Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung: So setzt er sich zusammen

aktualisiert am 29. November 2018 16 Minuten zu lesen
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Jeder, der Mitarbeiter beschäftigt, muss den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung beantragen. Dieser Anteil wird auch in der Lohn- bzw. Gehaltsabrechnung aufgeführt. Doch wie setzt sich der Arbeitgeberanteil zusammen? Wie unterscheiden sich die Anteile bei gesetzlichen und privaten Sozialversicherungsträgern? firma.de erklärt die Feinheiten.

 

Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung: Grundlegendes

Die gesetzliche Sozialversicherung für Arbeitnehmer dient dazu, sie im Fall von Krankheit oder Pflegebedürftigkeit finanziell abzusichern und für eine möglichst gute Gesundheit zu sorgen. Durch diese Vor- und Fürsorge wird die Arbeitskraft möglichst lange erhalten.

Als gesetzliche Grundlage der Sozialversicherung gilt das Sozialgesetzbuch (SGB). Folgende Teile des SGB sind für die Regelung von Bedeutung:

  • SGB III: Regelung für die Arbeitsförderung
  • SGB IV: Regelung für alle Sozialversicherungszweige
  • SGB V: Regelung für die Krankenversicherung
  • SGB VI: Regelung für die Rentenversicherung
  • SGB VII: Regelung für die Unfallversicherung
  • SGB XI: Regelung für die Pflegeversicherung

Jeder Unternehmer, der eigene Mitarbeiter beschäftigt, ist dazu verpflichtet, den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung zu leisten. Der Anteil beträgt in der Regel die Hälfte des gesetzlichen Beitragssatzes. Bei der Krankenversicherung besteht ab einer gewissen Einkommensgrenze die Möglichkeit, anstelle der gesetzlichen Versicherung eine private Versicherung in Anspruch zu nehmen. Darüber hinaus können Arbeitnehmer auch freiwillige Sozialleistungen in Anspruch nehmen. Einige dieser Leistungen werden vom Arbeitgeber mitfinanziert.

In der Lohn- bzw. Gehaltsabrechnung müssen Sie den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung berücksichtigen, wenn Sie das “Arbeitgeberbrutto” berechnen. Dieses dient dazu, die gesamten Personalkosten zu ermitteln.

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Welche Sozialversicherungen gibt es?

Als Basis der sozialen Absicherung eines Arbeitnehmers gelten die gesetzlichen Sozialversicherungen. Dazu gehört:

  • Krankenversicherung
  • Pflegeversicherung
  • Umlagen
  • Rentenversicherung
  • Unfallversicherung
  • Arbeitslosenversicherung

In den meisten Fällen werden sind die gesetzlichen Versicherungsträger verantwortlich für die Leistungen aus den Sozialversicherungen. Es steht Angestellten jedoch meisten frei, sich bei privaten Anbietern versichern zu lassen.

Die Leistungen für jede dieser Versicherungen sind grundsätzlich für alle Arbeitnehmer verpflichtend. In diesem Abschnitt werden die Sozialversicherungen im Detail erklärt. Zusätzlich finden Sie die aktuellen gesetzlichen Beitragssätze in den jeweiligen Teilabschnitten.

Beiträge zur Krankenversicherung für Beschäftigte

Die Krankenversicherung wird in Deutschland nicht zentral verwaltet, sondern es herrscht ein Wettbewerb zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und privaten Versicherungsanbietern. Je nachdem, ob ein Arbeitnehmer gesetzlich oder privat versichert ist, unterscheidet sich der Arbeitgeberanteil. Für die gesetzlichen Krankenkassen gilt ein fester Beitragssatz. Manche Krankenkassen fordern einen Zusatzbeitrag, der vom Arbeitnehmer zu tragen ist. Bei den privaten Versicherungen hängt der Beitragssatz vom jeweiligen Anbieter ab. Wenn Sie einen privat versicherten Mitarbeiter beschäftigen, erkundigen Sie sich bitte beim jeweiligen Anbieter nach Ihrem Arbeitgeberanteil.

Beitrag zur gesetzlichen Krankenkasse insgesamt: 14,6 Prozent
Arbeitgeberanteil: 7,30 Prozent

Beiträge zur Pflegeversicherung für Beschäftigte

Die Pflegeversicherung dient zur Absicherung für den Fall, dass der jeweilige Mitarbeiter pflegebedürftig wird. Für die gesetzliche Pflegeversicherung ist ebenfalls die Krankenkasse des Mitarbeiters zuständig. Es besteht auch die Option, eine private Pflegeversicherung zu nutzen. Sobald der Pflegebedarf eintritt, übernimmt die Pflegeversicherung einen Teil der in Anspruch genommenen Pflegeleistungen, z. B. notwendige Umbauten zur Barrierefreiheit in der eigenen Wohnung. Der Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung unterscheidet sich je nachdem, ob ein Mitarbeiter Kinder hat oder nicht. Bei der privaten Pflegeversicherung hängen die Beiträge vom Anbieter ab.

Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung insgesamt: 3,05 Prozent bzw. 3,3 Prozent (Kinderlose über 23)
Arbeitgeberanteil: 1,025 Prozent (Arbeitgeber in Sachsen), 1,525 Prozent (alle anderen Bundesländer)

Umlagen

Die Umlageverfahren der gesetzlichen Krankenkassen dienen dazu, Arbeitgeber bei langfristigen Personalausfällen abzusichern. Für die Ausführung der Verfahren ist in der Regel die gesetzliche Krankenkasse des jeweiligen Arbeitnehmers zuständig. In einigen Fällen wird die Durchführung auch von einer anderen Kasse, einen Landes- oder Bundesverband der Kassen ausgelagert. Wenn der Arbeitgeber nie versichert war, kann er oder sie die Krankenkasse für das Umlageverfahren selbst wählen.

Folgende Umlageverfahren sind zu unterscheiden:

Umlageverfahren U1

Das Umlageverfahren U1 sichert Arbeitgeber bei langfristigen Krankheitsfällen ab. In diesem Verfahren werden bis zu 80 Prozent der Lohnfortzahlung in den ersten sechs Krankheitswochen erstattet. Das Umlageverfahren U1 wird meistens von Betrieben mit weniger als 30 Mitarbeitern eingesetzt. Dabei werden Auszubildende und Behinderte nicht mitgezählt. Teilzeitkräfte zählen proportional zu ihrer Arbeitszeit. So zählt ein Mitarbeiter mit einer 50-Prozent-Stelle nur als halber Mitarbeiter. Erfahren Sie mehr zur Umlage 1 in unserem Ratgeber.

Umlageverfahren U2

Das Umlageverfahren U2 sichert Arbeitgeber im Fall eines Mutterschaftsurlaubs ab. Dabei erhält die betroffene Person ein einkommensabhängiges Mutterschaftsgeld von ihrer Krankenkasse. Zusätzlich erhält die Person vom Arbeitgeber die Differenz aus Nettoentgelt und Mutterschaftsgeld. Das Umlageverfahren U2 ist seit 2006 für alle Betriebe verpflichtend.

Insolvenzgeldumlageverfahren (“Umlageverfahren U3”)

Wie der Name schon sagt, dient die Insolvenzgeldumlage der Finanzierung des Insolvenzgeldes. Dieses Geld wird Arbeitnehmern ausgezahlt, wenn ihr bisheriger Arbeitgeber insolvent ist und ihnen ihr reguläres Entgelt nicht bezahlen kann. Das Insolvenzgeldumlageverfahren ist für alle insolvenzfähigen Arbeitgeber verpflichtend.

Beitrag zu den Umlageverfahren: je nach Krankenkasse unterschiedlich
Arbeitgeberanteil: der komplette Beitrag

Beiträge zur Rentenversicherung für Beschäftigte

Die gesetzliche Rentenversicherung dient in erster Linie dazu, die Altersvorsorge für einen Beschäftigten sicherzustellen. Auch für die Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und die Rente wegen Todes ist die Rentenversicherung zuständig. Des Weiteren erbringt die Rentenversicherung Rehabilitationsleistungen, um die Erwerbsfähigkeit wiederherzustellen und die Teilhabe am Arbeitsleben (wieder) zu ermöglichen. Von der Rentenversicherungspflicht ausgenommen sind Rentner, die den Verzicht auf den Rentenversicherungsbeitrag erklärt haben. Auch Beamte sind nicht rentenversicherungspflichtig.

Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung insgesamt: 18,6 Prozent
Arbeitgeberanteil: 9,3 Prozent

Beiträge zur Arbeitslosenversicherung für Beschäftigte

Die Arbeitslosenversicherung ist dafür bestimmt, im Fall der Arbeitslosigkeit das Einkommen eines Mitarbeiters zu sichern, während er oder sie nach einer neuen Arbeitsstelle sucht. Diese Versicherung wird von der Bundesagentur für Arbeit getragen. Von der Arbeitslosenversicherung ausgenommen sind Beamte, Studenten, Richter und Soldaten.

Beitrag zur gesetzlichen Arbeitslosenversicherung insgesamt: 2,5 Prozent
Arbeitgeberanteil: 1,25 Prozent

Beiträge zur Unfallversicherung für Beschäftigte

Die gesetzliche Unfallversicherung dient dem Zweck, Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten vorzubeugen. Tritt ein von der Versicherung gedeckter Unfall ein, unterstützten die Versicherungsträger das Opfer bei der Wiederherstellung seiner beruflichen Leistungsfähigkeit und Gesundheit. Im Regelfall sind die Berufsgenossenschaften Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Bundesweit gibt es mehr als zehn verschiedene Berufsgenossenschaften, die für Arbeitnehmer ganzer Wirtschaftssektoren und Branchen verantwortlich sind. Grundsätzlich sind alle Angestellten zur Mitgliedschaft bei der Unfallversicherung verpflichtet. Diese Berufsgruppen sind jedoch von der Pflicht ausgenommen (§ 4 SGB VII):

  • Beamte
  • Ärzte
  • Zahnärzte
  • Tierärzte
  • Psychotherapeuten
  • Apotheker
  • Heilpraktiker

Beitrag zur Berufsgenossenschaft insgesamt: je nach BG unterschiedlich
Arbeitgeberanteil: der komplette Beitrag

Sonderfall: Branchenspezifische Versicherungsträger

In bestimmten Branchen werden einige Sozialversicherungsleistungen nicht von den gesetzlichen oder privaten Trägern getragen, sondern von branchenspezifischen Versicherungsträgern. Namentlich sind es die Knappschaft-Bahn-See und die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Während die Knappschaft-Bahn-See für Mini-Jobber und Mitarbeiter der Seefahrt, Deutschen Bahn und des Bergbaus zuständig ist, ist die SVLFG für Arbeitnehmer in der Landwirtschaft zuständig.

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Sonderfall: Sozialversicherungsbeiträge für geringfügig Beschäftigte

Bei Mitarbeitern in geringfügiger Beschäftigung gelten andere Regeln bei den Arbeitgeberanteilen für die Sozialversicherung. In diesem Fall werden folgende Abgaben vom Arbeitgeber gezahlt (2019):

  • Krankenversicherung: 13 Prozent
  • Rentenversicherung: 15 Prozent*
  • Umlage U1: 0,9 Prozent
  • Umlage U2: 0,24 Prozent
  • Insolvenzgeldumlage: 0,06 Prozent

* Für Mitarbeiter in geringfügiger Beschäftigung besteht die Möglichkeit, auf die Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen zu verzichten. Dennoch müssen Arbeitgeber ihren Anteil bezahlen.

Die Arbeitgeberanteile werden an die Minijob-Zentrale der Knappschaft-Bahn-See überwiesen. Dies gilt auch für geringfügige Beschäftigungen, die weder im Bergbau noch in der Seefahrt oder bei der Deutschen Bahn stattfinden.

 

Freiwillige Sozialleistungen

Neben den gesetzlichen Arbeitgeberanteilen zur Sozialversicherung besteht auch die Möglichkeit, dass Arbeitnehmer freiwillige Sozialleistungen in Anspruch nehmen. Alle diese Leistungen sind Bestandteil des Entgelts, werden nicht besteuert und sind nicht in der Lohnabrechnung aufgeführt.

Betriebliche Altersvorsorge

Viele Arbeitnehmer nutzen die betriebliche Altersversorgung, um im Alter ihre Rente zu ergänzen. Für Arbeitgeber sind diese Leistungen grundsätzlich nicht verpflichtend, je nach Tarif- oder Einzelvertrag können sie jedoch zum Ausgleich verpflichtet sein. Leistungen zur Altersvorsorge können entweder allein vom Arbeitnehmer, allein vom Arbeitgeber oder von beiden Parteien finanziert werden. Dabei richten sich die Beiträge nach dem jeweiligen Dienstleister. Diesen können Sie als Arbeitgeber selbst auswählen. Sie sind außerdem dazu verpflichtet, Ihre Mitarbeiter über die Bedingungen der betrieblichen Altersversorgung zu informieren.

Vermögenswirksame Leistung

Als vermögenswirksame Leistungen zählen Zahlungen, die Arbeitnehmer dabei unterstützen, privates Vermögen aufzubauen. In der Regel handelt es sich dabei um freiwillige Leistungen, in manchen Tarifverträgen sind sie jedoch vorgeschrieben. Der monatliche Höchstbeitrag für Arbeitgeber beträgt 40 Euro. Allerdings kann der genaue Beitrag je nach Arbeits- oder Tarifvertrag variieren. Ob Sie als Arbeitgeber den kompletten Betrag übernehmen, liegt, soweit nicht anders geregelt, in Ihrem Ermessen. Für die Wahl des Vertrages ist der Arbeitnehmer verantwortlich.

Folgende Leistungen zählen zu den vermögenswirksamen Leistungen:

  • Banksparplan
  • Bausparvertrag
  • Tilgung eines Baukredits
  • Sparplan für Aktienfonds

Für vermögenswirksame Leistungen kann zusätzlich staatliche Unterstützung gewährt werden. Um sich für die staatliche Förderung zu qualifizieren, gelten bestimmte Einkommensgrenzen.

Unterstützung in Notfällen

In Härtefällen können Sie Ihren Mitarbeitern besondere finanzielle Unterstützung gewähren. Dies ist in folgenden Fällen legitim:

  • Todesfälle naher Angehöriger
    • Ehepartner/in
    • Lebenspartner/in
    • Partner/in in eheähnlicher Gemeinschaft
    • Partner/in einer lebenspartnerschaftsähnlichen Gemeinschaft
    • Eltern
    • Großeltern
    • Schwiegereltern
    • Stiefeltern
    • Geschwister
    • Schwägerinnen und Schwager
    • Kinder
    • Adoptiv- und Pflegekinder
    • Enkelkinder
    • Schwiegerkinder
    • Kinder, Adoptiv- und Pflegekinder des/der Ehe- oder Lebenspartners/in
  • Krankheits- und Unglücksfälle
  • Vermögensverluste aufgrund höherer Gewalt (z. B. durch Diebstahl oder Naturkatastrophen)
  • Haftungsfälle
  • Inanspruchnahme aus Bürgschaften

Damit die Unterstützung steuer- und abgabenfrei bleibt, gilt in der Regel die Höchstgrenze von 600 Euro  (§ 3 Nr. 11 Einkommensteuergesetz). Beschäftigen Sie weniger als fünf Mitarbeiter, entfällt diese Grenze sogar.

Was noch in der Entgeltabrechnung berücksichtigt werden muss

Neben den Sozialversicherungsbeiträgen müssen auch die Steuersätze berücksichtigt werden, wenn Sie die Lohnabrechnung erstellen. Dabei handelt es sich um folgende (2019):

Lohnsteuer in der Engeltabrechnung

Jeder Arbeitnehmer muss die Lohnsteuer bezahlen. Dabei hängt die Höhe des Beitrages von der Steuerklasse ab, der die jeweilige Person zugeordnet wurde (I-VI). Beachten Sie hier den Grundfreibetrag: Wer ein Einkommen erwirtschaftet, der unter dem Grundfreibetrag liegt, muss keine Lohnsteuer zahlen. Für Einzelpersonen liegt der Grundfreibetrag bei 9.168 Euro, für Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner bei 18.336 Euro.

Soldaritätszuschlag in der Engeltabrechnung

Zusätzlich zur Lohnsteuer wird der Solidaritätszuschlag aufgeschlagen. Der Satz liegt bei 5,5 Prozent der Lohnsteuer.

Kirchensteuer in der Engeltabrechnung

Die Kirchensteuer wird bei Mitgliedern von Religionsgesellschaften erhoben, die als Körperschaft öffentlichen Rechts (KöR) gelten. Dazu zählen neben der Römisch-katholischen Kirche auch die Evangelischen Landeskirchen und Jüdischen Gemeinden. In Bayern und Baden-Württemberg beträgt der Steuersatz acht, in allen anderen Bundesländern neun Prozent.

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