Was ist eine “kleine GmbH”?

aktualisiert am 29. August 2018 8 Minuten zu lesen
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Die kleine GmbH ist unter mehreren Namen bekannt: Mini-GmbH, 1-Euro-GmbH, UG oder auch Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt). Dahinter verbirgt sich die kleine Schwester der GmbH, die mit einigen Vorteilen aufwarten kann. Mehr dazu finden Sie in diesem Artikel.

 

Definition “kleine GmbH” bzw. Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)

Die Unternehmergesellschaft (UG) ist die kleine Variante der GmbH und erhält daher auch immer wieder verniedlichende Begriffe wie “Mini-GmbH”. Die Besonderheit an dieser Rechtsformvariante ist, dass eine UG bereits ab einem Euro Stammkapital gegründet werden kann. Zum Vergleich: für die GmbH werden 25.000 Euro benötigt. Ansonsten unterscheiden sich die Rechtsformen GmbH und Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) aus rechtlicher Sicht nur geringfügig voneinander.

Die UG wurde für Personen eingerichtet, die nur wenig Startkapital zur Verfügung haben, sich aber trotzdem mit einer beschränkten Haftung selbständig machen wollen. Bei der kleinen GmbH ist die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt. Dazu sind einige Besonderheiten zu beachten, die weiter unten erwähnt werden. Im 2008 erlassenen Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) wurde die Unternehmergesellschaft bzw UG (haftungsbeschränkt) als Rechtsform in das GmbH-Gesetz aufgenommen und seitdem ist es zahlreichen Gründern möglich, mit einem vereinfachten Gründungsverfahren selbständig zu werden.

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Was ist an der kleinen GmbH so besonders?

Die wohl größte Besonderheit der kleinen GmbH ist, dass zur Gründung der UG bereits ein Euro Stammeinlage ausreicht. Das bedeutet, dass bei zwei Gesellschaftern bei der Gründung ein Stammkapital von lediglich zwei Euro eingezahlt werden muss. In der Realität sieht das natürlich etwas anders aus: Die meisten UG-Gründer starten mit einem Stammkapital zwischen 500 und 1.000 Euro. Bei dem Mindeststammkapital von einigen Euro wäre die Mini-GmbH sonst bereits nach dem Kauf weniger Briefmarken pleite. Wichtig ist, dass das festgesetzte Stammkapital vor der Handelsregistereintragung vollständig als Bareinlage eingebracht wird. Sacheinlagen sind bei der UG-Gründung nicht möglich.

Die zweite Besonderheit der kleinen GmbH ist die Thesaurierungspflicht. Thesaurierungs- oder auch Rücklagenpflicht bedeutet, dass vom jährlichen Gewinn 25 % als Rücklagen eingestellt werden müssen. Sobald ein Stammkapital von 25.000 Euro erreicht ist, kann die UG zur GmbH umfirmiert werden, muss aber nicht: Unternehmer haben die Wahl, ob sie zur GmbH umfirmieren oder ihr Unternehmen als UG weiterführen.

Weiterhin ist die Gründung einer kleinen GmbH günstiger als die einer vollwertigen GmbH. Bei einer UG kann zusätzlich zu den geringeren Gründungskosten nämlich ebenfalls mit einem sogenannten Musterprotokoll gegründet werden. Dieses vereint mehrere Dokumente: die Satzung, die Gesellschafterliste sowie die Geschäftsführerbestellung. Dabei sollten Sie allerdings beachten, dass die Gründung mit einem Musterprotokoll nur mit maximal drei Gesellschaftern und einem Geschäftsführer möglich ist, weiterhin können zusätzliche Regelungen wie beispielsweise das Verhältnis der Gesellschafter untereinander nicht hinzugefügt werden. Ein Musterprotokoll beschleunigt den Gründungsprozess und senkt zugleich die Notarkosten. Mit welchen Kosten bei der UG-Gründung mit oder ohne Musterprotokoll zu rechnen ist, erfahren Sie im Übersichtsdokument der IHK Berlin.

 

Haftung der kleinen GmbH

Einer der größten Vorteile der kleinen GmbH gegenüber anderen Rechtsformen und auch gegenüber der GmbH ist die beschränkte Haftung, die Sie bei der UG zu guten Konditionen erhalten. Allerdings sollten Sie beachten, dass eine UG in Gründung, also vor dem Handelsregistereintrag, noch keine Haftungsbeschränkung aufweist. Diese kommt erst zum Tragen, sobald der Handelsregistereintrag erfolgt ist. Sobald die Eintragung vorgenommen wurde, haften die Gesellschafter der kleinen GmbH nur mit dem Gesellschaftsvermögen.

 

Fazit: Vor- und Nachteile der kleinen GmbH

Viele Gründer profitieren von den Vorteilen der kleinen GmbH wie der Haftungsbeschränkung, dem geringen Startkapital und den niedrigen Gründungskosten. Doch die Unternehmergesellschaft bringt die Thesaurierungspflicht mit sich, bei der die Unternehmer jährlich 25 % ihres Gewinns einstellen müssen — doch was häufig als Nachteil gesehen wird, bringt den Vorteil der Haftungssicherheit mit sich.

Weiterhin hat die UG auch kein so gutes Image wie ihre große Schwester, die GmbH, was an den vereinfachten Gründungsbedingungen liegt. Gründer einer GmbH werden oft positiver eingestuft als die einer UG, da mehr Kapital in die Unternehmung fließen. Geschäftspartner sind bei Unternehmergesellschaften immer etwas vorsichtig beim Vertragsabschluss.

Ein weiterer Nachteil der UG kann auch die Versteuerung sein: Im Gegensatz zu Personengesellschaften müssen Sie wie bei allen anderen Kapitalgesellschaften Körperschafts- und Gewerbesteuer abführen, ebenso wie Vor- und Umsatzsteuer sowie Abgeltungssteuer bei einer Gewinnausschüttung. Des Weiteren sind Gründer einer UG oder GmbH auch zur doppelten Buchführung und dem Jahresabschluss verpflichtet, was gerade für Existenzgründer schwierig sein kann.

Wer trotzdem günstig und haftungsbeschränkt gründen möchte, ist mit einer kleinen GmbH gut beraten. Dadurch, dass das Stammkapital durch die Rücklagen stetig aufgestockt wird, ist auch eine spätere Umwandlung zu einer “vollwertigen” GmbH ohne Schwierigkeiten möglich.

 

Nach der Gründung: Auf die korrekte Bezeichnung achten!

Die Unternehmergesellschaft hat viele nette Namen verliehen bekommen, doch Gründer sollten darauf achten, die Rechtsformbezeichnung auch korrekt zu verwenden. Ihre Firma darf nämlich nicht “Haarpracht kleine GmbH” oder “Blumentraum Mini-GmbH” lauten, sondern muss den Zusatz “UG (haftungsbeschränkt)” oder “Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)” führen. Dabei muss “haftungsbeschränkt” zwingend ausgeschrieben werden, eine Abkürzung ist nicht erlaubt. Eine Verwendung der alternativen, umgangssprachlichen Namen der UG wie “Mini-GmbH” o.ä. ist bei der Firmierung ebenfalls nicht zulässig. Auch für Ihre Geschäftsbezeichnung dürfen Sie keine irreführende Bezeichnung verwenden; dies wäre bei “Mini-GmbH” eindeutig der Fall, denn obwohl die UG streng genommen eine GmbH ist, unterscheidet sich die Rechtsformbezeichnung.

Was Sie bei der Suche nach dem passenden Namen für Ihre Unternehmergesellschaft außerdem beachten müssen, können Sie in diesem Ratgeberartikel nachlesen.

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