Welche Faktoren wirken sich auf den Wert eines Unternehmens aus?

aktualisiert am 24. April 2020 11 Minuten zu lesen
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Eine Unternehmensbewertung deckt im Vorfeld eines Verkaufs oder einer Übernahme auf, welcher Wert hinter dem Betrieb steckt und spielt somit eine wichtige Rolle für beide Szenarien. Steht ein Verkauf an, soll ein für alle Seiten zufriedenstellender Betrag dabei herausspringen. Bei einer Übernahme verschafft sich der zukünftige Inhaber mit dem tatsächlichen Wert eine Übersicht über Potenziale und Herausforderungen des Unternehmens.

Spätestens bei der Planung der Unternehmensnachfolge ist das Wissen über den Wert des Unternehmens von entscheidendem Vorteil. Natürlich kann die Übergabe an die nächste Generation innerhalb der Familie oder an jemanden aus den eigenen Reihen erfolgen. Doch auch dann stellen sich für Inhaber und Nachfolger die Fragen: Was ist das Unternehmen wert? Und welche Faktoren beeinflussen eine Wertsteigerung oder -minderung?

 

Bevor Sie die Faktoren auf Ihr Unternehmen beziehen: Beziehen Sie erst Ihren Unternehmenswert.

 

Es ist ratsam, die Antworten auf diese Fragen frühzeitig zu klären. Im Fall einer externen Übernahme in Form eines Verkaufs lässt sich der Wert unter Umständen noch steigern und Wertminderungsfaktoren können beseitigt oder zumindest verkleinert werden. Das Ziel ist letztendlich ein Gewinn für alle Seiten: Der Käufer möchte einen marktüblichen Preis zahlen, der Verkäufer maximalen Gewinn erzielen. Es stehen vor einem Verkauf daher einige Punkte auf der Agenda des Inhabers.

Faktoren für den Unternehmenswert

Ein möglichst hoher Verkaufserlös sichert dem Verkäufer einen sorglosen Ruhestand oder die Investition in ein neues Unternehmen. Diese Faktoren wirken sich auf den Unternehmenswert aus:

Marktsituation

Die Marktsituation oder auch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Sind die aktuell angebotenen Leistungen gefragt oder sind Anpassungen von Strategie oder Portfolio an den Markt notwendig?

Wachstumspotenzial

Das Wachstum der vergangenen zwölf Monate: Umsatz und Gewinn des vergangenen Jahres können ein Indikator für zukünftiges Potenzial sein.

Mögliche Risiken

Ist Ihr Geschäft von schwankenden Faktoren wie internationalen Entwicklungen, saisonalen Gegebenheiten oder der Zahlungsfähigkeit einzelner Kunden abhängig, kann die Unternehmensbewertung negativer ausfallen. Risikofaktoren gilt es daher so weit wie möglich zu minimieren.

Schwankende Einnahmen

In diesem Zusammenhang steht der Faktor der Volatilität, sprich schwankender Umsätze und Gewinne. Da sich mit wechselhaften Einnahmesummen nur schwer eine Prognose stellen lässt, steigt das Verlustrisiko für potenzielle Käufer. Das kann den Preis drücken.

Mögliche Synergieeffekte

Plant ein branchennahes Unternehmen den Kauf, kann ein zu erwartender Mehrwert den Preis in die Höhe treiben. Ergänzt Ihr Portfolio das eines Wettbewerbers sinnvoll, steigt die Attraktivität Ihres Betriebes ebenfalls.

Exklusivität

Mitunter machen die inneren Werte eine Firma zum Glücksgriff. Produzieren Sie beispielsweise ein bis dato konkurrenzloses Produkt, haben Sie einen Trumpf in der Hand. Markenrechte, Patente und Lizenzen sind bares Geld wert.

Die Unternehmensbewertung als Wertermittlungsinstrument

Angesichts der Vielzahl an Einflussfaktoren lässt sich der tatsächliche Wert eines Betriebs nur durch eine Unternehmensbewertung einwandfrei feststellen. Und das ist nur der Anfang. Schließlich gilt es auch, einen Käufer zu finden, der bereit ist, den Preis zu zahlen. Insgesamt kann nur ein strukturierter, sorgfältiger und im Vorfeld geplanter Verkaufsprozess die erfolgreiche Veräußerung sicherstellen.
Dafür ist es im ersten Schritt notwendig, das Unternehmen für diesen Prozess zu positionieren. Danach muss ein geeigneter Käufer gefunden werden. Insbesondere inhabergeführte, mittelständische Familienbetriebe möchten üblicherweise nicht an Unbekannte verkaufen. Ihr oftmals über Jahrzehnte aufgebautes Lebenswerk soll in gute Hände kommen und zum Beispiel auch die Jobs gesichert werden.

Es stehen verschiedene Methoden für die Unternehmensbewertung zur Verfügung. Zu den gängigsten zählen:

  • Das Vergleichswertverfahren
  • Die Ertragswertmethode
  • Die Substanzwertmethode

 

Die jeweiligen Verfahren ermitteln teilweise unterschiedliche Werte und Faktoren. So kommen sie für jeweils andere Unternehmensformen und -branchen infrage. Im Folgenden erfahren Sie die wichtigsten Erhebungsdaten der einzelnen Unternehmensbewertungsmethoden.

Vergleichswertverfahren: über den Tellerrand geschaut

Was sind vergleichbare Unternehmen wert? Diese Frage steht beim Vergleichswertverfahren im Fokus. Sinnvoll ist diese Form der Unternehmensbewertung insbesondere in den Bereichen, in denen Eckdaten einfach verglichen werden können. Typische Beispiele sind gastronomische Betriebe und Geschäfte des täglichen Bedarfs. Das Verfahren zieht die Verkaufspreise von Unternehmen mit nahezu deckungsgleichen Umsatz,- Gewinn- und Kundenstrukturen heran. Die erforderlichen Daten lassen sich durch eine Unternehmensberatung erheben. Auch Handelsregister und Kammern verfügen über Informationen, mit denen sich die Vergleichbarkeit ermitteln lässt.

Ertragswertmethode: Was die Zukunft bringt

Für Käufer sind vergangene Gewinne und Umsätze vor allem vor dem Hintergrund einer zukünftigen Entwicklung interessant. Nur, wenn der Kaufpreis in Zukunft eine Rendite erwarten lässt, ist der Erwerb interessant. Verwendet werden kann die Ertragswertmethode für Unternehmen aller Branchen und Größen. Sie zählt zu den gängigsten Mitteln zur Ermittlung des Unternehmenswerts.

Auf Basis einer Plan-Gewinn- und Verlustrechnung sowie mittels Abzinsung (der Wert einer zukünftigen Zahlung) der zu erwartenden Ertragsüberschüsse, lässt sich der Unternehmenswert zu einem bestimmten Stichtag berechnen. Dieser ergibt sich somit vor allem aus dem in Zukunft zu erwartenden Gewinnpotenzial. Dabei reicht es jedoch nicht aus, lediglich Kennzahlen aus der Vergangenheit zu verwenden. Für die Berechnung wird daher der interne Zins als zweite Kennzahl herangezogen. Dieser wird aus folgenden Zinssätzen berechnet:

  1. Basiszinssatz, gleichzusetzen mit der Verzinsung einer alternativen risikolosen Kapitalanlage
  2. Immobilitätszuschlag
  3. Inflationsschutzabzug
  4. Risikozuschlag von 3 bis 4 Prozent

Je geringer der so erhobene Zinssatz ausfällt, desto höher der Unternehmenswert. Zusätzlich unterscheidet man zwischen objektivem und subjektivem Wert: Ersterer geht von der Annahme aus, das Unternehmen werde exakt so weitergeführt wie im Status Quo und berücksichtigt lediglich realistische Marktentwicklungen. Zweiterer zieht darüber hinaus den Gewinn beeinflussende Maßnahmen heran: Restrukturierungen, neue Partnerschaften oder andere Synergiestrategien. So kommt bei den jeweiligen Ansätzen ein unterschiedlicher Ertragswert heraus.

Substanzwertmethode: Bilanzwert minus Verbindlichkeiten

Die Substanzwertmethode kommt insbesondere bei Unternehmen zum Einsatz, die hohe Anteile an Immobilienvermögen und / oder Anlagen vorweisen. Sind stille Reserven in großem Ausmaß vorhanden, bildet der Substanzwert den tatsächlichen Wert realistischer ab als der bilanzierte Wert. Darüber hinaus gibt er Auskunft über die Beleihungsmöglichkeiten der Vermögensgegenstände.

Ermittelt wird er vor allem aus zwei Kennziffern: die Summe aller Vermögenswerte wird anhand des Markt- beziehungsweise Wiederbeschaffungswerts erhoben und um die Verbindlichkeiten vermindert.
Das Substanzwertverfahren lässt allerdings wesentliche Punkte für eine möglichst vollständige Unternehmensbewertung außer Acht. Allen voran werden zukünftige mögliche Erträge nicht berücksichtigt.

Stattdessen konzentriert es sich ausschließlich darauf, wie hoch die Investitionen für eine Neuerrichtung des Unternehmens sein sollten. Für einen Großteil der mittelständischen Unternehmen ist das nicht ausreichend. Daher wird die Methode heute üblicherweise ausschließlich bei Betrieben verwendet, die eine große Anzahl immaterieller Werte aufweisen. Das kann etwa bei Immobiliengesellschaften der Fall sein.

Der Preis ist nicht gleich dem Wert

Der über eine der gängigen Methoden ermittelte Unternehmenswert muss nicht gleichbedeutend mit dem Verkaufspreis sein. Der Wert lässt sich anhand von Kennzahlen und Formen weitgehend zuverlässig bestimmen. Wie viel erzielt wird, ist letztendlich Verhandlungssache.

So fließen zahlreiche Faktoren mit ein, auf die der Verkäufer keinen Einfluss hat. Dazu zählt etwa die Absicht des Käufers: Was hat er mit dem Unternehmen vor? Ob es ihm weiteren Gewinn bringen soll oder er plant, einen Wettbewerber zu eliminieren, hat deutlichen Einfluss auf den Verkaufspreis.

Auch das aktuelle Marktgeschehen lässt sich vom Unternehmen selbst nur marginal bestimmen. Die weltpolitische Lage, klimatische Bedingungen, die Kaufkraft und schließlich auch aktuelle Trends spielen hier mit ein.

Die Basis schaffen: weiche und harte Faktoren der Unternehmensbewertung

Eine Unternehmensbewertung kann somit immer nur eine Verhandlungsbasis schaffen. Umso wichtiger ist es, im Vorfeld optimale, wertsteigernde Bedingungen zu schaffen. So kann es notwendig sein, das Produktportfolio zu optimieren, um neue Kundengruppen zu erschließen. Scheuen Sie keine Investitionen, etwa in neue Maschinen, die Ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, oder in Marketing- und Vertriebsmaßnahmen, die Ihr Produkt bekannter machen. Investitionen in die Mitarbeiter zu tätigen, ist ebenfalls eine gute Idee. Eine motivierte, engagierte und gut ausgebildete Belegschaft trägt nachweislich zum Unternehmenserfolg bei. Darüber berichten zahlreiche Studien, unter anderem das Forschungsprojekt „Unternehmenskultur, Arbeitsqualität und Mitarbeiterengagement in den Unternehmen in Deutschland“, herausgegeben vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

 

Dieser Artikel wurde von unserem Kooperationspartner Carl zur Verfügung gestellt.

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