Gründungskosten der GmbH von der Steuer absetzen: So geht’s

aktualisiert am 18. April 2019 4 Minuten zu lesen
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Wenn Sie eine GmbH oder eine andere Kapitalgesellschaft gründen, fallen in jedem Fall Gründungskosten für Notarbesuch, die Handelsregister- und Gewerbeanmeldung sowie eine Steuerberatung an. Alle diese Kostenpunkte lassen sich steuerlich absetzen – unter bestimmten Voraussetzungen. firma.de erklärt, wie Sie vorgehen müssen.

 

K.O.-Kriterium: Gesellschaftsvertrag

Die Rechtsformen GmbH und UG können entweder mit einer individuellen Satzung oder einem standardisierten Musterprotokoll gegründet werden. Wenn die Gesellschaft die Gründungskosten tragen und in Folge steuerlich geltend machen soll, ist dies nur möglich, wenn das Unternehmen mit einem Gesellschaftsvertrag gegründet wird. Da die Inhalte des Musterprotokolls nicht verändert werden dürfen, kann eine entsprechende Regelung hier nicht integriert werden.

 

Regelung richtig formulieren

Im Normalfall übernehmen die Gesellschafter die Kosten anteilig aus ihrem jeweiligen Privatvermögen. In der Satzung (auch: Gesellschaftsvertrag) Ihrer GmbH muss deshalb eine Bestimmung enthalten sein, die regelt, dass die Gesellschaft die Gründungskosten begleicht. Um steuerrechtliche Probleme zu vermeiden, sollte die Kostenübernahme der Gesellschaft allerdings vertraglich gedeckelt werden, d. h. entweder auf einen individuellen Höchstbetrag oder einen prozentualen Anteil des Stammkapitals. In der Praxis wird der Höchstbetrag meist auf zehn Prozent des Stammkapitals festgelegt. Bei unrealistischen Veranschlagungen für die Gründungskosten fragt das Finanzamt voraussichtlich nach: Der Verdacht einer verdeckten Gewinnausschüttung liegt nahe.

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Gründungskosten aufschlüsseln

Integrieren Sie eine Liste der erwarteten Kostenpunkte, die direkt mit der Gründung zusammenhängen. Dies sind typische Gründungskosten der GmbH oder UG.

  • Erstellung der Eröffnungsbilanz (Steuerberater)
  • Aufsetzen des Gesellschaftsvertrags (Anwalt oder Notar)
  • Gründungsberatung (Dienstleister)
  • Beurkundung des Gesellschaftsvertrags und Anmeldung zum Handelsregister (Notar)
  • Eintragung in das Handelsregister (Amtsgericht)
  • Gewerbeanzeige (Gewerbeamt)
  • Markenanmeldung (DPMA o. ä.)
  • Vermittlungskosten (Makler)

Bitte nehmen Sie sich Zeit, die Kostenpositionen genau aufzuschlüsseln! Eine pauschale Kostenrechnung ohne Nennung der Einzelposten würde einer steuerlichen Abzugsfähigkeit im Wege stehen. Mehr zu Gründungskosten und -investitionen können Sie hier nachlesen.

 

Steuerbilanz: Gründungskosten absetzen

Die Gründungskosten werden als vorweggenommene Betriebsausgaben abgesetzt und senken damit die Steuerlast der GmbH oder UG. Durch die Klausel im GmbH-Gesellschaftsvertrag können Sie dieselben Kostenpositionen auch in der Bilanz aufführen.

In erster Linie mindern die Betriebsausgaben die Einnahmen und den Gewinn. Infolgedessen verkleinert sich auch die Bemessungsgrundlage für alle anfallenden Steuern.

Wie lange können Gründungskosten abgesetzt werden?

Gründer haben drei Jahre Zeit, die Gründungskosten über den Jahresabschluss geltend zu machen.

Wie werden die Gründungskosten gebucht?

  1. Notar-, Rechts- und Beratungskosten werden auf das Konto “Rechts- und Beratungskosten” gebucht (6825 (SKR04) oder 4950 (SKR03))
  2. Gewerbeanmeldung und Handelsregistereintrag werden auf das Konto “sonstige Aufwendung, unregelmäßig” gebucht (6300 (SKR04) oder 2010 (SKR03))

 

Begleichen der Gründungskosten

Wenn Sie die Gründungskosten absetzen wollen, müssen Sie die anfallenden Rechnungen über das Geschäftskonto begleichen. Umso wichtiger ist es, dass die Kontoeröffnung möglichst zeitnah nach der notariellen Beurkundung erfolgt. Der Gesamtbetrag, den Sie vom Geschäftskonto entnehmen, darf den in der Satzung veranschlagten Höchstbetrag nicht überschreiten. Alle Restbeträge, die darüber hinaus entnommen werden, gelten als Privatentnahme, die gegen die Einkommensteuer-Richtlinien verstößt.

Der wirtschaftliche Zusammenhang zwischen den Aufwendungen und dem Gründungsprozess muss klar erkennbar sein. Beachten Sie, dass Sie alle Belege aufheben müssen.

 

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