Aktiv-Passiv-Mehrung: Was bedeutet sie für die Bilanz?

aktualisiert am 25. Oktober 2021 4 Minuten zu lesen
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Bei einer Aktiv-Passiv-Mehrung wird die Bilanzsumme von Aktiva und Passiva um den gleichen Betrag erhöht. Deshalb nennt man sie auch Bilanzverlängerung.

 

Was bedeutet Aktiv-Passiv-Mehrung?

Jede Bilanz besteht aus einer Aktivseite und einer Passivseite. Grundsätzlich gilt, dass beide Seiten mit einer identischen Bilanzsumme abgeschlossen werden. Bei einer Aktiv-Passiv-Mehrung erhöhen sich beide Bilanzseiten um den jeweils gleichen Betrag. Deshalb wird auch das Synonym Bilanzverlängerung verwendet. Die Aktiv-Passiv-Mehrung ergibt sich aufgrund eines Buchungssatzes, bei dem mindestens ein Aktivkonto und ein Passivkonto berührt werden.

 

Was ist eine Aktiv-Passiv-Minderung?

Eine Aktiv-Passiv-Minderung liegt vor, wenn sich die Bilanzsumme aufgrund eines Geschäftsvorfalls auf beiden Seiten in der gleichen Höhe reduziert. Ein weiterer Begriff ist Bilanzverkürzung. Auch hier werden durch einen Buchungssatz ein Aktivkonto und ein Passivkonto angesprochen. Sie ergibt sich zum Beispiel, wenn ein Unternehmen eine Eingangsrechnung zum Zahlungstermin begleicht. Ob die Rechnung per Banküberweisung oder bar ausgeglichen wird, ist für die Auswirkung auf die Bilanzsumme unerheblich.

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Welche Aktiva und Passiva stehen in einer Bilanz?

Die Aktiva geben Auskunft darüber, wofür Kapital verwendet wird. Die Passiva zeigen, woher dieses Kapital stammt. Mithilfe der Bilanz erhalten der Unternehmensinhaber, Anteilseigner und externe Interessenten, z. B. Investoren, Gläubiger oder das Finanzamt, einen detaillierten Einblick in die Ertragslage eines Unternehmens.

Aktiva

Aktiva werden unterteilt in das Anlagevermögen und das Umlaufvermögen. Zum Anlagevermögen gehören alle Vermögensgegenstände, die ein Unternehmen dauerhaft nutzt, um den Betriebszweck zu erfüllen. Dazu gehören z. B. die Betriebs- und Geschäftsausstattung sowie technische Maschinen und Anlagen. Im Umlaufvermögen erfasst ein Unternehmen alle Vermögensgegenstände, die nur für eine bestimmte Zeit zum Betriebsvermögen gehören. Hierzu zählen u. a. Vorräte und Forderungen.

Passiva

Die Passiva bestehen aus Eigenkapital und Fremdkapital. Zum Eigenkapital zählen alle finanziellen Mittel, die der Inhaber, Gesellschafter oder die Anteilseigner selbst zur Verfügung stellen. Das Fremdkapital setzt sich aus Krediten, Verbindlichkeiten und Rückstellungen zusammen.

 

Aktiv-Passiv-Mehrung: Buchungssatz

Ein typisches Beispiel für eine Aktiv-Passiv-Mehrung ist der Kauf eines Vermögensgegenstandes auf Ziel. „Auf Ziel” bedeutet, dass der Kaufbetrag zur vereinbarten Zahlungsfrist vollständig beglichen werden muss. Dafür werden ein Sachanlagenkonto (Aktiva) und ein Verbindlichkeitskonto (Passiva) angesprochen.

Beispiel Aktiv-Passiv-Mehrung

Ein Produktionsbetrieb benötigt eine neue Maschine. Die Anschaffungskosten betragen 120.000 Euro. Das Unternehmen entscheidet sich zu einem Kauf auf Ziel.

Maschine 120.000 Euro an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 120.000 Euro

Durch den Buchungssatz erhöht sich die Bilanzsumme auf der Aktivseite (Anlagevermögen) um 120.000 Euro. Auf der Passivseite werden parallel der Posten Verbindlichkeiten um den Kaufpreis erhöht. Mehr zur Anlagenbuchhaltung.

Beispiel Aktiv-Passiv-Minderung

Ein Unternehmen bestellt bei einem Lieferanten Ware im Wert von 1.500 Euro. Die Rechnung wird sofort nach Erhalt per Banküberweisung beglichen.

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.500 Euro an Bank 1.500 Euro

Die Buchung verringert sowohl das Kreditorenkonto durch die neue Verbindlichkeit als auch den Bankbestand. Dadurch verringern sich die Bilanzsummen auf der Aktivseite und auf der Passivseite.

 

Aktiv-Passiv-Mehrung und Eigenkapitalerhöhung

Häufig wirkt eine Aktiv-Passiv-Mehrung sich auf die betrieblichen Schuldverhältnisse aus. Ein Aktivposten erhöht sich um demselben Betrag wie eine Verbindlichkeit.

Bilanzrechtlich ist es  möglich, dass die Verbindlichkeiten (Fremdkapital) bei einer Aktiv-Passiv-Mehrung gar nicht angesprochen werden. Wenn zum Beispiel der Gesellschafter einer GmbH aus dem eigenen Privatvermögen eine Geld- oder Sacheinlage in das Firmenvermögen überträgt, erhöht sich nur das Eigenkapital auf der Passivseite.

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