Kfz-Werkstatt eröffnen – So schrauben Sie an Ihrer Selbständigkeit!

aktualisiert am 2. August 2019 14 Minuten zu lesen
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Sie möchten eine Kfz Werkstatt eröffnen? firma.de informiert zu Businessplan, Rechtsformen, Geschäftsideen, Meisterbrief und allem, was Sie wissen müssen, damit Ihre Existenzgründung gelingt.

 

Wenn Sie sich als Kfz-Mechaniker (Neudeutsch: Mechatroniker) selbständig machen wollen, steigen Sie in ein traditionsreiches sowie stark nachgefragtes Handwerk ein. Gerade im Kfz-Handwerk bietet es sich an, das Angestelltenverhältnis hinter sich zu lassen und sich mit der eigenen Kfz-Werkstatt einen Traum zu erfüllen. Wir möchten Sie von der Idee bis zur Eröffnung begleiten und informieren Sie in unserem Gründungsratgeber über die bürokratischen Hürden, die zu meistern sind, sowie alle Details – von der Rechtsformfindung über die Meisterpflicht bis hin zu Marketing- sowie Geschäftsideen.

 

Was gehört in den Businessplan für meine Kfz-Werkstatt-Eröffnung?

Bevor Sie mit der Gründung Ihres Unternehmens loslegen, sollten Sie einen umfassenden Businessplan geschrieben haben. Dieser ist nicht nur zu Ihrer eigenen Sicherheit erforderlich, sondern auch, um mögliche Kreditgeber zu überzeugen. In einem gut ausgearbeiteten Businessplan sollten folgende Punkte abgehandelt werden:

  • Marktbetrachtung, Standortanalyse, Zielgruppe: Wie sieht der Wettbewerb aus? Kann meine Zielgruppe mein Unternehmen gut erreichen? Welche Kunden möchte ich ansprechen?
  • Leistungsangebot, Zusatzangebote: Sind meine Dienstleistungen an die Zielgruppe angepasst? Was möchte ich anbieten? Biete ich neben Reparaturen auch Lackierarbeiten o.Ä. an?
  • Marketing, Vertrieb: Wie werbe ich am besten für meine Werkstatt? Was für ein Budget steht mir dabei zur Verfügung?

 

Welche Kosten fallen bei Gründung einer Kfz-Werkstatt an?

Zu Ihrer Gründungsplanung sollte auch ein Finanzplan gehören. Dieser listet alle Kosten auf, mit denen Sie rechnen müssen – laufend und einmalig:

  • Einmalige Kosten – Kapitalbedarf für die Anfangsphase: Gründungs- und Bürokratiekosten, Marketing zur Eröffnung, Einrichtung, Gerätebeschaffung, Werkzeugeinkauf, ggf. Umbau (für Hebebühnen etc.)
  • Laufende Kosten – Versicherungen, Mitarbeitergehälter, Ladenmiete, Strom- und Heizungskosten, EDV, Steuern

 

Grundsatzentscheidungen, bevor es los geht

Bevor Sie in die Selbständigkeit starten, sollten Sie sich zunächst im Klaren darüber sein, welche Art von Kfz-Werkstatt Sie eröffnen wollen: soll es eine Vertragswerkstatt oder eine freie Werkstatt sein? Oder vielleicht sogar ein Franchise? Mit einer Vertragswerkstatt entscheiden Sie sich für die Spezialisierung auf ein bestimmtes Fabrikat bzw. eine bestimmte Marke. Bei einer freien Werkstatt sind Sie jedoch ganz Ihr eigener Herr und können fabrikat- und markenunabhängig arbeiten können, was Ihnen flexible Handlungsspielräume und einen breiten Kundenstamm ermöglicht. Ein Franchise kann Ihnen vor allem während und nach der Gründung finanziell sehr unter die Arme greifen, allerdings sind Sie dadurch an ein bestehendes (und bewährtes) Konzept gebunden, dessen Vorgaben und Richtlinien Sie einhalten müssen. Franchising ist aber durchaus kein schlechtes Konzept: Lesen Sie mehr darüber in unserem Franchise-Gründungsratgeber.

Wenn Sie sich zwischen Vertrags- oder freier Werkstatt oder einem Franchising-Modell entschieden haben, kann es auch schon losgehen mit der Gründung.

 

Kfz-Werkstatt gründen als GmbH oder Einzelunternehmen?

Wenn Sie sich selbständig machen wollen, müssen Sie sich zuerst für eine Rechtsform entscheiden. Die verschiedenen Rechtsformen unterscheiden sich nicht nur steuerlich, sondern auch bezüglich Haftung und Stammkapital, das Sie benötigen.

Mehr erfahren zu den beliebtesten Rechtsformen im Handwerk:

Bei der Wahl einer Rechtsform für Ihren Betrieb haben Sie natürlich noch weitere Möglichkeiten.

Gründen Sie sorgenfrei mit Profi an Ihrer Seite!

GmbH-Pakete | UG-Pakete | Einzelunternehmen-Pakete | Übersicht Pakete

Noch unsicher, wie Sie die Gründung einer Kfz-Werkstatt umsetzen? Vereinbaren Sie jetzt Ihr kostenloses Orientierungsgespräch mit einem unseren Berater oder eine umfangreiche Gründerberatung Plus (1 h).

 

Kfz-Werkstatt aufmachen: Die Handelsregistereintragung

Als Gründer einer GmbH oder UG sind Sie dazu verpflichtet, sich im Handelsregister einzutragen. Das Handelsregister dokumentiert Einträge über die angemeldeten Kaufleute. Auch als Einzelunternehmer bzw. als eingetragener Kaufmann müssen Sie sich im Handelsregister anmelden.

Ihre Kfz-Werkstatt als Gewerbe anmelden

Unabhängig von der Rechtsform, für die Sie sich letztendlich entscheiden, müssen Sie sich bei dem für Sie zuständigen Gewerbeamt anmelden. Nach der Anmeldung informiert das Gewerbeamt Finanzamt und HWK automatisch über Ihre Gründung; Sie erhalten bald Post von beiden Seiten bezüglich Ihrer steuerlichen Erfassung sowie Ihrer HWK-Mitgliedschaft.

Gewerbeanmeldung Berlin (Formular zum Download)

Gewerbeanmeldung Hamburg (Formular zum Download)

Gewerbeanmeldung München (Formular zum Download)

Gewerbeanmeldung Köln (Formular zum Download)

Gewerbeanmeldung Frankfurt (Formular zum Download)

Handwerkskammer: Ihre Kfz-Werkstatt anmelden

Das Gewerbeamt informiert die HWK über Ihre Gründung und diese meldet sich daraufhin automatisch bei Ihnen. Mit Beginn Ihrer selbständigen Tätigkeit sind sie zu einer Mitgliedschaft bei der für Sie zuständigen Handwerkskammer verpflichtet.

Kfz-Werkstatt eröffnen: Berufsgenossenschaften

Für den Beruf des Kfz-Mechanikers oder Mechatronikers ist die BGHM (Berufsgenossenschaft Holz und Metall) zuständig. Diese ist Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für Ihr Unternehmen und Ihre Beschäftigten. Sie sind als selbständiger Kfz-Werkstattbetreiber dazu verpflichtet, sich bei der BGHM anzumelden.

Bundesverbände für Kfz-Werkstätten

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) ist für Mechatroniker bzw. Kfz-Mechaniker zuständig beziehungsweise setzt sich für Ihre Interessen ein. Die Mitgliedschaft in einem für Ihre Branche zugeschnittenen Bundesverband, auch wenn sie freiwillig ist, ist immer zu empfehlen. Des Weiteren können Sie sich auch bei sogenannten Innungen in Ihrer Region anmelden.

 

Genehmigungen und Pflichten für Existenzgründer

Kfz-Werkstatt und die Meisterpflicht

Die Meisterpflicht ist Dreh- und Angelpunkt Ihrer Kfz-Werkstatt-Eröffnung. Ohne einen Meistertitel läuft generell nichts, denn ein Meister muss in Ihrer Kfz-Werkstatt zwingend tätig sein. Diese Pflicht kommt daher, dass sicherheitsbezogene Aufgaben bei einer Reparatur fachlich korrekt ausgeführt werden müssen. Nun haben Sie zwei Optionen: Entweder Sie haben selbst einen Meisterbrief oder Sie stellen einen Kfz-Meister ein. Hierbei sollten Sie bedenken, dass es besser für das Ansehen und die fachliche Kompetenz in der Außenwahrnehmung Ihrer Kfz-Werkstatt ist, wenn der Geschäftsführer auch Meister ist.

Zudem sind betriebswirtschaftliche Kenntnisse Pflicht, damit das Projekt “Kfz-Werkstatt gründen” auch gelingt. Sollten Sie diese nicht besitzen, empfiehlt es sich, sogenannte Gründer-Seminare zu besuchen.

Eintragung in die Handwerksrolle

Als Mechatroniker bzw. Kfz-Mechaniker ist es laut § 1 der HWO Pflicht , dass Sie sich in die Handwerksrolle eintragen lassen.

 

Kfz-Werkstatt aufmachen: Wie finde ich den geeigneten Standort?

Durch eine Standortanalyse können Sie am besten ermitteln, welcher Standort für Sie am besten geeignet ist. Bei der Analyse des Standorts wird nicht nur der Wettbewerb durchleuchtet, sondern auch, ob bereits eine Marktsättigung erreicht wurde und ob Ihr Unternehmen gut für die Zielgruppe erreichbar ist. Sie sollten nach Möglichkeit einen Standort wählen, der gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist, da die Kunden nach der Autoübergabe bzw. für die Abholung nach der Reparatur auf diese angewiesen sind. Ohne die Möglichkeit, ohne Auto von Ihrer Werkstatt nach Hause zu kommen, werden viele Kunden wohl lieber eine andere Werkstatt aufsuchen.

 

Benötige ich Personal für meine Kfz-Werkstatt?

Wenn Sie eine Kfz-Werkstatt eröffnen wollen, benötigen Sie auch Mitarbeiter, die Ihnen bei verschiedenen Aufgaben behilflich sind. Mitarbeiter für die Kasse, möglicherweise Einzelhandelskaufleute, helfen Ihnen bei Abrechnung und ggf. Verkauf. Je nachdem, wie Sie Ihr Dienstleistungsspektrum halten wollen, sollten Sie auch Mitarbeiter für Reparaturen, Lackierungsarbeiten, Autoreinigung etc. einstellen.

 

Welche Dienstleistungen biete ich in meiner Werkstatt an?

Eine gute Geschäftsidee zu finden, kann schwierig sein. Für Kfz-Werkstätten gibt es aber zahlreiche Geschäftsmodelle bzw. Geschäftsideen, die für die jeweiligen Firmen wunderbar funktionieren. Sofern Sie sich gegen ein Franchise und eine Vertragswerkstatt entschieden haben, stehen Ihnen mit Ihrer freien Werkstatt alle Türen offen und Sie können was Ihre Geschäftsidee angeht Ihre ganz eigene Nische finden – oder aber das Komplett-Paket für alle Fälle und alle Fabrikate anbieten. Egal, wie Sie sich entscheiden: von den angebotenen Leistungen hängt Ihre Zielgruppe und damit im Endeffekt auch der Standort ab.

Geschäftsideen für Ihre Kfz-Werkstatt

Damit Ihre Kfz-Werkstatt gut läuft, brauchen Sie, wenn Sie Ihr Angebot nicht breit fächern wollen, eine passende Geschäftsidee, mit der Sie sich von der Konkurrenz abheben und idealerweise andere Services anbieten als die freie Werkstatt zwei Straßen weiter. Hier einige Ideen:

  • Ihre freie Werkstatt zum Teil als “Mietwerkstatt” einrichten. Kunden können so für ein gewisses Zeitfenster bezahlen, in dem sie ihr Auto selbst reparieren, reinigen, etc. Falls notwendig, ist der Profi nicht weit entfernt.
  • Für ältere Menschen Voreinstellungen vornehmen, beispielsweise am Radio, Navigationsgerät, etc.
  • Kfz-Innenreinigung und andere “Handgriffe” dem Kunden abnehmen, z. B. Öl und Scheibenwischerflüssigkeit nachfüllen.
  • Für Stammkunden anbieten, das Auto abzuholen und nach erfolgter Reparatur wieder vorbeizubringen. Spart dem Kunden An- und Rückfahrt sowie zwei Wege von der Werkstatt und wieder zurück.
  • Werkstattleistungen bewerten: Was muss und was kann repariert werden?
  • Tuning oder Lackierarbeiten anbieten.
  • Einen Reifenservice anbieten: Es ist unvermeidbar, dass ein Autofahrer seine Reifen zwei mal jährlich auswechselt, die Nachfrage ist also sehr hoch – der Wettbewerb allerdings auch. Mit einem Reifenservice können Sie viele Menschen ansprechen; optimieren Sie also Ihre Konditionen, um gegen den Wettbewerb anzukommen.

 

Marketing: Richtig werben für Ihre Kfz-Werkstatt

Marketing ist äußerst wichtig, um Ihr Geschäft ins Rollen zu bringen. Dazu gibt es die “traditionellen” Werbemaßnahmen wie plakative Außenwerbung, Flyer und Zeitungsannoncen sowie die sozialen Medien. Allerdings stehen Ihnen als Werkstatt auch einige außergewöhnliche Methoden zur Verfügung, beispielsweise könnten Sie ein Auto mit Schaden an einer öffentlichen Stelle (vorher eine Genehmigung vom Bauamt einholen!) positionieren und ein Plakat daran anbringen mit einem Spruchband o.Ä. mit dem Text “Probleme mit Ihrem Auto? Kommen Sie frühzeitig zu uns!” Sehr effektiv können auch Flyer auf den Scheibenwischern sein, die Sie auf großen Parkplätzen verteilen.

 

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