Kann ich mein Gewerbe rückwirkend anmelden?

aktualisiert am 8. Januar 2019 7 Minuten zu lesen
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Sie stellen Rechnungen aus und führen eine selbständige, gewerbliche Tätigkeit aus, haben aber Ihr Gewerbe noch nicht angemeldet? Ob eine rückwirkende Gewerbeanmeldung, -ummeldung oder auch -abmeldung möglich ist und wenn ja, welche Zeitspannen erlaubt sind, erfahren Sie hier.

  1. Die 10 Stationen Ihrer Gründung: Checkliste

    1. Geschäftsidee entwickeln
    2. Beratung und Vorbereitung
    3. Rechtsform auswählen
    4. Namensprüfung durch IHK
    5. Beurkundung beim Notar
    6. Eröffnung des Geschäftskontos
    7. Handelsregistereintragung
    8. Gewerbeanmeldung        <<       Sie befinden sich in Schritt 8
    9. Anmeldung beim Finanzamt
    10. Erste Schritte als Unternehmer

Gesetzliche Vorgaben zur Gewerbeanmeldung

Grundsätzlich muss das Gewerbe zu dem Zeitpunkt angemeldet werden, sobald mit der gewerblichen Tätigkeit begonnen wird und daraus Einkünfte erzielt werden. Verspätete Anmeldungen werden gemäß §§ 146 (2) Nr. 2 und 14 GewO mit Bußgeldern geahndet — in der juristischen Theorie zumindest. In der Praxis werden Geldbußen meist nur bei größeren Überschreitungen verhängt, etwa bei mehr als drei Monaten gewerblicher Tätigkeit ohne Gewerbeanmeldung. Wenn Sie lediglich eine Woche nach Aufnahme des Betriebs Ihr Gewerbe anmelden, wird in der Regel keine Strafe verordnet. Im Einzelfall hängt es häufig von der Kulanz des Gewerbeamtes ab, ob nun ein Bußgeld verhängt wird oder nicht, und kann von Ort zu Ort variieren.

Eine rückwirkende Gewerbeanmeldung ist mit bis zu maximal 60 Monaten Verspätung möglich, jedoch sollte bei einer mehr als einige Monate verspäteten Anmeldung immer mit Bußgeldern gerechnet werden. Die Höhe des Bußgelds kann in den meisten Fällen gemindert oder gar vermieden werden, wenn die vergessene Anmeldung eigenständig und persönlich nachgeholt wird und das Amt eine plausible Erklärung dafür erhält, warum das Gewerbe bisher noch nicht angezeigt wurde.

Ein Gewerbe kann auch für einen zukünftigen Zeitraum angemeldet werden; dieser darf maximal vier Wochen in der Zukunft liegen.

 

Gewerbe und “Probezeit”

Einige Gewerbeämter gewähren Ihnen übrigens eine Art „Probezeit“, in der Sie die Gewerbeanmeldung nach Aufnahme der Tätigkeit einige Monate aufschieben können. In einem solchen Fall würden Sie Ihr Gewerbe nach Ablauf dieser Probezeit rückwirkend anmelden. Diese „Probezeit“ ist jedoch nicht im Gesetz verankert, es handelt sich hier lediglich um eine Kulanz mancher Gewerbeämter. Verlassen Sie sich daher besser nicht darauf, dass auch Ihre verspätete Gewerbeanmeldung ohne Bußgeld toleriert wird. Informieren Sie sich vor Aufnahme der Tätigkeit daher unbedingt bei Ihrem örtlich zuständigen Gewerbeamt, unter welchen Bedingungen eine rückwirkende Anmeldung möglich ist. Erzielen Sie mit Ihrer Tätigkeit nur geringe und unregelmäßige Gewinne, kann es im Einzelfall durchaus möglich sein, diese einfach ohne Gewerbeanmeldung über Ihre Steuererklärung anzugeben und die Tätigkeit einzustellen. Spätestens wenn höhere und regelmäßige Gewinne erzielt werden, sollten Sie die “Probephase” sofort beenden und direkt die Gewerbeanmeldung vornehmen. Durch eine frühzeitige Gewerbeanmeldung vermeiden Sie Ordnungswidrigkeiten, Bußgelder sowie Steuerprobleme. Generell sollte die Gewerbeanmeldung immer zeitnah vorgenommen werden, damit mögliche Bußgelder gar nicht erst eine Gefahr werden können.

Vorsicht: Liebhaberei

Sollten Sie mit Ihrem Gewerbe, ob nachträglich angemeldet oder nicht, auf Dauer keine Gewinne erzielen, bezeichnet man dies als “Liebhaberei”. In diesem Falle beteiligt sich das Finanzamt nicht länger an Ihrer offensichtlichen Verlustgesellschaft und Sie müssen die bisherigen Einkommenssteuererstattungen verzinst zurückzahlen — sofern Sie keinen Gewinn in Aussicht haben und allem Anschein nach nie ernsthaft an einer Gewinnerzielung interessiert waren.

 

Geldbußen bei verspäteter Gewerbeanmeldung

Der Höchstbetrag einer Geldbuße für ein zu spät angemeldetes Gewerbe kann 1000 Euro betragen, diese Summe ist jedoch nur für Extremfälle gedacht. Bußen, die einen Wert von 100 Euro übersteigen, gibt es eher selten. Üblich ist eine Abmahnung; allerdings kann es in Härtefällen bei einer sehr verspäteten Gewerbeanmeldung auch zu einer Anklage wegen Steuerhinterziehung kommen. Daher ist es ratsam, die Gewerbeanmeldung zum schnellstmöglichen Termin nach Beginn der Ausübung anzumelden.

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Vorteil einer verspäteten Gewerbeanmeldung

Trotz der zahlreichen Nachteile kann eine verspätete Gewerbeanmeldung auch einen Vorteil mit sich bringen – und zwar, wenn Sie gegen Ende des Jahres mit Ihrer gewerblichen Tätigkeit beginnen. In diesem Fall müssten Sie bei einer sofortigen Gewerbeanmeldung noch die Buchhaltung für das gesamte “alte” Jahr erledigen und zusätzlich einen kompletten Jahresabschluss erstellen. Sofern Ihre Einnahmen durch die Tätigkeit nicht regelmäßiger Natur sind, können Sie in diesem Fall davon profitieren, Ihr Gewerbe erst im nächsten Jahr und somit rückwirkend anzumelden. Sofern Sie jedoch regelmäßige Einkünfte erwirtschaftet haben, müssen Sie das Gewerbe allerdings noch im “alten” Jahr anmelden, um eine Steuerstraftat zu vermeiden.

 

Gewerbe rückwirkend ab- oder ummelden

Ebenso wie ein Gewerbe rückwirkend angemeldet werden kann, kann es auch rückwirkend abgemeldet oder umgemeldet werden. Sollte die Abmeldung rückwirkend erfolgen, sollten Sie sich darüber im klaren sein, dass Sie das Gewerbe ab dem angegebenen Zeitpunkt nicht mehr ausgeübt haben dürfen. Auch hier ist zu beachten, dass ein Spielraum von mehr als drei Monaten mit Bußgeldern geahndet werden kann.

 

Die auf unserer Seite veröffentlichten Informationen werden allesamt von Experten mit größter Sorgfalt verfasst und überprüft. Dennoch können wir nicht für die Richtigkeit garantieren, da Gesetze und Regelungen einem stetigen Wandel unterworfen sind. Ziehen Sie deshalb bei einem konkreten Fall immer einen Fachexperten hinzu – wir stellen gerne den Kontakt her.

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