Die Haftung der Gesellschafter einer UG (haftungsbeschränkt) – Gesellschafter einer UG haften nie – oder doch?

6. Januar 2015 4 Minuten zu lesen
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Ein Vorteil, eine GmbH oder UG (haftungsbeschränkt) zu gründen, ist die beschränkte Haftung, die beiden Rechtsformen schon im Namen innewohnt. Die Geschäftsführer und Gesellschafter einer UG (haftungsbeschränkt) haften nämlich, anders als bei den übrigen Rechtsformen, grundsätzlich nicht mit ihrem Privatvermögen, sondern allein mit dem Geschäftsvermögen. Die Haftung ist also im Normalfall rein auf das UG-Geschäftsvermögen beschränkt.

Gesellschafter werden normalerweise nicht persönlich zur Haftung herangezogen, da sie nur mit der jeweils erbrachten Stammeinlage haften. Jedem Gesellschafter, der sich jetzt in Sicherheit wiegt, sei gesagt, dass es aber dennoch Konstellationen gibt, die auch einen Gesellschafter mit seinem Privatvermögen haften lassen können. So kann z. B. bei Vorliegen von bestimmten strafrechtlich relevanten Handlungen die Haftung auch auf das Privatvermögen der Gesellschafter oder Geschäftsführer ausgeweitet werden.

 

Haftet der Gesellschafter nun oder nicht?

Die Gesellschafter einer UG (haftungsbeschränkt) sind zur Erbringung des Stammkapitals verpflichtet. Dieses Kapital muss auf das UG-Geschäftskonto eingezahlt werden. Das Privatvermögen ist streng vom Gesellschaftsvermögen zu trennen, da der Gesellschafter mit diesem grundsätzlich nicht zur Haftung herangezogen werden kann. Im Gesellschaftsvertrag wird geregelt, welcher Gesellschafter wie viel Stammkapital aufzubringen hat. Im Ernstfall haftet der Gesellschafter einer UG (haftungsbeschränkt) grundsätzlich maximal mit seinem erbrachten Stammkapital und die Gesellschaft mit dem Gesellschaftsvermögen.

Ungeschriebene Regeln bei der Gesellschafterhaftung einer UG

Es gibt jedoch auch Ausnahmen, bei denen die Gesellschafter unter Umständen persönlich haften. Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn der zwingende Zusatz (haftungsbeschränkt) weggelassen wird. Der Gesellschafter der UG (haftungsbeschränkt) haftet dann persönlich mit seinem kompletten Privatvermögen. Diese so genannte Durchgriffshaftung ist jedoch nicht gesetzlich geregelt, sondern durch die Rechtsprechung entwickelt worden. Ob die Durchgriffshaftung greift, ist immer eine Frage des Einzelfalls. Es gibt grundsätzlich drei Ursachen, die eine Durchgriffshaftung auslösen können. Dabei ist zu beachten, dass es sich hierbei um Ausnahmefälle handelt:

  • Unterkapitalisierung: eine Unterkapitalisierung ist dann gegeben, wenn das Stammkapital einer Unternehmergesellschaft nicht der Größe des Betriebs entspricht, sondern viel zu gering ist. Die Haftung hierfür greift heutzutage nur noch sehr selten. Lediglich bei sehr eindeutiger, bereits von Anfang an bestehender Unterkapitalisierung, die eine wirtschaftliche Existenz des Unternehmens so gut wie unmöglich macht, kann auf das Privatvermögen der Gesellschafter zurückgegriffen werden.
  • Vermischung des Vermögens: Dies ist der Fall, wenn die Buchhaltung so ungenau durchgeführt wurde, dass eine Trennung von Privat- und Geschäftsvermögen nicht mehr eindeutig erfolgen kann oder der Gesellschafter selbst die jeweiligen Konten nicht so trennt, dass der Gläubiger einen Unterschied erkennen kann. Sollten die Vermögensverhältnisse nicht voneinander zu unterscheiden sein, kann der Gesellschafter unter Umständen zur Haftung gezogen werden.
  • Existenzvernichtender Eingriff: Dabei handelt es sich um eine Beeinflussung des Unternehmens durch den UG-Gesellschafter auf eine Weise, durch die das Unternehmen zahlungsunfähig wird, indem beispielsweise Gelder vom Firmenkonto entnommen werden oder unberechenbare Geschäfte betrieben werden, die zum finanziellen Nachteil des Unternehmens führen.

Es ist nochmals darauf hinzuweisen, dass die oben beschriebene Durchgriffshaftung nur in Ausnahmefällen in Kraft tritt.

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Erfahren Sie mehr über die Rechtsform, auf der die UG (haftungsbeschränkt) beruht – die GmbH: Was ist eine GmbH?


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