Selbständigkeit vorbereiten: Woran muss ich alles denken?

aktualisiert am 6. Februar 2019 11 Minuten zu lesen
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Sie haben Ihre Geschäftsidee entwickelt, wissen aber noch nicht, was alles auf Sie zukommt und wie Sie Ihre Selbständigkeit vorbereiten können? In diesem Artikel lernen Sie die Stationen auf dem Weg zur Existenzgründung kennen — von der Planung über den Businessplan bis hin zu den behördlichen Anmeldungen, damit Sie garantiert nichts vergessen und Ihr Unternehmensstart gelingt!

 

  1. Die 10 Stationen Ihrer Gründung: Checkliste

    1. Geschäftsidee entwickeln
    2. Beratung und Vorbereitung      <<      Sie befinden sich hier!
    3. Rechtsform auswählen
    4. Namensprüfung durch IHK
    5. Beurkundung beim Notar
    6. Eröffnung des Geschäftskontos
    7. Handelsregistereintragung
    8. Gewerbeanmeldung
    9. Anmeldung beim Finanzamt
    10. Erste Schritte als Unternehmer

Mentale Vorbereitung

Bevor Sie sich genauer mit Ihrer Gründungsidee auseinandersetzen, sollten Sie erst einmal in sich gehen und überlegen, ob Sie die richtige Einstellung für die Selbständigkeit mitbringen. Der Weg in die Selbständigkeit verlangt Gründern häufig mehr ab als ein reguläres Beschäftigungsverhältnis: Im Gegensatz zu Arbeitnehmern haben Selbständige oftmals ein enormes finanzielles Risiko ein und opfern zumindest zu Beginn der Selbständigkeit große Teile ihrer Freizeit. Sobald Selbständige Mitarbeiter beschäftigen, haben Sie weiterhin die Verantwortung für die Einkommensgrundlage ihrer Angestellten. All diese Verantwortlichkeiten sollten nicht unterschätzt werden. Deshalb sollte der erste Schritt zur Vorbereitung Ihrer Selbständigkeit stets die Selbstanalyse sein. Seien Sie ehrlich mit sich selbst und stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Bin ich überhaupt ein Unternehmertyp?
  • Was bringe ich an Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten mit?
  • Was kann ich selbst leisten und wobei bin ich auf Hilfe angewiesen?
  • Besitze ich ausreichend Know-how in den Bereichen Betriebswirtschaft, Management und Personalführung?
  • Kenne ich den Markt ausreichend?

Zur mentalen Vorbereitung gehört also eine ehrliche Einschätzung Ihres eignen Wertes für das neue Unternehmen. Bauen Sie im nächsten Schritt auf dieser Analyse auf und überlegen Sie, ob ein Team aus mehreren Gründern helfen könnte, Wissenslücken zu schließen oder eventuelle Weiterbildungen sinnvoll sind. Konsequentes Lernen ist ein wichtiger Teil der Selbständigkeit, der bereits bei der Planung beginnen sollte. Suchen Sie sich außerdem vertraute Berater im Bekanntenkreis, die Ihnen bei wichtigen Entscheidungen Unterstützung bieten können.

 

Selbständigkeit vorbereiten: Planung, Beratung und Analyse

“Was kommt zuerst? Und woran muss ich alles denken?” — Das sind nur zwei der Fragen, die wir Ihnen hier beantworten möchten. Mit den folgenden Punkten können Sie Ihre Selbständigkeit optimal vorbereiten und Ihre Unternehmensgründung planen. An diesen Punkten können Sie auch die grobe Reihenfolge festmachen, in der Sie Ihre Gründung angehen sollten.

Nachfolge, Franchise, Neugründung

Sie planen, ein Unternehmen zu übernehmen? In diesem Falle benötigen Sie keine eigene Geschäftsidee, aber einen aussagekräftigen Businessplan (inkl. Soll- und Ist-Zustand des zu übernehmenden Unternehmens). Alle wichtigen Informationen zum Thema Unternehmensnachfolge und -übernahme finden Sie auf unserem Blog.

Für die Eröffnung eines Franchise benötigen Sie ebenfalls nur einen Businessplan, der besonderes Augenmerk auf die Standortanalyse legt. Die Rechtsform wird Ihnen in den meisten Fällen vom Franchisegeber vorgegeben und Sie erhalten von diesem auch professionelle Unterstützung bei allen Schritten der Gründung und Umsetzung.

Möchten Sie eine Neugründung durchführen, lesen Sie einfach weiter.

Information und Beratung

Vor dem eigentlichen Start Ihrer Selbständigkeit und noch bevor Sie Ihren Businessplan verfassen, sollten Sie Beratungsangebote sichten.

Sie brauchen Hilfe bei Ihren Gründungsfragen? Vereinbaren Sie jetzt ein kostenloses Orientierungsgespräch mit uns!

Hier ist auch Ihre Ausgangssituation wichtig: Sind Sie Arbeitnehmer und möchten den Schritt in die Selbständigkeit neben dem Beruf wagen? Möchten Sie sich als Student mit einem Start-up selbständig machen? Oder gründen Sie aus der Arbeitslosigkeit heraus? Nicht nur benötigen Sie je nach Gründungssituation entsprechende Beratung, sondern profitieren Sie auch von verschiedensten Finanzierungsangeboten.

Tipp: Auf dem Beratermarkt gibt es unzählige Angebote, sowohl staatlich als auch in der freien Wirtschaft. Hier gilt es die Übersicht zu bewahren! Nicht alle Experten passen zu Ihrer Geschäftsidee, deswegen sollten Sie Ihre Ressourcen clever nutzen. Lassen Sie sich Zeit, einen geeigneten Profi mit Branchenerfahrung zu finden, der Ihre Situation einschätzen kann.

Weiterbildungen und branchenspezifische Anforderungen

In einigen Berufen gibt es für Gründer einige Anforderungen, im Gastgewerbe ist beispielsweise ein Gesundheitszeugnis ein Muss, für wieder andere Gewerbe gibt es die Gewerbeerlaubnis, die Sie sich bereits vor der eigentlichen Gründung zulegen müssen. Zu den branchenspezifischen Anforderungen, die am häufigsten anfallen, gehören:

  • Meisterpflicht im Handwerk
  • Gewerbeerlaubnis für bestimmte Brachen
  • Abgeschlossene Berufsausbildung
  • Berufserfahrung
  • Zulassungen
  • Konzessionen (Gaststättenkonzession, Taxikonzession)
  • Polizeiliches Führungszeugnis

Informieren Sie sich umfassend zu denen für Ihre Branche erforderlichen spezifischen Anforderungen und ob Sie diese mitbringen. Gegebenenfalls benötigen Sie zur Gründung Ihres Unternehmens noch einige Jahre Berufserfahrung und/oder eine angeschlossene Berufsausbildung. In diesem Falle können Sie vielleicht eine Fort- oder Weiterbildung in Betracht ziehen.

Businessplan schreiben

Ja, der Businessplan gehört immer noch zum Standard-Repertoire für Gründer, auch wenn vielerorts behauptet wird, neue Modelle wie Pitch Deck oder Business Model Canvas hätten den veralteten Businessplan abgelöst. Die Praxis beweist in vielen Fällen das Gegenteil: Der Businessplan ist besonders für Unternehmen, die Fremdkapital benötigen, wichtiger denn je — besonders, wenn Sie Geld von einer Bank erhalten möchten. Deshalb sollten Sie sich bereits frühzeitig mit Aufbau und Analyse eines Businessplans auseinandersetzen. In unserem Artikel zum Thema erfahren Sie die zehn besten Tipps zum Schreiben eines Businessplans.

Marktanalyse

Mit Verfassen Ihrer Geschäftsidee haben Sie idealerweise auch bereits Ihre Zielgruppe festgelegt. Falls nicht, ist jetzt der beste Zeitpunkt. Nun gilt es nämlich, Ihren Markt zu analysieren:

  • Wie groß ist der Markt?
  • Wie steht es um Marktwachstum und -dynamik?
  • Wie sieht das Marktpotential aus?

Diese Punkte sollten Sie genau analysieren, um eine Prognose für die nächsten drei bis fünf Jahre Ihrer Gründung zu erstellen. Mittels der Marktanalyse finden Sie zudem heraus, ob und wann ein Markt vollständig gesättigt ist, ob überhaupt ein Bedarf besteht und ob Sie mit Ihrem Unternehmen in Ihrem Zielmarkt überhaupt wachsen können. Weiterhin analysieren Sie in diesem Schritt auch Ihre Wettbewerber. Dies hilft Ihnen, einzuschätzen, ob es sich um einen attraktiven Markt handelt:

  • Gibt es Konkurrenz oder gar Ersatzprodukte?
  • Welche Marketeintrittsbarrieren sind gegeben?

Standortanalyse

Bevor Sie sich für einen Standort für Ihr Unternehmen entscheiden, ist es in vielen Branchen erforderlich, eine umfassende Standortanalyse durchzuführen. Denn nur, wenn Sie alle möglichen Standortfaktoren im Blick haben, kann Ihre Gründung beispielsweise im Einzelhandel oder im Gastgewerbe ein Erfolg werden. Faktoren, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, sind unter anderem folgende:

  • Absatzorientierte Standortfaktoren (Konkurrenz, Kaufkraft, Kundenpotential, Verkehrsanbindung, regionaler Arbeitsmarkt)
  • Abgabenorientierte Standortfaktoren (Gewerbesteuerhebesatz)
  • Beschaffungsorientierte Standortfaktoren (Verkehrsanbindung für Warenanlieferung)

 

Startkapital berechnen und beschaffen

Wie viel Kapital benötigen Sie, um Ihre Geschäftsidee umzusetzen? Auch dies ist Teil des Businessplans. Sobald Sie einen umfassenden Finanzcheck durchgeführt haben, gilt es jetzt, mögliche Förderangebote zur Sicherung Ihres benötigten Mindestkapitals zu sichten. Auch hier gibt es viele unterschiedliche Quellen und Methoden, Fremdkapital zu erhalten. Gründen Sie aus der Arbeitslosigkeit heraus, können Sie eventuell den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit in Anspruch nehmen, machen Sie sich jedoch mit einem innovativen Start-up selbständig, kommen hier wieder andere Finanzierungsmöglichkeiten in Betracht. Für jede Gründungssituation gibt es die passenden Fördermittel. Falls Sie jedoch ein kleineres Vorhaben komplett ohne Fremd- oder Eigenkapital umsetzen möchten, finden Sie auch hier Möglichkeiten der Umsetzung. Informieren Sie sich über alle Finanzierungsmöglichkeiten, die für Sie in Frage kommen, und treten Sie selbstbewusst und mit einem detailliert ausgearbeiteten Businessplan bei Gesprächen zur Finanzierung auf.

In die Arbeit am Businessplan sollten Sie weiterhin Gedanken und Überlegungen zu Ihrer künftigen Rechtsform fließen lassen. Hier bestimmen viele Faktoren Ihre Entscheidung. Kehren Sie dazu zurück zur Gründungs-Checkliste!

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