Die ungewollte GbR: Tipps für Bürogemeinschaften

aktualisiert am 29. August 2018 5 Minuten zu lesen
Teilen

Bürogemeinschaften sind besonders bei Gründern beliebt, denn so kann man von günstigen Mietkonditionen für größere Gewerberäume profitieren, sich mit Kollegen austauschen und gemeinsam ein Faxgerät nutzen. Das senkt die laufenden Kosten und erleichtert den Start. Doch wer nicht aufpasst landet schnell und ungewollt in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, kurz GbR.

 

Bürogemeinschaften und das Risiko einer ungewollten GbR

Viele Gründer, Freiberufler, Selbständige und Startups sehen nur die Vorteile einer Bürogemeinschaft und machen sich nicht klar, wie schnell Sie dabei in gefährliches Fahrwasser geraten können. Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts kommt nämlich nicht nur zustande, wenn die Parteien sich aktiv auf einen Gesellschaftervertrag einigen, sondern auch wenn es nach außen oder innen nur den Anschein einer GbR gibt. Dann teilen Sie sich nicht nur das Büro, sondern auch Haftung oder Schulden. Und das selbst fünf Jahre nach einem Auszug aus der Bürogemeinschaft oder dem Ausscheiden aus der GbR. Auch steuerlich hat die GbR Konsequenzen, Sie müssen nämlich gemeinsam Umsatz- und Gewerbesteuer bezahlen. Sieht das Finanzamt nachträglich in Ihrer Bürogemeinschaft eine GbR, dann kommen empfindliche Steuernachzahlungen auf Sie zu.

Denn obwohl Kooperationspartner (ob im Büro oder virtuell) nicht immer direkt eine GbR mit ihren Kollegen eingehen möchten, ist der Fall bezüglich Bürogemeinschaften aus Sicht des Finanzamts oft klar: Es entsteht eine GbR, eine sogenannte Innen-GbR. Eine Innen-GbR wird von der Außenwelt nicht als eine solche wahrgenommen, es gelten für sie andere Bestimmungen als bei einer Voll- oder Außen-GbR. Dennoch gelten für den „Tatbestand GbR“ einige Regelungen, beispielsweise übernehmen die Gesellschafter, ungewollt oder nicht, die Haftung für die nicht gezahlte Miete eines anderen Gesellschafters.

Erfolg professionell sichern: firma.de vermittelt Ihnen den richtigen Anwalt. Egal, welche Geschäftsidee Sie verfolgen, Sie erhalten eine individualisierte Beratung und eine rechtliche Orientierung. Von Anfang an richtig handeln.

 

So beugen Sie einer ungewollten GbR vor:

  • Für Kunden und Außenstehende muss ersichtlich sein, dass es sich um einzelne und eigenständig arbeitende Unternehmer handelt. Achten Sie deshalb auf getrennte Klingelschilder und unterschiedliche Corporate Identitys, auch online.
  • Legen Sie den Grundstein für eine Bürogemeinschaft und gegen eine GbR, indem Sie auf ein eindeutiges, vertraglich sauberes Untermietverhältnis bestehen.
  • Beschränken Sie Synergien auf die Nutzung des Kopierers, der Küche, etc.
  • Arbeiten Sie gemeinsam an einem Projekt oder für einen Kunden, dann stellen Sie sich gegenseitig Rechnungen aus.
  • Teilen Sie sich keine Angestellten. Mit einer geteilten Sekretärin gehen Sie fast automatisch eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts ein.
  • Gründen Sie eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE) für einen begrenzten Zeitraum, wenn doch eine engere Kooperation gewünscht ist.
  • Kommen Sie der schleichenden GbR-Formierung zuvor und gehen Sie in die Offensive. Setzen Sie einen Gesellschaftervertrag auf und benennen Sie genau den Geschäftszweck. So trennen Sie die GbR von anderen Geschäftsbereichen.

Eine weit verbreitete Taktik zur Vermeidung einer ungewollten GbR ist die gegenseitige und abwechselnde Stellung von Rechnungen. Sofern die Trennung der Geschäftstätigkeiten sichtbar ist und kein gemeinsames Briefpapier verwendet wird, spricht nach außen nichts für die Führung einer GbR.

Sollte die Bürogemeinschaft jedoch als Team auftreten oder einen gemeinsamen Internetauftritt haben, sieht es schlecht aus, denn dann nutzt auch die Rechnungs-Taktik nichts mehr und bei der nächsten Betriebsprüfung könnte das Finanzamt durchaus eine GbR feststellen.

Die Übergänge, was als GbR zählt und was nicht, sind jedoch fließend, deshalb sollten Sie bereits vor Beginn der Tätigkeit eine gemeinsame Risikoanalyse erstellen. Denn auch eine ungewollte GbR lässt sich nicht ohne Weiteres auflösen.

Manchmal kann es jedoch auch sinnvoll sein, eine GbR zu gründen. Insbesondere für Freiberufler bietet sich die GbR als Rechtsform oft an. Lesen Sie in diesem Ratgeberartikel, wieso eine GbR sich für Freiberufler eignet.

 

Die auf unserer Seite veröffentlichten Informationen werden allesamt von Experten mit größter Sorgfalt verfasst und überprüft. Dennoch können wir nicht für die Richtigkeit garantieren, da Gesetze und Regelungen einem stetigen Wandel unterworfen sind. Ziehen Sie deshalb bei einem konkreten Fall immer einen Fachexperten hinzu – wir stellen gerne den Kontakt her.

firma.de übernimmt keinerlei Haftung für durch Fehler in den Texten entstandene Schäden.

Jetzt weiterstöbern im Ratgeber!