Ideen für die Selbständigkeit: Gründen ohne Eigenkapital

3. Juli 2018 14 Minuten zu lesen
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Ein eigenes Unternehmen aufzubauen, ohne dafür Geld in die Gründung zu investieren, klingt im ersten Moment nach einem nicht umsetzbaren Vorhaben. Dabei ist es keinesfalls unmöglich, auch ohne Eigenkapital in die Selbständigkeit zu wechseln. firma.de erklärt, wie es funktioniert.

  1. Die 10 Stationen Ihrer Gründung: Checkliste

    1. Geschäftsidee entwickeln
    2. Beratung und Vorbereitung
    3. Rechtsform auswählen
    4. Namensprüfung durch IHK
    5. Beurkundung beim Notar
    6. Eröffnung des Geschäftskontos
    7. Handelsregistereintragung
    8. Gewerbeanmeldung
    9. Anmeldung beim Finanzamt
    10. Erste Schritte als Unternehmer 

Selbständig machen ohne Kapital: Wann ist das sinnvoll?

Viele haben schon einmal darüber nachgedacht, sich selbständig zu machen. Insbesondere die Aussicht auf mehr Flexibilität, Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiraum weckt in vielen Arbeitnehmern den Wunsch, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Oft steht diesem Traum aber die Angst vor dem Scheitern und dem damit verbundenen finanziellen Verlust im Weg. Auch eine fehlende profitable Geschäftsidee oder nicht ausreichendes Startkapital sind häufig Gründe dafür, dass der Traum von der Selbständigkeit nur ein Traum bleibt.

Was viele jedoch nicht wissen, ist, dass man für die Gründung eines Startups nicht zwangsläufig viel Eigenkapital aufbringen muss. Schon mit geringen finanziellen Mitteln können Sie eine Firma eröffnen. Es gibt unzählige Möglichkeiten für Gründungswillige, den Kapitalbedarf für die Unternehmensgründung über Investoren, Privatpersonen oder durch staatliche Förderungen abzudecken. In einigen Fällen ist auch eine finanzielle Förderung durch den Staat möglich.

 

Unternehmensgründung: Finanzierung über Fremdkapital

Investoren vom eigenen Geschäftsmodell überzeugen

Die bekannteste und gängigste Methode, Fremdkapital zu beschaffen, führt über die finanzielle Unterstützung durch einen oder mehrere Investoren. Um potentielle Geldgeber dazu zu bewegen, Geld in Ihr Geschäftsmodell zu investieren, müssen Sie Ihre Idee gut pitchen. Ein sorgfältig ausgearbeiteter Businessplan und eine stichhaltige Argumentation, die für den Erfolg Ihrer Geschäftsidee spricht, sind in diesem Fall unumgänglich.

Business Angel als Investoren gewinnen

Schaffen Sie es, einen sogenannten Business Angel für Ihr Unternehmen zu gewinnen, können Sie neben der finanziellen Unterstützung auch vom Know How des Investors profitieren. Business Angels dienen dem Startup, in das sie investiert haben, gleichzeitig als Mentoren und teilen ihre Erfahrungen und ihr Wissen. So können sie dem Betrieb dabei helfen, sich weiterzuentwickeln und schnell zu wachsen.

Stille oder mitwirkende Investoren am Unternehmen beteiligen

Neben den Business Angels gibt es auch die stillen oder mitwirkenden Teilhaber. Bei den stillen Teilhabern handelt es sich um Investoren, die im Gegenzug für ihre finanzielle Beteiligung über den Erfolg und die Entwicklung der Firma stets informiert werden wollen. Hierfür muss das Unternehmen in regelmäßigen Abständen einen Bericht über die aktuellen Geschäftszahlen, den Fortschritt und wichtige Entwicklungen abgeben. Die Investoren beanspruchen jedoch kein Mitspracherecht für sich. Das Unternehmen darf weiterhin alle Entscheidungen eigenständig treffen. Sogenannte mitwirkende Teilhaber werden hingegen in die Entscheidungen und den Entwicklungsprozess der Firma aktiv miteinbezogen.

Weitere Finanzierungsmöglichkeiten

Crowdfunding

Zu den neueren Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung zählt beispielsweise das Finanzierungsmodell „Crowdfunding“. Hierbei gibt es nicht nur einen oder wenige Investoren, sondern eine Vielzahl von Kapitalgebern, die jeweils einen verhältnismäßig kleinen Beitrag in ein Unternehmen investieren. Bei diesem Finanzierungsmodell besteht die Kunst darin, potentielle Investoren in einer kurzen Präsentation von einer innovativen, einzigartigen und erfolgreichen Geschäftsidee zu überzeugen. Sind die mögliche Geldgeber anschließend der Meinung, dass Ihre Geschäftsidee eine Investition wert ist, können sie das Startup mit einem finanziellen Beitrag unterstützen. Auf diese Weise können Sie über viele Einzelbeträge von mehreren Investoren das Startkapital für Ihr Startup sammeln. Wie Ihre Crowdfunding-Kampagne erfolgreich wird, können Sie in diesem Ratgeberartikel nachlesen.

Der Nachteil dieses Finanzierungsmodells liegt darin, dass das Unternehmen zuvor ein finanzielles Ziel festlegen muss, welches mit Hilfe der Crowdfunding-Kampagne erreicht werden soll. Erreichen Sie die anvisierte Fundingsumme nicht, müssen alle Einzelbeträge an die Geldgeber zurückgezahlt werden. Sie sollten sich also im Vorfeld einen genauen Plan zur Finanzierung Ihrer Firma machen und eine möglichst realistische Fundingsumme für Ihre Crowdfunding-Kampagne festsetzen.

Crowdlending

Crowdlending funktioniert im Prinzip sehr ähnlich wie Crowdfunding. Startups haben die Möglichkeit, über viele kleine Einzelbeträge von Privatpersonen die Summe zu sammeln, die sie für die Finanzierung ihres Unternehmens benötigen. Der Unterschied zum Crowdfunding besteht darin, dass es sich bei den finanziellen Beiträgen nicht um Investitionen handelt, sondern um Kredite. Das Kapital muss also an die Geldgeber zurückgezahlt werden.

Startkapital von Freunden und Familie leihen

Viele Gründer und Unternehmer lassen sich schnell zu dem Gedanken verleiten, sich das Startkapital für die Firmengründung von der eigenen Familie oder von Freunden zu leihen. Das ist allerdings nicht empfehlenswert. Gerade in der Gründungs- und Anfangsphase haben Unternehmer oft mit finanziellen Engpässen zu kämpfen und eine Rückzahlung gestaltet sich in diesem Fall sehr schwierig. So kann es schnell zu Spannungen im Freundes- und Familienkreis kommen.
Sollten Sie sich dennoch dafür entscheiden, sich Geld von Freunden oder Verwandten zu leihen, ist es ratsam, das Darlehen vertraglich zu regeln.

Das Bootstrapping

Beim sogenannten Bootstrapping handelt es um eine Finanzierungsform, mit der Sie mit nur wenig Kapital (in der Regel gänzlich ohne Fremdkapital) ein Unternehmen gründen können. Hierfür müssen die Gründer viel Disziplin beweisen und einem strengen Zeit- und Budgetplan folgen, denn die finanziellen Ressourcen sind stark begrenzt. Dieses Finanzierungsmodell sollte nur angewandt werden, wenn Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit schnell den Break Even Point mit Ihrem Startup erreichen. Das bedeutet, dass Sie möglichst bald nach der Gründung bereits Gewinne mit Ihrer Firma generieren müssen. Obwohl diese Finanzierungsart hohe Anforderungen an einen Unternehmer stellt, hat sie auch einige Vorteile. Gründer lernen von Anfang an sparsam zu wirtschaften und sich auf die wesentlichen Kennzahlen des Betriebs zu konzentrieren. Falls zu einem späteren Zeitpunkt Finanzierungsrunden folgen, lassen sich potentielle Investoren häufig von Startups beeindrucken, die trotz wenig verfügbaren finanziellen Ressourcen schnell gewachsen sind.

Die Geschäftsidee haben Sie schon, aber Sie wissen noch nicht, mit welcher Rechtsform Sie gründen möchten? Dann fordern Sie jetzt ein kostenloses Orientierungsgespräch an und lassen Sie sich doch von unseren Gründungsexperten zu Ihren Möglichkeiten beraten.

Mit wenig Geld selbständig machen

Die Kapitalbeschaffung über Investoren oder mittels Funding-Kampagnen ist eine beliebte Methode, um das nötige Startkapital für die Firmengründung zu sammeln. Diese Vorgehensweise eignet sich aber nicht für jeden Gründer. Es gibt jedoch auch unzählige Möglichkeiten, ohne die Beschaffung von Fremdkapital ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Nebenberuflich selbständig machen

Für Gründer, die noch unsicher sind, ob sich ihre Geschäftsidee am Markt durchsetzen kann, bietet sich die nebenberufliche Selbständigkeit an. Durch das Ausüben einer hauptberuflichen Tätigkeit besitzt der Unternehmer weiterhin eine regelmäßige Einnahmequelle und minimiert somit das eigene finanzielle Risiko. Sie können also ganz bequem neben Ihrem Hauptberuf Ihr eigenes Geschäft eröffnen und langsam aufbauen. Sobald Sie sicher sind, dass Ihre Geschäftsidee erfolgreich ist und Sie genügend Geld erwirtschaften können, um auch ohne ein regelmäßiges Einkommen auszukommen (Proof of Concept), können Sie Ihre Vollzeitbeschäftigung aufgeben, um sich ganz auf Ihre Selbständigkeit zu konzentrieren.

Der Nachteil einer nebenberuflichen Selbständigkeit ist jedoch, dass Sie parallel zu Ihrer hauptberuflichen Beschäftigung noch viel Zeit in Ihr eigenes Unternehmen investieren müssen. Außerdem müssen Sie im Vorfeld mit Ihrem Arbeitgeber klären, ob Sie nebenberuflich tätig werden dürfen. Dies stellt aber in der Regel kein Problem dar, sofern Ihre nebenberufliche Selbständigkeit Ihre hauptberufliche Tätigkeit nicht beeinflusst.

Online-Business eröffnen

Die Eröffnung eines Webshops ist eine oft gewählte Option für eine nebenberufliche Selbständigkeit. Ein Online-Business lässt sich gut auch nach der hauptberuflichen Tätigkeit ausüben, da Sie hierbei beispielsweise nicht an Öffnungszeiten gebunden ist. Sofern Sie als Kommissionsverkäufer auftreten, muss nicht einmal viel Geld im Vorfeld investiert werden, da die Kosten für die Produktbeschaffung entfallen. Als Kommissionsverkäufer fungieren Sie nur als Zwischenhändler. Damit Sie Gewinn machen, müssen Sie den Verkaufspreis für die weiterzuvermittelnde Ware höher ansetzen als den Händlerpreis.

Multi-Level-Marketing

Das Multi-Level-Marketing (MLM; auch Netzwerkmarketing) bezeichnet eine spezielle Form des Direktvertriebs. Hierbei werden Kunden einer Firma dazu angehalten, Neukunden zu werben beziehungsweise das Produkt des Unternehmens weiterzuverkaufen oder zu empfehlen. Sofern das MLM nicht als “Schneeball-System” eingestuft wird und somit gegen das Gesetz des unlauteren Wettbewerbs verstößt (gemäß § 3 Abs. 3, Anhang 14, UWG), darf das Netzwerkmarketing in Deutschland angewandt werden. Das bedeutet, dass durch den Einsatz von MLM nicht der Eindruck erweckt werden darf, dass der Vertrieb von Produkten oder Dienstleistungen über mehrere Zwischenhändler erfolgt.

Co-Founder werden

Wer selbst nicht das Geld für die Existenzgründung hat, der kann versuchen, als Co-Founder in ein mit einzusteigen. Statt mit Geld in eine Firma zu investieren, bringt der Gründungspartner sein Know-How und seine Erfahrungen mit in das Geschäft ein. Dieses Gründungs-Modell erfreut sich vor allem in der Startup-Szene zunehmender Beliebtheit.

Franchise-Unternehmen gründen

Wer selbst keine eigene Geschäftsidee hat, der hat die Möglichkeit, ein Franchise-Unternehmen zu eröffnen. In einigen Franchise-Systemen ist für die Eröffnung einer weiteren Filiale eines Konzerns kein Eigenkapital notwendig. In der Regel verlangen die Konzerne nur eine Lizenz-Gebühr und die Einhaltung der konzerneigenen Richtlinien. Die Vorteile an einem Franchise-Unternehmen sind offensichtlich: Gründer können in ein bereits erprobtes Geschäftsmodell einsteigen und profitieren von der Markenbekanntheit und der Marktpräsenz des Franchise-Gebers.

Sie möchten sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbständig machen und benötigen eine Finanzierung? Dann vereinbaren Sie hier ein kostenloses Orientierungsgespräch zu Ihren Förderungsmöglichkeiten von Arbeitsagentur und Jobbörse!

Staatliche Förderung für Existenzgründer

Ganz egal, für welches Gründungsmodell oder für welche Finanzierungsart Sie sich entscheiden, Sie sollten in jedem Fall prüfen, ob Sie für die Gründung Ihres Unternehmens einen staatlichen Zuschuss oder eine Förderung beantragen können. Insbesondere für Gründer, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbständig machen wollen, gibt es einige Förderprogramme, mit denen Sie finanzielle Engpässe in der Gründungs- und Anfangsphase überbrücken können. Entscheiden Sie sich dazu, einen Kredit bei einer Bank aufzunehmen, informieren Sie sich im Vorfeld, welche Banken einen günstigen Gründerkredit anbieten.

 

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