Die börsennotierte AG

26. Oktober 2016 7 Minuten zu lesen
Teilen

Eine AG muss nicht zwingend eine Börsennotierung aufweisen, jedoch ist die börsennotierte AG natürlich die wesentlich bekanntere Variante der Rechtsform. Erfahren Sie auf firma.de, welche Voraussetzungen für den Schritt an die Börse zu erfüllen sind.

Immer kurz vor der Tagesschau werden die Nachrichten direkt von der Börse gesendet: Hier wird über die aktuelle Entwicklung des DAX, also des Deutschen Aktienindex und anderen Aktienindizes berichtet. Im DAX sind die 30 umsatzstärksten börsennotierten AGs vereint. Aufgrund seiner hohen Relevanz nennt man ihn auch den Leitindex, da er die Entwicklung des Marktes am deutlichsten widerspiegelt. Nicht jede Aktiengesellschaft geht sofort an die Börse, geschweige denn in diesen wichtigsten Aktienindex. Voraussetzung dafür, dass die Wertpapiere eines Unternehmens an der Börse gehandelt werden, ist die Börsennotierung einer AG. Ist eine Aktiengesellschaft nicht an der Börse notiert, spricht man auch von der sogenannten „kleinen AG“.

 

Ihr Weg zur börsennotierten AG

Um den Börsengang abwickeln zu können und zur börsennotierten AG zu werden, muss ein Unternehmen in der Regel eines oder mehrere Finanzinstitute mit der Vorbereitung und Durchführung beauftragen, außer es handelt sich bei dem emittierenden Unternehmen selbst um eine Bank. Zudem muss ein gewisser Betrag als Haftungsgrundlage vorhanden sein. Der Wert des haftenden Eigenkapitals muss dabei mindestens 730.000 Euro betragen.

Zudem ist das Unternehmen dazu verpflichtet, vor dem Börsengang einen sogenannten Prospekt aufzulegen, in dem verschiedene Informationen wie z. B. die wirtschaftliche Situation des Unternehmens transparent dargestellt sind, um den zukünftigen Anlegern eine realistische Entscheidung hinsichtlich eines Investments zu ermöglichen. Ist diese Voraussetzung erfüllt, suchen die beauftragten Kreditinstitute, also das Bankenkonsortium unter der Leitung der führenden Bank, nach potentiellen Anlegern, die Interesse an den Anteilen des Unternehmens haben, das zur börsennotierten AG werden will.

Ihr erster Tag an der Börse

Vor dem Börsengang wird ein Preis festgesetzt, zu dem die Aktien am Tag der Erstnotiz ausgegeben werden. In der Regel gibt das Unternehmen eine Preisspanne an, innerhalb derer sich dann der tatsächliche Preis bewegt. Auf welche Art und Weise der Preis bestimmt wird, ist den emittierenden Finanzinstituten vorbehalten, denn sie bestimmen das Verfahren der Preisfestlegung. In der Regel richtet sich der Ausgabepreis nach dem Interesse der Großanleger, also den Investoren, die eine große Zahl an Anteilen kaufen.

Inwieweit der Börsengang von Erfolg gekrönt ist, zeigt sich am ersten Tag als börsennotierte AG. Denn ab diesem Tag können Anleger an der Börse die Anteile der börsennotierten AG erwerben. Damit wird auch das Interesse der Anleger an den Aktien des Unternehmens deutlich. Ein Absturz in den ersten Tagen ist keine Seltenheit, vor allem, wenn es sich bei der dann börsennotierten AG um ein bekanntes Unternehmen handelt. Hier wird die Bewertung des Unternehmens oftmals zu großzügig angesetzt und spiegelt nicht die Einstellung der Aktionäre wider. Die Konsequenz ist ein rasantes Abrutschen des Börsenkurses bereits am Tag der Erstnotiz. Um solchen Entwicklungen in den ersten Wochen als börsennotierte AG entgegenzuwirken, begleiten die Mitglieder des Bankenkonsortiums das Unternehmen meist noch einige Zeit. Diese haben in dieser Zeit die Möglichkeit, auf den Kurs korrigierend einzuwirken, indem sie bspw. einen Teil der Aktien zurückkaufen. Ob sich solch ein Vorgehen lohnt, bemisst sich nach den Kosten für eine potentielle Rückkaufaktion.

Quelle: Kirchhoff

 

Die Herausgabe neuer Aktien

Die Rechtsform AG bietet den Vorteil (Vor- und Nachteile einer AG), dass relativ schnell neues Kapital beschafft werden kann und das unabhängig von Banken und Krediten. Dabei erteilt die Hauptversammlung dem Vorstand durch Beschluss die Erlaubnis zur Kapitalerhöhung und dieser emittiert dann neue Aktien. Dadurch kann es sein, dass die Beteiligungen der Altaktionäre „verwässert“ werden, also der prozentuale Wert ihrer Anteile am Unternehmen geringer wird, weil mehr Firmenbeteiligungen ausgegeben werden. Angenommen, ein Unternehmen hat eine Million Aktien ausgegeben und ein Aktionär besitzt davon 100.000 Stück, also 10 %: Wenn die AG nun eine Million neue Aktien ausgibt und der Aktionär weiterhin 100.000 Stück davon hält, sinkt seine Unternehmensbeteiligung auf 5 % ab.

 

Börsennotierte AG: Veränderung der gesetzlichen Anforderungen

Für eine börsennotierte AG gelten andere – gesetzliche und nicht-gesetzliche – Regelungen als für eine nicht-börsennotierte AG. Das Unternehmen, das den Börsenhandel organisiert – die Deutsche Börse AG – schreibt den an der Börse gehandelten AGs vor, einmal im Quartal einen Geschäftsbericht zu veröffentlichen. Zudem muss jede börsennotierte AG laut Gesetz einen Bericht zur Corporate Governance auflegen. Darin wird beschrieben, ob und wie die Aktiengesellschaft die Vorschriften und Empfehlungen des Corporate Governance Index erfüllt. Werden Teile dieser Vorschriften-Sammlung nicht erfüllt, muss die börsennotierte AG erklären, warum die Vorgaben nicht eingehalten wurden.

Die Gründung einer eigenen AG war noch nie so einfach! Mit den AG-Gründungspaketen von firma.de erhalten Sie Ausfüllhilfen, Musterverträge, persönliche Beratung und mehr, damit Sie mit klarem Kopf durchstarten können.

Die auf unserer Seite veröffentlichten Informationen werden allesamt von Experten mit größter Sorgfalt verfasst und überprüft. Dennoch können wir nicht für die Richtigkeit garantieren, da Gesetze und Regelungen einem stetigen Wandel unterworfen sind. Ziehen Sie deshalb bei einem konkreten Fall immer einen Fachexperten hinzu – wir stellen gerne den Kontakt her.

firma.de übernimmt keinerlei Haftung für Schäden, die durch Fehler in den Texten entstanden sind.

Jetzt weiterstöbern im Ratgeber!