Lohnabrechnung: Von Brutto zu Netto

11. Dezember 2017 10 Minuten zu lesen
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Wie Sie bei der Lohnabrechnung von Brutto zu Netto gelangen, hängt von diversen Faktoren ab. Dazu zählen die Steuerklasse, Steuern und Sozialbeiträge, aber auch Freibeträge und sonstige Bezüge müssen bei der Lohnabrechnung beachtet werden. Alle für die Lohnabrechnung relevanten Abzüge werden hier im Detail beleuchtet, damit Sie bei der Buchführung rechtlich auf der sicheren Seite sind.

Lohnsteuerklassen

Jeder Arbeitnehmer, der Einkünfte aus nicht selbständiger Arbeit bezieht, wird in eine der sechs Lohnsteuerklassen eingeteilt. Die Lohnsteuerklassen bestimmen sowohl, wie der Abzug der Lohnsteuer gestaltet ist, als auch, wie Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer bezahlt werden. Welche Steuerklasse für einen Arbeitnehmer gilt, hängt von seinem Familienstand ab.

Im deutschen Recht sind folgende Steuerklassen festgelegt:

  • Steuerklasse I: Gilt für Alleinstehende. Dazu zählen Ledige, Verwitwete ab dem übernächsten Jahr nach dem Tod des Partners und Geschiedene. Auch Verheiratete oder Verpartnerte zählen dazu, wenn sie entweder dauerhaft getrennt leben oder wenn der Partner nur beschränkt steuerpflichtig ist, z. B. weil er nicht in Deutschland lebt.
  • Steuerklasse II: Gilt für Alleinerziehende, wenn sie die Voraussetzungen der Steuerklasse I erfüllen und den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende beanspruchen können.
  • Steuerklasse III: Gilt für dauerhaft zusammen lebende Partner, wenn sie nicht die Steuerklasse IV gewählt haben (dann erhält der ebenfalls berufstätige Partner die Steuerklasse V), für nicht berufstätige oder selbständige Partner von berufstätigen Partnern oder Verwitwete bis zum Ende des auf den Tod des Partners folgenden Kalenderjahres. Im letzten Fall dürfen die Partner allerdings nicht bis zum Todeszeitpunkt dauernd getrennt gelebt haben.
  • Steuerklasse IV: Gilt für verheiratete oder verpartnerte Arbeitnehmer, wenn beide Partner eingeschränkt einkommenssteuerpflichtig sind und nicht dauerhaft getrennt leben. Voraussetzung ist, dass für keinen der beiden Partner die Steuerklasse III gilt. Ansonsten fällt der andere Partner in Steuerklasse V. Seit 2010 gibt es weiterhin die optionale “Steuerklasse IV mit Faktor”, die dann in Kraft treten kann, wenn im Ehegattensplitting-Verfahren (gemeinsam zu zahlende Einkommenssteuer im Verhältnis zur Summe der gemeinsam zu zahlenden Lohnsteuer) der Faktor größer als 1 ist.
  • Steuerklasse V: Gilt für Partner von Arbeitnehmern, die zur Steuerklasse III zählen.
  • Steuerklasse VI: Gilt für Arbeitnehmer, die in mehr als einem Arbeitsverhältnis stehen.

 

Anhand der Steuerklassen wird bestimmt, welches Nettogehalt Sie an Ihre Angestellten überweisen müssen. Die dafür relevanten Abzüge werden im nächsten Absatz genauer erläutert.

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Lohnabrechnung: Steuerliche und soziale Abzüge

Jeden Monat werden im Rahmen der Gehaltsberechnung Steuern und Sozialabgaben vom Bruttogehalt abgezogen. Auch private Abgaben wie vermögenswirksame Leistungen müssen Sie berücksichtigen. Dies ist eine Übersicht über alle Netto-Abzüge, die in einer Lohnabrechnung zu beachten sind.

In der Lohnabrechnung zu berücksichtigende Steuern

Folgende Steuern sind bei der Lohnabrechnung zu beachten:

  • Lohnsteuersatz: Die Einnahmen aus dem Solidaritätszuschlag werden vom Bund für seine Finanzierungszwecke genutzt.Die Steuern werden ans Finanzamt überwiesen. Jeder Arbeitnehmer muss die Lohnsteuer bezahlen. Der Prozentsatz ist proportional zum Einkommen: Je mehr Geld verdient wird, desto höher ist der Lohnsteuersatz, der zwischen 14 und 45 Prozent des gesamten Jahreseinkommens beträgt. 5,5 Prozent der Lohnsteuer werden als Solidaritätszuschlag (Soli) abgebucht, wenn die monatliche Lohnsteuer weniger als 81 Euro beträgt. Ansonsten fällt der Arbeitnehmer in die sogenannte “Nullzone”.
  • Kirchensteuer: Wenn der Arbeitnehmer zusätzlich Mitglied einer religiösen Gemeinschaft ist, die als Körperschaft öffentlichen Rechts eingetragen ist (z. B. bei der römisch-katholischen Kirche oder einer der evangelischen Landeskirchen), fällt zusätzlich die Kirchensteuer an. Damit finanzieren die religiösen Gemeinschaften ihr Personal, den Bau von Gebetsstätten und karitative Zwecke wie die Seelsorge oder christliche Sozialdienste. Der Anteil richtet sich nach dem Bundesland, in dem sich Ihre Firma befindet. In allen Bundesländern außer Baden-Württemberg und Bayern beträgt die Kirchensteuer 9 Prozent, ansonsten 8 Prozent.

 

In der Lohnabrechnung zu berücksichtigende Sozialbeiträge

Zusätzlich zu den Steuern werden folgende Sozialbeiträge vom Nettolohn abgezogen:

  • Krankenversicherung: Der Betrag für die Krankenversicherung wird zur Hälfte vom Arbeitgeber übernommen. Je nachdem, ob der Arbeitnehmer gesetzlich oder privat versichert ist, gelten andere Bestimmungen. So werden bei gesetzlich Versicherten pauschal 14,6 Prozent des Bruttogehalts abgezogen. Weiterhin legt jede gesetzliche Krankenkasse einen individuellen Zusatzbeitrag fest, der komplett vom Versicherten bezahlt wird. Bei Privatversicherten richtet sich der Kassensatz nach den Leistungen, die in Anspruch genommen werden, so dass er je nach Einzelfall variiert.
  • Pflegeversicherung: Seit 2017 beträgt der Pflegeversicherungsanteil einheitlich 2,55 Prozent, von denen Sie als Arbeitgeber die Hälfte übernehmen.
  • Rentenversicherung: Der Rentenbeitragssatz beträgt einheitlich 18,7 Prozent, von denen der Arbeitgeber die Hälfte bezahlt.
  • Arbeitslosenversicherung: Der Beitragssatz beträgt einheitlich 3,0 Prozent. Ausgenommen von der Beitragszahlung zur Arbeitslosenversicherung sind Minijobber mit einem Monatslohn unter 450,00 Euro, Beamte und Soldaten.
  • Arbeitskammerbeitrag: Der Arbeitskammerbeitrag gilt für Arbeitnehmer in Firmen, die in Bremen oder im Saarland ihren Sitz haben. Die Arbeitskammern dieser Bundesländer vertreten die Interessen der dortigen Arbeitnehmer, die mit Antritt ihrer Stelle automatisch Mitglieder werden. Zu den Leistungen der Arbeitskammer zählen Vertretung auf wirtschaftlicher und sozialer Ebene, rechtliche Beratung und Fortbildungsangebote. Die Beiträge liegen bei 0,15 Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens. Für Bremer gilt ein Freibetrag von 250 Euro, während im Saarland grundsätzlich Auszubildende und Minijobber vom Arbeitskammerbeitrag befreit sind.

Beachten Sie bei allen Beiträgen, dass Ihre Arbeitgeberanteile nicht zum Bruttolohn des Arbeitnehmers dazugehören.

 

Lohnabrechnung: Freibeträge und sonstige Bezüge

Neben Steuern und Sozialbeiträgen sind auch Freibeträge und sonstige Bezüge für die Lohnabrechnung wichtig. Beide Faktoren wirken sich auf die Lohnsteuer aus.

Freibeträge

Diese Freibeträge sind zu beachten:

  • Grundfreibetrag: Der Grundfreibetrag soll das Existenzminimum gewährleisten. Arbeitnehmer, die weniger als den Grundfreibetrag im Jahr verdienen, zahlen keine Einkommenssteuer. Für Ledige beträgt die Bemessungsgrenze 9000 Euro, für Paare doppelt so viel.
  • Kinderfreibetrag: Der Kinderfreibetrag ist dafür gedacht, die Versorgung der Kinder Ihrer Angestellten zu gewährleisten. Jedes Jahr ändert sich der Betrag: 2018 liegt dieser bei 4788 Euro. Er wird bei der Berechnung von Soli und Kirchensteuer abgezogen.
  • Erziehungsfreibetrag: Der Erziehungsfreibetrag soll der Finanzierung von Bildung, Betreuung und Erziehung der Kinder Ihrer Angestellten dienen. 2018 beträgt der Erziehungsfreibetrag 2640 Euro. Genau wie der Kinderfreibetrag wird er von Soli und Kirchensteuer abgezogen.
  • Ausbildungsfreibetrag: Der Ausbildungsfreibetrag kann dann vom jährlichen Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen werden, wenn der Arbeitnehmer ein Kind in schulischer oder betrieblicher Ausbildung hat. Voraussetzungen sind die Volljährigkeit des Kindes, sein Status als Auszubildender oder Student (auch im Ausland möglich), sein auswärtiger Wohnsitz und der noch bestehende Anspruch auf Kindergeld und Kinderfreibetrag. Der Freibetrag liegt bei 924 Euro.
  • Sparer-Pauschbetrag: Der Sparer-Pauschbetrag ersetzt seit 2009 den Sparerfreibetrag und stellt Einnahmen aus Kapitaleinkünften steuerfrei. Bei Ledigen liegt der Betrag bei 801 Euro, bei Paaren verdoppelt er sich.
  • Rabattfreibetrag: Der Rabattfreibetrag betrifft Sachbezüge, die der Arbeitnehmer im Rahmen seines Dienstverhältnisses erhält. Bei einem Wert bis zu 1080 Euro müssen die Bezüge nicht versteuert werden.

Sonstige Bezüge der Lohnabrechnung

Auch nicht-regelmäßige Zuwendungen, die sogenannten “sonstigen Bezüge”, werden bei der Lohnabrechnung berücksichtigt. Alles, was diese persönlichen Bezüge bei der Lohnabrechnung betrifft, ist in § 39b Abs. 3 EStG geregelt. Dazu gehören:

  • Urlaubsgeld
  • Weihnachtsgeld
  • Tantiemen
  • Abfindungen

 

Zur Berechnung des Steuerabzuges bei Berücksichtigung der sonstigen Bezüge nehmen Sie die Lohnsteuerjahrestabelle, um die Steuerbelastung zu verringern.

Sollten darüber hinaus noch Unklarheiten bei der Ermittlung des Nettolohns bestehen, suchen Sie am besten Ihren Steuerberater für eine individuelle rechtliche Auskunft auf.

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