firma.de warnt vor Betrugsschreiben bei Handelsregistereinträgen

aktualisiert am 10. September 2020 7 Minuten zu lesen
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Sie sind wieder aktiver denn je: Betrüger, die Unternehmensgründern gefälschte Handelsregisterrechnungen zuschicken und damit Beute machen. Acht Briefe, von denen kein einziger das offizielle Schreiben des Amtsgerichtes war, erhielt zuletzt ein Gründer – täglich überweisen unzählige Firmen ihr Geld an die Abzocker. Es gilt also stets: Vorsicht ist besser als Nachsicht! Hier erfahren Sie, wie die falschen Dokumente aussehen und wie Sie den Betrügern nicht auf den Leim gehen.

  1. Die 10 Stationen Ihrer Gründung: Checkliste

    1. Geschäftsidee entwickeln
    2. Beratung und Vorbereitung
    3. Rechtsform auswählen
    4. Namensprüfung durch IHK
    5. Beurkundung beim Notar
    6. Eröffnung des Geschäftskontos
    7. Handelsregistereintragung      <<     Sie befinden sich in Schritt 7
    8. Gewerbeanmeldung
    9. Anmeldung beim Finanzamt
    10. Erste Schritte als Unternehmer

So läuft der Betrug ab

Da Änderungen im Handelsregister seit 2009 auch im Internet veröffentlicht werden, wissen die Betrüger, wann und wo sie ihre gefälschten Rechnungen hinschicken müssen. Der Betrug funktioniert immer nach demselben Prinzip: Einige Tage nach der Eintragung ins Handelsregister erhalten Gründer einen Brief, der den Eindruck erwecken soll, er sei vom Amt ausgestellt worden. Der Gründer soll nun für die Eintragung ins Handelsregister einen Betrag zwischen 150 und 1.200 Euro bezahlen.

 

Fake-Rechnung: Darauf müssen Sie achten

Die Fälschungen sind kaum von offiziellen, amtlichen Schreiben zu unterscheiden und enthalten meistens diese Merkmale:

  • Aktenzeichen
  • Landeswappen
  • Behördliches Kassenzeichen
  • Belegnummern
  • Irreführender Absender/ Firmenname (angelehnt an das Wort Handelsregister)
  • Beschreibungen in Betreffzeile, die auf Veröffentlichung oder Veränderung im Industrie- oder Handelsregister verweisen
  • Layout: Druck auf behördentypischem Papier in amtstypischer Schriftart

 

Prüfen Sie diese Merkmale genau

  • Rechnungsbetrag: Der Handelsregistereintrag einer UG oder GmbH (Bargründung) beträgt 150 Euro. In seltenen Fällen kommen noch geringe Verwaltungsgebühren hinzu. Betrüger verlangen sehr unterschiedliche Summen, manche aber eben genau diesen Betrag von 150 Euro, um möglichst wenig Verdacht zu erzeugen.
  • Begünstigter der Überweisung: Hier sollte die Justizkasse des Bundeslandes oder eine ähnliche öffentliche Kasse vermerkt sein – niemals aber ein Privatunternehmen!
  • Kleingedrucktes: Besonders dreiste Betrüger versuchen Gründer zusätzlich in eine Abo-Falle zu locken. D.h. mit Zahlung der Rechnung schließen sie einen Vertrag ab, der zu monatlichen Beiträgen verpflichtet.
  • Fristen und Säumnisgebühren: Die Zahlungsfrist der Fake-Rechnungen beträgt meist zwischen drei und sieben Werktagen. Nicht selten wird mit Säumnisgebühren gedroht, um den Empfänger zum schnellen Überweisen zu bringen. Das übliche Zahlungsziel der offiziellen Rechnung sollte 14 Tage sein.

Häufig kommt das Betrugsschreiben sogar noch bevor der offiziellen Rechnung vom Amtsgericht, sodass Unternehmer den Betrag in Erwartung einer offiziellen Rechnung ohne weitere Prüfung überweisen.

Handelsregisterschreiben Fake
Beispiel 2018: Veränderung Handelsregistereintrag

Leider dürfen wir die Namen der Firmen, die diese Schreiben versenden, aus rechtlichen Gründen nicht veröffentlichen. Obige Beispiele dürften dennoch verdeutlichen, wie die meisten dieser Rechnungen aufgebaut sind und mit welchen optischen Tricks verschleiert werden soll, dass der Urheber keine amtliche Einrichtung ist.

 

Achten Sie auf das Kleingedruckte!

Das Problem des Betrugs: Er ist nicht eindeutig illegal. Überweist der Gründer den Betrag an die Trickbetrüger, wird das Unternehmen in eine tatsächliche Onlinedatenbank eingetragen. Diese hat jedoch keinerlei Funktion oder Nutzen. Erst das Kleingedruckte weist darauf hin, dass es sich bei der Eintragung um ein Unternehmensregister bzw. kostenpflichtiges Branchenbuch handelt, nicht aber das offizielle Handelsregister. Über 100.000 Menschen sind bereits Opfer der Betrüger geworden. Es wird vermutet, dass sich die Höhe des Schadens auf eine zweistellige Millionensumme beläuft.

 

Wie muss ich mich verhalten, wenn ich ein solches Schreiben erhalte?

Rufen Sie beim örtlichen Amtsgericht an. Dort erhalten Sie Auskunft darüber, ob eine Rechnung wirklich echt ist oder ob es sich um einen Betrug handelt. Sind Sie sich unsicher, rufen Sie bei firma.de an – wir helfen Ihnen gerne weiter.

Sprechen Sie mit uns, wenn Sie unsicher sind.
Unser Service-Team erreichen Sie im firma.de-Chat, per E-Mail unter service@firma.de oder unter der Rufnummer 0611 – 17 207 -0.

Was soll ich tun, wenn ich die Fake-Rechngung bereits bezahlt habe?

Zwar hat der Bundesgerichtshof viele der gefälschten Rechnungen als Betrug und arglistige Täuschung identifiziert, dennoch lässt sich nur schwer dagegen vorgehen. Prinzipiell kann auch noch nach einer Überweisung der Vertrag angefochten werden. Dazu sollten Sie sich an einen Anwalt oder den Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität wenden. Aber: Im schlimmsten Fall ist das Geld verloren. Seien Sie also unbedingt achtsam!

 

Betrüger sind erfinderisch

Die Betrüger scheuen sich im Übrigen nicht davor, mit anderen Arten von Rechnungen neue Betrugsversuche zu unternehmen. Auch bei der Anmeldung beim Patent- und Markenamt entsteht eine Gebühr. Das nutzen die Betrüger und verschicken ebenfalls mit der gleichen Masche gefälschte Zahlungsaufforderungen.

Beispiel  EU-Markenanmeldung

 

Wenn Sie eines dieser Schreiben oder ein ähnliches erhalten, ist es wichtig, zunächst nicht zu überweisen. Rufen Sie beim jeweiligen Amt an und fragen Sie nach, ob die Rechnung tatsächlich echt ist. Falls nicht, melden Sie den Betrug direkt dem Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität.

Haben Sie ein solches Schreiben erhalten und eventuell Ihr Geld zurückbekommen? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen auf Facebook mit.

 

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