Aufbewahrungsfristen 2022 – Das müssen Sie wissen

aktualisiert am 15. März 2022 7 Minuten zu lesen
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Wer verhindern will, dass das Finanzamt die Besteuerungsgrundlagen einschätzt und dadurch finanzielle Nachteile entstehen, sollte die Aufbewahrungsfristen für wichtige Dokumente beachten. Welche Aufbewahrungsfristen es für Steuerunterlagen, Lohnunterlagen und weitere Dokumente bei der Buchführung zu beachten gilt, erfahren Sie hier.

 

Aufbewahrungsfristen für Dokumente: Überblick

Dokumenttyp Aufbewahrungsfrist
Geschäftliche Unterlagen, die als Buchungsgrundlage dienen, z. B.

  • Steuerbescheide (bestandskräftig)
  • Lohnsteuerunterlagen
  • Lohnlisten
  • Jahresabschlüsse
  • Bilanzen
  • Buchungsbelege
  • Aktennotizen
  • Kontoauszüge
  • Kassenberichte
  • Quittungen und Aufzeichnungen über Warenbestandsaufnahmen
  • Buchhaltungsdaten der betrieblichen EDV
  • Lieferscheine (mit einigen Ausnahmen)
10 Jahre
Geschäftliche Unterlagen, z. B.

  • Angebotsschreiben ohne Vertragsabschluss
  • Preislisten
  • Unternehmensinterne Dokumente
  • Businesspläne
6 Jahre
Weitere Steuerunterlagen, z. B.

  • Freistellungsbescheinigungen
  • Abrechnungen für Reisekosten
  • Arbeitszeitlisten
  • Fahrtenbücher
6 Jahre
Arbeitsrechtliche Dokumente, z. B. Arbeitszeugnisse 3 Jahre
Gerichtliche und anwaltliche Unterlagen, z. B.

  • Mahnbescheide
  • Prozessakten
  • Urteile
30 Jahre
Unterlagen zur Berechnung von Rente und Pension, z. B.

  • Arbeitsverträge
  • Gehaltsabrechnungen
  • Sozialversicherungsunterlagen
30 Jahre

Die gesetzliche Aufbewahrungsfrist betrifft mehrere Gruppen von Unterlagen. Alle geschäftlichen Dokumente müssen für einen bestimmten Zeitraum aufbewahrt werden als Nachweis für eine Betriebsprüfung.

Für wen gelten Aufbewahrungsfristen?

Aufbewahrungsfristen betreffen Unternehmen, die mindestens einen Umsatz von 500.000 Euro und einen Gewinn von 50.000 Euro im Jahr erwirtschaften.

Wann beginnt eine Aufbewahrungsfrist?

  • beginnt zum Ende des Kalenderjahres und variiert je nach Typ des Dokuments
  • Bei Handels- und Geschäftsbriefen gilt das Datum der Absendung oder des Empfangs, bei laufenden Aufzeichnungen das des letzten Eintrages
  • Für sonstige Unterlagen gilt ihr jeweiliges Entstehungsdatum
  • geregelt im § 257 HGB, § 147 AO und § 14 UStG
  • je nach Branche können zudem spezielle Gesetze und Verordnungen relevant sein

 

Mögliche rechtliche Konsequenzen

Beim Verdacht der Steuerhinterziehung können Probleme auftreten, wenn Geschäftsunterlagen unvollständig oder gar nicht vorliegen.

Die Strafverfolgungsfrist beginnt mit dem Erhalt des Steuerbescheids. In der Regel wird eine Steuerhinterziehung, die weniger als fünf Jahre zurückliegt, mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet Bei besonders schweren Fällen, beispielsweise als Mitglied einer Gruppe von Steuerhinterziehern, kann die Frist auch doppelt so lang sein. Auch nach der Verfolgungsfrist kann das Finanzamt eine Nachzahlung der Steuern inklusive Zinsen einfordern. Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass die Verjährungsfristen unterbrochen werden, etwa durch ein Bußgeldverfahren oder gar einen Haftbefehl.

Richtige Aufbewahrung

Um rechtliche Probleme und Nachzahlungen zu vermeiden, ist eine gewissenhafte Archivierung die Grundvoraussetzung. Dazu ist eine konsequente, systematische Ablage erforderlich. Das System sollte auch für Dritte nachvollziehbar sein, wenn z. B. der zuständige Mitarbeiter wechselt. Sie können übrigens alle aufbewahrungspflichtigen Unterlagen (außer Jahresabschluss und Eröffnungsbilanz) in digitaler Form aufbewahren. Dann sollte allerdings gewährleistet sein, dass die Daten auch nach einigen Jahren problemlos abrufbar sind. Wählen Sie zu diesem Zweck eine Cloud-Lösung oder beständige Speichermedien wie externe Festplatten. DVDs oder CDs sind als dauerhafte Speichermedien nicht geeignet.

 

Allgemeine Aufbewahrungsfristen für Geschäftsunterlagen 2022

  • Dokumente, die der Buchungsgrundlage dienen: 10 Jahre 
    • Lohnunterlagen, die für die betriebliche Gewinnermittlung benötigt werden: Lohnsteuerunterlagen, Jahresabschlüsse, Lohnlisten
    • Buchungsbelege: z. B. Steuerbescheide*, Aktennotizen, Kontoauszüge, Kassenberichte, Quittungen und Aufzeichnungen über Warenbestandsaufnahmen
    • Buchhaltungsdaten der betrieblichen EDV
  • Andere Dokumente: 6 Jahre
    • Angebotsschreiben ohne Vertragsabschluss
    • Preislisten
    • Unternehmensinterne Dokumente
    • Businesspläne

*Bei der zehnjährigen Aufbewahrungsfrist für Steuerbescheide gilt es zu beachten, dass sie nur dann gilt, wenn alle Steuerbescheide bestandskräftig sind.

Tipp: Ausnahmen gelten für Kleinunternehmer und Selbständige ohne Mitarbeiter

 

Aufbewahrungsfrist für die Bilanz 2022

Auch die Aufbewahrungsfrist für Bilanzen, im Speziellen Jahresbilanzen, beträgt zehn Jahre. 

  • Unterlagen aus dem Jahr 2012: Ende 2022
  • Unterlagen aus dem Jahr 2022: Ende 2032

 

Aufbewahrungsfristen für Steuerunterlagen 2022

Für Unterlagen, die die Lohnsteuer betreffen, gilt eine Aufbewahrungsfrist von sechs Jahren. Dazu gehören folgende Arten an Dokumenten:

Das bedeutet für Sie:

  • Steuerunterlagen datiert auf 2016: Ende 2022
  • Steuerunterlagen datiert auf 2022: Ende 2028

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Aufbewahrungsfristen für Lieferscheine 2022

Eine besondere Gesetzesänderung, die 2017 beschlossen wurde, betrifft Lieferscheine und deren Aufbewahrungsfrist. Seit Inkrafttreten des Zweiten Bürokratieentlastungsgesetzes (BEG II) gilt seit 1.1.2017:

Empfangene Lieferscheine können entsorgt werden, wenn die entsprechenden Rechnungen alle Informationen beinhalten, die auf dem Lieferschein stehen.

Aber Vorsicht, jede Regel hat auch ihre Ausnahmen:

  • Belegfunktion oder Rechnungsbestandteil: Wenn Lieferscheine als Belege oder Bestandteil der Rechnung gelten, sind sie von der Gesetzesänderung ausgenommen. Sie müssen wie gehabt 10 Jahre aufbewahrt werden.
  • Ausstellungsdatum: Eine Aufbewahrungspflicht besteht außerdem, wenn die Datumsangabe auf der Rechnung nicht der des Lieferscheines entspricht.
  • Bilanzpflichtige Unternehmen: Lieferscheine dienen als Buchungsbelege mit Aufbewahrungsfrist von 10 Jahren

Bis 2017 galten alle Lieferscheine auch dann aufbewahrungspflichtig, wenn sich die Angaben aus den Rechnungen ergaben und mussten zehn Jahre aufbewahrt werden, wenn sie als Buchungsbeleg dienten. Ansonsten mussten sie sechs Jahre aufgehoben werden.

 

Aufbewahrungsfristen für rechtliche Unterlagen

Für arbeitsrechtliche Unterlagen gilt folgendes: Für Unterlagen wie Arbeitszeugnisse beträgt die Aufbewahrungsfrist drei Jahre.

  • Zeugnisse aus dem Jahr 2019: Ende 2022
  • Zeugnisse aus dem Jahr 2022: Ende 2025

Für Unterlagen, die gerichtliche Verfahren betreffen, gilt die Aufbewahrungsfrist 30 Jahre lang, beispielsweise für Mahnbescheide, Prozessakten oder Urteile.

  • Rechtsdokumente datiert auf 1992: Ende 2022
  • Rechtsdokumente datiert auf 2022: Ende 2052

 

Aufbewahrungsfristen für Dokumente zur Rentenberechnung

Auch Unterlagen im Zusammenhang mit Altersvorsorge über Pensionsklassen und Rente gilt eine Aufbewahrungsfrist von 30 Jahren. Dazu zählen:

  • Arbeitsverträge
  • Gehaltsabrechnungen
  • Sozialversicherungsunterlagen

 

Fazit

Diese Übersicht soll Ihnen dabei helfen, Ordnung in Ihren Dokumenten zu schaffen und bei Steuerprüfungen die richtigen Belege zum richtigen Zeitpunkt nachweisen zu können. Beachten Sie jedoch, dass die Gesetzeslage sich immer ändern kann. Am Jahresende sollten Sie sich daher über eventuelle Änderungen informieren. Wie Sie Datenmüll, Dokumente und Unterlagen richtig entsorgen, lesen Sie hier.

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