Einzelunternehmen gründen: Grundlagen, Voraussetzungen & Anmeldungen

aktualisiert am 18. Mai 2021 14 Minuten zu lesen
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Sie möchten sich als Einzelperson selbständig machen? Wir informieren Sie über Vor- und Nachteile des Einzelunternehmens als Rechtsform, welche Voraussetzungen Sie erfüllen sollten und wo Ihr Unternehmen angemeldet werden muss.

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Einzelunternehmen: Grundlagen

Was ist ein Einzelunternehmen? – Eine Definition

Generell gilt: Falls Sie eine Firma alleine gründen möchten und keine Kapitalgesellschaft wie beispielsweise UG oder GmbH wählen, bleibt das Einzelunternehmen. Das Einzelunternehmen gilt als eigene Rechtsform, allerdings gibt es noch die oben genannten weiteren Unternehmensformen, die gut für Einzelpersonen geeignet sind. Wir möchten Ihnen einen ersten Überblick zur Rechtsform Einzelunternehmen liefern und Sie auf die Vor- und Nachteile hinweisen.

Basiswissen für Gründer

Voraussetzungen zur Gründung eines Einzelunternehmens gibt es keine.

  • Haftung ist unbeschränkt mit dem Privatvermögen des Inhabers
  • Kein Start- oder Mindestkapital erforderlich
  • Mitarbeiter beschäftigen möglich
  • keine Aufnahme weiter Teilhaber/Inhaber möglich
  • gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit
Vorteile Nachteile
  • Schnelle und unkomplizierte Gründung
  • Geringe Gründungskosten
  • Häufig keine Eintragung ins Handelsregister notwendig
  • Freie Entscheidungsmöglichkeiten: Sie sind Ihr eigener Chef
  • Keine Haftungsbeschränkung
  • Keine Aufnahme von weiteren Inhabern möglich ohne Änderung der Rechtsform
  • Risiken bei fehlenden Fachkenntnissen und Krankheit
  • Geringe Kreditwürdigkeit z. B. im Vergleich zu einer GmbH

Hier erfahren Sie mehr Details über die Vor- und Nachteile eines Einzelunternehmens.

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Wann ist ein Einzelunternehmer ein Kleingewerbetreibender?

Ihr Unternehmen zählt als Gewerbe, sobald eine selbständige Tätigkeit eigenverantwortlich und auf eigene Rechnung ausgeübt wird, diese auf eine Gewinnerzielung abzielt und Sie kein eingetragener Kaufmann sind. Bereits wenn Sie Dienstleistungen oder Produkte mit Gewinnabsicht und auf regelmäßiger Basis anbieten, gilt eine selbständige Tätigkeit als gewerblich. Allerdings muss man diese von den freien Berufen unterscheiden, dazu zählen zum Beispiel Ärzte, Architekten, Schriftsteller oder Ähnliches. Freiberufler sind keine Gewerbetreibenden.

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Das „Kleingewerbe“ existiert jedoch nicht als offizielle Rechtsform, da sich weder im Handelsgesetzbuch noch in der Gewerbeordnung eine entsprechende Definition findet. Demzufolge ist, wenn von einem „Kleingewerbe“ gesprochen wird, meistens ein Unternehmen gemeint, dem gesetzlich erlaubt ist, statt einer Bilanzierung eine einfache EÜR (Einnahmen-Überschuss-Rechnung) zu erstellen und das unter das Kleinunternehmergesetz fällt.  Als „Kleingewerbetreibender“ sind Sie außerdem rein rechtlich kein Kaufmann bzw. keine Kauffrau.

 

Einzelunternehmer als eingetragener Kaufmann (e. K.)

Als Einzelkaufmann oder -frau sind Sie dazu verpflichtet, sich ins Handelsregister eintragen zu lassen. Somit findet auf Ihr Unternehmen die Anwendung des Handelsgesetzbuches (HGB) Anwendung. Des Weiteren unterliegen Sie der Bilanzierungspflicht, sind also per Gesetz dazu verpflichtet, doppelt Buch zu führen. Allerdings ist es Ihnen als eingetragener Kaufmann möglich, Zweigniederlassungen zu gründen. Die Haftungs- und Kapitalregelungen sind identisch mit denen des Einzelunternehmens.

 

Angestellte im Einzelunternehmen

Möchten Sie als Einzelunternehmer Mitarbeiter anstellen, gilt es zunächst, einige Punkte zu überdenken: In welcher Form sollen die künftigen Mitarbeiter eingestellt werden? Was müssen Sie an Bürokratiearbeit erledigen? Generell gilt: Auch als Einzelunternehmer können Sie Mitarbeiter einstellen, Sie haben sogar die Möglichkeit, ein richtig großes Unternehmen aufzubauen. Mitarbeiter können Sie klassisch per Festanstellung einstellen, es gibt aber auch noch die Möglichkeiten Freelancer, Werkstudenten oder Mini-Jobber einzustellen. Auch über eine Zeitarbeits-Firma können Sie neue Angestellte akquirieren. Alle Beschäftigungsverhältnisse sind mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen verbunden, beispielsweise fällt immer ein gewisser bürokratischer Aufwand an.

 

Kein „Geschäftsführer“ im Einzelunternehmen

Als Einzelunternehmer begeben Sie sich schnell auf rechtliches Glatteis, wenn Sie die Bezeichnung „Geschäftsführer“ verwenden. Der Hintergrund: Ein Außenstehender könnte in die Irre geführt werden was Größe, Rechtsform und nicht zuletzt Kreditwürdigkeit des Unternehmens angeht. Offiziell ist der Begriff ausschließlich für Gesellschaften nach HGB vorgesehen. Um dies zu vermeiden, sollten Sie generell auf diesen Titel verzichten und stattdessen „Betriebsführer“ oder „Inhaber“ verwenden.

Lassen Sie sich umfassend rund um Ihr Einzelunternehmen beraten.

Voraussetzungen zur Gründung eines Einzelunternehmens

Ist ein Mindestkapital erforderlich?

Für die Gründung eines Einzelunternehmens ist kein Startkapital nötig. Ein Einzelunternehmen können Sie ohne jegliches Kapital gründen. Allerdings sollten Sie bedenken, dass die Haftung bei einem Einzelunternehmen nicht beschränkt ist, das heißt, dass Sie mit Ihrem gesamten betrieblichen sowie mit dem privaten Vermögen haften.

Was gibt es bei der Geschäftsbezeichnung zu beachten?

Der Name eines Einzelunternehmens unterliegt einigen Regeln und Bestimmungen. Zunächst einmal unterscheidet sich die Richtlinie für die Namenswahl darin, ob eine Eintragung im Handelsregister vorgenommen werden soll oder nicht.

Bei Einzelunternehmen, die nicht ins Handelsregister eingetragen werden, sollte der volle Name (Vor- und Nachname) in der Unternehmensbezeichnung enthalten sein. Diese gesetzliche Vorschrift ist zwar weggefallen, jedoch sollte aus der Namensgebung erkenntlich sein, dass das Unternehmen identisch mit dem Inhaber ist. Gesetzlich erlaubt ist jedoch eine Ergänzung: Branchen-, Sach- oder Phantasienamen zusätzlich zum vollen Namen sind zulässig. Beispiele für einen zulässigen Firmennamen wären demnach: „Klaus Müller, Florist“ oder „Rohrreinigung Britta Hausen“. In bestimmten Branchen sind auch Bezeichnungen der Geschäftslokale ohne Namensnennung zulässig, etwa in der Gastronomie: „Restaurant zum Reh“. Allerdings muss der Inhaber bei Korrespondenz und auf Rechnungen zusätzlich genannt sein.

Einzelunternehmer, die sich im Handelsregister eingetragen lassen wollen, haben etwas mehr Freiheit bei der Namenswahl: Zulässig ist ein Branchen-, Sach-, Phantasie-, Misch- oder Personenname. Allerdings müssen die Kürzel e.K., e.Kfr. oder e.Kfm. an die Bezeichnung gehängt werden. Beispiele für eine zulässige Namensgebung wären: „Sauberwisch Jansen e.K.“, „Haarpracht e.Kfm.“, oder „Gabis Blumenservice e.Kfr.“. Ihre Unternehmensbezeichnung muss unter anderem in Ihr Impressum eingefügt werden.

 

Wo muss ich ein Einzelunternehmen anmelden?

Wenn Sie sich mit einem Einzelunternehmen selbständig machen möchten, stehen zunächst einige Formalitäten an, die, je nach Amt, sogar bequem von zu Hause aus erledigt werden können.

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Einzelunternehmen beim Gewerbeamt anmelden

Der erste Schritt in Ihre Selbständigkeit ist die Anmeldung Ihres Einzelunternehmens beim Gewerbeamt. Zunächst sollten Sie prüfen, ob für Ihre angestrebte Tätigkeit eine Gewerbeerlaubnis benötigt wird. Sofern Sie diese benötigen, ist diese im Vorfeld zu beantragen, erst dann erfolgt die eigentliche Anmeldung. Diese besteht generell nur aus einem einfachen Formular, welches Sie beim zuständigen Amt oder auch online finden können. Diesem muss eine Kopie Ihres Personalausweises beigelegt werden.

Einzelunternehmen beim Finanzamt anmelden

Die Daten von der Gewerbeanmeldung werden automatisch an das Finanzamt weitergegeben, danach folgt die Zusendung eines Fragebogens. Seit 2021 werden die Daten bevorzugt komplett digital über ELSTER abgefragt. Mit der erfolgreichen Anmeldung beim Finanzamt erhalten Sie eine Steuernummer und Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (falls gewünscht), die Sie für jede Rechnung benötigen. Nur so können Sie die Steuer richtig abführen.

Vorauszahlungen

Sie übermitteln Angaben zu geplanten Umsätzen für das Gründungsjahr und das folgende. Mit diesen Zahlen ermittelt das Finanzamt die Höhe der Vorauszahlungen für Umsatz- und Gewerbesteuer. Man kann diese auch nachreichen, falls zum Gründungszeitpunkt noch keine Aussagen gemacht werden können.

Gewinnermittlung

Hier müssen Sie sich für eine Erfassung des Gewinns entscheiden. Zur Wahl stehen die Bilanzierung (doppelte Buchführung) oder die Einnahmen-Überschuss-Rechnung.

Kleinunternehmerregelung

Kleine Unternehmen mit niedrigen Umsätzen können eine Vereinfachung des Umsatzsteuerrechts nutzen. Diese gibt ihnen die Möglichkeit, wie Nichtunternehmer behandelt zu werden. Es gilt generell Kleinunternehmer können auf Abführung von Umsatzsteuern verzichten, allerdings darf der Umsatz im vorangegangenen Kalenderjahr 22.000 Euro und der im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro nicht überschreiten.

Nachdem Sie den Bogen zur steuerlichen Erfassung ausgefüllt zurückgeschickt haben, wird dieses erneut geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung erhalten Sie eine Bestätigung vom Finanzamt, sowie die beantragte Steuernummer.

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Einzelunternehmen bei der Berufsgenossenschaft anmelden

Unmittelbar nach der Gründung Ihres Einzelunternehmens sind Sie dazu verpflichtet, sich bei der zuständigen Berufsgenossenschaft anzumelden. Die Berufsgenossenschaft ist zuständig für die Gesundheit in Ihrem Unternehmen: sie ist Unfallversicherungsträger für Unternehmen und deren Beschäftigte. Generell ist sie dafür zuständig, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten oder arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu vermeiden. Die Berufsgenossenschaft bietet Schulungen zur Sicherheit an und unterstützt Unternehmen beim Arbeitsschutz.

Bevor Sie sich bei der Berufsgenossenschaft anmelden, müssen Sie allerdings herausfinden, welche für Ihr Unternehmen zuständig ist. Bestimmen Sie, welche Branche dem Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit entspricht, und melden Sie sich bei der zuständigen Berufsgenossenschaft an.

Muss ich ein Einzelunternehmen in das Handelsregister eintragen lassen?

Generell gilt die Faustregel, dass Sie sich als Gründer eines Einzelunternehmens nicht in das Handelsregister eintragen lassen müssen, außer Sie gehören zu den Kaufleuten. Man unterscheidet hier zwischen Istkauffrau/-mann und Kannkauffrau/-mann: Ein Istkaufmann ist automatisch jeder, der ein Handelsgewerbe betreibt. Kannkaufmann ist, wer sich freiwillig ins Handelsregister eintragen lässt und somit die Kaufmannseigenschaft herbeiführt. Für die freiwillige Eintragung ins Handelsregister gibt es allerdings Vor- und Nachteile zu beachten:

Vorteile einer Handelsregistereintragung Nachteile einer Handelsregistereintragung
  • Freie Wahl bei der Geschäftsbezeichnung: Bei nicht eingetragenen Unternehmen muss in der Regel der volle Name des Inhabers im Firmennamen enthalten sein, eingetragene Unternehmen hingegen dürfen auch Phantasienamen verwenden.
  • Vertrauensbonus bei Banken und anderen Firmen: Ein im Handelsregister eingetragenes Unternehmen genießt in der Außenwirkung (z.B. bei Geschäftspartnern, Kunden und Banken) höheres Ansehen.
  • Bilanzierungspflicht: durch die Eintragung wird Ihr Unternehmen als kaufmännisch geführten Betrieb ausgewiesen, d.h. eine einfache EÜR reicht nicht mehr aus.
  • Anfallende Kosten: Änderungen am Unternehmen müssen immer notariell erfolgen, was mit Kosten verbunden ist.
  • HGB-Regelungen: eingetragene Unternehmen müssen sich an das Handelsgesetzbuch halten, wobei die Regelungen um einiges schärfer sind als bei nicht eingetragenen Unternehmen.

Wann muss ein Einzelunternehmen eine Betriebsnummer beantragen?

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen Mitarbeiter beschäftigen möchten, benötigen Sie eine Betriebsnummer. Generell wird die Betriebsnummer automatisch bei Anmeldung Ihres Unternehmens vergeben, wenn bereits bei der Gründung Mitarbeiter beschäftigt werden. Falls dies nicht der Fall ist, kann die Betriebsnummer später beantragt werden. Einen Antrag können Sie bei der Arbeitsagentur anfordern.

 

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