Das Recht am eigenen Bild

26. Januar 2016 5 Minuten zu lesen
Teilen

Ob in Webportalen, sozialen Medien oder im Print: Marketing oder PR funktioniert nicht ohne die Verwendung von Fotos. Doch womit kann ich meinen Onlinecontent dekorieren und worauf muss ich bei der Bildauswahl achten? Welches Recht am eigenen Bild haben die Urheber? Ab wann brauche ich eigentlich eine Einverständniserklärung, um Fotos zu veröffentlichen? Und wie ist das Urheberrecht im Internet geregelt, wenn ich Personen fotografiere? Auf all diese Fragen erhalten Sie hier eine Antwort.

Wer ein Unternehmen gründet, hat auch eine

eigene Webseite. Um diese möglichst ausdrucksvoll erscheinen zu lassen, ist es notwendig, Bilder einzubinden. Diese Bilder können Sie entweder einkaufen oder selbst produzieren. Worauf Sie dabei achten müssen, erfahren Sie in unserem Fachartikel.

Lassen Sie Ihre professionelle Webseite von firma.de erstellen. Wir gestalten Ihre Internetpräsenz nach Ihren individuellen Wünschen und in perfekter Abstimmung mit Ihrem Produkt.

Recht am eigenen Bild: Einführung

Das Recht am eigenen Bild ist verankert im Paragraphen 22 des Kunsturheberrechtsgesetz (KunstUrhG). Dieses legt fest, dass Fotos grundsätzlich nur mit einer Einverständniserklärung der Fotografierten veröffentlicht werden dürfen. Das gilt sowohl für den Printbereich, das Urheberrecht im Internet und die Verbreitung über soziale Medien an einen eingeschränkten Personenkreis. Ausschlaggebend ist dabei die Erkennbarkeit der fotografierten Person.

Es ist ausreichend, wenn eine Person durch ein individuelles Merkmal zu identifizieren ist. Darunter fallen beispielsweise Tätowierungen oder auch nur eine Gesichtshälfte. Die Person muss also nicht in voller Größe oder mit erkennbarem Gesicht auf dem Bild zu sehen sein, damit sie sich auf das Recht am eigenen Bild berufen kann. Eine Zustimmung wird automatisch durch die Vereinbarung eines Honorars erteilt.

Diese Grundsätze am Recht am eigenen Bild lassen sich in den modernen Medien kaum realisieren. Auch das Urheberrecht im Internet lässt hier keine Lücken. Es ist auch kaum möglich, alle Teilnehmer zuerst um eine Einverständniserklärung zu bitten, ohne dabei die Bildkomposition zu ruinieren. Deshalb hat der Gesetzgeber einige Ausnahmen formuliert, bei denen Sie auch ohne Einverständniserklärung Fotos veröffentlichen können (§23 KunstUrhG):

Bilder aus der Zeitgeschichte

Dabei handelt es sich um das Bild einer Person der Zeitgeschichte. Dabei ist grundsätzlich zu unterscheiden, ob es sich um eine Fotografie einer „absoluten“ oder „relativen Person“ der Zeitgeschichte handelt. Absolute Personen der Zeitgeschichte sind Personen, die etwas ganz Besonderes geleistet haben und an denen ein zeitunabhängiges öffentliches Interesse besteht, beispielsweise Helmut Kohl oder Boris Becker. Relative Personen hingegen sind nur im Kontext eines bestimmten Ereignisses von öffentlichem Interesse, beispielsweise ein Sportler während eines großen Turniers. Die Sportler haben nach diesem historischen Zeitraum wieder das Recht am eigenen Bild und Sie benötigen eine Einverständniserklärung um das Fotos zu veröffentlichen.

Bilder, auf denen Personen „als Beiwerk“ erscheinen

Wird beispielsweise eine Sehenswürdigkeit wie das Brandenburger Tor fotografiert und die umstehenden Personen sind als „Beiwerk“ zu verstehen, dann muss nicht jede Person um ihr Einverständnis gebeten werden.

Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen

Dies umfasst Fotos von Menschenansammlungen wie beispielsweise auf Konzerten oder Demonstrationen. Sind Personen auf solchen Fotos abgebildet, verlieren diese das Recht am eigenen Bild.

Bilder mit höherem künstlerischen Wert

In seltenen Fällen hat ein Bild einen höheren künstlerischen Wert.

Wenn Fotos von Minderjährigen veröffentlicht werden sollen, müssen bis zum Alter von zwölf Jahren deren Eltern um das Einverständnis gebeten werden. Bis dahin liegt das „Recht am eigenen Bild“ für ihre Kinder bei ihnen. Zwischen 12 und 18 Jahren hängt die Zustimmung von der “erreichten Einsichtfähigkeit”, also davon, ob das Kind die Konsequenzen versteht. Es ist aber generell ratsam, bis zur Volljährigkeit die Eltern zu befragen.

Außerdem ist der Wohnraum speziell durch das Strafgesetzbuch geschützt (§201a StGB): „Wer von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt Bildaufnahmen herstellt oder überträgt und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

Jetzt weiterstöbern im Ratgeber!