Wer muss kein Gewerbe anmelden?

15. Juli 2012 7 Minuten zu lesen
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In Deutschland gilt die Gewerbefreiheit. Jedem steht es offen, ein Gewerbe anzumelden. Grundsätzlich muss jeder der sich selbstständig machen möchte und beabsichtigt dadurch Gewinne zu erzielen, ein Gewerbe anmelden. Selbständig ist man, wenn man auf eigene Rechnung und in eigener Verantwortung arbeitet. Nach der Gewerbeordnung unterliegen allerdings nur die Gewerbetreibenden der Pflicht zur Gewerbeanmeldung.

Mit Gewerbe bezeichnet man jede selbstständige, planmäßige auf Dauer und Gewinnerzielung angelegte Tätigkeit. Davon gibt es einige Ausnahmen, die im Weiteren näher vorgestellt werden. Freie Berufe wie beispielsweise schriftstellerische Tätigkeiten und Urproduktionen wie land- oder forstwirtschaftliche Arbeiten werden unter anderen nicht zum Gewerbe gezählt.

 

Freiberufler

Eine Unterscheidung zwischen Gewerbetreibenden und Freiberuflern ist in vielen Fällen nicht eindeutig zu finden, da auch Freiberufler im Regelfall mit einer Erwerbsabsicht arbeiten und sich die Kriterien überschneiden. Dennoch sind für einen Freiberufler einige grundsätzliche Kriterien maßgebend wie die geistige und schöpferische Arbeit. Kein Gewerbe stellen freiberufliche Beschäftigungen dar, für deren Ausübung ein abgeschlossenes Hochschul- oder Fachhochschulstudium erforderlich ist, dazu zählen die sogenannten Katalogberufe wie Arzt und Rechtsanwalt. Auch Künstler und Schriftsteller betreiben kein Gewerbe. Zur Ausführung dieser Tätigkeiten benötigt man besondere berufliche Qualifikationen und Leistungen und im Besonderen die persönliche Einbringung. Dadurch sind Katalog- oder katalogähnliche Berufe nicht mit einem Gewerbe vergleichbar. Eine freiberufliche Tätigkeit ist demnach eine selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, diese zeichnet sich durch Professionalität, Gemeinwohlpflicht, Selbstkontrolle und Eigenverantwortlichkeit aus. Eine Liste mit allen Katalogberufen und einigen katalogähnlichen Berufen finden Sie hier.

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In Deutschland werden freie Berufe und Künstler durch das Steuerrecht besonders gefördert und durch Maßnahmen unterstützt. Diese betreffen beispielsweise den Lohnsteuerabzug, die Steuerbefreiung oder Steuerermäßigung. Freiberufliche arbeiten auf eigene Rechnung für Unternehmen und andere Personen. Um Rechnungen ausstellen zu können, müssen Sie eine Steuernummer beim Finanzamt beantragen. Sie sind von einer Anmeldung beim Gewerbeamt und damit von der Gewerbesteuer befreit. Sie müssen demnach keine Abgaben an die Gemeinden leisten und keine doppelte Buchführung anwenden, sondern reichen zur Einkommenserklärung eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung ein. Die Einkünfte bzw. der Gewinn einer selbstständigen Tätigkeit ergibt sich aus der Differenz von Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben. Nur dieser Gewinn muss versteuert werden. Die Besteuerung erfolgt durch das Finanzamt nach Ablauf des Kalenderjahres im Wege der Einkommenssteuerveranlagung, dabei wird die Lohnsteuer und eventuelle Vorauszahlung angerechnet. Die Mitgliedschaft in der IHK, der Industrie- und Handelskammer ist nicht zwingend. Freiberufler können zusammen mit anderen Freiberuflern eine Partnergesellschaft gründen. Selbstständige Freiberufler sind nicht sozialversicherungspflichtig. Sie sollten allerdings prüfen, ob für Sie die Verpflichtung für die gesetzliche Rentenversicherung gilt.

In der Einkommenssteuererklärung können Freiberufler die gleichen Freibeträge wie Gewerbetreibende für Ihre Vorsorge oder andere Sonderausgaben geltend machen. Auch für weitere Einnahmen, die nach § 3 steuerfrei sind, muss keine Umsatzsteuer gezahlt werden, weil diese Bezüge kein Entgelt für eine Leistung sind, darunter beispielsweise der Ehrensold für Künstler sowie Zuwendungen aus Mitteln der Deutschen Künstlerhilfe, Stipendien, die zur Förderung der Forschung oder zur Förderung der wissenschaftlichen oder künstlerischen Ausbildung oder Fortbildung gewährt werden, Beträge aus der Künstlersozialkasse und Bezüge aus öffentlichen Mitteln oder aus Mitteln einer öffentlichen Stiftung, die wegen Hilfsbedürftigkeit oder als Beihilfe zu dem Zweck bewilligt werden, die Erziehung oder Ausbildung, die Wissenschaft oder Kunst unmittelbar zu fördern.

Vorteile:

  • steuerliche Vorteile
  • Keine Gewerbesteuer, da keine Gewerbeanmeldung erforderlich
  • Im Einzelfall Befreiung von der Umsatzsteuer (Kleinstunternehmer)
  • Partnergesellschaft möglich
  • Einnahme-Überschuss-Rechnung möglich

 

Urproduktion

Zur Urproduktion gehören die Land- und Forstwirtschaft, der Wein- und Gartenbau, die Imkerei, die Tierzucht, die Jagd, die Fischerei und das Bergwesen. Alle Formen der Urproduktion werden nicht als Gewerbe klassifiziert. Dieser primäre Sektor der Wirtschaft liefert Rohstoffe aus der Ernte wie beispielsweise Holz oder auch Energie durch die Nutzung von Wasserkraft. Er unterliegt damit eigenen Regeln und ist abhängig von Boden- und Witterungsverhältnissen. Betriebe des primären Sektors dürfen Ihre Erzeugnisse verkaufen ohne ein Gewerbe anzumelden.

 

Verwaltung des eigenen Vermögens

Die Verwaltung des eigenen Vermögens stellt keine gewerbliche Betätigung dar, solange der Rahmen einer privaten Vermögensverwaltung nicht überschritten wird. Dazu zählt beispielsweise die Vermietung und Verpachtung von Grundbesitz, dies gilt als eine allgemein übliche Nutzung des Eigentums. Ein Gewerbe liegt in diesem Zusammenhang erst vor, wenn die Nutzung des eigenen Vermögens ein Ausmaß erreicht, das mit einem Gewerbe vergleichbar ist, sodass ein Überwachungsbedürfnis entsteht wie unter anderem bei der Vermietung von Ferienhäusern.

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