Philosoffee – „Aus Liebe zum Kaffee!“ Ein Startup aus Berlin erobert den Getränkemarkt

aktualisiert am 25. Februar 2021 12 Minuten zu lesen
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Kaffeeliebhaber aufgepasst: „Cold Brew-Kaffee“ ist das neue Trendgetränk! Das Besondere daran: Der Kaffee wird kalt gebrüht und kalt genossen. „Philosoffee“, ein junges Startup aus Berlin, startet mit dem Trendgetränk auf dem Getränkemarkt durch und bringt neuen Schwung in die konservative deutsche Kaffeekultur. Im Interview mit firma.de verrät Lukas Friedemann, wie der amerikanische Markt für Spezialitätenkaffee ihn dazu inspirierte, mit Philosoffee die einheimischen Trinkgewohnheiten zu revolutionieren.
„Aus Liebe zum Kaffee“ – so lautet das Motto von „Philosoffee“, einem 2016 in Berlin gegründeten Startup. Durch ihre Expertise in unterschiedlichen Bereichen ergänzen sich die drei Gründer Benjamin Thies (Finanzen und Kooperation mit Großkunden), Lukas Friedemann (Branding und Marketing) und Christian Figueras (Getränketechnologie) hervorragend in ihrer Arbeit. Die Mission von Philosoffee lautet: Die herkömmlichen, einheimischen Kaffeegewohnheiten neu zu gestalten und Spezialitätenkaffee für jedermann zugänglich zu machen.

Christian Figueras, Benjamin Thies, Lukas Friedemann
Die Köpfe hinter Philsoffee: Christian Figueras, Benjamin Thies und Lukas Friedemann (v.l.n.r.)

 

Die Geschäftsidee ist innovativ und noch ganz neu auf dem Deutschen Markt. Besonders euer Name Philosoffee bleibt hängen und hat großen Wiedererkennungswert. Wie seid ihr auf den Namen gekommen?


Wer genau hinsieht, der entdeckt, dass der Name durch die besondere Gestaltung des „S“ bei Philosoffee auch als „Philos Coffee“ gelesen werden kann, als die „Liebe zum Kaffee“ (philos = altgr. Freund, Geliebter). Der Name passt deshalb so gut zu uns, weil alle, die mittlerweile bei Philosoffee arbeiten, dies aus Liebe zum Kaffee tun. Außerdem spiegelt der Name unsere Vision und unseren Wunsch wieder, ein Kaffeegetränk zu produzieren, das hochwertig und neuartig ist.

Natürlich ist es bei dem Wortspiel im Namen manchmal etwas schwierig. Nicht alle erkennen es auf Anhieb und verstehen den Zusammenhang, aber sobald sie es einmal verstanden haben, sind in der Regel alle begeistert von unserem Namen.

Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen, Cold Brew-Kaffee zu vermarkten?

Kold Brew Flasche von Philsoffee

Ich würde sagen, dass das zwei Gründe hatte. Während meines Masterstudiums in Amerika habe ich einen ganz neuen Kaffeemarkt kennengelernt. Dort ist insbesondere der Markt für Spezialitätenkaffee viel weiterentwickelt als bei uns hier in Deutschland. Mit Spezialitätenkaffee meine ich besonders hochwertigen Kaffee oder Kaffee, der aus der Region stammt oder sich stark mit lokalen Bedingungen und Geschmacksrichtungen befasst. Vergleichbar ist das beispielsweise mit Wein: Auch hier hat jeder einen Lieblingswein oder eine Lieblingstraube aus Frankreich, Italien, Chile oder aus einer anderen Region. So ist es auch beim Kaffee. Doch Spezialitätenkaffee, der über die typischen deutschen Kaffeemarken hinausgeht, ist vielen unbekannt, zu teuer oder zu gewöhnungsbedürftig im Geschmack. Dabei gibt es auch bei Kaffee verschiedene Anbaugebiete und Kaffeepflanzen sowie unterschiedliche Röstverfahren, die alle ganz unterschiedliche, individuelle Geschmacksrichtungen erzeugen.

Der andere Aspekt ist, dass ich einige Zeit in Kolumbien gelebt und dort vor Ort mit Kaffeebauern eng zusammengearbeitet habe. Ich bin quasi zur Quelle gegangen und habe gesehen, mit wie viel Leidenschaft die Menschen dort Kaffee anbauen, ernten und verarbeiten. Kaffeeanbau in Kolumbien ist nach wie vor eine rein handwerkliche Arbeit auf kleinen Flächen.

In Deutschland und speziell in Berlin ist seit einigen Jahren kaum noch etwas passiert auf dem koffeinhaltigen Getränkemarkt. Dabei ist Kaffee ein so vielfältiger und unterschätzter Rohstoff. Daraufhin haben wir für uns den Anspruch entwickelt, Cold Brew-Kaffee deutschlandweit zu verbreiten und für jedermann zugänglich zu machen, damit wir auch hier hochwertigen Kaffee jederzeit genießen können.

Wie ist der Wettbewerb in Deutschland? Gibt es auf dem Markt ein vergleichbares Getränk?

Jain. Es gibt ein paar Mitbewerber auf dem deutschen Markt. Zum Beispiel Cold Brew-Kaffee aus einer Pappdose oder von größeren bekannten Anbietern. Aber was uns auszeichnet und gegenüber anderen Wettbewerbern einmalig macht, ist unser Anspruch an Qualität. Wir setzen hochwertigen Kaffee für die Herstellung von Cold Brew Kaffee ein und arbeiten mit der Rösterei für Spezialitätenkaffee Bonanza zusammen. Außerdem sind wir die ersten, die Cold Brew-Kaffee in einer biozertifizierten Mehrwegflasche anbieten.

Was uns ebenfalls von anderen Anbietern unterscheidet, ist, dass unser Getränk zu 100% Cold Brew-Kaffee enthält beziehungsweise 50% bei unserem Cold Brew Tonic Produkt. Andere Anbieter hingegen haben häufig nur etwa 10% Cold Brew-Kaffee in ihren Getränken, was vor allem Kostengründe hat. Viele wollen an dem Cold Brew Hype teilhaben, aber oft einfach nur, weil sie sehen, dass sich der Markt bewegt.

Was bei eurem Produkt sofort auffällt, ist das außergewöhnliche Design. Man sieht, dass ihr euch sehr viele Gedanken zum Marketing gemacht habt. Kannst du uns etwas mehr dazu erzählen?

Ich habe vier Jahre in Kolumbien und Mexiko in den Bereichen Branding und Marketing gearbeitet und war nie ganz zufrieden mit den Marken, die wir erstellt haben. Deswegen haben wir viel Zeit und Geld investiert, um eine Marke zu kreieren, die unseren Ansprüchen gerecht wird und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Unser Logo stellt eine Eule dar, die sich grafisch aus einem Wassertropfen und einer Kaffeebohne zusammensetzt. Durch die Dschungelelemente wollten wir eine Verbindung zu Lateinamerika herstellen, wo viel hochwertiger Kaffee herkommt und wo wir selbst gelebt haben. Wir haben die Eule als Symbol aus mehreren Gründen gewählt: Sie ist ein Merkmal der Philosophie, ein Sinnbild von Klugheit und Weisheit. Wir verknüpfen dieses Bild mit dem Kaffee, den die Leute trinken um ihren kreativen Geist freilassen zu können. Andererseits ist die Eule ein nachtaktives Tier, was man ebenfalls wunderbar in Zusammenhang mit Koffein und Kaffee bringen kann.

Neben einem gut durchdachten Logo war uns auch die Vermarktung unseres Getränks sehr wichtig. Wir wollten Cold Brew-Kaffee auf eine ganz neue und ansprechende Art vermarkten. Dafür haben wir zum Beispiel auch eine unkonventionelle Flasche gewählt, die auf den ersten Blick eher einer Bierflasche ähnelt. Langfristig war es uns aber wichtig, uns in möglichst vielen Aspekten mit unserem Produkt von der Konkurrenz abzuheben. Außerdem ist es oft einfacher, Menschen von einem Produkt, das sie noch nicht kennen, zu überzeugen, wenn ihnen das Design gefällt.

Auf eurer Webseite bietet ihr auch Kleidung mit eurem Design an. Das ist in so einer frühen Unternehmensphase eher ungewöhnlich. Was hat euch dazu bewogen, eure Produktpalette um Kleidung zu erweitern?


Kold Brew mit MinzeDa haben wir uns eigentlich nur an der Nachfrage orientiert. Wir waren im vergangenen Jahr auf vielen Messen unterwegs und wurden dort immer wieder auf unsere T-Shirts angesprochen, die wir eigentlich nur für uns selbst gedruckt haben. Für die Produktion von Cold Brew Tonic haben wir eine Crowdfunding Kampagne ins Leben gerufen und haben in dem Zuge auch beschlossen, Kleidung in unser Produktsortiment mit aufzunehmen.

Was für Schwierigkeiten hattet ihr bei der Gründung und wie habt ihr diese gemeistert?

Wir hatten zu Beginn sehr viel Selbstvertrauen und haben uns insbesondere aus versicherungstechnischen Gründen dazu entschieden, eine GmbH zu gründen. Schwierigkeiten sind eigentlich eher zum Ende hin aufgetreten, als dann doch noch mal ein oder zwei Sachen geändert werden sollten. Der Gründungsprozess selbst hat einfach unglaublich viel Zeit und Geld in Anspruch genommen. Wir haben etwas unterschätzt, wie viel Aufwand und Geld man bei einer GmbH-Gründung aufbringen muss. Aber glücklicherweise haben wir gleich von Beginn an mit Freunden vom Fach zusammengearbeitet, die uns mit ihrem Vorwissen weiterhelfen konnten.

In Deutschland ist eine Firmengründung bürokratisch tatsächlich eine große Herausforderung. Das ist in anderen Ländern oft einfacher. Wie sind eure Erfahrungen?

Ganz genau. Ich habe während der Gründung zum Teil noch im Ausland gelebt und musste unglaublich viele Vollmachten ausstellen, damit die Gründung in Deutschland voran ging. Ich habe die GmbH-Gründung beispielsweise in der Deutschen Botschaft in Bogotá unterschrieben. Dort rechtzeitig einen Termin zu bekommen, war nicht ganz einfach und dann hatte ich ausgerechnet an dem Tag ein wichtiges Dokument vergessen. Glücklicherweise hat trotzdem alles funktioniert. Das war schon eine ziemlich aufregende Zeit. Wir hatten da noch nicht eine einzige Flasche produziert oder verkauft und sind alleine wegen der Gründung schon ganz schön ins Schwitzen gekommen.

Fokussiert ihr euch eigentlich nur auf den deutschen Markt oder auch schon auf andere Märkte?

Momentan liegt unser Fokus auf dem deutschlandweiten Vertrieb von Cold Brew-Kaffee im Biofachhandel und in der Szene-Gastronomie. Wir haben aber auch schon ein paar Kunden in Österreich und Frankreich, bekommen Anfragen aus Großbritannien und Osteuropa (insbesondere aus Tschechien und Polen) und auch in Skandinavien werden Cold Brew-Getränke immer beliebter und die Nachfrage steigt schnell. Wir haben von Anfang an geplant, uns irgendwann auch auf dem internationalen Markt zu platzieren. Deswegen hatten wir auch den Anspruch an das Unternehmen, dass unser Logo und unsere Marke auch international verstanden werden kann.

Denkst du, dass es in Deutschland gerade einen Umschwung gibt und die Menschen ihre Liebe zum Kaffee neu entdecken?

Ich glaube ja. Die Deutschen trinken unglaublich viel Kaffee. Es gibt Statistiken, die belegen, dass der Deutsche im Schnitt 160 Liter Kaffee im Jahr trinkt, also einen halben Liter pro Tag. Die Qualität bleibt da leider immer noch oft auf der Strecke, aber ich sehe, dass sich das langsam ändert. Die Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln und auch gegenüber Kaffee steigt immer weiter an. Die Menschen kaufen vermehrt in Biosupermärkten ein oder beziehen ihre Lebensmittel von lokalen und regionalen Anbietern. Den Menschen wird Qualität immer wichtiger. Deswegen war es auch unser Wunsch, mit Philosoffee ein hochwertiges Kaffeegetränk herzustellen, dass unsere Liebe zum Kaffee zeigt.

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