Das 3-Konten-Modell für Firmen

aktualisiert am 14. Februar 2019 6 Minuten zu lesen
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Fast jeder Unternehmer führt ein separates Geschäftskonto. Doch Kleinunternehmer und Selbstständige tun sich oft schwer und lassen die geschäftlichen Einnahmen direkt auf ihr Privatkonto fließen. Dass dadurch schnell der Überblick verloren geht, liegt auf der Hand. Wie das 3-Konten-Modell dabei hilft, die Finanzen im Griff zu behalten, ist Gegenstand dieses Artikels.

Drei Konten für alle Fälle

Die Aufteilung von Zahlungsströmen auf drei Konten versetzt Unternehmer in die Lage, laufende Ausgaben von turnusmäßigen Ausgaben und von Liquiditätsüberschüssen zu trennen. Damit sind bereits die drei Säulen des 3-Konten-Modells genannt.

Das Statistische Bundesamt verzeichnete im Jahr 2014 über 24.000 Insolvenzen, Kleingewerbetreibende eingeschlossen. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Insgesamt 134.871 Insolvenzen wurden 2014 insgesamt angemeldet. Die häufigsten Ursachen für Insolvenzen sind neben der schlechten Zahlungsmoral von Kunden:

  • fehlendes Controlling
  • Finanzierungslücken
  • unzureichendes Debitorenmanagement

Das sind gute Gründe, die Finanzströme zu kontrollieren und fest in die eigene Hand zu nehmen. Das 3-Konten-Modell ist ein hilfreiches Mittel, um den Überblick zu behalten.

Die Aufstellung der Fixkosten sollte sorgfältig und mit Bedacht erfolgen. Wenn die Liste vollständig ist, erzielt sie den größtmöglichen Effekt.

 

Das Laufende Konto…

… ist das Konto, auf dem die Umsätze eingehen und die laufenden Kosten bestritten werden. Dazu gehören auch Überweisungen auf das Fixkosten- und das Sparkonto. Das laufende Konto ist das Konto, was auf dem Firmenpapier steht und das für den allgemeinen Geschäftsverkehr unverzichtbar ist. Für dieses Konto sollten Unternehmer mit der Bank möglichst vorausschauende Vereinbarungen treffen, um nicht mit hohen Kontokorrentzinsen bei Überziehungen belastet zu werden. Wie Unternehmer dabei vorgehen können, haben wir in dem Beitrag „Kontokorrentkredit clever verhandeln und sparen“ dargelegt.

 

Das Fixkostenkonto…

… ist für alle Ausgaben gedacht, die sich aufgrund bestehender Verträge und Absprachen ergeben. Zusätzlich können hier steuerlich relevante Beträge und/oder Sozialversicherungsbeiträge zwischengeparkt werden.

 

Auf das Sparkonto…

…werden Liquiditätsüberschüsse vom laufenden Konto übertragen. Damit das angesparte Kapital für die Firma arbeitet, lohnt sich die Einrichtung eines flexiblen Anlagekontos mit Verzinsung, worüber hier bei der Volkswagen Bank informiert wird. Eine monatliche Zinsgutschrift ist für Unternehmen die beste Wahl, denn damit profitieren sie vom Zinseszinseffekt.

 

Kernstück Fixkostenkonto: Das ist zu beachten

Der Dreh- und Angelpunkt für eine übersichtliche Organisation der Zahlungsströme ist das Fixkostenkonto. Unternehmer sollten eine sorgfältige Aufstellung aller Kosten machen, die fix für sie anfallen. Allerdings scheiden sich die Geister darüber, ob auch monatlich wiederkehrende Kosten wie zum Beispiel Büromieten oder Lohnzahlungen über das Fixkostenkonto zu steuern sind.

Die Erfahrung zeigt, je prekärer die finanzielle Situation ist, desto wichtiger ist eine engmaschige Aufstellung. Denn dann bleiben auf dem laufenden Konto nur noch die Beträge zurück, die garantiert für mehr oder weniger ungeplante Ausgaben (Anschaffung von Büromaterial, Ersatz eines defekten Druckers etc.) zur Verfügung stehen. Das Wissen um die aktuelle finanzielle Situation bewahrt vor unüberlegten Spontankäufen.

Typische Positionen auf einem Fixkostenkonto sind zum Beispiel diese:

  • Quartalsbeiträge für Versicherungen
  • Abzuführende Beträge für das Finanzamt (Lohnsteuer, Umsatzsteuervorauszahlung)
  • gleichbleibende Telefonkosten (Flat)
  • Berufsgenossenschaftsbeiträge
  • Kammerbeiträge
  • Ansparbeträge für Bürotechnik (z. B. ist im Schnitt alle 3 Jahre ist ein neuer PC fällig)
  • Weihnachts- und Urlaubsgeld
  • Zinszahlungen für erhaltene Darlehen
  • Tilgungen für Darlehen (besonders wichtig bei Endfälligkeit)

 

Der Vorteil des Fixkostenkontos zeigt sich dann, wenn alle relevanten Positionen erfasst sind und sich unterm Strich eine Gesamtsumme ergibt. Dabei müssen Unternehmer daran denken, die Laufzeiten von Verträgen mit zu erfassen. Warum, zeigt das nachfolgende Beispiel.

 

Die Konsequenzen der ermittelten Fixkostenrate

Ist einmal die monatliche Fixkostenrate ermittelt, folgen daraus mehrere Aktivitäten. Die erste Aktivität besteht darin, die Fixkostenrate als Dauerauftrag im laufenden Konto einzurichten. Falls gewünscht, sollten Gläubiger mit einer Lastschrift bedacht werden, damit sie die fälligen Raten vom Fixkostenkonto zum geplanten Zeitpunkt einziehen können. Eine erteilte Lastschrift hat einen versteckten Vorteil, denn die abgebuchten Beiträge können bis zu sechs Wochen danach zurückgeholt werden.

Das geht bei selbst beauftragten Überweisungen nicht. Doch wer grundsätzlich alle Zahlungen auf den Tag genau festlegen will, verzichtet darauf und richtet individuelle Terminaufträge ein. Eine weitere wiederkehrende Aufgabe des Controllings ist, die Aufstellung der Fixkosten regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Sobald das 3-Konten-Modell einmal läuft und die monatlichen Raten regelmäßig umgebucht werden, können Unternehmer anhand des Kontostands auf dem laufenden Konto am Ende des Monats eine Entscheidung darüber treffen, ob und in welcher Höhe ein Betrag auf das Sparkonto umgebucht werden kann. Mit dem richtigen Überblick sind finanzielle Entscheidungen sicherer zu treffen.

 

Fazit

Das 3-Konten-Modell hilft Unternehmern dabei, fällige Gelder zum erforderlichen Zeitpunkt bereitzustellen. Diese Maßnahme wirkt zwei von drei Hauptgründen für Insolvenzen entgegen: fehlendes Controlling und unzureichendes Debitorenmanagement. Finanzierungslücken und fehlende Umsätze allerdings lassen sich damit nicht ausgleichen. Hierfür sind funktionierende Geschäftsbeziehungen zu Banken sowie wirksame Marketingstrategien und unternehmerisches Geschick nötig.

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