Gutachten in Minuten statt Stunden: Wie Gründer Ali Isikoglu Sachverständige mit KI entlastet

aktualisiert am 18. August 2026 10 Minuten zu lesen
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Ein Gutachten muss fachlich präzise, nachvollziehbar und im Zweifel auch vor Gericht belastbar sein. Doch ausgerechnet hochqualifizierte Sachverständige verbringen einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit nicht mit der eigentlichen Begutachtung, sondern mit Formulierungen, Formatierung und Verwaltung. Gleichzeitig wird der Nachwuchs knapper und die Nachfrage nach Sachverständigen bleibt hoch.

Genau hier setzt Ali Isikoglu mit GutachtenPilot an. Die KI-gestützte Software soll Sachverständigen die zeitaufwendige Dokumentationsarbeit abnehmen, während Prüfung und Verantwortung weiterhin vollständig beim Menschen bleiben. In unserer Interview-Reihe FounderFace erzählt Ali, wie die Idee aus seiner eigenen Arbeit entstand, warum er als Nicht-Entwickler besonders viel Wert auf Qualitätssicherung legt und weshalb KI für kleine Unternehmen zum entscheidenden Verstärker werden kann.

Ali, was macht dein Unternehmen?ali isokoglu

GutachtenPilot ist ein KI-Assistent für Sachverständige. Aus Fotos und den Angaben des Gutachters entsteht innerhalb weniger Minuten ein professionell aufgebautes Gutachten. Die KI übernimmt dabei vor allem zeitintensive Fleißarbeit – die fachliche Prüfung, Korrektur und finale Verantwortung bleiben immer beim Sachverständigen.

Dadurch lässt sich die Produktivität deutlich steigern: Statt drei bis vier Gutachten pro Woche können Sachverständige mit unserer Unterstützung je nach Fall künftig 15 bis 30 Gutachten erstellen. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, den Sachverstand durch KI zu ersetzen. Im Gegenteil: Wir wollen Fachleuten mehr Zeit für genau die Arbeit geben, für die ihre Expertise wirklich gebraucht wird. GutachtenPilot ist KI-gestützt und DSGVO-konform.

Was ist deine Mission und welches Problem möchtest du lösen?

Der Gutachtenmarkt steht vor einem wachsenden Problem: Es gibt immer weniger Sachverständige, gleichzeitig steigt der Altersdurchschnitt und die Nachfrage ist deutlich höher als das Angebot. Hinzu kommt, dass die Erstellung eines Gutachtens auch heute noch unnötig viel Zeit beansprucht. Ein großer Teil davon fließt nicht in die eigentliche fachliche Bewertung, sondern in Formulierungen, Formatierungen und Verwaltungsaufgaben.

Unsere Mission ist deshalb, die zeitliche Wirtschaftlichkeit von Sachverständigen deutlich zu verbessern, ohne Abstriche bei der fachlichen Qualität zu machen. Die KI verstehen wir dabei bewusst als Hilfsassistenten. Sie nimmt Arbeit ab, aber sie trifft nicht die finale fachliche Entscheidung. Der Sachverständige prüft und korrigiert das Ergebnis, passt es mit seinem eigenen Sachverstand an und trägt weiterhin die volle Verantwortung.

So wollen wir ermöglichen, dass ein Gutachter, der bisher drei bis vier Gutachten pro Woche erstellen konnte, künftig 15 bis 30 schafft – bei gleicher Sorgfalt und mit dem Anspruch, dass die Ergebnisse auch vor Gericht Bestand haben.

Wer steckt hinter GutachtenPilot?

Hinter der AI.S GutachtenPilot GmbH stehe ich, Ali Isikoglu, als alleiniger Gründer und Geschäftsführer. Die Idee ist direkt aus der Praxis entstanden. In unserer Ewig Bau GmbH wurden wir von Auftraggebern immer wieder um Gutachten und fachliche Einschätzungen gebeten. Auch wenn es sich dabei nicht immer um förmliche Sachverständigengutachten handelte, habe ich regelmäßig entsprechende Einschätzungen abgegeben.

Irgendwann haben mein Bruder und ich beschlossen, diesen Bereich weiter zu professionalisieren und auf Sachverständigen-Ebene auszubauen. Dafür bin ich in die Gutachterschule gegangen und habe meine Ausbildung zum Sachverständigen für Bauschadenbewertung absolviert. Dort ist mir erneut aufgefallen, was ich bereits aus der Praxis kannte: Ein Gutachten zu erstellen dauert enorm lange – und viele der dafür notwendigen Arbeitsschritte könnten mit heutigen technischen Möglichkeiten wesentlich effizienter gestaltet werden. Aus dieser Erfahrung heraus ist GutachtenPilot entstanden. Mein Bruder hat mich von Anfang an finanziell und moralisch unterstützt, auch wenn ich das Unternehmen selbst als Einzelgründer führe.

Eine Besonderheit ist außerdem, dass ich das Produkt als Nicht-Entwickler aufgebaut habe. Dafür habe ich ein mehrstufiges, KI-gestütztes Entwicklungs- und Prüfsystem etabliert: Änderungen werden entwickelt, unabhängig geprüft und erst anschließend von mir persönlich freigegeben. Wie ernst wir die technische Weiterentwicklung nehmen, zeigt sich auch darin, dass hinter GutachtenPilot inzwischen 66 Patentansprüche stehen.

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Was sind derzeit die größten Herausforderungen für dein Unternehmen?

Unsere größte Herausforderung ist aktuell, Sichtbarkeit und Vertrauen in einem sehr qualitätsbewussten und eher konservativen Markt aufzubauen. Ein Gutachten ist kein beliebiges Dokument. Es ist ein Vertrauensprodukt und kann im Zweifel vor Gericht eine wichtige Rolle spielen. Bevor ein Sachverständiger eine neue Software in seinen Arbeitsalltag integriert, muss er deshalb darauf vertrauen können, dass sie zuverlässig arbeitet und die notwendigen rechtlichen Anforderungen berücksichtigt. Dieses Vertrauen bekommt man nicht automatisch – man muss es sich Schritt für Schritt erarbeiten.

Gleichzeitig stehen wir vor einem interessanten Widerspruch: Der Sachverständigenmangel macht unser Produkt besonders relevant. Doch genau deshalb ist unsere Zielgruppe häufig stark ausgelastet und hat wenig Zeit, sich mit neuen Werkzeugen auseinanderzusetzen. Als schlankes Unternehmen, das im Kern von einer Person geführt wird, müssen wir bei Reichweite und Wachstum deshalb sehr fokussiert vorgehen. KI und Automatisierung nutzen wir nicht nur innerhalb unseres Produkts, sondern auch für unsere eigenen Prozesse. Sie sind gewissermaßen unser Team-Verstärker.

Was war die größte Schwierigkeit während der Gründung?

Die größte Schwierigkeit war für mich, als Nicht-Entwickler ein Produkt zu bauen, das technisch anspruchsvoll, rechtssicher und vor allem wirklich verlässlich ist. Bei einem Gutachten darf nichts nur „ungefähr“ stimmen. Ein falscher Wert oder eine unbelegte Aussage kann ausreichen, um Vertrauen dauerhaft zu beschädigen. Deshalb war für mich irgendwann klar, dass Geschwindigkeit beim Entwickeln allein nicht der richtige Maßstab sein kann.

Der entscheidende Schritt war, ein konsequentes Qualitätssystem einzuführen, statt einfach möglichst schnell Funktionen zu veröffentlichen. Heute durchläuft jede einzelne Änderung feste Prüfstufen: automatisierte Tests, eine unabhängige Kontrolle und anschließend meine bewusste Freigabe als letzte Instanz. Am Anfang war dieser Prozess unbequemer und langsamer. Langfristig hat er uns aber schneller gemacht, weil ich mich darauf verlassen kann, dass das, was beim Nutzer ankommt, auch hält. Gerade im Sachverständigenbereich ist diese Verlässlichkeit für mich entscheidend.

Welchen Rat würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben?

Drei Dinge sind für mich besonders wichtig. Erstens: Löse ein echtes, schmerzhaftes Problem, das du selbst kennst. Meine beste Idee ist nicht am Whiteboard entstanden, sondern aus der eigenen Arbeit. Wer ein Problem selbst erlebt hat, versteht häufig viel genauer, welche Lösung tatsächlich gebraucht wird. Zweitens: Baue Qualität und Ehrlichkeit von Anfang an in dein Produkt ein, statt sie später nachrüsten zu wollen. Gerade bei Produkten, bei denen Vertrauen entscheidend ist, kann ein Werkzeug, das einmal gravierend falsch liegt, dieses Vertrauen sehr schnell verspielen. Und drittens: Nutze die heutigen KI- und Automatisierungswerkzeuge konsequent – gerade als kleines Team. Eine einzelne Person kann heute Dinge entwickeln, prüfen und organisieren, für die vor wenigen Jahren noch eine ganze Abteilung notwendig gewesen wäre.

Was ich selbst gerne früher gewusst hätte: Disziplin beim Testen ist kein Bremsklotz. Im Gegenteil. Ein sauberer Prozess ist am Ende genau das, was einem Geschwindigkeit gibt.

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Wie hat firma.de dich auf deinem Weg unterstützt?

firma.de hat mich bei der Gründung der AI.S GutachtenPilot GmbH begleitet und beraten. Gerade als Gründer, der seine Energie in das Produkt und die fachliche Arbeit stecken möchte, war es für mich enorm wertvoll, die formalen und rechtlichen Schritte der Gründung in erfahrenen Händen zu wissen. Dadurch konnte ich mich auf das konzentrieren, was GutachtenPilot ausmacht, statt einen großen Teil meiner Zeit mit den Formalitäten einer GmbH-Gründung zu verbringen.

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