Der GmbH-Geschäftsführer: Was Sie wissen müssen

9. Oktober 2017 15 Minuten zu lesen
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Wer ist Geschäftsführer einer GmbH? Was zeichnet den GmbH-Geschäftsführer aus? Wer darf als Geschäftsführer eingesetzt werden und wie sehen seine Rechte und Pflichten aus? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie hier in unserem Ratgeber.

Der Geschäftsführer einer GmbH ist gesetzlicher Vertreter der Gesellschaft und dazu befugt, Geschäfte eigenständig und im Namen des Unternehmens zu tätigen. Doch was sind die Voraussetzungen, um GmbH-Geschäftsführer zu werden? Und wie wird der GmbH-Geschäftsführer bestellt, was sind seine Rechte, Aufgaben und Pflichten? Welche Details sind beim Geschäftsführervertrag zu beachten, wie etwa Geschäftsführergehalt oder die Regelung für Insichgeschäfte? Wie kann der Geschäftsführer abberufen werden und was, wenn eine GmbH plötzlich ohne Geschäftsführer dasteht? Wie funktioniert die Geschäftsführerhaftung und was kann die Gesellschaft tun bei Privatinsolvenz des Geschäftsführers? Antworten auf diese und viele andere Fragen rund um den Geschäftsführer finden Sie hier.

 

Bestellung des GmbH-Geschäftsführers

Die Bestellung des Geschäftsführers einer GmbH erfolgt generell per Gesellschafterbeschluss. Mit der Einberufung vertritt der frisch gewählte Geschäftsführer die GmbH gerichtlich und außergerichtlich. Möglich sind verschiedene Szenarien, es können ein bis zwei oder auch mehr Geschäftsführer bestellt werden. Erst durch Einberufung durch die Gesellschafterversammlung wird der Geschäftsführer bestellt.

GmbH-Geschäftsführer und seine Voraussetzungen: Wer darf eigentlich GmbH-Geschäftsführer werden?

Im GmbHG ist ausdrücklich erläutert, wer Geschäftsführer einer GmbH werden darf, nämlich nur “eine natürliche und voll geschäftsfähige Person”. Das bedeutet, dass keine juristische Person wie etwa ein anderes Unternehmen Geschäftsführer einer GmbH werden darf, sondern nur eine Einzelperson. Eine GmbH als Geschäftsführer ist somit grundsätzlich vom Gesetz her ausgeschlossen. Der Zusatz “geschäftsfähig” bedeutet, dass nur Personen über 18 Jahre, die ihre Vermögensangelegenheiten selbst verwalten dürfen, zum Geschäftsführer berufen werden können: insolvente Personen oder Minderjährige dürfen somit kein GmbH-Geschäftsführer werden.

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Gesellschafter-Geschäftsführer und Fremdgeschäftsführer der GmbH

In einer GmbH gibt es mehrere Anstellungsmöglichkeiten des Geschäftsführers: er kann Anteilseigner (Gesellschafter) sein oder aber Angestellter des Unternehmens und somit Fremdgeschäftsführer. Ein Geschäftsführer mit Anteilen, ein sogenannter Gesellschafter-Geschäftsführer, ist in einer GmbH besonders einflussreich, da dieser eine Doppelfunktion erfüllt: er darf als Gesellschafter sowohl bei der Beschlussfassung mitwirken und Beschlüsse als Geschäftsführer auch umsetzen. Der Fremdgeschäftsführer ist an Weisungen gebunden und zählt oftmals auch nicht als Selbständiger, da er einen Arbeits- und keinen Dienstvertrag hat. Ein Geschäftsführer mit mehr als 50% der Stimmanteile wird auch als “beherrschender Geschäftsführer” bezeichnet.

 

Der GmbH-Geschäftsführervertrag

Bevor der Geschäftsführer einer GmbH seinen Dienst beginnen kann, muss ein Geschäftsführervertrag vereinbart werden, idealerweise schriftlich. Ein Geschäftsführervertrag ist für Individualvereinbarungen Pflicht, die Form ist allerdings nicht vorgegeben. Erst durch diesen Schritt zusätzlich zur Einberufung durch die Gesellschafterversammlung wird der Geschäftsführer bestellt. Der Geschäftsführer kann unter Umständen auch als Arbeitnehmer angestellt werden, hierbei handelt es sich dann um einen Arbeitsvertrag. Besteht kein Anstellungsverhältnis als Arbeitnehmer ist der Geschäftsführervertrag ein sogenannter Dienstvertrag. Im Vertrag des Geschäftsführers sollten neben den in jedem Anstellungsvertrag üblichen Punkten noch weitere Regelungen enthalten sein: Vereinbarungen zu Reisekosten, dem Dienstwagen und auch dem Grad der Verantwortung, die der Geschäftsführer zu tragen hat.

GmbH-Geschäftsführergehalt

Wie das Gehalt eines GmbH-Geschäftsführers aussehen muss und darf, ist ein häufiger Streitpunkt. Denn obwohl der Geschäftsführer mehr als ein durchschnittlicher Angestellter verdienen darf, muss das Entgelt “angemessen” und rechtssicher sein, ansonsten droht bei der nächsten Betriebsprüfung womöglich die Gefahr, dass die Vergütung des GmbH-Geschäftsführers als verdeckte Gewinnausschüttung angesehen wird. Damit dies vermieden wird, müssen Unternehmer die Vergütung ihres Geschäftsführers bzw. ihrer Geschäftsführer anhand der einzelnen Gehaltsbestandteile (Festgehalt, Weihnachts- und Urlaubsgeld, Pensionszusagen, etc.) überprüfen und bestenfalls durch einen betriebsinternen Gehaltsvergleich oder den Vergleich mit anderen Geschäftsführer-Gehältern der Branche und Unternehmensgröße in Relation setzen.

Insichgeschäfte des GmbH-Geschäftsführers

§ 181 BGB besagt, dass Geschäftsführer keine Verträge mit sich selbst abschließen dürfen (Selbstkontrahierung), außer bei der Erfüllung von Verbindlichkeiten. Ebensowenig dürfen Geschäftsführer nach diesem Gesetz eine Mehrfachvertretung vornehmen. In der Praxis werden GmbH-Geschäftsführer generell von dieser Klausel befreit, um einen fließenden Geschäftsablauf zu gewährleisten. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn der (Gesellschafter-)Geschäftsführer mehrere Unternehmen führt. Bei Bestellung des Geschäftsführers sollte daher bedacht werden, inwiefern eine Befreiung der Beschränkungen aus § 181 BGB sinnvoll ist. Eine etwaige Befreiung sollte präzise im Dienstvertrag formuliert werden, um Missverständnissen vorzubeugen.

Sozialversicherungspflicht des GmbH-Geschäftsführers

Ob der Geschäftsführer einer GmbH sozialversicherungspflichtig ist oder nicht, ist nicht in jedem Fall eindeutig. Ein sehr wichtiges Kriterium für die Sozialversicherungspflicht ist vor allem die Weisungsgebundenheit. Sobald ein Geschäftsführer Weisungen und Strukturen vorgibt, ist von einer selbständigen Tätigkeit auszugehen, dann wäre der Geschäftsführer nicht sozialversicherungspflichtig. Sollte er jedoch in eine bestehende Ordnung eingegliedert werden und weisungsgebunden sein, liegt keine selbständige Tätigkeit vor. Dann ist der Geschäftsführer sozialversicherungspflichtig. Die Grenzen von selbständiger und unselbständiger Tätigkeit können fließend sein, wodurch es mitunter schwierig sein kann, den Individualfall zu beurteilen. Bei Gesellschafter-Geschäftsführern werden außerdem die Höhe des Anteils an der Gesellschaft bzw. dessen Stimmrechte berücksichtigt.

Hat der Gesellschafter-Geschäftsführer eine Sperrminorität, also einen Anteil von mindestens 25,1%, beeinflusst das seine Sozialversicherungspflicht. Mit einer Sperrminorität ist es dem Anteilseigner nämlich möglich, Beschlüsse und Entscheidungen der Gesellschafterversammlung zu blockieren. Hält ein Gesellschafter-Geschäftsführer eine solche Sperrminorität, wird er auf jeden Fall nicht als Arbeitnehmer und somit als nicht sozialversicherungspflichtig eingestuft. Im Zweifelsfall können Unternehmer ein Statusfeststellungsverfahren beantragen, um sich und ihrem Geschäftsführer Klarheit zu verschaffen.

 

GmbH-Geschäftsführer: Aufgaben und Pflichten

Zu den zentralen Aufgaben des GmbH-Geschäftsführers zählt die Verwirklichung des Geschäftszweckes des Unternehmens und die Unterstützung und die Ergreifung alles Maßnahmen zur Erreichung der Unternehmensziele. Die Interessen der Gesellschaft müssen gewahrt, das Unternehmensvermögen verwaltet werden. Ein Geschäftsführer vertritt die GmbH sowohl außergerichtlich als auch gerichtlich. Weiterhin ist es die Pflicht des Geschäftsführers, der GmbH keinen Schaden zuzufügen und Schaden von ihr abzuwenden.

Weitere Pflichten des GmbH-Geschäftsführers:

  • Rechnungslegungspflicht
  • Pflicht zur Erhaltung des Stammkapitals
  • Mitteilungspflicht an das Handelsregister
  • Pflichten bei Beschäftigung von Mitarbeitern
  • Treuepflicht
  • Pflicht zur Einberufung der Gesellschafterversammlung
  • Auskunfts- und Informationspflicht

 

Haftung des GmbH-Geschäftsführers

Für den Fall, dass ein Geschäftsführer seinen Pflichten unzureichend oder im schlimmsten Fall gar nicht nachkommt (Fahrlässigkeit o.Ä.), ist er für den entstandenen Schaden persönlich haftbar. Man unterscheidet hierbei zwischen Innenhaftung und Außenhaftung: Innenhaftung besteht gegenüber der GmbH und den Gesellschaftern, Außenhaftung besteht gegenüber Dritten, beispielsweise Kunden, Lieferanten oder sogar Behörden. Für den GmbH-Geschäftsführer kann sein Posten durchaus mit Risiken verbunden sein.

 

Abberufung des GmbH-Geschäftsführers

Die Organstellung sowie das Arbeitnehmerverhältnis des Geschäftsführers der GmbH können im Geschäftsführervertrag sowohl befristet als auch unbefristet festgelegt werden. Bei befristeter Dauer bedarf es nach Ablauf der Frist keiner weiteren Kündigung. Darüber hinaus kann die Berufung zum Geschäftsführer jederzeit zurückgezogen werden und somit die Abberufung erfolgen. Zusätzlich zur Abberufung muss unabhängig davon eine ordentliche Kündigung zur Beendigung des Verhältnisses mit dem Geschäftsführer vorliegen.

Eine außerordentliche Kündigung ist auch möglich, um einen GmbH-Geschäftsführer abzuberufen, allerdings müssen hier entsprechende Gründe vorliegen, nach § 626 BGB sogenannte “wichtige Gründe”. Hierbei muss allerdings auch die rechtliche Trennung von Organstellung und Anstellungsvertrag beachtet werden und deren Fristen und Rahmenbedingungen.

GmbH ohne Geschäftsführer

Was passiert, wenn die GmbH plötzlich ohne ihren Geschäftsführer dasteht? Kann eine GmbH ohne Führungskraft überhaupt noch weiterbestehen? Sollte der Geschäftsführer der GmbH gekündigt haben oder abberufen worden sein, wird in der Regel eine Notgeschäftsführung bestimmt, die die Aufgaben des GmbH-Geschäftsführers zeitweise übernimmt. Für die Bestimmung eines Notgeschäftsführers von Gerichts wegen gelten besondere Auflagen, beispielsweise muss die Lage der GmbH dringlich, die Höhe des drohenden Schadens geschäftsschädigend oder aber die Vertretungsbefugten verhindert sein. Eine Vertretung durch Prokura ist auch möglich, sollte aber wegen der begrenzten Rechte und Möglichkeiten nur im Notfall eingesetzt werden. Einen Sonderfall bildet die GmbH mit zwei Geschäftsführern: Dadurch, dass beide Geschäftsführer für eine Abberufung stimmen müssen, kann es zu Unstimmigkeiten und zeitlichen Verzögerungen kommen. Ein weiterer Spezialfall ist die 1-Personen-GmbH, deren Geschäftsführer nicht einfach das Amt niederlegen kann, da dies einer Geschäftsaufgabe gleich käme; die Voraussetzung für die Bestellung eines Ersatz-Geschäftsführers ist hier nicht gegeben.

Geschäftsführerwechsel bei der GmbH

Falls der aktuelle Geschäftsführer abberufen werden soll, sollte im besten Fall bereits ein neuer Geschäftsführer bereit stehen. Für einen Geschäftsführerwechsel fallen immer Kosten für juristische Dienstleistungen und ggf. sogar eine Abfindung für den alten Geschäftsführer an. Ein Geschäftsführerwechsel ist immer notariell zu beglaubigen und dem Registergericht anzuzeigen.

Der GmbH-Geschäftsführer in der Privatinsolvenz

Wenn dem Geschäftsführer einer GmbH eine Privatinsolvenz droht oder bereits vorliegt, sind nicht zwingend Veränderungen an seiner Position vorzunehmen, da die GmbH von dem Privatinsolvenzverfahren des Geschäftsführers im Regelfall nicht tangiert wird. Das Anstellungsverhältnis und auch die Organstellung des Geschäftsführers muss nicht nötigerweise beendet werden, kann allerdings durch den Treuhänder des Geschäftsführers gekündigt werden. Das Arbeitseinkommen des Geschäftsführers kann aufgrund der Insolvenz gepfändet werden, im Ausnahmefall können auch vorhandene Geschäftsanteile gepfändet werden.

Geschäftsführer trotz Insolvenz?

Personen, die rechtskräftig für Insolvenzdelikte (§§ 283 bis 283 d StGB) verurteilt wurden, dazu gehört auch die sogenannte “Insolvenzverschleppung”, dürfen innerhalb der nächsten fünf Jahre nicht Geschäftsführer einer GmbH werden.

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