Was heißt GbR? Definition und Bedeutung

aktualisiert am 9. August 2019 13 Minuten zu lesen

Die GbR ist keine Kapitalgesellschaft wie die UG oder GmbH, sondern eine Personengesellschaft. Die Rechtsform GbR wird nicht nur im Gewerbe, sondern auch von Freiberuflern eingesetzt. Was genau eine GbR ist und was sie ausmacht, erfahren Sie hier im firma.de Ratgeber.

 

Die GbR-Personengesellschaft: Definition

Die Abkürzung “GbR” steht für “Gesellschaft bürgerlichen Rechts” (wird auch als BGB-Gesellschaft bezeichnet). Eine GbR ist die einfachste Form der Personengesellschaft und die Rechtsform, die am schnellsten gegründet werden kann. Sie besteht mindestens aus zwei Gesellschaftern, die sich durch dazu verpflichten, einen gemeinsamen Zweck zu verfolgen.

Die GbR ist eine Personengesellschaft eingestuft und gilt nicht als juristische Person. Es ist jedoch möglich, dass eine juristische Person Teil einer GbR ist, sofern außerdem mindestens eine natürliche Person als Gesellschafter fungiert.

Gesellschafter einer Personengesellschaft haften stets mit ihrem Privatvermögen, wohingegen Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft nur mit dem Geschäftsvermögen haftbar gemacht werden können. Ein Vorteil der Personengesellschaft ist jedoch, dass die Gesellschafter mehr direkten Einfluss auf ihr Unternehmen nehmen können, als Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft. In den §§ 705 ff. BGB sind die wesentlichen Rechtsgrundlagen einer GbR geregelt.

Neben der GbR zählen außerdem Rechtsformen wie oHG (offene Handelsgesellschaft)
oder KG (Kommanditgesellschaft) zu den Personengesellschaften

Besonderheiten der GbR

Die GbR kann schnell und mit relativ geringem bürokratischen Aufwand per Handschlag gegründet werden. Daher stellt sie gerade für junge Gründerteams eine geeignete Alternative zu anderen Rechtsformen dar. Die gesetzliche Grundlage der GbR ist in §§ 705 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) geregelt.

Achtung: Eine GbR kann auch ungewollt entstehen. Viele Gründer teilen sich beispielsweise ein Büro und auch notwendige Büromaterialien, um so die laufenden Kosten möglichst gering zu halten. So kann schnell der Eindruck einer GbR entstehen, selbst wenn keine aktive Zusammenarbeit zwischen den Büronutzern besteht. Ist das Finanzamt der Ansicht, dass Sie sich in einer GbR befinden, können schnell hohe Steuernachzahlungen auf Sie zukommen.

 

Die Gründung einer GbR

Für die Gründung müssen die Gesellschafter der GbR sich nur auf einen gemeinsamen Gesellschaftszweck einigen und einen Gesellschaftervertrag (oder auch: GbR-Vertrag) abschließen. Dabei handelt es sich jedoch nicht zwingend um einen schriftlichen Vertrag, denn ein GbR-Vertrag kann schriftlich, mündlich oder sogar stillschweigend per Handschlag abgeschlossen werden. Es ist jedoch empfehlenswert, diesen Vertrag schriftlich festzuhalten und notariell beglaubigen zu lassen, denn falls Streitigkeiten auftreten, ist es immer besser, sich auf klare Vereinbarungen zu berufen. Der Zweck der GbR muss nicht gewerblich sein. So ist die GbR auch für Freiberufler-Teams eine Option, beispielsweise um eine Gemeinschaftspraxis zu gründen. Auch zu ideellen oder gemeinnützigen Zwecken bietet sich die Gründung einer GbR an.

Ein Mindestkapital oder eine Kapitaleinlage ist zur Gründung einer GbR nicht vorgeschrieben.

Möchten Sie mit Ihrer GbR einer gewerblichen Tätigkeit nachgehen, müssen Sie das Unternehmen zuvor beim Gewerbeamt anmelden. Eine Freiberufler-GbR bedarf in der Regel keiner Gewerbeanmeldung.

Nach Anmeldung des Gewerbes müssen Sie sich beim Finanzamt anmelden, um Ihre GbR steuerlich zu erfassen. Außerdem sind Sie dazu verpflichtet, sich bei der IHK bzw. HWK zu registrieren, denn eine Mitgliedschaft bei der IHK oder der HWK ist verpflichtend. Ausgenommen von dieser Regelung ist die Freiberufler-GbR. Für sie entfällt die Pflichtmitgliedschaft bei der IHK oder HWK. Anschließend müssen Sie sich noch bei der für Sie zuständigen Berufsgenossenschaft anmelden, dem gesetzlichen Träger der Unfallversicherung.

Hinweis zur Haftungsbeschränkung der GbR

Einige GbRs versuchen, durch den Zusatz “mbH” in ihrer Geschäftsbezeichnung eine Haftungsbeschränkung vorzugaukeln. Dies ist jedoch unzulässig und gibt falsche Tatsachen vor, denn die GbR ist grundsätzlich nie haftungsbeschränkt. Auch eine Regelung der Haftungsbeschränkung in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) einer GbR ist rechtswidrig.

Erfahren Sie hier mehr zur Haftung von GbR-Gesellschaftern und außerdem, wie Sie als GbR-Gesellschafter Ihr Privatvermögen im Falle einer Haftung schützen.

Gilt die GbR als Firma?

Eine GbR wird nicht im Handelsregister erfasst. Da ohne Handelsregistereintragung kein Firmenname vorliegt, können Sie für Ihre GbR ersatzweise eine Geschäftsbezeichnung verwenden.

GbR und oHG

Hat eine GbR einen Umsatz von mehr als 250.000 Euro und über 5 Mitarbeiter, unterstellt das Finanzamt in der Regel, dass ein kaufmännischer Geschäftsbetrieb vorliegt. Erkundigen Sie sich hierzu am besten bei Ihrer HWK oder IHK. Für die oHG ist der Handelsregistereintrag verpflichtend. Die Eintragung erfolgt durch einen Notar.

Einfache Buchhaltung

Da sie nicht ins Handelsregister eingetragen wird, unterliegt die GbR weniger strengen Regeln bei der Buchführung. Die Gesellschafter sind nicht zur doppelten Buchführung verpflichtet. In der Regel genügt eine einfache Einnahmenüberschussrechnung (EÜR). Diese Bilanzpflicht tritt in Kraft, wenn die Umsatzgrenze von 600.000 Euro oder die Gewinngrenze von 60.000 Euro pro Jahr überschritten wird. Höchstwahrscheinlich handelt es sich bei Ihrer Gesellschaft dann ohnehin um eine oHG, die sich im Handelsregister eintragen muss. Sollte Ihnen unklar sein, wie Ihr Unternehmen einzustufen ist, sollten Sie bei der für Sie zuständigen IHK oder HWK nachfragen.

Sie möchten eine GbR gründen, würden aber die bürokratischen Schritte lieber von jemandem erledigen lassen, der sich auskennt? Wir sind gern dieser Jemand! Wählen Sie jetzt eines unserer GbR-Pakete und starten Sie bürokratielos ins Unternehmertum!

Rechte und Pflichten der Gesellschafter

Gesellschafter einer GbR haben gewisse Rechte und müssen auch diversen Pflichten nachkommen. Diese richten sich vorrangig nach der Übereinkunft bzw. dem GbR-Vertrag. Wurde keine individuelle Regelung festgesetzt, gelten die gesetzlichen Vorschriften:

  • Jeder Gesellschafter ist gesamthänderischer Träger des Geschäftsvermögens, das bedeutet, dass jeder einen gleich großen Anteil an der Gesellschaft hält. Somit trägt jeder einzelne Gesellschafter einen gleich großen Teil an den Gewinnen und Verlusten der GbR.
  • Die Gesellschafter haften gemeinsam, gesamtschuldnerisch und unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen.
  • Die Gesellschafter unterliegen der Treuepflicht. Diese verlangt, dass die Interessen der Gesellschaft wahrgenommen werden müssen und dass jeglicher Schaden von der Gesellschaft abzuwenden ist.

Häufig werden in individualisierten GbR-Verträgen Bereiche und Tätigkeiten auf einzelne Gesellschafter übertragen, beispielsweise ist ein Gesellschafter für das Marketing zuständig, ein anderer für die Kundenakquise.

Gesellschaftsvermögen bei der GbR

Das Vermögen einer GbR setzt sich zusammen aus den erbrachten Beiträgen der Gesellschafter, den erworbenen Gegenständen sowie dem Ersatz im Falle von Zerstörung oder Beschädigung von Gegenständen. Da das Vermögen der GbR gesamthänderisch von allen Gesellschaftern getragen wird, können die einzelnen Gesellschafter nicht über den von ihnen eingebrachten Anteil verfügen. Sie sind auch nicht berechtigt, eine Teilung zu verlangen, denn das Gesellschaftsvermögen steht allen Gesellschaftern gemeinschaftlich zu.

Geschäftsführung bei der GbR

Die gemeinschaftliche Geschäftsführung obliegt allen Gesellschaftern. Das heißt, die GbR wird laut Gesetz von allen Gesellschaftern gemeinsam geführt. Das hat zum Nachteil, dass bei jedem Rechtsgeschäft alle GbR-Geschäftsführer anwesend sein und Verträge gemeinsam unterzeichnen müssen. Deshalb wird die Geschäftsführung einer GbR oft vertraglich individuell geregelt. Beispielsweise wird eine Betragshöhe festgelegt, bis zu der ein Mitgesellschafter im Alleingang Geschäfte abwickeln darf. Diese Befugnis und auch die Position des Geschäftsführers kann einem Gesellschafter auch wieder entzogen werden. Voraussetzung dafür ist ein wichtiger Grund. Dazu zählt beispielsweise eine grobe Pflichtverletzung oder auch eine Unfähigkeit zur Geschäftsführung.

 

Auflösung und Liquidation einer GbR

Bereits bei Gründung der GbR sollte ein Gründer an eine mögliche Auflösung denken. Individuelle Regelungen zu Fortführung und Auflösung der GbR sollten daher im Gesellschaftsvertrag festgehalten werden. Rein rechtlich sind drei Gründe vorgesehen, die zur Auflösung einer GbR führen können:

  • Der Zweck der GbR ist erfüllt oder es ist nicht möglich, diesen zu erreichen
  • Insolvenz
  • Tod eines Mitgesellschafters

Gründern wird empfohlen, die Regelungen im Fall von Tod oder Insolvenz individuell im GbR-Vertrag festzulegen, um zu verhindern, dass die GbR in diesen Fällen sofort aufgelöst wird. Im Anschluss an die Auflösung findet die Liquidation der GbR statt. Diese bezeichnet die Auseinandersetzung der Gesellschafter. Wenn die Modalitäten der Liquidierung nicht vertraglich festgelegt sind, greift auch hier das Gesetz. Laut diesem läuft die Liquidierung der GbR folgendermaßen ab:

  • Die laufenden Geschäfte müssen abgewickelt und alle Schulden getilgt werden.
  • Die Einlagen der Gesellschafter sowie die eingebrachten Gegenstände werden erstattet und zurückgegeben.
  • Das verbleibende Vermögen wird unter den Gesellschaftern aufgeteilt.

 

Fazit: Für wen ist die GbR-Gründung geeignet?

Eine GbR eignet sich insbesondere für Gründerteams mit kleinem Startkapital, die mit möglichst geringem organisatorischen Aufwand gründen möchten. Sowohl die geringere steuerliche Belastung als auch die vereinfachte Buchführung sprechen für diese Rechtsform. Jedoch hat auch die GbR einige Nachteile, insbesondere die vollständige private Haftung.

Wen die Nachteile stören, der kann alternativ die Gründung einer UG (haftungsbeschränkt) in Erwägung  ziehen. Zwar ist die Gründung geringfügig teurer als bei einer GbR, allerdings ist das Mindestkapital von einem Euro pro Gesellschafter recht gering. Außerdem können UG-Gesellschafter von der Haftungsbeschränkung profitieren und mithilfe einer individuellen Satzung die Unternehmensanteile nach eigenem Bedarf regeln. Da die UG (haftungsbeschränkt) im Handelsregister eingetragen werden muss, wird der Firmenname vor ähnlich klingenden Namen geschützt. Nichtsdestotrotz bringt der Handelsregistereintrag auch strengere Anforderungen mit sich, insbesondere in der Buchführung. Dies beinhaltet nicht nur die doppelte Buchführung, sondern auch die von den Größenklassen nach HGB abhängigen Anforderungen in der Publizitätspflicht.

 

Die auf unserer Seite veröffentlichten Informationen werden allesamt von Experten mit größter Sorgfalt verfasst und überprüft. Dennoch können wir nicht für die Richtigkeit garantieren, da Gesetze und Regelungen einem stetigen Wandel unterworfen sind. Ziehen Sie deshalb bei einem konkreten Fall immer einen Fachexperten hinzu – wir stellen gerne den Kontakt her.

firma.de übernimmt keinerlei Haftung für durch Fehler in den Texten entstandene Schäden.

Jetzt weiterstöbern im Ratgeber!