Haftung bei GmbH-Gesellschaftern

7. März 2016 9 Minuten zu lesen
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Neben Geschäftsführern und Mitarbeitern üben Gesellschafter eine besonders wichtige Funktion für eine GmbH und deren Bestehen aus, denn sie sind die Kapitalgeber der „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“. Was es bei der Haftung der Gesellschafter einer GmbH zu beachten gilt und wann ein Gesellschafter persönlich haftet, erfahren Sie bei firma.de.

Die GmbH ist eine Gesellschaftsform, bei der die beteiligten Gesellschafter grundsätzlich keine persönliche, sondern nur eine beschränkte Haftung gewähren. Die Haftung der Gesellschafter einer GmbH beschränkt sich dabei in der Regel auf die Stammeinlage, die sie zu Beginn geleistet haben. Trotzdem können auch GmbH-Gesellschafter in extremen Ausnahmefällen zur persönlichen Haftung mit dem Privatvermögen herangezogen werden. Doch wer haftet in Ausnahmefällen bei der GmbH? Können Gesellschafter einer GmbH mit dem Privatvermögen haften? Und wenn die GmbH insolvent ist, wer haftet dann? In vielen Fällen der Pflichtverletzung durch einen Gesellschafter kommt die sogenannte Durchgriffshaftung zum Zuge, die verschiedene Ursachen haben kann.

 

Durchgriffshaftung: Wann haftet ein GmbH-Gesellschafter mit seinem Privatvermögen?

1) Persönliche Haftung des GmbH-Gesellschafters bei Vermögensmischung

Die erste Ausnahme, bei der ein GmbH-Gesellschafter zur persönlichen Haftung herangezogen werden kann, ist, wenn eine Vermögensmischung vorliegt. Wie der Begriff bereits sagt, geht es hierbei um eine Vermischung der Gesellschafts- und Privatvermögen. Eine Vermischung dieser Vermögen liegt dann vor, wenn zwischen beiden keinerlei Unterscheidungen gemacht werden können. GmbH-Gesellschafter können diese Form der persönlichen Haftung durch eine ordnungsgemäße Buchhaltung umgehen, damit das Gesellschaftsvermögen immer eindeutig nachgewiesen werden kann und getrennt vom Privatvermögen gehalten wird.

2) Haftung des GmbH-Gesellschafters mit Privatvermögen bei Unterkapitalisierung

Die GmbH sollte mit ausreichend Stammkapital ausgestattet sein, um einem Scheitern des Unternehmens vorzubeugen. Das in der Satzung angegebene Stammkapital muss von den GmbH-Gesellschaftern eingebracht werden und ist zudem im Handelsregister einzusehen. Eine Unterkapitalisierung tritt dann ein, wenn das Stammkapital dem angestrebten Geschäftszweck und der Betriebsgröße der GmbH „nicht angemessen ist“. Hierzu gibt es jedoch bislang keine klaren gesetzlichen Reglungen, so dass die Frage der persönlichen Haftung des Gesellschafters im jeweiligen Einzelfall beurteilt werden muss

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3) Privathaftung des GmbH-Gesellschafters bei Verlustdeckungshaftung oder Unterbilanzhaftung bei einer GmbH in Gründung

Nach der Gründung beim Notar, doch vor der Eintragung ins Handelsregister, besteht die GmbH als sogenannte Vor-GmbH bzw. als GmbH in Gründung/GmbH i.G.. Diese ist quasi gegründet, sobald der Gesellschaftsvertrag notariell beurkundet wurde. Ab diesem Moment und bis zur Eintragung ins Handelsregister haftet die GmbH mit ihrem gesamten Vermögen und die Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen. Die „beschränkte Haftung“ der Gesellschafter setzt also erst mit der Eintragung ins Handelsregister ein. Sollten also Geschäfte vor der Eintragung in das Handelsregister vorgenommen werden und das Geschäftsvermögen der Gesellschaft reicht für diese nicht aus, können GmbH-Gesellschafter persönlich zur Haftung gezogen werden. Dabei handelt es sich um eine so genannte Verlustdeckungshaftung. Gläubiger können dann direkte Ansprüche gegenüber den Gesellschaftern geltend machen.

Sollten Einlagen entnommen werden, die das Stammkapital vor der Eintragung mindern, kommt es zur Unterbilanz. Auch in diesem Fall wird die Haftung der GmbH-Gesellschafter auf ihr Privatvermögen ausgeweitet.

firma.de Tipp: Handeln Sie nicht zu voreilig. Nehmen Sie Ihre Geschäfte im Idealfall erst nach der Eintragung ins Handelsregister vor. So können Haftungsfälle mit dem Privatvermögen vermieden werden. Die Eintragung in das Handelsregister erfolgt in der Regel innerhalb von zwei Wochen nach Einreichen der Anmeldung.

4) Persönliche Haftung des GmbH-Gesellschafters bei Nicht-Einzahlen der Stammeinlage

Wenn bei einer Gründung mit mehreren Gesellschaftern ein Gesellschafter seine in der Satzung festgelegte Stammeinlage nicht einbringen kann, muss er unter Umständen Verzugszinsen zahlen, kann auf Schadensersatz verklagt werden oder ein Kaduzierungsverfahren wird gegen ihn eingeleitet. Die private Haftung des GmbH-Gesellschafters ist dann nicht zu vermeiden. Eine Nicht-Zahlung der Einlage kann außerdem einen Ausschluss aus der Gesellschaft zur Folge haben. Da es bei der GmbH die Verpflichtung zur Leistung von Stammeinlagen gibt, haften die übrigen GmbH-Gesellschafter unter Umständen mit ihrem Privatvermögen, wenn ein Gesellschafter seine Einlage nicht einbringen kann. Die übrigen GmbH-Gesellschafter können dann verpflichtet werden, das ausstehende Stammkapital nach dem Verhältnis ihrer Anteile einzuzahlen. Diese Form der Haftung wird auch als Ausfallhaftung bezeichnet.

5) Persönliche Haftung des GmbH-Gesellschafters bei Existenzvernichtungshaftung

Grundsätzlich haften GmbH-Gesellschafter nicht für Verbindlichkeiten der Gesellschaft. Trotzdem können GmbH-Gesellschafter haften, wenn sie das GmbH-Vermögen schädigen. Grundsätzlich kann man sagen, dass es zum existenzvernichtenden Eingriff oder der Existenzvernichtungshaftung kommt, wenn Gesellschafter aus dem Unternehmen Kapital entnehmen und das Unternehmen dadurch in die Insolvenz gerät. Dabei gibt es verschiedene Aspekte zu beachten, die für das Eintreten der Existenzvernichtungshaftung relevant sind:

  • Fand die Kapitalentnahme des GmbH-Gesellschafters statt, um die GmbH zu schädigen?
  • Tritt die Insolvenz aufgrund der Kapitalentnahme ein?
  • Wurde das Geld aus betriebsfremden Zwecken entnommen?

 

6) Haftung des GmbH-Gesellschafters mit Privatvermögen bei Differenzhaftung

Sollte ein Gesellschafter sich dazu entscheiden, seine vollständige Stammeinlage als Sacheinlage in die GmbH einzubringen, ist es wichtig, dass die Sacheinlage dem Wert des Geschäftsanteils zu 100 % entspricht. Im Falle einer Wertminderung der Sacheinlage, muss der Restbetrag durch Bareinzahlungen ausgeglichen werden. Dies gilt sowohl bei der Gründung einer GmbH als auch bei einer Kapitalerhöhung.

7) Privathaftung des GmbH-Gesellschafters bei unrechtmäßigen Auszahlungen an Gesellschafter

Es dürfen grundsätzlich keine Auszahlungen an einen Gesellschafter getätigt werden, wenn diese Zahlungen das Stammkapital der Gesellschaft negativ beeinflussen. Der Gesellschafter ist daher sofort zur Rückzahlung einer solchen Auszahlung verpflichtet. Wenn ein Gesellschafter den Betrag nicht zurückzahlen kann, müssen gegebenenfalls die anderen Gesellschafter anteilig haften.

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8) Haftung mit Privatvermögen bei Insolvenz der GmbH

Bei einer Insolvenz der GmbH haftet meist nur der Geschäftsführer. Die Gesellschafter haften seit dem “Trihotel” Beschluss von 2007 nur dann, wenn sie durch Vorsatz oder Verschulden Mitschuld an der Insolvenz tragen. Selbst dann haften GmbH-Gesellschafter aber nur im Innenverhältnis für den schädigenden Eingriff. Ein unmittelbarer Schadensersatzanspruch der Gläubiger gegen die Gesellschafter besteht nicht mehr.

Durch ein Holding-Modell können Gesellschafter sich zusätzlich vor persönlicher Haftung schützen. Anstatt einer natürlichen Person hat eine GmbH innerhalb einer Holding ein Mutterunternehmen als Gesellschafterin. Die Gründer wiederum besitzen die Anteile an der Mutter. Wie eine Holding funktioniert, können Sie hier nachlesen.

 

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