Die GmbH – Das sind die Vorteile und Nachteile

10. November 2017 10 Minuten zu lesen
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Nicht umsonst wählen die meisten Unternehmer in Deutschland die GmbH als Rechtsform, denn sie kann gerade für das Ansehen des eigenen Unternehmens und auch die steuerliche Situation günstig sein für Gründer. Doch nicht für jedes Unternehmen eignet sie sich gleichermaßen – nicht nur, weil der organisatorische und finanzielle Aufwand hoch sind. firma.de informiert über die GmbH und ihre Vorteile und Nachteile.

 

Grundlegendes zur Rechtsform GmbH

Die Abkürzung GmbH steht für Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Aufgrund der Beschränkung der Haftung, d. h. der Haftung ausschließlich mit dem Gesellschaftsvermögen, ist sie in Deutschland die am weitesten verbreitete Rechtsform, und wird gerne von Unternehmern genutzt, die ihr Privatvermögen schützen und ihren Kunden und Geschäftspartnern einen zuverlässigen Eindruck vermitteln wollen. Bei der Gründung sind eine oder mehrere Personen beteiligt. Alle Rechte, die die GmbH betreffen, sind im GmbH-Gesetz geregelt.

Eine GmbH kann sowohl von einem einzigen als auch von mehreren Gesellschaftern gegründet werden, hier kann jede natürliche oder juristische Person (z. B. ein eingetragener Verein oder eine Aktiengesellschaft) als ein solcher dienen. Der oder die Gesellschafter ernennen die Geschäftsführer, die das Unternehmen nach außen vertreten. Es gibt jedoch auch sogenannte “Ein-Personen-GmbHs”, bei denen der Geschäftsführer gleichzeitig als Alleingesellschafter und Gesellschafterversammlung agiert.

 

Vorteile der GmbH

Gesellschafter und Geschäftsführer können die Vorteile der GmbH gewinnbringend nutzen. Hier ist eine kleine Übersicht darüber, wie sich die GmbH in rechtlicher und praktischer Sicht lohnen kann.

Rechtliche Vorteile der GmbH: Vermögensschutz und mehr

Von diesen rechtlichen Vorteilen können die Beteiligten einer GmbH profitieren:

  • Beschränkte Haftung: Gesellschafter haften ausschließlich mit dem Gesellschaftsvermögen, das eigene Privatvermögen bleibt unberührt
  • Möglichkeit, einen Fremdgeschäftsführer zu ernennen: d.h. ein Geschäftsführer, der kein Gesellschafter ist und sich daher nicht am Stammkapital beteiligt
  • Gründung einer GmbH ist nicht nur für deutsche Staatsbürger möglich, auch Ausländer können sich als Gesellschafter beteiligen
  • Möglichkeit, als Einzelperson zu gründen, in diesem Fall entfällt der normalerweise erforderliche notarielle Gesellschaftsvertrag und wird durch eine beglaubigte einseitige Willenserklärung ersetzt
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Praktische Vorteile der GmbH: Kompetentes Image und finanzielle Privilegien

Nicht nur im Recht, auch in der Praxis ergeben sich für Gesellschafter einige günstige Möglichkeiten. So kann nicht nur das Image des Unternehmens verbessert werden, sondern es ergeben sich auch viele finanzielle Vorteile.

  • Steuerliche Vorteile der GmbH: Erträge kosten zwischen 23 und 33 Prozent Steuern, Geschäftsführer können ihre Gehälter inklusive Altersvorsorge als Betriebsausgabe deklarieren
  • International hohes Ansehen aufgrund der Kapitalaufbringung und des Eintrages im Handelsregister, daher besonders vorteilhaft für Unternehmen, die eine internationale Präsenz anstreben
  • Jahresabschlüsse müssen im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht werden, was potenziellen Partnern ermöglicht, im Vorhinein einen Eindruck der Firma zu gewinnen
  • Rechtsform signalisiert Zuverlässigkeit und Sicherheit, was z. B. für Finanz- und Versicherungsdienstleister einen Wettbewerbsvorteil darstellen kann
  • Gesellschafter können Sacheinlagen anstelle von Kapitaleinlagen einbringen (Ausnahme: Ein-Personen-GmbHs)
  • Geleaste Wagen kann der Geschäftsführer als Betriebsausgabe abzusetzen, sodass mit der Leasingfirma eine Sonderzahlung vereinbart werden kann
  • Anteil der Kraftstoffkosten (30 Cent pro Kilometer Entfernung) kann der GmbH-Geschäftsführer für den eigenen Wagen für die Werbungskosten geltend zu machen und somit Fahrtkosten einzusparen (Beachten Sie hier bitte, dass das Finanzamt erwartet, dass die kürzestmögliche Strecke angesetzt wird!)
  • Freibeträge für Gesellschafter von Familienunternehmen: Wenn eine sogenannte “atypische stille Gesellschaft” installiert wird, wird die Firma gewerberechtlich wie eine Personengesellschaft behandelt und profitiert so von einem Freibetrag von 24.500 Euro — zahlt also weniger Steuern.

 

Was sind die Nachteile einer GmbH?

So ansprechend die rechtlichen und steuerlichen Vorteile der GmbH auch sind: die Rechtsform hat nicht nur Vorteile. Im Folgenden sind einige mögliche Nachteile einer GmbH aufgeführt, die für manche Unternehmer ein Hindernis darstellen können.

Rechtliche Nachteile der GmbH: Sorgfaltspflicht und Verluste bei Vernachlässigung

Die GmbH wird für ihren zuverlässigen Charakter geschätzt, doch dies hat seinen Preis. Diese möglichen Probleme sollten Gesellschafter und Geschäftsführer im Hinterkopf behalten.

  • Notwendigkeit eines schriftlichen Gesellschaftsvertrages (Ausnahme: Ein-Personen-GmbH)
  • Kosten für die Beauftragung eines Notars, da ein Gesellschaftsvertrag (bei der Ein-Personen-GmbH die einseitige Willenserklärung) beglaubigt werden muss
  • Pflicht zur Zahlung der Gewerbesteuer kraft Rechtsform
  • Hohe Anforderungen bei der Dokumentation: Die Buchführung sollte besonders gewissenhaft ausgeführt werden
  • Wenn die Jahresabschlüsse der Firma nicht im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht werden, müssen die Geschäftsführer mit ihrem persönlichen Vermögen haften
  • Pflicht zur Erstellung einer Jahresbilanz
  • Pflicht zur Einrichtung eines Aufrichtsrats, wenn die GmbH 500 Mitarbeiter oder mehr beschäftigt, finanzieller Aufwand durch Entlohnung der Aufsichtsratsmitglieder
  • Bei Sacheinlagen: Pflicht zur Erstellung von Gutachten
  • Im Fall einer Insolvenz: unvollständig eingebrachte Stammeinlagen müssen vom Privatvermögen bezahlt werden; wegen der nicht vorhandenen Gesellschafter gerade für Ein-Personen-GmbHs ein Problem

 

Praktische Nachteile der GmbH: Finanzielle Herausforderungen und formelle Komplikationen

Nicht nur rechtliche, auch praktische Nachteile einer GmbH sollten vor einer Gründung wohl bedacht werden. Insbesondere in der Anfangsphase können sie sich negativ auf die Unternehmensführung auswirken. Diese Punkte sollten künftige Gesellschafter bedenken.

  • Gebühren für den Eintrag ins Handelsregister, höhere Gebühren beim Einbringen von mindestens einer Sacheinlage
  • Weitere Gebühren beim Wechsel von Gesellschaftern oder Geschäftsführer, die dem Handelsregister mitgeteilt werden müssen
  • Hoher Gründungsaufwand: die Ausarbeitung des schriftlichen Gesellschaftsvertrages kann einiges an Zeit in Anspruch nehmen (Ausnahme: Musterprotokoll)
  • Hohe Gründungskosten: ein Mindestkapital von 25.000 Euro muss zur Verfügung stehen, mindestens die Hälfte davon muss zum Zeitpunkt des Eintrags ins Handelsregister auf dem Geschäftskonto vorliegen
  • Hohe Zusatzkosten von bis zu 2.000 Euro, beispielsweise für das Engagement eines Steuerberaters, Gutachters für Sacheinlagen oder eines Rechtsanwalts
  • Fehlende Möglichkeit für Ein-Personen-GmbHs, das Stammkapital in Form von Sacheinlagen einzubringen, dadurch hohe finanzielle Belastung für eine Einzelperson

 

Zusammenfassung: Warum eine GmbH gründen?

Warum eine GmbH gründen, trotz der umfangreichen Bürokratie? Die GmbH bietet viele Vorteile und Nachteile für Gründer. Wer mehr als das Mindeststammkapital aufbringen kann und hohen Wert auf eine international anerkannte Rechtsform mit hoher Verbindlichkeit legt, dem bietet sie sich als geeignete Alternative an.

Attraktive Gründe für eine GmbH sind die Haftungsbeschränkung, die bei Unternehmensverlusten das eigene Vermögen schont. Auch die steuerlichen Vorteile der GmbH sind nicht zu unterschätzen. Um aber die GmbH erst zu etablieren, sind hohe organisatorische und finanzielle Anforderungen zu erfüllen. Neben dem Stammkapital und zusätzlichen Kosten für Notare oder Buchhaltung stellt die Gefahr der mangelhaften Dokumentation ein nicht zu unterschätzendes Problem dar.

Aus diesem Grund ist Erstgründern, insbesondere denen mit geringem Budget und geringer unternehmerischer Erfahrung, von der Gründung einer GmbH abzuraten. Diese Gründer können bei der Rechtsformwahl die Unternehmergesellschaft (UG) als Alternative in Erwägung ziehen. Diese untererscheidet sich nur marginal von der GmbH, da sie auf derselben Rechtsgrundlage basiert wie die GmbH. Dort können sie auch mit geringem Startkapital von der Haftungsbeschränkung profitieren, allerdings muss das Stammkapital als Geldeinlage erbracht werden weil keine Sachgründungen möglich sind. Die UG kann bei Bedarf nachträglich in eine GmbH umgewandelt werden, sobald das notwendige Kapital vorliegt.

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