniger sinnvoll sind. Hierbei können einige grundlegende Fragestellungen als Rahmen gesetzt werden:

• Hat der Mitarbeiter gute Argumente und kann diese untermauern?

• Wie hoch ist der Mehrwert für das Unternehmen?

• Welche Eigenleistungen nimmt der Mitarbeiter dafür auf sich, wie motiviert ist er?

• Bekennt er sich zum Unternehmen oder möchte er mit dem neuen Knowhow womöglich zur Konkurrenz wechseln?

Vorteile bei der Versteuerung

Grundsätzlich stellen die Fortbildungskosten einen Ersatz der Werbungskosten dar und sind demnach steuer- und beitragspflichtig, ganz gleich, ob die Aufwendungen dem Arbeitnehmer ersetzt werden oder die Kosten direkt selbst gezahlt werden. Zwar kann der Arbeitnehmer die Aufwendungen als Werbungskosten geltend machen, bei direkter Zahlung benötigt er aber eine Bescheinigung über die Höhe der übernommenen Kosten. Letztendlich stellt dies sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber eine Belastung mit Sozialversicherungsbeiträgen dar. Anders verhält es sich jedoch, wenn die Kosten für Fortbildungsmaßnahmen aufkommen, die in „ganz überwiegendem betrieblichen Interesse“ durchgeführt werden – denn diese Leistungen sind sowohl steuer- als auch beitragsfrei. Dabei ist es egal, ob die Fortbildung direkt am Arbeitsplatz oder an einem anderen Ort oder durch Fremde stattfindet.

Was ist „ganz überwiegend betriebliches Interesse“ und wann tritt es ein?

Es liegt ein „ganz überwiegend betriebliches Interesse“ vor, wenn die Einsatzfähigkeit der Arbeitnehmer im Betrieb erhöht werden soll. Davon ist beispielsweise auszugehen, wenn die Teilnahme an der Fortbildung als Arbeitsleistung gewertet und ganz oder teilweise auf die Arbeitszeit angerechnet wird. Mitunter kann aber auch ein „ganz überwiegend betriebliches Interesse“ vorliegen, wenn der Arbeitnehmer sich in seiner Freizeit vorbildet. Einige Beispiele hat IWW zusammengetragen.

 

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